Lebensdaten
um 1200 oder 1205 bis 1258
Beruf/Funktion
Graf von Görz und Tirol
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118782894 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meinhard I. (als Graf von Tirol)
  • Meinhard III. (als Graf von Görz)
  • Meinhard von Görz und Tirol
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Zitierweise

Meinhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782894.html [19.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Meinhardiner (s. Stammtafel S. 667);
    V Engelbert III. ( 1220), 1191 Vogt v. Aquileja, 1201 v. Millstatt, 1218 Oberster Hauptm. v. Friaul, S d. Engelbert II. ( 1191), 1132 Gf. v. Eberstein, 1138 Vogt v. Millstatt, 1149 v. Aquileja, u. d. Adelheid v. Valley;
    M Mathilde ( 1245), gründete 1240 ein Dominikanerinnenkloster in Steinach b. Algund, T d. Berthold III. v. Andechs-Meranien ( 1188, s. NDB II);
    Ur-Gvv Meinhard I. ( ca. 1142), 1117 Gf. v. G., 1125 Vogt v. Aquileja: Ur-Groß-Ov Gf. Engelbert I., 1122 Pfalzgf. in Kärnten u. Vogt v. Millstatt;
    Groß-Ov Heinrich I. ( 1148), 1139-47 Vogt v. Aquileja;
    Ov Meinhard II. ( 1231), Gf. v. G., 1221 Vogt v. Aquileja; Verwandter Bischof Bruno v. Brixen ( 1268, s. NDB II);
    1237 Adelheid ( 1275), T d. Albert III. Gf. v. Tirol ( 1253, s. NDB I) u. d. Uta v. Lechsgemünd; Schwägerin Elisabeth ( 1] Otto VIII. v. Andechs-Meranien, 1248, 2] Gebhard v. Hirschberg, 1275);
    K, u. a. Albert II. v. G.-T. ( 1304, s. NDB I [als Albert I.]), Meinhard II. ( 1295, s. NDB 16), Adelheid (⚭ Friedrich v. Ortenburg).

  • Leben

    Seit 1232 war M. alleiniger Herr über alle Görzer Besitzungen. Im Vorjahr konnte er die Brixner Vogtei über Veldes erwerben. 1237 belehnte er den Schwiegervater Albert III. v. Tirol mit seinem gesamten Besitz. Die Allianz der Tiroler und Görzer mit Otto VIII. von Andechs, der Elisabeth, die zweite Tochter Alberts III., zur Frau hatte, stand im Streit des Papstes mit den Staufern auf Seiten der letzteren. Da auch Otto VIII. seinen Schwiegervater mit seinem gesamten Besitz belehnen mußte, war der Grundstock des späteren Landes Tirol damit um 1250 erstmals in einer Hand vereinigt. 1248/50 setzte Friedrich II. M. als Reichshauptmann in der Steiermark und Krain, 1250 auch in Österreich ein. Nach dem Tode des Kaisers wurde die papsttreue Gegenachse Salzburg-Kärnten-Aquileja für die Görzer höchst bedrohlich. Die Gefangennahme Alberts III. durch Philipp von Spanheim, erwählten Erzbischof von Salzburg, bei Greifenburg und der Diktatfriede von Lieserhofen (27.12.1252) brachte den Grafen große Einbußen; wichtige Besitzungen wie Lienz mußten als Lehen von Salzburg anerkannt und die Erbsöhne M.s, Meinhard II. und Albert II., als Geiseln gestellt werden; um die 4900 Mark Silber bezahlen zu können, mußte M. weiteren Besitz (wie den Hafen Latisana) verpfänden. Albert III. von Tirol, der kurz darauf 1253 starb, konnte es jedoch noch erleben, daß seine Enkel von Konrad IV. mit der Gfsch. Ulten belehnt wurden. Am 10.11.1253 teilten M. und Gebhard von Hirschberg, der Elisabeth, die Witwe Ottos VIII., geheiratet hatte, das Erbe Alberts III.: M. erhielt dessen Besitz südlich der Prienner Brücke bei Landeck und der Holzbrücke bei Oberau an der Eisack, Gebhard von Hirschberg denjenigen nördlich davon mit dem Zentrum Innsbruck und der Saline von Thaur. Die röm. Kurie lenkte ein und war zum Arrangement mit den Erben Tirols bereit. M. begann nun mit der Münzprägung in Meran. Noch vor dem Zusammenbruch der Stellung Ezzelino da Romanos in Trient erreichte er 1256, daß Bischof Egno von Trient ihm die Lehen, die Albert III. von Trient innegehabt hatte, übertrug. Damit war der Rechtstitel geschaffen, mit dem später sein Sohn Meinhard seine Position nach Süden hin ausbauen konnte. Obwohl M. 1257 noch den Verlust von Cormons an Aquileja hinnehmen mußte, gelang es ihm, die Folgen des Vertrags von Lieserhofen abzumildern. Als er 1258 starb, waren seine Söhne immer noch in Salzburg. Haft. Dennoch erwies sich das Görz-Tiroler Herrschaftsgebiet von Istrien bis zum Reschenpaß als so gefestigt, daß es auch diese Krise überstand und unter M.s Söhnen einen weiteren Aufschwung erlebte. M. wurde im Dominikanerinnenkloster in Lienz, das er tatkräftig unterstützt hatte, als Stifter verehrt. Literarisch verewigt wurde er in Ulrich von Lichtensteins „Frauendienst“ (1255), in der „Österr. Reimchronik“ und von Johann von Viktring.

  • Literatur

    R. Coronini v. Cronberg, Tentamen genealogicochronologicum promovendae seriei comitum et rerum Goritiae, 21759;
    C. v. Czoernig, Görz, Österreichs Nizza, I: Das Land Görz u. Gradisca, 1873;
    ders., Die vordere Gfsch. Görz im Pusterthale mit Rückblick auf d. Gesch. d. Pusterthales im MA, in: Zs. d. Ferdinandeums 31, 1897, S. 151-85;
    E. Werunsky, Österr. Reichs- u. Rechtsgesch., 1894;
    A. v. Jaksch, Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, Geschichtl. Denkmäler d. Hzgt. Kärnten, III (811–1202), 1904. IV (1202–69), 1906, u. Erg.-H. zu Bd. 1-4, 1915;
    ders., Die Gründung d. Benediktinerklosters Rosazzo in Friaul, in: StMBO 32, 1911, S. 229-40;
    ders., Gesch. Kärntens bis 1335, 2 Bde., 1928 f.;
    O. Stolz, Pol.-hist. Beschreibung v. Südtirol, 3. u|4. Lfg.: Die Viertel Eisacktal u. Pustertal, 1939;
    ders., Gesch. d. Landes Tirol I, 1955;
    L. Santifaller, Die Urkk. d. Brixner Hochstiftsarchive 845-1295, 1929;
    F. Cusin, Documenti per la storia del confine orientale d'Italia, in: Archeografo Triestino, Serie 3, Bd. 21, 1936, S. 1-131;
    F. Huter, Tiroler Urkk.-buch, 3 Bde., 1937-57;
    A. Veider, Die Verwaltung d. vorderen Gfsch. Görz im Pustertal bis Ende d. 14. Jh., Diss. Wien 1940 (ungedr.);
    H. Wiesflecker, Die pol. Entwicklung d. Gfsch. Görz u. ihr Erbfall an Österreich, in: MIÖG 56, 1948, S. 329-84;
    ders., Die Regg. d. Grafen v. Görz u. Tirol, Pfalzgrafen in Kärnten, I (957-1271), 1949;
    ders., Meinhard d. Zweite, Tirol, Kärnten u. ihre Nachbarländer am Ende d. 13. Jh., 1955;
    P. Paschini, Storia del Friuli, I: Dalle origini alla metà del duecento, 21953;
    H. Schmidinger, Patriarch u. Landesherr, Die weltl. Herrschaft d. Patriarchen v. Aquileja b. z. Ende d. Staufer, 1954;
    A. Sparber, Die Brixner Fürstbischöfe im MA, 1968;
    J. Riedmann, Die Beziehungen d. Grafen u. Landesfürsten v. Tirol zu Italien b. z. J. 1335, 1977;
    W. Baum, Deutsche u. Slowenen in Krain, 1982;
    ders., Zur Kirchen- u. Klosterpol. d. Gfen v. Görz (1122–1258), in: Der Schlern 62, 1988, S. 466-79;
    M. Pizzinini, Lienz, Das gr. Stadtbuch, 1982;
    F. Hausmann, Carinziani e Stiriani in Friuli, in: Atti del Convegno Internazionale di Studio: Il Friuli dagli Ottoni agli Hohenstaufen, 1983, S. 547-96;
    C. Fräß-Ehrfeld, Gesch. Kärntens, I: Das MA, 1984;
    H. Moser, H. Rizzolli u. H. Tursky, Tiroler Münzbuch, Die Gesch. d. Geldes aus d. Prägestätten d. alttirol. Raumes, 1984;
    J. Fontana (Hrsg.), Gesch. d. Landes Tirol, I: Von d. Anfängen bis 1490, 1985, darin: J. Riedmann, Das MA, S. 265-661.

  • Autor/in

    Wilhelm Baum
  • Empfohlene Zitierweise

    Baum, Wilhelm, "Meinhard" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 666 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782894.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meinhard I. (III.), Graf von Görz und Tirol, stammte aus einem Geschlechte, das sich mit Sicherheit nur bis in den Anfang des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen läßt, welches aber die Vogtei über das Patriarchat von Aquileja mit vielen Lehen von dieser Kirche (darunter Görz), die Pfalzgrafschaft Kärnthen und ausgedehnte Besitzungen in diesem Herzogthum, z. B. das Gebiet von Lienz, in seinen Händen vereinigte. Meinhard III., der Sohn Engelberts III. von Görz, läßt sich von 1222 an urkundlich nachweisen. Doch handelt noch ungefähr ein Jahrzehnt sein Oheim Meinhard II. als Haupt des görzischen Hauses. Wie fast alle Magnaten des südlichen Deutschlands hielt auch M. in jener von kirchlichen und politischen Stürmen wild erregten Zeit treu zum Kaiser.|Dafür ernannte ihn Friedrich II. 1248 nach dem Erlöschen des babenbergischen Hauses zum Reichsverweser in Steiermark, wo er ziemlich allgemein anerkannt worden zu sein scheint. Er benutzte die feindselige Haltung der Kirchenfürsten gegen den Kaiser, um einem Auftrage desselben nachkommend die Besitzungen der Kirchen von Salzburg und Aquileja in Steiermark und Kärnthen anzugreifen. Doch erlitt er im October 1252 bei der Belagerung von Greifenburg durch Philipp von Kärnthen, den erwählten Erzbischof von Salzburg, eine vollständige Niederlage und mußte dann einen ungünstigen Frieden eingehen. Glücklicher war M. durch seine Heirath. Um das Jahr 1236 vermählte er sich mit Adelheid, einer der beiden Töchter des Grafen Albert von Tirol, der in Ermangelung männlicher Nachkommen mit Erfolg bemüht war, seinen Töchtern und Schwiegersöhnen nicht blos die Erbschaft seiner Eigengüter, sondern auch die Nachfolge in seinen weit reicheren Lehen zu sichern. Albert von Tirol hatte schon von seinem Vater als Lehen des Bisthums Trient die Vogtei über dieses Hochstift, die Grafschaft im Vintschgau, den Mitbesitz der Grafschaft Bozen und viele andere Güter und Herrschaften und als Lehen vom Bisthum Brixen die Grafschaft im Eisackthale geerbt und erwarb dazu im Laufe der Zeit noch die Stiftsvogtei über Brixen und nach dem Aussterben der Grafen von Andechs, Herzoge von Meranien, im J. 1248 die Grafschaften im Pusterthal und Unterinnthal. Als mit Alberts Tode am 22. Juli 1253 das Geschlecht der Grafen von Tirol erlosch, erbten seine Schwiegersöhne, die Grafen Meinhard von Görz und Gebhard von Hirschberg, einen großen Theil der heutigen Grafschaft Tirol. Nach manchen Streitigkeiten theilten diese am 10. November 1254 ihr Erbe. Gebhard von Hirschberg und seine Gemahlin Elisabeth erhielten alle Lehen und Güter im Innthale von Zams abwärts und im Wippthale südlich bis zur Peißer Brücke zu Oberau bei der heutigen Franzensfeste und dazu die Vogtei über das Stift Brixen; alles übrige von Zams aufwärts und alle Besitzungen im Herzogthum Trient und im Bisthum Brixen südlich von der Peißer Brücke kamen an den Grafen M. von Görz und dessen Gattin. M. war daher hauptsächlich der Erbe der älteren Güter Alberts von Tirol, dessen Titel er auch annahm und dessen Politik er verfolgte. Dies mußte namentlich der Bischof Egno von Trient, der letzte Sprößling des Hauses der Grafen von Eppan, fühlen. M. benutzte die Noth des Bischofs, der durch den mächtigen Ezzelino da Romano und die auf seiner Seite stehenden Adeligen und Bürger des Trienter Gebietes aus dem italienischen Antheil desselben vollständig ausgeschlossen war, um seine Forderungen demselben gegenüber durchzusetzen. Egno mußte ihm 1254 nicht blos die Stiftslehen der Grafen von Tirol und Ulten, die schon sein Schwiegervater besessen hatte, sondern auch jene der kürzlich erloschenen Grafen von Eppan übertragen, so daß M. die Lehen der hervorragendsten südtirolischen Geschlechter, der Tiroler, Eppaner und Ultner, theilweise auch die der Andechser in seinen Händen vereinigt hatte, als er am 22. Juli 1258 aus dem Leben schied.

    • Literatur

      C. R. Coronini, Tentamen genealog. chronolog. comitum Goritiae. Viennae 1753. O. Lorenz, Ottokar von Böhmen und das Erzbisthum Salzburg. Wien 1860. J. Durig, Beiträge zur Geschichte Tirols in der Zeit Bischof Egnos von Brixen und Trient. Innsbruck 1860. J. Egger, Geschichte Tirols, 1. Bd.

  • Autor/in

    Huber.
  • Empfohlene Zitierweise

    Huber, Alfons, "Meinhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 228-229 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782894.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA