Lebensdaten
um 975 oder 978 bis 1039
Beruf/Funktion
Äbtissin von Gandersheim und Essen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129821780 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sophie
  • Sophie von Gandersheim
  • Sophia von Gandersheim
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Zitierweise

Sophia, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129821780.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Liudolfinger (s. NDB 14);
    V Ks. Otto II. (955–83), S d. Ks. Otto I. (912–73, beide s. NDB 19);
    M Ksn. Theophanu (um 960–91, T d. Konstantinos Skleros (um 930–91 u. d. Sophia Phokaina;
    B Ks. Otto III. (980–1002, s. NDB 19), 3 Schw u. a. Adelheid (977–1043), Äbtissin d. Stifte Quedlinburg, Gernrode, Frohse u. Vrede sowie Gandersheim (s. NDB I), Mathilde (978–1025, Pfalzgf. Ezzo, um 955–1034, s. NDB IV).

  • Leben

    S.s Geburtsdatum ist unbekannt und aus den Quellen nicht eindeutig zu erschließen. 979 wurde sie zur Erziehung dem Kloster Gandersheim übergeben, wo Gerberga (um 940–1001), die Schwester Hzg. Heinrichs von Bayern und Kärnten (951–95), Äbtissin war. 987 löste S. bei ihrer Einkleidung als Nonne den sog. Gandersheimer Streit aus. Sie verlangte, den Schleier von Ebf. Willigis (reg. 975–1011) von Mainz und nicht von dem für Gandersheim zuständigen Bf. Osdag von Hildesheim (reg. 985–89) entgegenzunehmen. Osdag beharrte hingegen auf seinem Recht, Willigis seinerseits wandte sich bittend an die in Gandershein anwesende Ksn. Theophanu, worauf entschieden wurde, daß beide Bischöfe die Einkleidung zusammen vornehmen sollten. In den Viten Bf. Bernwards bzw. Bf. Godehards von Hildesheim wird S. in diesem Zusammenhang als besonders hochmütig beschrieben, in der Gandersheimer Reimchronik des Priesters Eberhard erscheint sie hingegen als außerordentlich fromm und tugendhaft.

    S. hielt sich danach öfter am Königshof auf, nahm auch am ersten Italienzug Ottos III. 996 teil und hatte vielleicht sogar eine einer Königin ähnliche Stellung inne. Vermutlich nahm sie an der Kaiserkrönung ihres Bruders Otto teil. Kurz vor dem zweiten Italienzug (Dez. 997) läßt sie sich jedoch nicht mehr in der Nähe des Kaisers nachweisen. Als 1001 die Äbtissin Gerberga starb, sollte S. deren Nachfolge antreten; dabei flammte der alte Gandersheimer Streit wieder auf. Erst 1002 wurde S. durch den neugewählten Kg. Heinrich II. eingesetzt; ihre Weihe wurde von Willigis von Mainz vorgenommen. 1011 wurde S. zudem Äbtissin im Kloster Essen. Beiden Stiften stand sie bis zu ihrem Tod vor. 1029 berief sie eine Regionalsynode ein, die unter Beteiligung des Kölner Erzbischofs sowie der Bischöfe von Münster und Paderborn eine Neuordnung des Essener Zehntgebietes vornahm. In neuerer Zeit konnte darüber hinaus gezeigt werden, daß die Umgestaltung des „Kreuzes mit den großen Senkschmelzen“ im Essener Domschatz wohl in S.s Auftrag geschah.

  • Literatur

    ADB 34;
    O. Perst, Die Ks.tochter S., Äbtissin v. G. u. E. (975–1039), in: Braunschweig. Jb. 38, 1957, S. 5–46;
    K. A. Eckhardt, Domina S. constructrix et procuratrix monasterii sanctimonialium Aeskinewag, in: AfD 3, 1957, S. 29–78;
    W. Wagner, Das Gebetsgedenken d. Liudolfinger im Spiegel d. Kg.- u. Ks.urkk. v. Heinrich I. bis Otto III, ebd. 40, 1994, S. 23–27;
    H. Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe v. 815 bis 1221, 1984, S. 183–93 u. S. 239–47;
    W. Glocker, Die Verwandten d. Ottonen u. ihre Bedeutung in d. Pol., 1989, S. 206–09;
    K. Bodarwé, S. v. Essen u. d. Urk. v. Nottuln, in: Das Münster am Hellweg 56, 2003, S. 29–39;
    K. G. Beuckers u. U. Knapp, Farbiges Gold, Die otton. Kreuze in d. Domschatzkammer Essen u. ihre Emails, 2006, S. 10 f.;
    K. G. Beuckers, Kreuz mit d. gr. Senkschmelzen, in: Gold vor Schwarz, Der Essener Domschatz auf Zollverein, hg. v. B. Falk, Ausst.kat. 2008;
    BBKL X;
    Braunschweig. Biogr. Lex.

  • Autor/in

    Winfrid Glocker
  • Empfohlene Zitierweise

    Glocker, Winfrid, "Sophia" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 591 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129821780.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sophie *)Zu S. 674., Aebtissin von Gandersheim, Tochter Kaiser Otto's II., wohl um das Jahr 975 geboren, wurde in früher Jugend im Herbste des Jahres 979 auf Veranlassung ihrer Mutter Theophano zu ihrer Erziehung dem Stifte Gandersheim übergeben, das wie Quedlinburg recht eigentlich eine Familienstiftung des sächsischen Königshauses war, der Zeit unter der Leitung einer|Cousine des Kaisers, der Aebtissin Gerberg, stand und sich mit Necht eines hohen wissenschaftlichen Rufes erfreute. Ihr ganzes Leben lang hat nun S. diesem Stifte als Zögling, Nonne und Aebtissin angehört und so die Jahre hier durchlebt, die nicht zum mindesten durch ihr Eingreifen für Gandersheim die ereignißvollsten seiner Geschichte geworden sind und seinen Namen auch in der allgemeinen Geschichte der Zeit häufig hervortreten lassen. Die Ursache hierfür bildete der Streit des Erzbischofs von Mainz und des Bischofs von Hildesheim um die Diöcesanrechte über Gandersheim, der bei der hohen Bedeutung der handelnden Persönlichkeiten eine weit- und tiefgehende Wirkung ausübte. Leider sind wir über diese ganzen Verhältnisse nur in sehr einseitig parteiischer Weise von hildesheimischer Seite unterrichtet, so daß es schwer fällt, ein sicheres Urtheil in der ganzen Sache zu fällen, um so mehr da das schließliche Ergebniß derselben sich mit der ganzen Hildesheimer Darstellung nicht in Einklang bringen läßt. In letzterer erscheint auch S. in sehr ungünstigem Lichte, da sie es mit dem Erzbischofe von Mainz gegen den Bischof von Hildesheim hielt. Gewiß erfüllte die Königstochter ein stolzer, selbstbewußter Sinn, der, wenn auch in den Wissenschaften und Künsten der Zeit wohl gebildet, dennoch in klösterlicher Abgeschiedenheit keine Befriedigung fand und sich auch in den Händeln der Welt zu bethätigen strebte. So hat sie wohl zunächst der Ehrgeiz bewogen, von einem Erzbischofe, nicht von einem Bischofe die Einkleidung als Nonne zu suchen. Willegis von Mainz ging bereitwillig auf ihr Begehren ein, und so kam, indem dieser ganz Gandersheim für seinen Sprengel, der daran grenzte, in Anspruch nahm, der langjährige Streit zum Ausbruche. Da Bischof Osdag von Hildesheim das Feld nicht räumte, so empfing schließlich S. am 18. October 988 (?) den Schleier aus beider Männer Händen. Die Klosterzucht war in Gandersheim bei dem Alter und der Kränklichkeit der Aebtissin Gerberg bedenklich in Verfall gerathen. So konnte es geschehen, daß sich S. ohne Einwilligung der Aebtissin auf ein oder zwei Jahre an den Hof ihres Bruders, Kaiser Otto's III., begab, wo sie ein so freies Leben führte, daß böse Gerüchte über sie in Umlauf kamen. Der streng gesinnte Bischof Bernward von Hildesheim forderte ihre Rückkehr; Erzbischof Willegis von Mainz nahm sie in Schutz. Als S. nach Gandersheim zurückgekehrt war, wirkte sie hier eifrig im Mainzischen Interesse und suchte jede Verbindung mit Hildesheim zu lösen. Neben persönlichen Beweggründen werden sachliche Erwägungen sie dazu bestimmt haben. Sie erstrebte für ihr Stift, als dessen künftige Oberin sie sich schon betrachtete und dessen thatsächliche Leitung bei der Schwäche Gerberg's mehr oder weniger bereits in ihre Hände gelangt war, und wol nicht ohne guten Grund das Recht der Exemtion; sie wollte dem päpstlichen Stuhle unmittelbar, nicht der Bischofsgewalt unterworfen sein. Bei diesem Bestreben erschien es ihr zweckmäßiger zu sein, etwa erforderliche Weihen durch einen entfernt wohnenden Erzbischof, nicht durch den dicht benachbarten Bischof vornehmen zu lassen, der nur zu leicht weitgehende Rechte in Anspruch nehmen und zur Geltung bringen konnte. Als daher im Sommer 1000 die Weihe der nach dem Brande von 973 neuerbauten Stiftskirche bevorstand, forderte sie Willegis dazu auf, der auch sogleich auf ihre Wünsche einging. Da jedoch Bischof Bernward entschiedenen Widerspruch einlegte und so ein langwieriger Streit entstand, der vor Kaiser, Papst, Synoden u. s. w. geführt wurde, hier aber nur kurz angedeutet werden kann, so unterblieb die Weihe bis zum Jahre 1007, wo sie endlich am 5. Januar durch Bernward geschah. Inzwischen war Aebtissin Gerberg am 13. November 1001 gestorben und S. ihre Nachfolgerin geworden. Sie hatte es auf einer Versammlung zu Paderborn bei dem Könige Heinrich II. im August 1002 durchzusetzen gewußt, daß sie vom Erzbischofe Willegis die Weihe empfing. Wie schon|früher ihr Bruder Otto III., so hat jetzt auch Heinrich II. dem Stifte Gandersheim auf ihre Veranlassung (1021: pro petitione nomine tenus sororis, re autem consanguineae suae dominae Sophiae. Harenb. S. 658) mancherlei Zuwendungen gemacht, die hier aufzuzählen zu weit führen würde. Seit 1011 war S. auch Aebtissin des Stiftes zu Essen. In demselben Jahre starb Erzbischof Willegis. Erkenbald, der ihm folgte (1011—17), ließ den Streit mit Hildesheim ruhen, aber unter dessen Nachfolger Aribo ist er, wiederum auf Antrieb Sophiens, aufs neue und auf das lebhafteste entbrannt. Für Einzelheiten ist hier kein Ort. Es genüge zu bemerken, daß S. mit Eifer für den Erzbischof eintrat, bis sie plötzlich ein Ereigniß auf die Seite seines Gegners führte. Mit ihrer Erlaubniß waren 1026 zwei ihrer Nichten, Sophie und Ida, Töchter ihrer Schwester Mathilde, der Gemahlin des rheinischen Pfalzgrafen Ezzo, die ihr zur Erziehung anvertraut waren, einer Einladung des Erzbischofs Aribo nach Mainz gefolgt. Sie hatten drei andere Genossinnen nach sich gezogen und sie alle traten dort in ein Kloster ein, dem die Schwester des Erzbischofs Vorstand. Dieser Abfall ihrer vornehmsten Jungfrauen versetzte S. in solche Wuth, daß sie sich von dem Erzbischofe lossagte und gegen ihn bei dem Bischofe von Hildesheim ihre Zuflucht nahm. Auf dem Fürstentage zu Frankfurt klagte sie am 24. September 1027 vor dem Kaiser gegen Aribo, der sich darauf zur Herausgabe der Nonnen verstand. Als diese dann aber nach einiger Zeit Nachts in Gandersheim entführt wurden und wieder in Mainz Unterkunft fanden, ging der Zwist weiter. Erst im Jahre vor seinem Tode gab Aribo ( am 6. April 1031), denselben gutwillig auf und sein Nachfolger Bardo hat dann auch jene Nonnen zurückgebracht, von denen die Pfalzgrafentochter Ida — Sophie war inzwischen gestorben — in der Folge Aebtissin des Marienklosters in Gandersheim, später des zu Köln wurde. Das Verhältniß Sophiens zu dem Bischofe Godehard von Hildesheim scheint seitdem ein friedliches gewesen zu sein; noch in seiner letzten Krankheit hatte sie mit ihm in Wrisbergholzen eine längere Unterredung. Bald nachher, am 30. oder, wie die Hildesheimer Annalen angeben, am 27. Januar 1039 ist auch sie gestorben. Ihre Nachfolgerin wurde in Gandersheim ihre Schwester Adelheid ( 1045), die schon seit 999 Aebtissin von Quedlinburg war, in Essen ihre Nichte Theophano, eine Tochter des Pfalzgrafen Ezzo.

    • Literatur

      Vgl. Leben Bernward's und Godehard's in Mon. Germ. SS. IV, 754 ff. und XI, 167 ff. und die Uebersetzung von H. Hüffer in den Geschichtschr. der deutschen Vorzeit, Lief. 36 (Berlin 1858). — Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit. —
      Lüntzel, Gesch. der Diöcese und Stadt Hildesheim. — Harenberg, Historia eccles. Gandershemensis.

  • Autor/in

    P. Zimmermann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmermann, Paul, "Sophia" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 782-784 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129821780.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA