Lebensdaten
1836 bis 1930
Geburtsort
Harburg bei Hamburg
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Orientalist ; Professor der Orientalistik in Straßburg
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119453223 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nöldeke, Theodor Eduard Bernhard
  • Nöldeke, Theodor
  • Nöldeke, Theodor Eduard Bernhard
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Nöldeke, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119453223.html [16.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1800–66), Dr. phil., Prorektor in Harburg, später Dir. d. Gymnasiums in Lingen, S d. Johann Christoph (1760–1844), Pastor in Suderburg u. Wiedensahl, u. d. Pastoren-T Henriette Friderici (1777–1861);
    M Auguste (1802–46), T d. Ernst Anton Klingemann (1771–1820), Pastor in Eldagsen, u. d. Friederike Bartels (1782–1819);
    Northeim 1864 Sophia (1844–1916), T d. Heinrich Harries (1802–75), Sup. in Northeim b. Hannover, u. d. Luise Henrica Rewald (* 1811);
    6 S (2 früh †) Arnold (1865–1945), Dr. iur., Landrichter, Justizsenator in Hamburg, Bernhard (1868–1900), Assistent am Zoolog. Inst. d. Univ. Straßburg, Wilhelm (1870–1936), Dipl.-Ing., Eisenbahndir. d. Bad. Lokaleisenbahn AG in K., Erwin (1873–1904). Dr. med., Augenarzt in Saarbrücken, später in Meiderich, 4 T, u. a. Gertrud (1867–1942, Wilhelm Soltau, 1846–1924, Gymnasialprof. in Zabern, Elsaß), Anna (1881–1945, Richard Weber, 1877–1944, Dr. med., Medizinalrat in Waldkirch, Marinestabsarzt);
    E Elsa (1894–1983, Enno Littmann, 1875–1958. Orientalist, s. NDB 14).

  • Leben

    N., der auf den von seinem Vater geleiteten Schulen (Progymnasium in Harburg, seit 1849 Gymnasium in Lingen) eine hervorragende Ausbildung in den alten Sprachen erhielt, begann das Studium der klassischen Philologie und Orientalistik 1853 in Göttingen. Unter dem Einfluß von Heinrich August Ewald, einem Studienfreund seines Vaters, wurde N. ganz für die Orientalistik gewonnen, blieb aber den klassischen Sprachen und ihrer Literatur, deren Wert er höher einschätzte als den der orientalischen, eng verbunden. Nach der Promotion (1856) betrieb N. ausgedehnte Handschriftenstudien in Wien (1856/57) und Leiden (1857/58), wo er mit Michael Jan de Goeje (1836–1909) enge Freundschaft schloß, in Gotha (1858) und Berlin (1858–60); hier wurde er als Hilfsarbeiter an der Kgl. Bibliothek eingestellt und katalogisierte u. a. türk. Handschriften. Nach der Habilitation in Göttingen (1861) wurde N. 1864 apl., 1868 o. Professor in Kiel. 1872 folgte er einem Ruf an die neugegründete Reichsuniv. Straßburg, wo er über seine Emeritierung (1906) hinaus bis 1920 blieb. Rufe nach Wien (1869, 1879), Leipzig (1888) und Göttingen (1891) lehnte er ab. Auslandsreisen unternahm er nur selten, den Orient kannte er nicht aus eigener Anschauung. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der von jeher kränkliche N. in Karlsruhe.

    N. hat die Erforschung der semitischen Sprachen, besonders des Arabischen und Aramäischen, nachhaltig geprägt. Er gewann frühe Anerkennung mit seiner auf umfangreichen kritischen Quellenstudien beruhenden „Geschichte des Qorâns“ (1860), der Umarbeitung einer von der Pariser Académie des Inscriptions 1859 gekrönten Preisschrift. Darin gelangte er zu einer gegenüber der islam. Tradition genaueren Chronologie der Suren, vor allem aufgrund einer sorgfältigen Analyse ihrer sprachlichen Form. In der Neubearbeitung durch F. Schwally, G. Bergsträsser und O. Pretzl (1909–38) bildet dieses Werk bis heute das Standardwerk der modernen europ. Koranforschung. Die altarabische Poesie war ein weiteres Feld, dem N.s besondere Aufmerksamkeit galt. Er gab einige Gedichte heraus und übersetzte sie, wobei er sich editorisch an den strengen Methoden der klassischen Philologie orientierte und dadurch vorbildhaft wirkte (Die Gedichte des cUrwa ibn Alward, 1863; Btrr. z. Kenntniss d. Poesie d. alten Araber, 1864; Fünf Mocallaqât, 1899-1901). Seine Abhandlung „Zur Grammatik des Classischen Arabisch“ (1897, Nachdr. 1963) versucht, durch genaue Beobachtung des Sprachgebrauchs und der historischen Entwicklung der arab. Sprache den rein normativen Standpunkt der arab. Nationalgrammatik zu überwinden. N.s umfangreiche Belegsammlungen zu Grammatik und Wortschatz des Arabischen (heute Univ.bibl. Tübingen) sind noch immer von großem Wert. In Kiel wandte er sich neben dem Alten Testament, über das er Vorlesungen hielt, hauptsächlich den verschiedenen aramäischen Idiomen zu. In seiner „Grammatik der neusyrischen Sprache am Urmia-See und in Kurdistan“ (1868, Nachdr. 1974), die im Material vor allem auf der 1856 erschienenen ersten Beschreibung des Neuostaramäischen durch David Tappan Stoddard sowie auf eigenen Textstudien beruht, zeichnete er die historische Entwicklung aus den älteren Stadien des Aramäischen genau nach; indem er die Aufmerksamkeit auf die Erforschung lebender semitischer Mundarten lenkte, wirkte er epochemachend. Seine an sprachvergleichenden Beobachtungen besonders reiche „Mandäische Grammatik“ (1875, Nachdr. 1964), die N. als sein aramaistisches Hauptwerk betrachtete, erschloß die schwierige|Sprache der für die vergleichende Religionsgeschichte bedeutenden Täufersekte der Mandäer und ermöglichte dadurch erst die gründliche Erforschung ihrer Literatur (u. a. durch M. Lidzbarski, W. Brandt). Den Schlußstein von N.s aramäischen Studien bildet seine „Kurzgefaßte Syrische Grammatik“ (1880, 21898, Nachdr. 1966), die auf ausgedehnter eigener Erschließung gedruckter wie ungedruckter Quellentexte beruht und vor allem in der Darstellung der Syntax bis heute unübertroffen ist. Der lebenslangen Freundschaft mit de Goeje ist N.s Mitarbeit an der Leidener Ausgabe des arab. Historikers aṭ -Ṭabarī zu verdanken. Die editorische Übernahme der Darstellung der vorislam. pers. Geschichte (dt. Übers.: Gesch. d. Perser u. Araber z. Zeit der Sassaniden, 1879, Nachdr. 1973) veranlaßte N. zu ausgedehnten Forschungen zum Mittelpersischen (Pehlevi) und zu Firdusi's „Schâhnâme“, dem er eine eigene Studie widmete (Das iran. Nationalepos, in: Grundriß d. iran. Philologie, II, 1896; separat 1896, 21920, Nachdr. 1979, engl. 1930). Auch die vergleichende oriental. Literaturgeschichte förderte N. nachhaltig durch mehrere Studien (u. a.: Btrr. z. Gesch. d. Alexanderromans, 1890). Der Vergleichenden Semitistik gaben seine zuerst im 21. Band der „Encyclopaedia Britannica“ (91886) erschienene Skizze „Die semitischen Sprachen“ (1887, 21899) sowie seine beiden Aufsatzsammlungen „Beiträge“ bzw. „Neue Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft“ (1904, 1910) bleibende Impulse. Dabei stand N. spekulativen Tendenzen skeptisch gegenüber; das hinderte ihn daran, sich dem Studium des Akkadischen zuzuwenden, da ihm die Ergebnisse der noch jungen Assyriologie insgesamt zu unsicher erschienen. Nicht zuletzt durch zahlreiche bedeutende Schüler (u. a. Jakob Barth, Anthony Ashley Bevan, Carl Bezold, Rudolf Brünnow, Siegmund Fränkel, Georg Jacob, Nikolaus Rhodokanakis, Christiaan Snouck Hurgronje, Charles Cutler Torrey u. Carl Brockelmann) übte N. nachhaltigen Einfluß auf die deutsche und europ. Orientalistik, vor allem die Semitistik aus.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. in- u. ausländ. Akademien (korr. 1878, ao. 1899 Berlin, korr. 1887, Ehrenmitgl. 1907 Wien, ausw. 1879 München, Göttingen); Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1888); bayer. Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst (1903); preuß. Roter Adlerorden II. Kl.; türk. Medschidije-Orden II. Kl. mit gr. Stern.

  • Werke

    Weitere W Das Leben Muhammed's, 1863;
    Aufss. z. pers. Gesch., 1887 (Nachdr. 1974);
    Delectus veterum carminum arabicorum, 1890, 31961;
    Oriental. Skizzen, 1892.

  • Literatur

    E. Kuhn, Versuch e. Übersicht d. Schrr. Th. N.s, in: C. Bezold (Hg.), Oriental. Studien, Th. N. zum 70. Geb.tag … gewidmet, 1906, S. xiii-li, 1907 (P);
    Nachtrag hierzu in: F. Rosenthal, Die aramaist. Forsch, seit Th. N.s Veröff., 1939, S. 289-95;
    E. Littmann, Der wiss. Nachlaß v. Th. N., in: Zbl. f. Bibl.-wesen 50, 1933, S. 137-58 u. 256-68;
    ders., in: Nachr. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, Geschäftl. Mitt. 1930/31, S 48-57, erneut in: ders., Ein Jh. Orientalistik, 1955, S. 52-62;
    ders., in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 1931, S. 239-55;
    G. Bergsträsser, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1930/31, S. 34-41;
    C. Snouck Hurgronje, in: Zs. d. dt. morgenländ. Ges. 85, 1931, S. 239-81 (P);
    J. Kraemer, Th. N.s Slgg. z. arab. Wb., ebd. 99, 1949, S. 93-102;
    A. A. Bevan, in: Journ. of the Royal Asiatic Soc. 1931, S. 493-96;
    J. Fück, Die arab. Stud. in Europa, 1955, S. 217-20;
    H. Fähndrich, Invariable Factors Underlying the Historical Perspective in Th. N.s Oriental. Skizzen, in: Abh. d. Ak. d. Wiss. Göttingen, Phil.-Hist. Kl., 3. F., Nr. 98, 1976, S. 146-54;
    NDBA. – Zur Fam.: Fam.bl. d. Geschl. N., Nr. 117, 1996, S. 6 f. – Ungedr. Qu.: Biogr. Bll. v. Th. N. (Bibl. d. Österr. Ak. d. Wiss.). – Teil|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.bibl. Tübingen (P).

  • Portraits

    Phot., Abb. in: Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste, Die Mitgll. d. Ordens, II, 1978, S. 59.

  • Autor/in

    Hartmut Bobzin
  • Empfohlene Zitierweise

    Bobzin, Hartmut, "Nöldeke, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 311-312 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119453223.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA