Lebensdaten
1863 bis 1939
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Filmpionier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118797514 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Skladanowsky, Max Richard
  • Skladanowsky, Max
  • Skladanowsky, Max Richard
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Zitierweise

Skladanowsky, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797514.html [20.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Theodor (1830–97), Steinpappwarenfabr., dann Schausteller, Nebelbildvorführer;
    M Luise Auguste Ernestine Bösinger (1833–83);
    B Eugen (1859–1945), Emil (1866–1945), Schausteller, Nebelbildvorführer;
    1) 1890 Else Ranzen ( 1891), 2) 1896 Gertrud Anna Pauline Marx (1874–1930);
    1 S Erich ( 1966), Nebelbildvorführer, Filmhistoriker, 3 T u. a. Gertrud, Lucie Hürtgen-S. (1904–2001), Ehrenmitgl. d. Ver. „Die ersten 100 J. Kino in Berlin“.

  • Leben

    S. besaß handwerkliche Kenntnisse als Glasmaler und als Photograph. Zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Emil reiste er seit 1879 durch Europa und führte durch Überlagerung und schrittweises Ausblenden zweier auf dieselbe Fläche projizierter Diapositive erzeugte „Nebelbilder“ vor. Vermutlich 1894 baute S. eine erste Filmkamera, den „Kurbelkasten I“, der den Charakter einer Serienbildkamera besaß. Damit machte er 1894 – nicht, wie er später selbst angab, bereits 1892 – erste Probeaufnahmen. Im Mai 1895 nahm er verschiedene Varieté- und Zirkusnummern auf, u. a. „Das boxende Känguruh“. Diese Filme führte S. erstmals am 1.11.1895 mit einem aus einfachsten Bestandteilen konstruierten Projektor (Bioskop I) im damals größten Berliner Varieté „Wintergarten“ etwa 1500 begeisterten Zuschauern vor. Das „Bioskop I“ steht technisch zwischen der Serienbildprojektion mittels eines Nebelbildprojektors und einem modernen Filmprojektor. Weitere Vorführungen mit dem „Bioskop I“ fanden bis 1896 in Hamburg, Halle, Köthen, Magdeburg, Oslo, Amsterdam, Groningen, Kopenhagen und Stockholm statt. Ein geplantes Gastspiel in Paris wurde von den franz. Filmpionieren Auguste und Louis Lumière verhindert. Die Gebrüder S. erkannten, daß ihr Projektor gegenüber dem „Cinematographen“ der Lumières technisch unterlegen war. 1896 baute S. den „Kurbelkasten II“ und das „Bioskop II“ und nahm verschiedene Berliner Straßenszenen auf. Die eindrucksvollsten zeigen die Straße Unter den Linden und den Alexanderplatz. Diese Aufnahmen führte er mit seinem Bruder Emil im März 1897 in Stettin vor. Danach verlegte er sich sehr erfolgreich auf die Produktion von Daumenkinos und die stereoskopische Photographie. 1913 und 1914 drehte er noch einmal zwei Filmburlesken, in denen sein Bruder Eugen jeweils die Hauptrolle spielte (Eine Fliegenjagd oder d. Rache d. Frau Schulze, Die moderne Jungfrau v. Orléans).

    Seit 1924 trat S. mit seinen Erfindungen aus den Jahren 1895–97 wieder an die Öffentlichkeit. Durch Falschdatierungen erhob er den Anspruch, als „eigentlicher Erfinder des Kinos“ zu gelten. Der Filmpionier Oskar Messter (1866–1943) versuchte in dem darauf einsetzenden, heftig geführten „Erfinderstreit“, S.s filmhistorische Bedeutung zu schmälern. Allerdings waren selbst die Nationalsozialisten nicht davon zu überzeugen, S. als „deutschen Erfinder des Films“ gegen die Ansprüche der Lumières propagandistisch aufzubauen. Der Streit um S.s tatsächliche Verdienste fand erst 1995 mit der Kenntnis der Werk- und Rezeptionsgeschichte einen gewissen Abschluß. S. gehört zu der kleinen Gruppe von Filmpionieren, die weltweit zwischen 1892 und 1896 am Problem der Filmaufnahme und -projektion arbeiteten. Wenn auch seine Erfindung technisch nicht wegweisend war, gehörte er zu den wenigen, denen eine funktionierende Projektion von Bewegtbildern vor Publikum gelang. S.s Berliner Straßenszenen von 1896 haben bleibenden kulturhistorischen Wert. Seine Filme sind die ersten kinematographischen Szenen, die in Deutschland aufgenommen wurden.

  • Auszeichnungen

    Gedenktafel am Wohnhaus in d. Waldowstr., Berlin; S.str., Berlin (1951).

  • Werke

    Ital. Bauerntanz;
    Komisches Reck;
    Der Jongleur;
    Das boxende Känguruh;
    Akrobat. Potpourri;
    Kamarinskija;
    Ringkampf;
    Der Erfinder des Bioscops, alle 1895 (Wintergartenprogr.);
    Alarm d. Berliner Feuerwehr;
    Ausfahrt d. Berliner Feuerwehr;
    Alexanderplatz in Berlin: Einfahrt e. Eisenbahnzuges;
    Die Neue Wache in Berlin: Unter den Linden in Berlin: Die Wachparade kommt;
    Eine kleine Szene aus d. Straßenleben in Stockholm;
    Apotheose II, alle 1896;
    Patente:
    Vorrichtung z. intermittirenden Vorwärtsbewegen d. Bildbandes f. photogr. Serien-Apparate u. Bioskope, DRP 88 599, 1895;
    Teilnachlässe:
    Univ. Köln, Theaterwiss. Slg.;
    BA Berlin, Filmarchiv;
    BA Koblenz.

  • Literatur

    C. Niessen, Der „Film“, e. unabhängige dt. Erfindung, 1934;
    A. Narath, M. S., 1970;
    J. Castan, M. S. oder d. Beginn e. dt. Filmgesch., 1995 (P);
    J. Trimborn, Slg. M. S., Aus d. Nachlaß e. Filmpioniers, Ein Bestandsverz. d. Theaterwiss. Slg. d. Univ. zu Köln, 1997;
    W. Jacobsen, A. Kaes u. H. H. Prinzler (Hg.), Gesch. d. dt. Films, 22004;
    Kosch, Theater-Lex.;
    CineGraph;
    – Erich Skladanowsky, Vom bunten Nebelbild z. weltumspannenden Zelluloid, o. J. (Ms.);
    Film:
    W. Wenders, Die Gebr. S., 1996.

  • Autor/in

    Joachim Castan
  • Empfohlene Zitierweise

    Castan, Joachim, "Skladanowsky, Max" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 486-487 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797514.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA