Lebensdaten
1770 bis 1848
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116877227 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Mendelssohn, Joseph, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116877227.html [25.07.2016].

CC0

Mendelssohn, Joseph

Bankier, * 11.8.1770 Berlin, 24.11.1848 Berlin. (israelitisch)

  • Genealogie

    V Moses (s. 1); B Abraham (1776–1835, seit 1812 M. Bartholdy, seit 1822 Ernst, ev.), Bankier (s. Einl.); – Strelitz 1793 Henriette (1777–1862), T d. meckl.-strelitz. Hofagenten Nathan Meyer (1740–1814); 2 S Georg Benjamin (s. 3), Alexander (1798–1871), GKR, Bankier, seit 1848 Chef d. Bankhauses Mendelssohn & Co. in B.; E Hermann (1824–91), Verlagsbuchhändler in Leipzig, Franz v. M. (preuß. Adel 1888, 1829-89), Bankier (s. Gen. 8).

  • Leben

    Nach einer Tätigkeit als Buchhalter bei der Handlung Itzig & Co. gründete M. 1795 in Berlin ein eigenes Bank- und Wechselgeschäft von zunächst bescheidenem Umfang. 1799 assoziierte er sich mit Moses Friedländer unter der Firma „Mendelssohn & Friedländer“. Als M. 1804 seinen Bruder Abraham als Partner aufnahm, wurde diese Verbindung gelöst. Die neue Firma „J. & A. Mendelssohn“ etablierte sich in der Poststraße, 1815 zog sie in die Jägerstraße. 1805 gründeten die Brüder als weitere Firma die „Gebr. Mendelssohn & Co.“ in Hamburg und zogen dorthin. Schon seit 1801 hatte M. eine Bankvertretung und Interessengemeinschaft mit „Zadig & Comp.“ in Hamburg unterhalten. Die Führung der Berliner Handlung überließen die Brüder ihrem Prokuristen Philipp Joseph Veit sowie seit 1807 Joseph Maximilian Fränckel, der als stiller Teilhaber den beiden Mendelssohn-Firmen beigetreten war. Konflikte mit der franz. Besatzungsmacht führten dazu, daß das Hamburger Geschäft 1810 geschlossen wurde und die Brüder nach Berlin zurückkehrten.

    Über ihre Geschäfte ist bis zum Ende der Befreiungskriege wenig bekannt. Aus einem Testament, das M. 1813 aufsetzte, ergibt sich, daß er damals sein Vermögen auf nicht mehr als 24 000 Taler einschätzte, von denen 8 000 Taler der Mitgift seiner Frau entstammten. Die Firma zählte aber 1812 zu den 20 ersten Handlungen in Berlin. Seit 1815 vollzog sich ein schneller Aufstieg, an dem die führende Rolle M.s bei der Übermittlung der franz. Kriegsentschädigung an Preußen einen entscheidenden Anteil hatte. Dabei ging es hauptsächlich um Vorschüsse und deren Verrechnung auf die aus Frankreich einzuziehenden Zahlungen in Höhe von insgesamt 700 Mill. Taler. Das Haus Mendelssohn war dabei 1817 mit der Firma Delmar & Co. verbunden und lieferte mit dieser 900 000 Taler an diskontierten Wechseln der Generalstaatskasse ein, wobei an Provision 22 500 Taler verbucht wurden. Aus diesen Geschäften ergaben sich enge Verbindungen mit den Frankfurter Rothschilds, als deren Vertretung die Mendelssohns einige Jahre fungierten, und vor allem auch mit der preuß. Regierung, so daß 1819 M. in einem offiziellen Brief nach Paris als „unser dort anwesender Bankier“ bezeichnet wurde. Für die Firma war dieses Kriegsentschädigungsgeschäft mehr als ein Jahrzehnt lang so wichtig, daß 1815-17 in Paris ein eigenes Abwicklungsbüro eingerichtet wurde. 1817 zeichnete das Bankhaus 100 000 Taler von einer Tresorscheinanleihe in Höhe von 2,1 Mill. Taler. Ein Jahr später beteiligte sich M. an einem preuß. Konsortium, um eine größere Anleihe für den Staat zu plazieren. 1832 war M. an der Rotherschen Prämienanleihe als Hauptunternehmer mit 2, 5 Mill. Taler beteiligt. Neben Finanzgeschäften mit dem preuß. Staat wurden die geschäftlichen Beziehungen nach Rußland für die Entwicklung des Bankhauses von erheblicher Bedeutung. Einen Teil der franz. Kriegsentschädigung transferierten die Mendelssohns über das Petersburger Bankhaus Stieglitz dorthin. 1819 übernahmen sie zusammen mit den Rothschilds russ. Inskriptionen in Höhe von 1,5 Mill. Silberrubel.

    Gegen Ende des Jahres 1821 schied Abraham aus; das Bankhaus wurde unter dem Namen „Mendelssohn & Fränckel“ fortgesetzt. Als|dritter Teilhaber wurde M.s Sohn Alexander aufgenommen, doch blieb die Führung des Bankhauses ganz in M.s Hand, zumal Fränckel schon 1827 ausschied. Die Firma erhielt nun die endgültige Bezeichnung „Mendelssohn & Co.“. M. hatte seine Bank aus sehr kleinen Anfängen zum nach Schickler zweitgrößten Privatbankhaus Berlins emporgeführt.

    Über den engeren Kreis seines Unternehmens hinaus verstand M. es zudem, mit konstruktiven organisatorischen Entwürfen auf neue Entwicklungen im wirtschafts- und finanzpolitischen Bereich zu reagieren. Auf seine Anregung hin schlossen sich 1823/24 seine Firma sowie zehn weitere zum Berliner Cassen-Verein zusammen, der nach engl., holländ. und Hamburger Vorbild zur Erleichterung des Abrechnungs-, Inkasso- und Effektenlieferungsgeschäftes unter den Berliner Banken diente. Dadurch sollte dem Mangel an Zahlungsmitteln und den Schwächen der Münzverhältnisse begegnet werden. Seit 1834 gehörte M. zum engeren Verwaltungsausschuß des Vereins. M. erkannte auch früh die Bedeutung einer zentralen Notenbank. In seiner 1846 erschienenen Denkschrift „Über Zettelbanken mit besonderer Hinsicht auf eine Preuß. Landesbank“ setzte er sich für eine vom Staat beaufsichtigte private Notenbank ein. 1846 wurde die Preuß. Bank gegründet, aus der später die Reichsbank hervorging. In den 40er Jahren setzte sich M. auch für die Entwicklung privater Hypothekenbanken ein, doch diese Pläne wurden zu seinen Lebzeiten nicht mehr realisiert. M. gehörte ferner dem Gründerkreis zahlreicher weiterer Unternehmungen an: der Hagel-Assekuranz-Gesellschaft (1822), der Neuen Berliner Hagelversicherungsgesellschaft (1832), der Speicher AG (1836), der preuß. Renten-Versicherungsanstalt (1838), der Berlin-Hamburger Bahn (1842) und mehrerer kleiner Eisenbahngesellschaften sowie der Gemeinnützigen Baugesellschaft zur Herstellung von Kleinwohnungen (1847/48). Als erster stellvertretender Vorsteher der 1820 gegründeten Korporation der Berliner Kaufmannschaft und als Vorsteher des Ältestenkollegiums 1837-46 gehörte M. zur führenden Gruppe der Berliner Unternehmer.

    In seinen späteren Jahren hat sich M. literarisch betätigt. 1840 erschien anonym seine Schrift „Bericht über Rosetti's Ideen zu einer neuen Erläuterung des Dante und der Dichter seiner Zeit“, worin M. die Deutung der Tierfiguren in Dantes Hölle als Allegorisierung politischer Parteien verteidigt. M. bemühte sich auch intensiv um das Zustandekommen der von seinem Sohn Georg Benjamin betreuten ersten wissenschaftlich fundierten Ausgabe der Schriften seines Vaters Moses Mendelssohn und verfaßte dazu den einleitenden Lebensbericht.

    Nach dem Tode M.s übernahm 1848 dessen Sohn Alexander gemeinsam mit seinem Vetter Paul, einem Sohn Abraham Mendelssohn Bartholdys, die Leitung des Bankhauses, das sich seit der Mitte des 19. Jh. zu einer der bedeutendsten Privatbanken in Deutschland entwickelte. In den 50er Jahren gelang durch die Vermittlung großer russ. Staatsanleihen und die Unterbringung russ. Eisenbahnpapiere der Zugang zum Auslandsgeschäft und damit zum internationalen Kapitalmarkt. Seit 1874 leiteten Alexanders Sohn Franz und Pauls Sohn Ernst gemeinsam das Bankhaus. Ernst, der das russ. Eisenbahn- und Bankgeschäft beträchtlich ausweiten konnte und 1905 am Zustandekommen des deutschruss. Handelsvertrages beteiligt war, stieg zur Spitze der deutschen Privatbankiers auf. Nach seinem Tode leitete seit 1909 Robert, ein Sohn von Franz, die Bank. Dessen Bruder Franz, Mitinhaber seit 1892, folgte 1917 in der Leitung.

    Das Bankhaus Mendelssohn, dessen Führung vier Generationen lang in den Händen von Mitgliedern der Familie gelegen hatte, wurde 1938 liquidiert und – ohne „arisiert“ zu werden – von der Deutschen Bank übernommen.

  • Literatur

    K. Zielenziger, Juden in d. dt. Wirtsch., 1930, S. 52-63; Berliner Börsen-Ztg. v. 13.6.1935; H. Rachel u. P. Wallich, Berliner Großkaufleute u. Kapitalisten III, 1939, S. 98-111; E. Achterberg, J. M., Ein Kap. Alt-Berlin, in: Zs. f. d. gesamte Kreditwesen 1961, S. 558-61; ders. u. M. Müller-Jabusch, Lb. dt. Bankiers aus 5 Jhh., 1963, S. 119-30 (P); W. Treue, Das Bankhaus Mendelssohn als Beispiel e. Privatbank im 19. u. 20. Jh., in: Mendelssohn Stud., Bd. 1, 1972, S. 29-80; H. Pohl, Das dt. Bankwesen (1806–1848), in: Dt. Bankengesch. II, 1982, S. 41 f.; H. C. Klein, J. M., in: Die Mendelssohns in Berlin, Ausst. d. Mendelssohn-Archivs d. Staatsbibl. Preuß. Kulturbes. Berlin, 1983, S. 20-30; J. v. Elbe, Paul M. Bartholdy (1812–1874), ebd., S. 43-54; Enc. Jud. 1971 (P).

  • Autor

    Elisabeth Komar
  • Empfohlene Zitierweise

    Komar, Elisabeth, "Mendelssohn, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 49 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116877227.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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