Lebensdaten
1805 bis 1881
Geburtsort
Pilsen
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Arzt ; Internist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119034603 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Škoda, Joseph
  • Skoda, Joseph
  • Škoda, Joseph
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Skoda, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034603.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1588 in Dolany b. P. nachweisbarer Fam., zu der u. a. d. Grundbes. u. Viehhändler Bartholomäus (Bartoloměj) in Letkov (Ledkov) (erw. um 1650) u. dessen S Gregor (Řehoř) (um 1650–1719), Dorfrichter in Letkov, gehören;
    V Johann Adalbert (Jan Vojtěch Š.) (* 1769), aus Letkov, Schlossermeister seit 1799 in P.;
    M Anna Smyčkova;
    B Franz (František) (1801–88, österr. Rr. 1867), Stadtarzt u. später Kreisarzt in Pilsen, 1841 Kreisarzt in Klattau, zuletzt Landessanitätsreferent in Böhmen (s. Gen. 2);
    N Emil Rr. v. S. (s. 2);
    Gr-N Karl Frhr. v. S. (s. 3).

  • Leben

    Š. wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf, konnte aber aufgrund seiner Begabung in Pilsen eine höhere Schulausbildung absolvieren. Seit 1825 studierte er wie sein älterer Bruder an der Univ. Wien Medizin, finanzierte sein Studium als Hauslehrer und betrieb zusätzlich math.-physikal. Studien. 1831 promoviert, war er 1832 als Cholerabezirksarzt in Böhmen tätig, kehrte aber 1833 wieder nach Wien zurück, wo er als Sekundararzt in das Allgemeine Krankenhaus eintrat. In den folgenden Jahren befaßte sich Š. intensiv mit den theoretischen Grundlagen der von Leopold v. Auenbrugger (1722–1809) bereits 1761 erfundenen Methode der Perkussion und führte mit Carl v. Rokitansky (1804–78) pathol.-anatom. Untersuchungen durch. Es zeigte sich, daß die bei der Perkussion des Brust- und Bauchraumes hörbaren Geräusche alleine durch den Luftgehalt des jeweiligen Gewebes zustande kommen, und nicht durch spezifische Schallqualitäten der einzelnen Organe, wie die sog. Franz. Schule lehrte. Dadurch stellte Š. die Perkussion auf eine empirisch gesicherte Grundlage und schuf für die Diagnostik der Herz-Kreislaufund Gefäßerkrankungen eine völlig neue, naturwissenschaftlich fundierte Basis. Seine Erkenntnisse veröffentlichte Š. 1839 in seiner epochalen „Abhandlung über Perkussion und Auskultation“ (61864, engl. 1853, ital. 1864). Gemeinsam mit dem Chirurgen Franz Schuh (1804–65) gelang Š. 1840 die erste Punktion eines Perikardergusses am Lebenden (in: Med. Jbb. 34, 1841, S. 304 ff.). Wie einst Auenbrugger mußte auch Š. zunächst um die Anerkennung seiner Lehre durch die herrschenden Autoritäten der Univ. Wien kämpfen, wurde sogar vorübergehend wegen Ungehorsams an die Irrenabteilung versetzt. 1839 wurde Š. eine Bezirksarmenarztstelle in der Wiener Vorstadt St. Ulrich übertragen. 1841 wurde er mit der Führung einer neu eingerichteten Abteilung für Brustkranke im Allgemeinen Krankenhaus beauftragt. Dank der umsichtigen Förderung durch den Sanitätsreferenten bei der Studienhofkommission Ludwig v. Türckheim (1777–1846) gelangte Š. schließlich auch zu akademischer Anerkennung. 1846 erhielt er die Professur|für spezielle Pathologie und Therapie innerer Krankheiten an der Univ. Wien und die damit verbundene Führung der I. Med. Univ.-Klinik im Allgemeinen Krankenhaus (1871 krankheitshalber em.). Seine Vorlesungen hielt Š. in dt. anstatt wie bisher üblich in lat. Sprache.

    Auf therapeutischem Gebiet wurde Š. Nihilismus vorgeworfen, doch war er lediglich bestrebt, nur wissenschaftlich erprobte Arzneimittel, wie etwa Digitalispräparate, zu verwenden und die herrschende Polypragmasie möglichst einzudämmen. Tatsächlich war Š. der erste moderne Kliniker der II. Wiener Medizinischen Schule, die er mit Rokitansky anführte. Š. erwarb sich auch große Verdienste auf dem Gebiet der Hygiene. Im Zuge der Typhusbekämpfung setzte er sich gemeinsam mit der „k. k. Gesellschaft der Ärzte in Wien“ nachdrücklich für die Errichtung einer Hochquellenleitung zur Wasserversorgung von Wien und für eine moderne Kanalisation ein. Weitere sozialhygienische Anliegen betrafen sein Eintreten für die Auflassung der zwangsweise eingerichteten Desinfektionsanstalten, Maßnahmen zur Tierseuchenverhütung, die Einführung des Impfzwangs (Vaccination gegen Pocken) und die Verbesserung des Findelhauswesens z. B. durch Gründung von sog. Krippenanstalten. Š. trat bereits 1849/50 vor der Akademie der Wissenschaften und in der Gesellschaft der Ärzte in Wien für die neue Lehre von Ignaz Semmelweis (1818–65) zur Verhinderung des Kindbettfiebers ein. Ebenso förderte S. die dermatologische Spezialisierung von Ferdinand v. Hebra (1816–80), dem er an seiner Abteilung für Brustkranke ab 1841 die Betreuung des sog. „Ausschlagzimmers“ anvertraute. Zu Š.s bedeutenden Schülern zählte der Internist und Laryngologe Leopold Schrötter v. Kristelli (1837–1908). Sein Vermögen stiftete Š. bereits zu Lebzeiten für die Armenfürsorge und wohltätige Institutionen.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (wirkl. 1848) u. d. Leopoldina (1858); Š.-Gasse in Wien (seit 1881); Gedenktafel ebd. an Haus Nr. 13 (1883).

  • Werke

    Unters.methode z. Bestimmung d. Zustandes d. Herzens, in: Med. Jb. 27, 1839, S. 528–58;
    Über d. v. Dr. Semmelweis entdeckte wahre Ursache d. Erkrankungen d. Wöchnerinnen, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien 3, 1849, S. 168–80, auch in: Zs. d. Ges. d. Ärzte in Wien 6/1, 1850, S. 107–17;
    Über d. Zweckwidrigkeit d. Desinfektions-Verfahrens in Wien, Vortr. vor d. Ges. d. Ärzte in Wien v. 15. Febr. 1856, in: Wbl. d. Zs. d. Ges. d. Ärzte in Wien 2, 1856, S. 162 (mit St. v. Endlicher);
    Gutachten über d. Projekt d. Wientalwasserltg., in: Beil. zu Nr. 23 d. Anz. d. Ges. d. Ärzte in Wien 1881, S. 9;
    Schreiben an d. Ges. d. Ärzte in Wien über d. Projekt e. Wientalwasserltg., ebd., S. 210;
    zahlr. theoret. u. klin.-kasuist. Btrr. v. a. in d. Allg. Wiener med. Ztg.

  • Literatur

    ADB 34;
    Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 32, 1882, S. 265 ff. (W-Verz.);
    M. Sternberg, in: Meister d. Heilkde. 6, 1924 (W-Verz., P);
    H. Nothnagel, in: Med.-chirurg. Zbl. 33, 1898, S. 321 ff.;
    L. v. Schrötter, in: Wiener klin. Wschr. 19, 1905, Nr. 50;
    E. Lesky, ebd. 68, 1956, S. 726–29;
    dies., Die Wiener Med. Schule im 19. Jh., 21978, S. 142–49;
    Z. Hornof, J. S. als Choleraarzt in Böhmen, in: Clio Medica 2, 1967, S. 55–62;
    Lb. Böhmen I, 1974, S. 197–233;
    A. Sakula, A Centenary Tribute to a Pioneer in Thoracic Medicine, in: Thorax 36, 1981, S. 404–11;
    H. Wyklicky, Die Vollendung d. Erfindungen v. Auenbrugger u. Laënnec durch J. S., in: Wiener klin. Wschr. 93, 1981, S. 501;
    ders., in: Enz. Med.gesch., 2005;
    Wurzbach;
    Hirsch;
    Pagel (P);
    BLÄ;
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien;
    DSB;
    Lex. Naturwiss.;
    Personenlex. Österr. (P).

  • Portraits

    P Büste v. K. Kundmann, 1898 (Wien, Arkadenhof d. Univ.), Abb. in: Th. Maisel, Gelehrte in Stein u. Bronze, 2007, S. 81, Nr. 102;
    Lith. v. A. Prinzhofer.

  • Autor/in

    Gabriela Schmidt-Wyklicky
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt-Wyklicky, Gabriela, "Skoda, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 487-488 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034603.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Skoda: Joseph S., Arzt und berühmter Kliniker, ist am 5. December 1805 in Pilsen als Sohn eines armen Schlossers geboren. Nachdem er seine Gymnasial- und philosophischen Studien in seiner Vaterstadt absolvirt hatte, ging er 1825 nach Wien, um hier Medicin zu studiren. Im Juli 1831 wurde er zum Doctor der Medicin promovirt und trat sofort als Cholera-Arzt in Böhmen in die Praxis; doch kehrte er bald wieder nach Wien zurück, wo er vom Jahre 1832 bis 1837 Secundararzt am allgemeinen Krankenhause war. 1833 bewarb er sich vergebens um die damals neu geschaffene Assistentenstelle bei der Lehrkanzel für gerichtliche Medicin. 1839 wurde er von der Statthalterei als Armenarzt in St. Ulrich angestellt. In dem genannten Jahre erschien auch seine anfangs nicht beachtete, später so berühmt gewordene und in 7 Auflagen erschienene „Abhandlung über Percussion und Auscultation“, nachdem schon früher als Resultat eingehender Beobachtungen und namentlich auch pathologisch-anatomischer Studien (unter Rokitansky) einzelne Aufsätze über denselben Gegenstand in den „Oesterreichischen Jahrbüchern“ erschienen waren. 1840 wurde mittelst Hofkanzleidecrets vom 13. Februar die Errichtung einer Abtheilung für Brustkranke bewilligt und S. mit deren Leitung betraut, ohne allerdings dafür eine Vergütung zu erhalten. 1841 wurde er Primararzt im allgemeinen Krankenhause und hatte in dieser Eigenschaft neben seiner Abtheilung für Brustkranke auch eine ebensolche für andere innerlich Kranke und für Hautkranke zu versehen. 1846 wurde S. zum Professor der medicinischen Klinik ernannt und begann am 15. October desselben Jahres seine nachmals so erfolg- und ruhmreich gestaltete Lehr- und Forscherthätigkeit an der Wiener Universität, speciell auf dem Gebiete der physikalischen Untersuchungsmethoden. Auf sein besonderes Gesuch hin wurde ihm 1848 die Erlaubniß ertheilt, sich bei seinen Vorträgen statt der bis dahin üblichen lateinischen der deutschen Sprache zu bedienen. Sein klinischer Unterricht, insbesondere die Verdienste, die er sich um die Ausbildung und Vervollkommnung der physikalischen Diagnostik erwarb, verschafften ihm mit Recht einen Weltruf, verhalfen ihm zu vielen äußeren Ehrenbezeigungen und führten ihm eine ganz außerordentlich große Zahl von Schülern aus studentischen und ärztlichen Kreisen aus allen Theilen der Welt, speciell zur Erlernung der Technik und Methodik der Auscultation und Percussion zu. Ende December 1870, nach 25jähriger Wirksamkeit, trat S. aus Gesundheitsrücksichten von der Lehrkanzel zurück, bei welcher Gelegenheit ihm zahlreiche Ovationen von gelehrten, ärztlichen und studentischen Körperschaften, sowie von Seiten des Kaiserlichen Hofes bereitet wurden. Er lebte seitdem ziemlich zurückgezogen, verfolgte aber die Fortschritte der Wissenschaft, sowie die Vorgänge im socialärztlichen Leben, namentlich aber in der Gesellschaft der Aerzte, deren Ehrenpräsident er war, bis an sein Lebensende mit lebhaftem Interesse. Nach längeren, zum Theil ziemlich qualvollen, aber mit großer Geduld getragenen Leiden starb S. am 13. Juni 1881. Außer mit den obengenannten Abhandlungen, sowie mit einigen Berichten über die auf der Abtheilung für Brustkranke im Wiener|allgemeinen Krankenhause behandelten Kranken (vom Jahre 1840 ab in den Oest. med. Jahrbb.), ferner Aufsätzen „über den Herzstoß und die durch die Herzbewegung verursachten Töne“ (Ebda. Jahrg. XXII) und „Zur Untersuchung des Unterleibes“ (Ebdd. Jahrg. XXXIII) u. A. ist S. litterarisch nicht weiter hervorgetreten. Dafür ist aber die erstgenannte, weltbekannte Abhandlung über Percussion und Auscultation um so bedeutender und bezeichnet einen Wendepunkt in der Geschichte der physikalischen Untersuchungsmethoden. Nach Inhalt und in ihrer knappen, nüchternen, prunklosen, streng fachlichen Form classisch zu nennen, bildet sie die Grundlage aller von späteren Forschern angestellten Untersuchungen und für alle weiteren über diesen Gegenstand erschienenen Lehrbücher und sonstigen Veröffentlichungen. Die in ihr aufgestellten Lehrsätze sind auch heute noch in Geltung. Danach muß S. als Derjenige angesehen werden, der zuerst gewisse Kategorieen von Schallerscheinungen unterscheiden lehrte, die der physikalischen Configuration und Beschaffenheit der Gewebe und Organe entsprechen, und demgemäß die Athmungsgeräusche in vesiculäre, unbestimmte und bronchiale eintheilte, bei der Percussion den vollen vom leeren, den hellen vom dumpfen, den hohen vom tiefen, den tympanitischen vom nicht tympanitischen Tone sonderte, überdies im Gegensatz zur früheren unvermittelten Identificierung der physikalischen Erscheinungen mit bestimmten Krankheitstypen zuerst betonte, daß jene an und für sich nur auf bestimmte physikalische Zustände im Organismus hindeuteten und „daß der rationelle Arzt erst mit Hilfe seiner pathologischanatomischen Erfahrungen aus den Ergebnissen der physikalischen Untersuchung die wirklich vorhandenen inneren Krankheiten erkennen könne“. — Seine unsterblichen Leistungen auf dem genannten Gebiete bedeuten einen ungeheuren Fortschritt; ihnen sind die glänzenden Resultate, welche in jüngster Zeit mit Hülfe der physikalischen Untersuchungsmethoden am Krankenbett haben erreicht werden können, in erster Linie zu danken. Nicht mit Unrecht wird darum S. neben Rokitansky als das Haupt der jüngeren Wiener Schule angesehen.

    • Literatur

      Vgl. meinen Artikel in Hirsch's und Gurlt's Biogr. Lexikon hervorragender Aerzte V, 429 und die daselbst angegebenen Quellen.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Skoda, Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 446-447 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034603.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA