Lebensdaten
1911 bis 1991
Geburtsort
Berlin
Beruf/Funktion
Publizist ; Zeitungsherausgeber
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116015225 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paeschke, Hans Karl Hermann
  • Paeschke, Hans
  • Paeschke, Hans Karl Hermann

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Paeschke, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116015225.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Reinhold (1868–1945), Oberlehrer;
    M Martha Maria Clara Riemschneider (1881–1927), Studienrätin;
    1946 Thais v. Falz-Fein (1911–88).

  • Leben

    P. studierte 1930-36 Rechtswissenschaften in Berlin, Genf und Paris, außerdem betrieb er philosophische und literaturwissenschaftliche Studien. 1932-34 war er Sekretär der „Deutsch-franz. Gesellschaft“, dabei hatte er Kontakte mit Paul Valéry und André Gide. Seit 1936 begann er Film- und Literaturkritiken und Essays vor allem in der Wochenschrift „Deutsche Zukunft“ zu publizieren. 1939-44 war er Chefredakteur der von Peter Suhrkamp herausgegebenen Zeitschrift „Die Neue Rundschau“. 1942-45 hatte er als Mitglied der deutschen Spionageabwehr auch Beziehungen zur Résistance. 1946/47 gab P. die Zeitschrift „Lancelot“ heraus, seit 1947 war er Mitglied des Präsidiums des Südwestdeutschen Kulturrings. Im selben Jahr gründete er in Baden-Baden, dem Sitz der franz. Militärregierung, mit Joachim Moras (1902–61) die Monatszeitschrift „Merkur, Deutsche Zeitschrift für europ. Denken“, deren Herausgeber er bis 1978 blieb.

    In der ersten Phase bis Anfang der 50er Jahre war der „Merkur“ liberal-konservativ, mit starker Betonung des Kulturellen. 1948-62 erschien die Zeitschrift bei der Deutschen Verlagsanstalt. In der zweiten (national-liberalen) Phase öffnete sie sich stärker politischen Themen, vor allem der Frage der deutschen Wiedervereinigung. In der dritten (links-liberalen) Phase seit Beginn der 60er Jahre, als es P., angesichts eines notwendigen Verlagswechsels (Kiepenheuer & Witsch) gelang, die unabhängige Stellung der Zeitschrift zu wahren, waren Studentenbewegung, Emanzipationspädagogik und Ostpolitik besonders wichtig, außerdem philosophische und ästhetische Fragestellungen. Seit 1968 erschien die Zeitschrift im Verlag Klett-Cotta, seit 1978 wird sie von der „Ernst H. Klett Stiftung Merkur“ getragen.

    Statt einer programmatischen Erklärung gab P. 1947 im ersten Heft der Beschreibung einer Haltung den Vorzug: Sie handelte von der Anerkenntnis der deutschen Schuld, wandte sich gegen Verbalradikalismus und Utopismus und versuchte Spannungen und Kontraste zu versammeln. Die Verbindung von Frankophilie und angelsächs. Pragmatismus sowie die konkrete Erprobung politischer und ästhetischer Ansichten und Argumente am Gegenstand war für den Intellektuellen P. wie für seine Zeitschrift eine Charakteristikum; was manche als Widersprüche kritisierten, war für P. die Kraft der „Gegenwirkung“, wie er sein Konzept nannte. Er veröffentlichte als Herausgeber relativ wenig, nur etwa 30 Beiträge: Die Zeitschrift selbst war in Konzeption und Komposition sein publizistisches Werk, und auch in vielen Essays der engeren Mitarbeiter war P. präsent, indem er in ausführlichen Briefen die Themen entwickelte und diskutierte, Anregungen gab und Kritik äußerte. Die für ihn wichtigsten Autoren in 32jähriger Herausgeberschaft waren Gottfried Benn, Arnold Gehlen, Ernst Robert Curtius, Margret Boveri, Hannah Arendt, Günther Anders, Jean Amery, Georg Picht und Jürgen Habermas.|

  • Auszeichnungen

    Ehrengabe d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1970); BVK I. Kl. (1973); Theodor-Heuss-Medaille (1978); Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung (1976).

  • Werke

    Rudolf Kassner, 1963. – Hg. (mit J. Moras, unter Mitwirkung v. W. v. Einsiedel): Dt. Geist zw. gestern u. morgen, Bilanz d. kulturellen Entwicklung seit 1945, 1954. – Übers.: Die Geburt d. Friedens: Descartes 1649, Aragon 1946, 1967.

  • Literatur

    K. Korn, „Merkur“, Ein dt. Wunderchen, in: FAZ v. 3.5.1962;
    F. Schwarz, Lit. Zeitgespräch im Dritten Reich, dargest. an der Zs. „Neue Rundschau“, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 12, 1972, Sp. 1281-1484 (zugl.: Diss. München 1970): Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel v. 1.10.1976 (P);
    H. Schwab-Felisch, An den Europäer H. P., in: Merkur 35, 1981, S. 1092-98;
    D. Wellershoff, Von d. Kraft d. Übertragung, ebd. 45, 1991, S. 988-90;
    K. H. Bohrer, H. P. u. d. Merkur, ebd. 45, 1991, S. 991-96;
    Abschied v. H. P., Gedenkreden (J. Habermas, H. v. Hentig), ebd. 45, 1991, S. 1135-42;
    J. Kaiser, in: SZ v. 30.9.1986;
    Ch. Schütze, Feuergeist u. Schwerarbeiter, ebd. v. 1.10.1991;
    Wi. 1951-1969/70;
    PEN-Bundesrep. Dtld. Autorenlex., 1988, S. 158;
    Killy.

  • Autor/in

    Kurt Scheel
  • Empfohlene Zitierweise

    Scheel, Kurt, "Paeschke, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 755 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116015225.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA