Lebensdaten
1875 bis 1958
Geburtsort
Oldenburg
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Orientalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11872858X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Littmann, Enno
  • Littmann, E.
  • Littmann, Richard Ludwig Enno

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Zitierweise

Littmann, Enno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872858X.html [24.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Adolph (1829–93), Buchdruckereibes. in O., S d. Joh. Christoph u. d. Christiane Frohn;
    M Sophie (1843–1924), T d. Joh. Christian Jacoby u. d. Sophie Margarethe Wilken;
    1921 Elsa (* 1894), T d. Senators Dr. iur. Arnoldt Nöldeke (1865–1945) in Hamburg u. d. Luise Kitteler; Gvv d. Ehefrau Theodor Nöldeke (1836–1930), Prof. d. Orientalistik in Straßburg;
    2 T.

  • Leben

    Seine Jugend verbrachte L. in Oldenburg und besuchte dort 1885-94 das Gymnasium. 1894-98 studierte er in Berlin, Greifswald und Halle Theologie, Hebräisch, Deutsch, Latein und Englisch. Seine orientalist. Lehrer waren vor allem Franz Praetorius und Georg Jacob. In Halle wurde L. 1898 zum Dr. phil. promoviert. In einem zusätzlichen Studiensemester war er im Winter 1898/99 in Straßburg bei Theodor Nöldeke. Durch die Bekanntschaft mit W. K. Prentice, einem amerikan. Studenten der klassischen Philologie, entwickelte sich eine nachhaltige Beziehung zur Univ. Princeton. L. erhielt von dort Gelegenheit, 1899-1900 und ein zweites Mal 1904 an einer archäolog. Expedition im syrisch-palästinischen Orient teilzunehmen. Für 1905/06 war er ebenfalls zu einer amerikan. Expedition nach Äthiopien ausersehen; er führte sie dann als Mitglied der inzwischen in Berlin ins Leben gerufenen deutschen Aksumexpedition zu Ende. Noch unterwegs erhielt er 1906 einen Ruf auf den orientalist. Lehrstuhl in Straßburg als Nachfolger von Theodor Nöldeke. Bis 1914 war er Ordinarius in Straßburg, 1914-16 in Göttingen, 1918-21 in Bonn und 1921-49 in Tübingen. Kurze Unterbrechungen seiner ortsgebundenen Lehr- und Forschungstätigkeit brachten eine letzte archäologische Expedition, die ihn nach Kleinasien führte, sowie Gastvorlesungen an den Universitäten in Kairo und Alexandrien und die Teilnahme an Tagungen der Arab. Akademie in Kairo.

    L.s Interesse galt in erster Linie der semitischen Epigraphik und der Erforschung äthiop. Sprachen. Er entzifferte und kommentierte ṣafaïtische, palmyrenische, nabatäische, syrische und andere Inschriften, außerdem geschichtlich wichtige Texte auf alten äthiop. Baudenkmälern. Außer mit der klassischen äthiop. Sprache, dem Ge'ez, beschäftigte er sich mit den modernen Sprachen Amharisch, Gallasprache, Harari, Tigriña und besonders Tigrē. Nebenher sammelte er in den arab. und äthiop. Sprachgebieten, die er bereiste, allerlei volkstümliche Texte und machte sie im Original und in Übersetzung zugänglich. Den größten Zeitaufwand erforderten die 6 Bände seiner weithin bekannt gewordenen künstlerischen Übersetzung der Geschichten von 1001 Nacht (1921–28, 31954). Einen großen Leserkreis sprach auch sein Bändchen „Morgenländ. Wörter im Deutschen“ (1920, 21924) an. In der Hauptsache beschränkten sich aber seine Publikationen auf den engeren Bereich seines Faches. Analytische Kleinarbeit lag ihm mehr als umfassende Synthesen. Dem entsprach auch sein akademischer Unterricht. L. hielt keine Vorlesungen und selten einen öffentlichen Vortrag, führte vielmehr seine Schüler praktisch in die verschiedenen oriental. Sprachen ein und interpretierte mit ihnen ausgewählte Texte. Er verlangte konzentrierte Mitarbeit, ließ aber – ein Meister im Erzählen – immer wieder Erfahrungen und Erlebnisse, die er auf seinen Reisen in sich aufgenommen hatte, einfließen.|

  • Auszeichnungen

    Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1931, Kanzler d. Ordens 1952–55); D. theol.

  • Werke

    Weitere W u. a. Zur Entzifferung d. Ṣafâ-Inschrr., 1901;
    Semitic Inscriptions, 1904;
    Semitic Inscriptions, Section A-D, 1914-49;
    Zur Entzifferung d. thamuden. Inschrr., 1904;
    Gesch. d. äthiop. Lit., 1907, 21909;
    Arab. Beduinenerzz., I: Arab. Text, II: Übers., 1908;
    Publications of the Princeton University Expedition to Abyssinia, Bd. 1-4, 1910-15;
    Dt. Aksum-Expedition, Bd. 1, 3, 4, 1913;
    Lydian Inscriptions, T. 1, 1916;
    Galla-Verskunst, 1925;
    Arab. Märchen, Aus mündl. Überlieferung ges. u. übertragen, 1935 (Nachdr. 1957);
    Kairiner Sprichwörter u. Rätsel, hrsg. u. übers., 1937;
    Thamū u. Ṣafâ, Stud. z. altnordarab. Inschriftenkde., 1940;
    Arab. Geisterbeschwörungen, hrsg., übers. u. erklärt, 1950;
    Aḥmed il-Bedawī, Ein Lied auf d. ägypt. Nat.heiligen, aufgezeichnet, hrsg. u. übers., 1951;
    Arab. Märchen u. Schwänke aus Ägypten, Nach mündl. Überlieferung ges., übers. u. erklärt, 1955;
    Wb. d. Tigrē-Sprache, Tigre-Deutsch-Englisch, 1956-62 (mit M. Höfner);
    - M. Höfner, Verz. d. Schrr. v. E. L., 1945.

  • Literatur

    R. Paret u. A. Schall (Hrsg.), Ein Jh. Orientalistik, Lb. aus d. Feder v. E. L. u. Verz. s. Schrr., 1955 (P);
    O. Eißfeldt, E. L., Gedenkrede, 1958;
    R. Paret, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges., 1959, S. 9-15 (W, P).

  • Portraits

    Ölgem. 1930/31 (Tübingen, Univ.);
    Phot. in: Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste, Die Mitgl. d. Ordens II, 1978.

  • Autor

    Rudi Paret
  • Empfohlene Zitierweise

    Paret, Rudi, "Littmann, Enno" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 710 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872858X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA