Lebensdaten
1913 bis 1982
Sterbeort
Breitnau bei Hinterzarten (Schwarzwald)
Beruf/Funktion
Religionsphilosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118742388 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Picht, Georg Max Friedrich Valentin
  • Picht, Georg
  • Picht, Georg Max Friedrich Valentin
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Zitierweise

Picht, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118742388.html [21.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Werner (1887–1965), aus Berlin, Dr. rer. pol., Soziologe, Schriftst.;
    M Gerda (1889–1972), aus Thann (Elsaß), T d. Friedrich Curtius (1851–1933), Dr. iur., D. theol., Geh. Reg.rat u. Kreisdir. in Thann, Präs. d. Direktoriums u. d. Oberkonsistoriums d. ev. Kirche Augsburger Konfession in Elsaß-Lothringen (s. NDB III*; NDBA), u. d. Louise Gfn. v. Erlach-Hindelbank (1857–1919);
    Om Ernst Robert Curtius (1886–1956), Romanist u. Lit.kritiker (s. NDB III);
    B Ernst Andreas (1912–95), Industriekaufm;
    1936 Edith (* 1914), Pianistin u. Cembalistin, Prof. f. Klavier u. hist. Tasteninstrumente an d. Staatl. Hochschule f. Musik in Freiburg (Br.) (s. MGG 16), T d. Theodor Axenfeld (1867–1930), aus Smyrna, Dr. med., o. Prof. f. Augenheilkde. in Freiburg (Br.), Geh. Hofrat (s. Wi. 1928), u. d. Bertha Stürmer (1878–1938), Malerin;
    5 S (1 früh †) u. a. Robert (* 1937), Dr. phil., Prof. f. europ. Soziologie am Europakolleg in Brügge, Clemens (1956–95), Dr. phil., Hist., 2 T.

  • Leben

    P. erhielt wegen eines Asthmaleidens 1922-28 in Hinterzarten Privatunterricht durch den Altphilologen Joseph Liegle (1893–1945, verschollen). Nach dem Abitur in Freiburg (Br.) studierte er Altphilologie und Philosophie in Freiburg, Kiel und Berlin bei Wilhelm Szilasi, Martin Heidegger, Wolfgang Schadewaldt, Eduard Fraenkel und Johannes Stroux. 1938/39 arbeitete er in der Kirchenväterkommission der Berliner Akademie der Wissenschaften. Danach unterrichtete er an der Schule Birklehof in Hinterzarten Alte Sprachen, bis die Nationalsozialisten 1942 das Internat übernahmen. Im selben Jahr wurde P. mit einer Arbeit über die „Ethik des Panaitios“ promoviert und arbeitete bis 1945 als wissenschaftlicher Assistent und Lehrbeauftragter am Freiburger Institut für Altertumswissenschaften. Die mut- und hilflose, oft opportunistische Reaktion von Professoren auf die Vertreibung jüd. Kollegen nach 1933 erschütterten sein Vertrauen in Institutionen, die offensichtlich nicht imstande waren, Menschen heranzubilden, die sich der Barbarei widersetzen. Diese Erfahrung lag P.s späteren Bemühungen um die Reform der Bildungseinrichtungen zugrunde.

    Die Rezeption des platonischen Denkens gerade in jenen Jahren veränderte sein Leben. Die Untrennbarkeit des Fragens nach der Wahrheit und nach der Verantwortung des Denkens für das bonum commune wurde für ihn wesentlich. Nach dem 2. Weltkrieg zog P. deshalb den Wiederaufbau und die Leitung des Landerziehungsheims Schule Birklehof einer Universitätslaufbahn vor. Schon bald beteiligte er sich an den erregten kulturpolitischen Debatten der Nachkriegszeit, wurde Mitbegründer der „Vereinigung deutscher Landerziehungsheime“ und 1953-63 Mitglied des „Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen“. 1956 gab er die Schulleitung ab, um sich mehr auf seine philosophischen Arbeiten konzentrieren zu können. Seine vielfältigen Belastungen als Schulleiter und sein zunehmendes bildungspolitisches Engagement führten dazu, daß er das breit angelegte, von der DFG unterstützte Projekt eines Platon-Lexikons nicht zum Abschluß bringen konnte; er übergab in den 70er Jahren das gesamte Material an das Altphilologische Institut der Univ. Tübingen. Seit 1958 leitete er die Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft (FEST), die interdisziplinäre Grundlagenforschung im Grenzbereich zwischen Philosophie, Theologie, Natur- und Humanwissenschaften betreibt. P. baute die FEST zu einer Beratungsstätte für kirchliche und politische Instanzen aus. Seit 1958 beschäftigte er sich mit dem Problem der nuklearen Bedrohung. In enger Zusammenarbeit mit Carl Friedrich v. Weizsäcker und Heinz Eduard Tödt richtete er Anfang der 60er Jahre an der FEST einen Projektbereich Friedensforschung ein. 1961 gehörte P. zu den Initiatoren des stark beachteten „Tübinger Memorandums“ von acht namhaften Protestanten, das u. a. die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze forderte. Seine Artikelserie über die „Deutsche Bildungskatastrophe“ (1964) gewann nachhaltigen Einfluß auf die öffentliche Bildungsdikussion und die Politik der Erschließung weiterer Bildungsreserven.

    1965 nahm P. einen Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Religionsphilosophie in Heidelberg an. Bis zu seiner Emeritierung 1978 hielt er eine Reihe von Vorlesungen über systematische und historische philosophische Themen, die nach seinem Tode veröffentlicht wurden. Seit Ende der sechziger Jahre wandte er sich stärker globalen politischen Fragen zu. „Mut zur Utopie“ (1969), sein Buch über die großen Zukunftsaufgaben, die sich der Menschheit stellen, wurde in acht Sprachen übersetzt. 1974 nahm er an der Konferenz von Cocoyoc teil, die das Konzept der Neuen Internationalen Wirtschaftsordnung (NIEO) entwarf; er trat in Kontakt zu führenden Mitgliedern des Club of Rome und war Mitglied der Nord-Süd-Roundtable-Konferenz der Society for International Development. 1971/72 leitete er eine Kommission des Bundesinnenministeriums, die ein „Gutachten zur Organisation der Wissenschaftlichen Beratung der Bundesregierung in Umweltfragen“ ausarbeitete.

    Zwischen 1969 und 1981 veröffentlichte P. vier Bände mit seinen wichtigsten Aufsätzen. In seinen letzten Lebensjahren entwarf er den nur noch teilweise ausgeführten Plan für ein dreibändiges Werk „Von der Zeit“. Das ungelöste Problem im Zeitverständnis der Metaphysik seit Parmenides und Heraklit ist die unaufhebbare Differenz der Modi der Zeit, wenn Zeit trotzdem als Einheit gedacht werden soll. Es ändert sich das Vorverständnis von allem, was menschlicher Erkenntnis zugänglich ist, wenn Zeit nicht mehr als unerschütterlich mit sich selbst gleich ausgelegt, und wenn die ewige Präsenz des Seins nicht mehr als unwandelbare Identität gedacht werden kann. Zentrale Konfigurationen des europ. Denkens wie Wahrheit, Logik, Kausalität, aber auch Geschichte und Kunst müssen in diesem Horizont neu interpretiert werden. Wie verhalten sich die Modalitäten (Notwendigkeit, Wirklichkeit, Möglichkeit) zu den Zeitmodi (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)? In immer neuen Anläufen bemühte sich P. darum, eine neue Gestalt von Wahrheit zu finden, ohne die erkannten Wahrheiten der Geschichte einfach beiseite zu schieben.|

  • Auszeichnungen

    Theodor-Heuss-Preis (1965); Mitgl. d. PEN-Zentrums d. Bundesrep. Dtld. (1965).

  • Werke

    u. a. Naturwiss. u. Bildung, 1954;
    Die Dt. Bildungskatastrophe, 1964 (Tb. 1965);
    Die Verantwortung d. Geistes, 1965;
    Mut z. Utopie, 1969 (Überss. in 8 Sprachen);
    Wahrheit, Vernunft, Verantwortung, 1969;
    Theol. – was ist das?, 1977;
    Hier u. Jetzt, Philosophieren nach Auschwitz u. Hiroshima, 2 Bde., 1980/81. – Stud.ausg. d. nachgelassenen Vorlesungen u. Schrr., hg. v. C. Eisenbart: Kants Rel.philos., 1985, 31998;
    Kunst u. Mythos, 1986, 51997;
    Aristoteles' „De Anima“, 1987, 21992;
    Nietzsche, 1988, 21993;
    Der Begriff d. Natur u. seine Gesch., 1989, 41998;
    Platons Dialoge „Nomoi“ und „Symposion“, 1990, 21992;
    Glauben u. Wissen, 1991, 31994;
    Zukunft u. Utopie, 1992;
    Gesch. u. Gegenwart, 1993;
    Die Fundamente d. Griech. Ontologie, 1995;
    Von d. Zeit, 1999. – Mithg.: Forsch, u. Berr. d. Ev. Stud.gemeinschaft (bis 1982);
    Stud. z. pol. u. gesellschaftl. Situation d. Bundeswehr I-III, 1965/66;
    Stud. z. Friedensforsch., 1969-76;
    Frieden u. Völkerrecht, 1973;
    Wachstum od. Sicherheit?, 1978. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Koblenz.

  • Literatur

    Die Erfahrung d. Zeit – Gedenkschr. f. G. P., hg. v. Ch. Link, 1984;
    G. P.Philos. d. Verantwortung, hg. v. C. Eisenbart, 1985;
    M. Huppenbauer, Mythos u. Subjektivität, Aspekte neutestamentl. Entmythologisierung im Anschluß an R. Bultmann u. G. P, 1992;
    A. Ordowski, Die Erscheinung d. Einheit d. Zeit angesichts d. ökolog. Krise, Zur Bedeutung d. Philos. v. G. P. z. Frage nach e. Bewußtseinswandel, Dipl.arb. Bonn 1993;
    R. Neumann, Natur, Gesch. u. Verantwortung im „nachmetaphys. Vernunftdenken“ v. G. P., 1994;
    U. Bartosch, Weltinnenpol. (Kap. III), 1994;
    Ch. Schefer, Platon u. Apollon, Vom Logos zurück z. Mythos, 1996;
    Das Ganze u. d, Zwischenraum, Stud. z. Philos. G. P.s, hg. v. R. Klein, 1998;
    G. H. van den Bom, Oneindige verantwoordelijkheid, De cultuurfilosophie v. G. P. en haar betekenis voor de theologie, 1999;
    Baden-Württ. Biogrr. I;
    BBKL (W, L).

  • Autor/in

    Constanze Eisenbart
  • Empfohlene Zitierweise

    Eisenbart, Constanze, "Picht, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 417 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118742388.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA