Lebensdaten
erwähnt um 1136 , gestorben 1177
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Herzog von Österreich ; Herzog von Bayern ; Pfalzgraf bei Rhein ; Klostergründer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 101037155 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich Jasomirgott
  • Heinrich II. Jasomirgott
  • Heinrich II. Jasomirgott von Österreich
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Zitierweise

Heinrich II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101037155.html [23.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Babenberger (s. NDB I);
    V Mgf. Leopold III. v. Ö. ( 1136);
    M Agnes ( 1143), Wwe d. Hzg. Friedrich I. v. Schwaben ( 1105, s. NDB V), T d. Kaisers Heinrich IV. ( 1106, s. NDB VIII);
    B Leopold IV. ( 1141), Mgf. v. Ö. (seit 1136), Hzg. v. Bayern (seit 1139), Otto ( 1158), Bischof v. Freising, Konrad II. ( 1168), Bischof v. Passau, EB v. Salzburg;
    Halb-B Konrad III. ( 1152), dt. König, Hzg. Friedrich II. v. Schwaben ( 1147, s. NDB V);
    Schw u. a. Bertha ( Burggf. Heinrich III. v. Regensburg, 1174), Agnes ( 1135, Hzg. Wladislaw v. Polen-Schlesien, 1159), Gertrud ( 1151, Kg. Wladislaw II. v. Böhmen, 1175), Elisabeth ( 1143, Gf. Hermann II. v. Winzenburg, 1152), Judith ( Mgf. Wilhelm v. Montferrat, 1191);
    - 1) 1142 Gertrud ( 1143), Wwe d. Hzg. Heinrich X. v. Bayern ( 1139, s. NDB VIII), T d. Kaisers Lothar III. ( 1137), 2) Theodora Komnena ( 1183), N d. Kaisers Manuel I. v. Byzanz ( 1180);
    2 S, 1 T aus 2) Leopold V. ( 1194, Helene, T d. Kg. Geisa II. v. Ungarn), Hzg. v. Ö. u. Steiermark, Heinrich ( 1223), Hzg. v. Mödling (Sekundogenitur) ( Richza, 1182, T d. Kg. Wladislaw II. v. Böhmen, 1175), Agnes ( 1] Kg. Stephan III. v. Ungarn, 1172, 2] Hzg. Hermann v. Kärnten, 1181, s. NDB VIII);
    Stief-S Heinrich d. Löwe ( 1195), Hzg. v. Sachsen (s. NDB VIII);
    N Kaiser Friedrich I. ( 1190, s. NDB V).

  • Leben

    Nicht H., der erstgeborene Sohn aus der Ehe Markgraf Leopolds III. mit Agnes, folgte dem Vater in der Mark nach, sondern sein jüngerer Bruder Leopold (IV.). Dieser empfing 1139 von seinem königlichen Halbbruder Konrad III. auch das dem Welfen Heinrich dem Stolzen abgesprochene Herzogtum Bayern. H. aber erhielt die Pfalzgrafschaft am Rhein. Als nach kurzer|Regierung Leopold 1141 starb, wurde H. nicht nur Markgraf in Österreich, sondern wurde 1143 auch mit dem Herzogtum Bayern belehnt, nachdem er bereits im Jahre vorher die Witwe des früheren Bayernherzogs, Gertrud, geheiratet hatte. Als diese aber bereits ein Jahr darauf im Kindbett starb, schwand die Hoffnung, den Streit um Bayern zwischen Welfen und Babenbergern und damit auch den Gegensatz zwischen Welfen und Staufern zu überwinden. Die Gefahr steigerte sich, als die Welfen einerseits im bayerischen Hochadel neue Anhänger gewannen (darunter auch den Markgrafen der im Süden an Österreich angrenzenden karantanischen Mark), während andererseits vom Osten her die Ungarn in Österreich einfielen. (Der bayerisch-österreichische Heerbann wurde 1146 an der Fischa geschlagen.) Die Gefahr wurde gemindert, als H. 1149 die Nichte des byzantinischen Kaisers Theodora Komnena heiratete, die er auf dem Kreuzzug von 1147/48 kennengelernt hatte.

    Die langen Verhandlungen König Friedrichs I. zur Lösung der bayerischen Frage wurden im September 1156 in Regensburg durch die schriftliche Fixierung der getroffenen Vereinbarungen und der Aussöhnung zwischen Welfen und Babenbergern erfolgreich abgeschlossen. (Privilegium minus, im Original nicht erhalten, seine Echtheit heute allgemein anerkannt.) H. verzichtete auf das Herzogtum Bayern zu Gunsten Heinrichs des Löwen und dieser seinerseits auf die Mark Österreich samt allen zugehörigen Rechten. Sie wurde in ein Herzogtum umgewandelt, und der Babenberger H. und seine Frau Theodora wurden damit belehnt. Andere Freiheiten betrafen die direkte männliche und weibliche Erbfolge, für das erste Herzogspaar das Recht, bei Kinderlosigkeit einen Nachfolger vorzuschlagen, Hoftagspflicht nur in Bayern und Heerfahrt nur in Österreich benachbarten Ländern. Der letzte Punkt, der besagt, daß im neuen Herzogtum ohne Zustimmung des Herzogs niemand Gerechtsame („iusticia“; Gerichtsbarkeit und wohl auch andere Hoheitsrechte) ausüben dürfe, kann – da er den tatsächlichen Verhältnissen im nächsten Jahrhundert widerspricht – nur als eine Art Programm, als Forderung für die Zukunft, eine nach Möglichkeit durchsetzbare und extensiv interpretierbare Bestimmung angesehen werden. Die von Otto von Freising überlieferte Nachricht, daß von Heinrich dem Löwen mit der Mark auch Grafschaften, die „von altersher“ zur Mark gehört hätten und die man „die drei“ nennt, zurückgestellt wurden, bezieht sich wohl auf reichsunmittelbare Grafschaften und Hoheitsgebiete, die bisher außerhalb der Mark, vermutlich im Vorfeld gegen Böhmen-Mähren zu, gelegen waren, aber zu dem seit Markgraf Leopold III. nachweisbaren „Prinzipatsbezirk“ des Markgrafen gehört hatten. Durch das Privilegium minus wurde die Mark Österreich land- und lehenrechtlich vom Herzogtum Bayern gelöst, ein österreichisches Landrecht setzte sich im ganzen Herzogtum durch und zugleich das Amtsrecht des Herzogs. In dem nach der Mitte des 12. Jahrhunderts sich anbahnenden Umbau in der Verfassung des Reiches steht Österreich mit dem Privilegium minus am Anfang der Entwicklung zur Ausbildung des Territoriums und des jüngeren Herzogtums. Das „Land“ als Personenverband gleichen Rechtes und das „Herzogtum“ („dux Austriae“ nennt sich H. fortan) als Summe von Hoheitsgebieten und Hoheitsrechten werden immer mehr zur Deckung gebracht. Die Möglichkeiten zur Durchsetzung der herzoglichen Gebietshoheit gegenüber kirchlichen Besitzungen und Rechten (Streitigkeiten mit den Bischöfen von Passau und Freising, beide – Konrad und Otto – Brüder H.s, ersterer seit 1164 Erzbischof von Salzburg, sind überliefert) und von Ansprüchen auf erbenloses Gut und Rechte aussterbender Hochadelsgeschlechter (die Grafen von Formbach-Pütten, von Poigen und von Burghausen) waren gegeben. Die landesherrliche Kirchenpolitik kam auch in dem Schisma von 1159 zum Ausdruck, in dem H. auf Seite des kaiserlichen Gegenpapstes stand ( Kaiser Friedrich selbst weilte 1165 in Wien).

    H. hatte in den letzten Jahren seines Lebens schwere Kämpfe zu führen, zum guten Teil bedingt durch die Eifersucht und Sorge der Nachbarn vor dem immer mächtiger werdenden Österreich, so mit Böhmen, wo nach dem Tode seines Schwagers Wladislaw eine nationale Partei zur Regierung kam, die in Österreich einfiel und bis zur Donau vorstieß (1176, erst 1179 durch kaiserlichen Schiedsspruch erfolgreich beendet). Auch mit Ungarn kam es zum Kampf, als H., der durch eine doppelte Vermählung seiner Kinder mit Angehörigen des ungarischen Königshauses mit diesem verbunden war, dort in Thronstreitigkeiten eingriff, und endlich mit der Steiermark, wo der junge Markgraf Otacher IV. in seiner Sorge vor der Expansion Österreichs nach Westen (Traungau) und nach Süden (Grafschaft Pütten) und in dem neuerlichen Gegensatz von Staufern und Babenbergern einerseits und den mit den Traungauern verwandten Welfen andererseits sich gegen den Babenberger wendete. Während dieser Kämpfe starb H. Er liegt bei den Schotten in Wien begraben. Dieses Kloster hatte er 1155 gegründet und mit irischen Mönchen aus dem Sankt Jakobs-Kloster in seiner Herzogsresidenz Regensburg besiedelt. Das Kloster spielte bald in Kunst und Geschichtsschreibung eine bedeutsame Rolle. H. führte 1157 auch wieder Benediktiner in das seit 100 Jahren babenbergische Eigenkloster Metten in Niederbayern zurück. Die engen Beziehungen zum Westen (zum Rhein, wo er lange Zeit Pfalzgraf war) und zu normannischen und burgundischen Gebieten spiegeln sich in der Baukunst Österreichs wider. Die Heirat H.s mit der byzantinischen Prinzessin war auch in geistiger und kultureller Hinsicht von großer Bedeutung, Kulturelemente aus dem Orient, byzantinische Kunstauffassung und Brauchtum fanden Eingang in Österreich. Handel und Verkehr nach Ost und West nahmen ihren Weg auf und entlang der Donau, desgleichen die Kreuzzüge. Eine Reihe von „Burgstädten“ entstand in H.s Regierungszeit, ebenso neue Klöster im Lande. Wien gewann immer größere Bedeutung, eine große Stadterweiterung erfolgte durch H., der in Wien („Am Hof“), das bereits Regensburg überflügelt hatte, seine dauernde Residenz nahm. Unter seiner Regierung entstand in Melk die erste österreichische Fürsten- und Landesgeschichte und in Klosterneuburg eine Geschichte seines Vaters, Markgraf Leopold, und von dessen Familie. Auch die ersten Boten einer ritterlich-höfischen Dichtkunst zeigten sich (der Kürenberger, Dietmar von Aist, Reginmar von Hagenau).

    H. hat durch geschickte Ausnützung politischer Situationen, sowohl im Innern des Reiches als auch an dessen südöstlichen Grenzen, durch unbeirrbares Verfolgen gesteckter Ziele, durch eine kluge Heiratspolitik, vor allem aber durch die entscheidend angebahnte Durchsetzung einer starken Territorial- und Landes-Hoheit – als erster im Reich – Österreich und seine Hauptstadt Wien zu hoher Blüte geführt. Die am Ende des 13. Jahrhunderts auftretende Bezeichnung „Jochsamergott“ als Beiname des Herzogs (in Bedeutung und Herkunft ungeklärt!) wurde zu „Jasomirgott“ umgedeutet und hält im Volk Wirkung und Erfolg seiner Regierung fest.

  • Literatur

    ADB XI;
    A. v. Meiller, Regg. z. Gesch. d. Markgrafen u. Herzöge Österreichs a. d. Hause Babenberg, 1850;
    O. Mitis, H. Fichtenau u. E. Zöllner, UB z. Gesch. d. Babenberger in Österreich I, 1950;
    M. Vancsa, Gesch. Nd.- u. Oberösterreichs I, 1905;
    S. Riezler, Gesch. Baierns I, 2, 21927;
    K. Lechner, Gfsch., Mark u. Hzgt., in: Jb. f. Landeskde. v. Nd.österreich 20/I, 1926;
    ders., Die Babenberger u. Österreich, 1947;
    ders., Die Gründungsgesch. u. d. Anfänge d. Schottenabtei in Wien (Festschr. 800 J. Schottenabtei), in: Rel., Wiss., Kultur 11, 1960;
    ders., Hzg. H. II. Jasomirgott, in: Gestalter d. Gesch. Österreichs, hrsg. v. H. Hantsch, 1962;
    J. Heilig, Die Erhebung Österreichs z. Hzgt. 1156 u. d. Bündnis zw. Byzanz u. d. Westreich, in: Kaisertum u. Herzogsgewalt im Za. Friedrichs I., hrsg. v. Th. Mayer, 1941;
    Th. Mayer, Das österr. Privilegium minus, in: Mitt. d. oberösterr. Landesarchivs 5, 1957;
    H. Fichtenau, Von d. Mark z. Hzgt., Grundlagen u. Sinn d. „Privilegium minus“ in Österreich, 1958;
    H. Appelt, Die Erhebung Österreichs z. Hzgt., in: Bll. f. dt. Landesgesch. 95, 1959.

  • Autor

    Karl Lechner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lechner, Karl, "Heinrich II." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 375-377 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101037155.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich II. (Jasomirgott), Markgraf, später Herzog von Oestereich, aus dem Hause Nabenberg (geb. 2. April 1114?), war der zweite Sohn des Markgrafen Leopold des Heiligen von Oesterreich und der Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV. Da diese in erster Ehe an Herzog Friedrich I. von Schwaben, den Ahnherrn der Staufer, vermählt gewesen war, so war unser H. zugleich Halbbruder des Herzogs Friedrich II. von Schwaben und König Konrads III. Von dem Vater weniger geliebt und wol deshalb in den Urkunden desselben seltener erwähnt, folgte H. seinem Bruder Leopold IV., der auch Herzog von Baiern gewesen war, 1141 zunächst nur in der Mark, wofür er die ihm von König Konrad III. früher (1140) verliehene rheinische Pfalzgrafschaft aufgab. Zu Ostern vermittelte König Konrad zu Würzburg die Vermählung Heinrichs mit der Wittwe Heinrichs des Stolzen, Gertrud; die Hochzeit fand zu Frankfurt statt (Mai 1142). Jetzt erst und nachdem Gertrudens Sohn Heinrich der Löwe auf Baiern verzichtet hatte, belehnte (zwischen dem 16. Febr. und 3. April 1143, vgl. Jassé, Konrad III., 222) der König den Babenberger mit diesem Herzogthume. Doch ging die hieran geknüpfte Hoffnung auf eine Versöhnung des welfischen und babenbergischen Hauses nicht in Erfüllung, vielmehr sah sich H., da Gertrud schon am 18. April 1143 starb und Heinrichs des Löwen Oheim Welf VI. die Waffen nicht ruhen ließ, in einen Krieg um sein Herzogthum verflochten, der ohne Unterbrechung bis 1146 währte. H. selbst verheerte in diesem Kriege Freisingen, Stadt und Gebiet, eroberte im Bunde mit dem Könige die Burg Dachau und bekämpfte, von dem Böhmenherzoge Wladislaw, seinem Schwager und mehreren bairischen Großen unterstützt den mit dem Markgrafen Ottokar V. von Steier verbündeten Bischof Heinrich von Regensburg, dessen Stadt er belagerte, wofür ihn die Excommunication traf. Kaum war diese Fehde beigelegt, als sich im Osten eine noch größere Gefahr erhob. Ein Prätendent Boris, Sohn des ungarischen Königs Kalmani erschien zu Regensburg und verlangte von König Konrad das Versprechen einer Unterstützung. Schon vorher aber war durch baierische und österreichische Herren, die Boris mit Geld für seine Sache geworben, der Friede gebrochen worden. In der Osterwoche 1146 hatten dieselben heimlich die ungarische Grenze überschritten und sich durch nächtlichen Ueberfall Preßburgs bemächtigt. König Geysa rächte, obgleich jene ihm die Festung gegen ein Lösegeld übergaben, den frechen Friedensbruch durch einen Einfall in die Ostmark. Hier kam es auf dem Vierfeld, einer Ebene an der Leitha, am 11. Septbr. 1146 zu einem gewaltigen Treffen, in dem H. gänzlich geschlagen wurde und seine Rettung nur den wuchtigen Hieben seines Schwertes und den Staubwolken, welche die Flucht begünstigten, dankte. — Dem Kriege mit Welf und jenem mit Geysa machte der zweite Kreuzzug ein Ende, an dem auch die beiden Gegner Welf und H. Theil nahmen. Der letztere nahm auf dem Hoftage zu Regensburg (Februar 1147) das Kreuz. H. scheint sich bei dem Hauptheere befunden zu haben, welches unter König Konrad über Doryläum zog, doch bald zur Rückkehr unter tausend Beschwerden sich gezwungen sah. Im Winter 1147/48 befanden sich König Konrad und Herzog H. in Constantinopel, wo der letztere sich mit Theodora, einer Nichte des Kaisers Manuel verlobte. Sodann fuhr H. mit dem Könige|übers Meer nach Accon und dürfte auch an der Belagerung von Damascus Theil genommen haben. Den Winter 1148 auf 1149 weilten Konrad und der Baiernherzog, der sich erst jetzt mit Theodora vermählte, abermals in der byzantinischen Hauptstadt. Die Nachricht, daß Wels, vom Kreuzzuge zurückgekehrt, von neuem losgeschlagen habe, bewog den König Konrad und Herzog H. auch ihrerseits die Rückkehr anzutreten, auf der sie am 1. Mai 1149 in Pola landeten. Am 8. Mai treffen wir beide zu Glemona bei Udine. Auch Heinrich der Löwe erneuerte jetzt seine Ansprüche auf Baiern, wo sich für ihn die Söhne des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, bald auch dieser selbst erhoben. Zwar mußten sich nach kurzer Gegenwehr die Wittelsbacher dem Könige unterwerfen, dagegen wurde erst unter dem neuen Könige Friedrich die Fehde mit den Welfen beigelegt. Dieser schrieb wegen der bairischen Frage einen Reichstag auf den October 1152 nach Würzburg aus, auf welchem jedoch H. nicht erschien. Dagegen fand er sich auf den im Juni 1153 nach Worms zur Beilegung dieses Streites von Kaiser Friedrich anberaumten Tagen ein. Doch blieben die Verhandlungen daselbst, so wie jene zu Regensburg (October) und Speier (December), wo sich H. wieder einfand, ebenso erfolglos als ein Hoftag zu Bamberg (3. Febr. 1154), obgleich der Babenberger auch hier erschien. Da wurde endlich auf dem Reichstage zu Goslar (Juni 1154) das Herzogthum Baiern, ohne in die eigentliche Rechtsfrage einzugehen, dem Babenberger abgesprochen und von Kaiser Friedrich seinem Gegner Heinrich dem Löwen zuerkannt. Dieser wurde mit dem Herzogthum belehnt und legte sich von da an wieder den Titel: Herzog von Baiern und Sachsen bei. Doch blieb H. Jasomirgott für einige Zeit noch im Besitze des Landes und nannte sich nach wie vor in Urkunden Herzog von Baiern und Markgraf von Oesterreich. Besonders im östlichen Theile von Baiern hatte er noch immer einen mächtigen Anhang, während sich der westliche Theil wol schon damals von ihm abgewendet hat. Auch nahm der grollende Babenberger an der Romfahrt Friedrichs nicht Theil. Dagegen ist die Behauptung, daß er sich schon damals (Mai 1154 bis September 1156) den Titel: Dux orientis oder Dux Australium beigelegt habe, zu verwerfen. Die von Meiller angeführten Urkunden gehören offenbar in eine etwas spätere Zeit. Der Streit selbst wurde nach neuen fruchtlosen Verhandlungen und nachdem der Kaiser bereits 1155 Heinrich den Löwen förmlich in das Herzogthum Baiern eingesetzt, erst auf dem Reichstage zu Regensburg (17. September 1156) beendigt. Hier übergab H. Jasomirgott die sieben Fahnen, die das ganze Herzogthum Baiern bezeichneten, Heinrich dem Löwen und empfing sodann aus dessen Händen zwei als Symbole der Mark und der dazu gehörigen drei Grafschaften zurück. Darauf verkündete der Böhmenherzog Wladislaw den von allen Fürsten gebilligten Spruch, wonach die Ostmark mit jenen Grafschaften zu einem Herzogthum erhoben und H. und seiner Gemahlin Theodora als Lehen übertragen wurde. Zugleich wurde das neue Herzogthum mit ungewöhnlichen Vorrechten ausgestattet. Die darüber ausgestellte Urkunde wird zum Unterschiede von einer angeblich an demselben Tage ausgestellten unechten Urkunde, dem sogenannten privilegium Fridericianum maius, das minus genannt. Darnach sollten H. und seine Gemahlin, sowie ihre Kinder nach ihnen, ohne Unterschied, Söhne wie Töchter, das Herzogthum Oesterreich erbrechtlich vom Reiche inne haben, ja für den Fall, daß sie ohne Kinder stürben, berechtigt sein, den Nachfolger zu designiren. Jede fremde Gerichtsbarkeit sollte von dem österreichischen Herzogthum ausgeschlossen und der Herzog dem Reiche zu keinem weiteren Dienste verpflichtet sein, als zum Besuche der auf bairischem Boden anberaumten Hof- und Reichstage und zu Feldzügen in die österreichischen Grenzländer. — Zunächst freilich gab dieses Privileg Anlaß zu neuen Streitigkeiten, in welche der Babenberger mit den Bischöfen von Freising und|Passau gerieth, indem er, wie es scheint, die ihm durch das minus eingeräumten Rechte ausschließlicher Gerichtsbarkeit in seinem Lande ohne Rücksicht darauf, daß beide Bischöfe seine Brüder waren, auch auf die in Oesterreich gelegenen bischöflichen Güter auszudehnen suchte. Zwischen ihm und Otto von Freisingen vermittelte der Kaiser auf einem Regensburger Reichstage am 13. Jan. 1158. Zum völligen Ausgleich aber kam der Handel mit Freisingen erst unter Otto's Nachfolger Albert, der den Herzog in Oesterreich aufsuchte und zur Herabstimmung seiner Forderungen vermochte. Leidenschaftlicher und langwieriger gestaltete sich der Streit mit dem Passauer Bruder. Er weckte solches Aergerniß, daß auf dem Reichstage zu Parma im Sommer 1159 die Fürsten einmüthig in den Kaiser drangen als Vermittler einzutreten. Friedrich beauftragte den Salzburger Erzbischof Eberhard mit einem Sühneversuche, doch bemühte sich dieser wiederholt, noch auf seinem Todbette, 1164, vergebens darum. 1158 nahm H. an der Heerfahrt des Kaisers nach Italien Theil. Er zog zugleich mit dem Herzoge von Kärnten und ungarischen Hülfstruppen über Cividale und Verona und machte die Belagerung von Mailand mit. Die Unterwerfung der Stadt erfolgte unter seiner und des Böhmenkönigs Vermittelung, worauf er mit Erlaubniß des Kaisers in sein Land zurückkehrte. Auch 1l62 weilte H. unmittelbar nach dem Falle Mailands bei dem Kaiser in Italien: zu Pavia (5.—10. Juni) und zu Bologna (2. Juli). Während des fortdauernden Schisma's verhielt sich H. möglichst neutral. Wol leistete H., als der Kaiser 1165 selbst nach Wien kam, den Eid auf die gegen den Papst gerichteten Würzburger Beschlüsse, doch suchte er zwischen dem Kaiser und seinem Bruder Konrad, seit 1164 Erzbischof von Salzburg und Anhänger Alexanders III. zu vermitteln, und als dies nicht gelang, vielmehr der Kaiser auch an ihn die Aufforderung ergehen ließ, den Salzburger zu befehden, blieb er vom Kampfe ferne und ließ es zu, daß Kleriker des in seinem Lande gelegenen Stiftes Kloster-Neuburg sich bei Konrad die Weihe holten. Noch im J. 1167 unternahm er mit Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, im Auftrage des Kaisers eine Gesandtschaftsreise nach Constantinopel, wozu vielleicht der Thronstreit in Ungarn den Anlaß gab. Gespannter wurde Heinrichs Verhältniß zum Kaiser erst, als nach Konrads Tode (1168) von der kirchlichen Partei Adalbert, Sohn des Böhmenkönigs Wladislaw und Schwestersohn unseres Herzogs auf den Salzburger Bischofssitz erhoben wurde. Zwar gingen weder die Hoffnungen der Lombarden noch jene der Salzburger Anhänger Alexanders III. und des Papstes selbst auf ein energisches Eingreifen Heinrichs zu ihren Gunsten in Erfüllung. Vielmehr ertheilte der Herzog von Oesterreich seinem Neffen den von diesem auch befolgten Rath, für den Augenblick den Umständen zu weichen und nicht durch Widerstand den Kaiser zu reizen. Als aber endlich auf dem Reichstage zu Regensburg (1174) die Absetzung Adalberts ausgesprochen und in dem Propste Heinrich von Berchtesgaden ein Gegenbischof erhoben wurde, war Herzog H. von Oesterreich der einzige Fürst, der diesen Vorgängen zu widersprechen wagte. Es dürfte daher wol auch nicht Zufall gewesen sein, daß H. den Zug, den der Kaiser noch in demselben Jahre nach Italien unternahm, nicht mitgemacht hat. Erbittert über diese Haltung Heinrichs forderte der Kaiser den Böhmenherzog Sobieslaw zum Kriege wider denselben auf. Alte Grenzstreitigkeiten mit Böhmen nahmen unter diesen Verhältnissen einen ernsten Charakter an. Schon im J. 1175 begann der Krieg, wozu sich bald eine Fehde mit König Bela III. wegen dessen Bruder Geysa, dessen sich H. angenommen hatte, und endlich ein Krieg mit dem steirischen Markgrafen Ottokar gesellte. Anfangs schien es zwar, als würde Herzog Konrad Otto von Znaim in diesem Kriege für H. Partei ergreifen. Aber die Przemysliden wurden bald wieder mit einander ausgesöhnt, worauf sie beide mit einem durch Zuzüge|aus Ungarn, Polen, Rußland und Sachsen bis auf 60 000 Mann verstärkten Heere (1176) Oesterreich überfielen. Einer solchen Macht war H. nicht gewachsen; er wich hinter die Donau zurück und gab das Marchfeld feindlicher Verwüstung preis. Damals hatte H. mit seinem einstigen Gegner Heinrich dem Löwen, den er einige Jahre zuvor (1172) auf seiner Kreuzfahrt zu Kloster-Neuburg glänzend empfangen hatte, eine Zusammenkunft zu Enns, die indeß zu keiner engeren Verbindung der beiden Fürsten geführt zu haben scheint. Nach dem Abzuge der Böhmen unternahmen zur Wiedervergeltung Heinrichs Söhne einen ähnlichen Raubzug nach Mähren, den Sobieslaw durch einen noch schrecklicheren nach Oesterreich vergalt, ohne daß H., der dies von den Höhen am rechten Donauufer mit ansah, es verhindern konnte. Mitten in diesen Kriegsstürmen, die seine Regierung, so wie dieselbe begonnen, auch beschließen sollten, starb Herzog H. zu Wien am 13. Januar 1177 infolge eines Sturzes vom Pferde. — Die politische Bedeutung der Regierung Heinrichs liegt vor allem in der Trennung Oesterreichs von Baiern und in der dadurch bedingten Begründung eines neuen reichsfürstlichen Territoriums, das durch die demselben gleichzeitig ertheilten Befugnisse die Keime einer bedeutsamen Entwicklung in sich trug. Schon H. suchte, wie wir sahen, mit Ausdauer diesen Rechten wenigstens den in seinem Lande begüterten Bischöfen gegenüber Geltung zu verschaffen. Das neue Herzogthum erforderte aber auch einen bestimmten Mittelpunkt, zu dem sich vor allem Wien eignete, das eigentlich erst unter ihm, zugleich begünstigt durch die Kreuzzüge, in die Geschichte eintritt. H. wählte es denn auch zu seiner Residenz, während noch sein Vater das Schloß auf dem Kalenberg bewohnte, erweiterte die Stadt, indem er vor derselben gelegene Ansiedelungen in deren Mauern einbezog, und suchte sie der Stadt Regensburg als zweite, gleich mächtige Handelsstadt an der mittleren Donau zur Seite zu stellen. In Regensburg war es auch, wo Herzog H. jene irischen Mönche kennen lernte, die mitten unter den Bürgern lebend, nebst ihren religiösen Obliegenheiten und dem Unterrichte der Jugend auch Handel mit verschiedenen Artikeln trieben. Er verpflanzte sie (1155) nach Wien, baute ihnen auf seinem Grund und Boden auf der nach dem ihnen ertheilten Asylrechte sog. "Freiung" ein Kloster, welche noch jetzt das Schottenkloster heißt, obgleich es später (15. Jahrh.) deutschen Benedictinern übergeben wurde, und bestimmte dieses Kloster zur Begräbnißstätte für sich und sein ganzes Haus. Auch die ältesten Bautheile der St. Stephanskirche (die Westfaçade) stammen aus seiner Zeit. 1147 wurde die Kirche von dem Passauer Bischofe Reimbert eingeweiht. Nicht ohne Stolz nennt H. in einer Urkunde Wien die Stadt, welche einst Faviana geheißen habe; denn mit seinem gelehrten Bruder theilte er die Meinung, daß Wien mit jenem alten Römerorte identisch sei. — H. hinterließ eine Tochter Agnes, welche in erster Ehe (1166) mit König Stefan III. von Ungarn ( 1173), in zweiter mit Herzog Hermann von Kärnten vermählt war und zwei Söhne Leopold VI. und Heinrich (geb. 1158), die er 1174 wehrhaft machte und von denen er eben damals den älteren mit Helena, der Tochter Geisa's II. von Ungarn vermählte. Der spätere Beiname Jasomirgott (joch so mir Got) taucht in den österreichischen Quellen erst im 13. Jahrhundert (zuerst im Auctarium Vindobonense) auf. Ob unter dem von den arabischen Chronisten Ibn el Furât erwähnten Jâsan elkund Harrî d. i. der Graf Heinrich mit dem Beinamen Jasân, wie Karabaček, Beiträge zur Gesch. der Mazjaditen, Leipzig 1874. S. 123—124 annimmt, unser Herzog H. und unter dem Namen Jasân der Beinamen Jasomirgott zu verstehen sei, lasse ich dahingestellt.

  • Autor

    v. Zeißberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeißberg, Heinrich von, "Heinrich II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 554-557 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101037155.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA