Lebensdaten
erwähnt 19./20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Maschinenfabrikanten
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 139799877 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Polysius

Verknüpfungen

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Zitierweise

Polysius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139799877.html [19.10.2019].

CC0

  • Leben

    Der als Sohn eines Schäfers 1827 geborene Gottfried (1827–86) besuchte drei Jahre das Gymnasium, arbeitete anschließend in der Schäferei und absolvierte eine Schlosserlehre. Nach kurzer Tätigkeit in einer Maschinenfabrik und Wanderschaft eröffnete er 1859 in Dessau eine Schlosserwerkstatt. Nach dem Erwerb der Eisengießerei und Maschinenfabrik Beckmann & Gebhardt 1870 führte Gottfried, 1883 zum Kommissionsrat ernannt, das Unternehmen als „G. Polysius Eisengießerei und Maschinenfabrik“ fort. Erzeugt wurden zunächst Geldschränke und kunstvolle Schmiedearbeiten, dann Maschinenteile für den Eisenbahn- und Mühlenbau sowie für die Landwirtschaft. Nach Gottfrieds Tod brach der älteste Sohn Otto (1863–1933, s. Rhdb.; Wenzel), Kommerzienrat, sein Maschinenbaustudium ab, um die Fabrik fortzuführen, seit 1896 gemeinsam mit seinem Bruder Max (1870–1932). Einen gewinnträchtigen Markt fanden die Brüder in der Zementindustrie. Sie lieferten Zerkleinerungsmaschinen, komplette Zementwerke, selbstentwickelte neuartige Mahlgänge für Zementfabriken sowie Transmissionen und Reibungskupplungen, Triebwerke, Dampfmaschinen, Kugelmühlen und Steinbrecher. Otto widmete sich der Unternehmensführung und Technik, Max dem Vertrieb und weltweiten Absatz. Wichtig wurde Ende der 1890er Jahre die aus Kontakten auf der Weltausstellung in Chicago 1893 entstandene Zusammenarbeit mit Carl Prüssing, dem Direktor der Portland-Zementfabrik Hemmor. Um die in Amerika neu entwickelte Methode des Zementbrennens einzuführen, begründete man gemeinsam mit den Firmen Amme, Giesecke & Konegen sowie Fellner & Ziegler die Brennofenbauanstalt in Hamburg. Hier gelang es, einen technisch zuverlässigen und wirtschaftlichen Drehrohrofen zu entwickeln, dessen Funktionsweise bis heute eine Grundlage der Zementtechnologie darstellt. Bis 1907 wurden 147 dieser Drehofenanlagen erstellt, die Brennofenbauanstalt führte die Firma G. Polysius seit 1904 allein. Das Unternehmen konzentrierte sich verstärkt auf die Lieferung von Einzelanlagen und kompletten Fabriken für die Zementindustrie. Der 1. Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung; erst in den 1920er Jahren gewann das Unternehmen seine Bedeutung als zentraler Zulieferer der Zementindustrie zurück. Otto wurde 1928 von der TH Charlottenburg zum Ehrensenator und 1929 zum Dr.-Ing. E. h. ernannt, Max wurde 1928 Dr.-Ing. E. h. der TH Braunschweig. Nach der Umwandlung der Firma 1928 in eine Familienaktiengesellschaft wurden Otto und Max Mitglieder des Aufsichtsrats; in die Geschäftsführung traten ein Gustav ( 1947) und Otto ( 1944), die Söhne von Otto sowie Gottfried Karl, Sohn von Max, und Alexander Hasselbach ( 1939), verheiratet mit Max' Tochter Erika. Einen entscheidenden Fortschritt für das Unternehmen und die gesamte Zementtechnologie brachte die Zusammenarbeit mit Otto Lellep (1884–1975). Als deren Ergebnis entstand ein Zementdrehofen („Lepol-Ofen“), der das Rohmaterial nicht als Schlamm, sondern als Granulat verarbeitete. Dies ermöglichte die Rückgewinnung der sonst verlorenen Abwärme und sparte dadurch mehr als ein Drittel der bisher benötigten Brennstoffmenge. Seit 1933 erhöhte sich die Inlandsnachfrage nach Zementmaschinen und dem neu entwickelten Drehofen, der Auslandsabsatz blieb jedoch begrenzt. 1939 verließ Gottfried Karl das Unternehmen. Während des 2. Weltkriegs kam das Geschäft fast zum Erliegen. Nach Kriegsende führte Gustav die Firma in Dessau fort. Sie wurde im Sept. 1946 von der sowjet. Besatzungsmacht enteignet, der seit|dem 31.7.1946 internierte Gustav starb 1947 im Lager Buchenwald. Dr.-Ing. Curt Prüssing (* 1896), Ehemann von Max' zweiter Tochter Ilse, hatte gleichzeitig in Neubeckum einen Standort im Westen geschaffen, den er als Westpol GmbH, seit 1949 als Polysius GmbH zum Unternehmen für Zementanlagenbau ausbaute. Mit in der Firma tätig waren jetzt die Söhne von Gustav und Otto, Karl Otto und Jochen (1922–75). 1971 übernahm die „Fried. Krupp GmbH“ die Aktienmehrheit des Unternehmens, in dem Jochen bis zu seinem Tod als Gesellschafter aktiv tätig blieb.

  • Literatur

    Polysius 1859-1959, Vom Schraubstock z. Großmaschinenbau, [1959] (P).

  • Portraits

    Fotos im Hist. Archiv Krupp., Essen.

  • Autor/in

    Renate Köhne-Lindenlaub
  • Empfohlene Zitierweise

    Köhne-Lindenlaub, Renate, "Polysius" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 611-612 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139799877.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA