Lebensdaten
um 1522 bis 1572
Geburtsort
Geldern
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Humanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119755971 | OGND | VIAF: 10662685
Namensvarianten
  • Mathys, Gerhard
  • Mathisius, Gerhard (ADB)
  • Matthisius, Gerhard
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Zitierweise

Matthisius, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119755971.html [25.11.2020].

CC0

  • Leben

    M. erwarb während seiner Studienzeit am Collegium Montanum zu Köln alle akademischen Grade der Zeit, zuletzt 1558 den theol. Doktorgrad; zugleich war er Lehrer des Lateinischen und der Philosophie am Montanum, von 1557 bis zu seinem Tode dessen Regent. Seit 1550 lehrte er Griechisch an der Universität und war 1552 und 1555 Dekan der Artistenfakultät, eine Würde, die im Turnus den drei Regenten der Bursen bzw. Gymnasien zufiel. Nach seiner Promotion erhielt er eine theol. Professur, 1560-62 war er Dekan der Theol. Fakultät und 1562-64 Rector magnificus.

    M.s wissenschaftliches Ansehen spiegelt sich in der akademischen Biographie. Seine Wirksamkeit fällt in die Zeit der reformatorischen Spannungen in Köln, die zur Übernahme des Gymnasium Montanum durch die Jesuiten und zum Rektorat des Rethius ebenda führte. In den darin wurzelnden Rivalitäten der Schulen sprach sich M., der humanistisch gebildete Aristoteliker und Thomist, deutlich gegen den Scholastizismus der Jesuiten aus und brachte seine Schule auf ein hohes Niveau. M. trug aber auch als einer der ersten neuberufenen Kölner Professoren wesentlich zur humanistischen Erneuerung der Universität bei, deren Scholastik das Ziel des beißenden Spotts der „Dunkelmännerbriefe“ gewesen war. M. stiftete seine Bibliothek (die auch Werke des Erasmus enthielt), zwei Häuser und 9 Studienplätze („6 kleine Portionen und 3 Theologenportionen“) testamentarisch seiner Schule. Besonders durch seine Kommentare zu Aristoteles, Porphyrius und zu den Briefen des Paulus machte er sich einen Namen als Gräzist. Viele seiner durch ihre Systematik ausgezeichneten Publikationen waren lange Zeit als Schulbücher im Gebrauch.

  • Werke

    u. a. Commentaria in Porphyrii Institutiones, Aristotelis de Categorias et de Interpretatione librum, 1555;
    Aristotelis de rerum principiis, 1556;
    Aristotelis de natura seu de rerum principiis libri VIII, 1557;
    Epitoma Aristoteliae logicae Graecolationa, 1569;
    D. Thomae Aquinatis de natura et essentia rerum libellus … repurgatus, 1551;
    In Epistolam B. Pauli ad Romanos Commentaria, 1562.

  • Literatur

    H. Keussen, Matrikel d. Univ. Köln, 1919;
    F. J. v. Bianco, Die alte Univ. Köln u. d. späteren Gelehrten-Schulen dieser Zeit, 2 T., 1850/55;
    J. Kuckhoff, Die Gesch. d. Gymnasiums Tricoronatum, 1931;
    J. N. Paquot. Mémoires pour servir à. l'histoire littéraire des dix-sept provinces des Pays-Bas, 1763-76.

  • Autor/in

    Günther Böhme
  • Empfohlene Zitierweise

    Böhme, Günther, "Matthisius, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 414 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119755971.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mathisius: Gerhard M., philosophischer und katholisch theologischer Schriftsteller, aus Geldern gebürtig, zu Köln am 11. April 1574. Er war ein Schüler des Montaner Gymnasiums daselbst, wurde Magister und war in den Jahren 1552 und 1555 Dekan der philosophischen Facultät. Das Apostelnstift zählte ihn zu seinen Canonichen und um 1574 erhielt er auch eine Canonicalpräbende beim Domstifte. Er erlangte die Doctorwürde der Theologie und versah von 1557 bis zu seinem Lebensende die Regentenstelle im Montaner Gymnasium. 1562 wurde er zum Rector magnificus der Universität erwählt. Man verdankt ihm eine Studienstiftung und außerdem schenkte er dem Gymnasium seine Bibliothek und zwei an dasselbe anstoßende Häuser. Sowol in der lateinischen wie in der griechischen Sprache bewies er tiefe Kenntnisse und vorzügliche Gewandtheit, in letzterer namentlich durch seine Erklärungen des Porphyrius, Aristoteles und Paulus. Die bei Peter Horst zu Köln gedruckten Schriften dieses hochgeachteten Mannes sind: „Aristotelicae Logicae tomus primus (1559) et tomus alter“ (1561); „In epistolam B. Pauli ad Romanos Commentaria“, 1562; „Liber de natura et essentia B. Thomae Aquinatis paraphrastice translatus“, 1566; „Epitome librorum Aristotelis de coelo“, 1568; „Epitome Logicae Aristotelicae“, 1569; „Epitome librorum Aristotelis de rerum principiis“, 1570. Ferner gab er eine lateinische Uebersetzung der Carmina aurea Pythagorae et Phocylidis und zwei Bände Adventspredigten heraus.

    • Literatur

      Hartzheim, Biblioth. Coloniensis.

  • Autor/in

    J. J. Merlo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Merlo, J. J., "Matthisius, Gerhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 594-595 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119755971.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA