Lebensdaten
erwähnt 995, gestorben 1018
Beruf/Funktion
Markgraf von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137313438 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich
  • Heinrich I. von Babenberg
  • Heinrich von Babenberg
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Zitierweise

Heinrich I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137313438.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Babenberger (s. NDB I);
    V Mgf. Liutpold ( 994);
    M Richwara (Richarda);
    B Hzg. Ernst I. v. Schwaben ( 1015, s. NDB IV), EB Poppo v. Trier ( 1047);
    B (Stief-B ?) Mgf. Adalbert v. Ö. ( 1055, s. NDB I), EB Leopold v. Mainz ( 1059);
    - ? (nach später Überlieferung Suanhild);
    N Hzg. Ernst II. v. Schwaben ( 1030, s. NDB IV).

  • Leben

    Wir finden H. zuerst in Urkunden 995 und 996 als Graf in seiner Mark erwähnt. Die zweitgenannte Urkunde ist jene, die zum erstenmal die „regio Ostarrichi“ nennt. 1002 erhielt H. eine große Königsschenkung an der Ostflanke der Mark, und zwar südlich und nördlich der Donau. Damit ist auch der Weg in die beiden östlichen Landesviertel eröffnet, was notwendigerweise zu Kämpfen mit Böhmen und Mährern und mit den Ungarn führen mußte. Thietmar von Merseburg führt H. in seiner Chronik oft in diesem Zusammenhange an. Vor allem erwähnt er ihn (1017, richtig wohl 1014) in Verbindung mit dem im Grenzgebiet zwischen Mährern und Bayern irrigerweise als Spion hingerichteten irischen Pilger Koloman, dessen Leichnam dann nach Melk in die Burg („civitas“) H.s überführt und in der dortigen Sankt Peters-Eigenkirche des Bistums Eichstätt beigesetzt wurde. Melk (wie andere Donau-Großfesten) war altes Reichsgut, und wir dürfen den Markgrafen als Beauftragten des Königs auf Reichsboden ansehen. Von besonderer Bedeutung ist es, daß in der Regierungszeit H.s das Bistum Passau in der Mark Österreich an 5 wichtigen und wirtschaftlich günstig gelegenen Punkten Grund und Boden zur Errichtung von Kirchen erhielt: in Krems, Herzogenburg, Tulln, Sigmarswörth (Altenwörth, später nach Kirchberg am Wagram verlegt) und Jedlesee (aber gleich darauf zurück genommen nach Stockerau), alle Mittelpunkte von großen Mutterpfarren und alle das Passauer-Bistumspatrozinium Sankt Stephan tragend. Damit war auch die Grundlage zur Passauischen Kirchen- und Pfarrorganisation in der Mark gelegt.

    Die öfter vertretene Meinung, daß H.s Nachfolger, Markgraf Adalbert, sein Sohn gewesen sei, vor allem wegen des großen Zeitraumes zwischen dem Tode H.s (1018) und Adalberts (1055), findet bei einer genauen Untersuchung der Quellen keine Stütze. Die Erstnennungen der beiden – 995 beziehungsweise 1018 – aber liegen wesentlich näher beieinander. Man könnte allenfalls an Stiefbruderschaft denken. Die Bedeutung H.s (und seines Hauses), die bereits mit der Eroberung der beiden östlichen Landesviertel beginnt, was sein Nachfolger Adalbert im großen Stil und mit großem Erfolg fortsetzt, liegt auch darin, daß seine Geschwister bedeutende Stellungen im Reiche innehatten, Ernst und dessen Sohn als Herzöge von Schwaben, Poppo als Dompropst von Bamberg (als solcher vermittelte er 1015 eine königliche Schenkung in der Grafschaft seines Bruders H. an das Domkapitel von Bamberg) und seit 1016 als Erzbischof von Trier.

  • Literatur

    ADB XI;
    Thietmari chron., ed. R. Holtzmann, = SS NS IX, 1935, bes. lib. IV, VII, VIII;
    K. Lechner, Die Babenberger u. Österreich, 1947;
    ders., Die Anfänge d. Stiftes Melk u. d. St. Koloman-Kultes, in: Jb. f. Landeskde. v. Nd.österreich 29, 1948;
    ders., Der „pagŭs Grunzwiti“ u. s. Besitzverhältnisse, ebd. 34, 1960;
    ders., Btrr. z. älteren Besitzgesch. d. Klosters Melk, ebd. 36, 1964;
    ders., Btrr. z. Geneal. d. älteren österr. Markgrafen, in: MIÖG 71, 1963;
    E. Klebel, Eichstätt u. Herrieden im Osten, in: Jb. f. fränk. Landesforschung 14, 1954;
    H. Wolf, Erll. z. Kirchenkarte - Niederösterreich, = Erll. z. hist. Atlas d. österr. Alpenländer II/6, 1955.

  • Autor/in

    Karl Lechner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lechner, Karl, "Heinrich I." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 375 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137313438.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich I., Markgraf der bairischen Ostmark (994—1018), Sohn Liutpolds I., des ersten babenbergischen Vorstandes dieser Mark. Unter ihm haben der Anbau, die Sicherung und Befestigung des erst vor kurzem von den Ungarn wiedergewonnenen Landes unzweifelhaft bedeutende Fortschritte gemacht. Am 16. Novbr. 1002 schenkte ihm König Heinrich II., als Baiernherzog sein nächster Vorgesetzter, wol zum Danke für seine Unterstützung bei der Königswahl, den heute so reich bevölkerten Bezirk zwischen Liesing, Piesting und Wienerwald, damals eine wüste, noch jenseit der alten Markgrenzen liegende Einöde. Dazu sollte sich der Markgraf zwanzig Hufen jenseit der Donau zwischen dem Kamp und der March selbst aussuchen, ein Beweis, wie sehr es auch dieser Gegend noch an Anbau fehlte. Heinrichs Residenz war Melk, wohin er aus Stockerau die Reliquien des als vermeinten Spions gehängten britischen Jerusalempilgers Choloman zu feierlicher Bestattung durch den Bischof von Eichstädt bringen ließ. Als König Heinrich II. 1015 drei Heere zum Angriff gegen Boleslav und dessen Sohn Mesco von Polen ziehen ließ, befehligte H. das aus den Baiern und den böhmischen Hülfstruppen des Herzogs Othelrich gebildete Südheer, das von der Ostmark aus vordringen sollte. Die Polen kamen seinem Angriffe zuvor, brachen von Mähren aus in die Ostmark ein, erlitten aber durch Heinrichs Streitmacht starke Verluste und mußten mit Zurücklassung ihrer Beute das Land räumen. Aehnlichen Verlauf nahm der Feldzug des J. 1017 gegen Boleslav; ein kühner Ueberfall von Mähren her hinderte, wie es scheint, den baierischen Heerbann in Schlesien, dem diesmaligen Hauptschauplatze des Krieges, zu erscheinen. Im August aber rächte H. mit seinen Baiern diese Schlappe, indem er die mährische Abtheilung von Boleslavs Heer übersiel, sie mit einem Verluste von über 1000 Todten in die Flucht schlug und ihren böhmischen Gefangenen die Freiheit gab. Nicht lange aber überlebte der wackere Markgraf, eine der Säulen des Reiches, diesen Sieg; ein plötzlicher Tod raffte ihn am 23. Juni 1018 dahin. Er scheint keine Kinder hinterlassen zu haben und die Ostmark kam an seinen Bruder Adalbert, der vorher den Donau- und Schweinachgau verwaltet hatte.

    • Literatur

      v. Meiller, Babenbergische Regesten. Büdinger, Oesterreich. Gesch. I, 472 ff. Hirsch u. Breßlau, Heinrich II.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Heinrich I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 453 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137313438.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA