Lebensdaten
1874 bis 1930
Geburtsort
Liebau (Riesengebirge)
Sterbeort
Obernigk bei Breslau
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118737554 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Otto
  • Müller, Otto

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Zitierweise

Mueller, Otto, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118737554.html [26.09.2016].

CC0

Mueller, Otto

Maler, * 16.10.1874 Liebau (Riesengebirge), 24.9.1930 Obernigk bei Breslau.

  • Genealogie

    V Julian Müller (1839–1909), Lt., Steuerbeamter in L., S d. Eduard (s. Gen. 1) u. d. Josephine Hoschek (1811–69) aus Böhmen; M Marie Maywald (1858–1925) aus Hühnerwasser (Böhmen), unehel. T e. Magd aus Böhmen; Adoptiveltern d. M Julius Göhler, Gutsbes., u. Caroline Auguste Hauptmann (* 1821), Tante der Dichter Carl (1858–1921) u. Gerhart Hauptmann (1862–1946, beide s. NDB VIII); Gr-Ov Otfried Müller (s. 1), Julius Müller (s. 2); 5 Geschw, u. a. Emmy (1876–1962, s. L), Mara (1878–1941, Paul Kother, 1878–1963, Maler), Kunststickerin; 4 Stief-Geschw, Cousine 2. Grades Paula Müller-Otfried (s. 3); – 1) Schönfeld b. Dresden 1905 ( 1921) Maschka Meyerhofer, 2) 1922 ( 1927) Elisabeth Lübke (1902–77, 2] Otto Herbig, 1889–1971, Maler, s. Wi. 1970), 3) Obernigk 1930 Elfriede Timm; 1 vorehel. S, 1 S aus 2).

  • Leben

    Nach wechselhafter Schulzeit in Liebau und Görlitz absolvierte M. 1890 dort eine Lithographenlehre und bildete sich autodidaktisch weiter. 1894-96 besuchte er die Dresdener Kunstakademie und wurde Schüler u. a. von Carl Ludwig Bantzer. 1898 studierte er in München bei Franz v. Stuck; im Jahr darauf kehrte er nach Dresden zurück, wo er Maschka Meyerhofer begegnete. 1900 unternahm er auf Einladung von Gerhart Hauptmann eine Reise in die Schweiz, den Sommer 1901 verbrachte er mit den Hauptmanns auf Hiddensee. 1901-04 arbeitete M. an verschiedenen Orten in Schlesien, 1905 heiratete er Maschka Meyerhofer (ihr gemeinsamer Sohn war bereits 4 Jahre alt) und reiste mit Gerhart Hauptmann nach Italien. In den folgenden Jahren lebten und arbeiteten M. und seine Frau vorwiegend in Mittelschreiberhau. 1908 übersiedelte M. nach Berlin, wo er mit dem literarischen Zirkel um den S. Fischer-Verlag in Kontakt trat, 1910 erhielt er die erste wichtige Ausstellung zusammen mit den „Zurückgewiesenen“ der „Berliner Secession“ in der Berliner Galerie Macht. M. wurde Gründungsmitglied der „Neuen Secession“ und Mitglied der Künstlergemeinschaft „Brücke“. Im Sommer 1910 reiste er mit E. L. Kirchner nach Böhmen; im September fand die erste Ausstellung mit der „Brücke“ in der Galerie Arnold in Dresden statt. Im Jahr darauf arbeitete M. mit E. Heckel und Kirchner an der Ostsee, im Juli zum zweiten Mal mit Kirchner in Böhmen und im August an den Moritzburger Seen. Verschiedene Gemeinschaftsausstellungen, u. a. mit dem „Blauen Reiter“ in München und mit der „Brücke“ in der Berliner Galerie Fritz Gurlitt (beide 1912) folgten; im selben Jahr hörte die „Neue Secession“ zu bestehen auf. 1913 ging nach Meinungsverschiedenheiten auch die Künstlergemeinschaft „Brücke“ auseinander, doch blieb M. weiter in engem Kontakt mit den Mitgliedern, besonders mit Kirchner; zusammen verbrachten sie den Sommer auf Fehmarn. 1914 bezog M. ein neues Atelier und wurde Gründungsmitglied der „Freien Secession“. 1916 wurde er zum Landsturm eingezogen, kam nach Flandern, später nach Frankreich und nach einem längeren Lazarettaufenthalt in Neuss 1917 an die russ. Front.

    Erst 1919 erhielt M. die erste bedeutende Einzelausstellung in der Berliner Galerie Paul Cassirer, dazu im selben Jahr eine Professur an der Breslauer Kunstakademie, wo er bis zu seinem Tod unterrichtete. 1921 trennte sich Maschka von M., blieb mit ihm aber bis zu seinem Lebensende durch zahlreiche Briefe und gemeinsame Reisen verbunden. 1922 heiratete er erneut, 1924 bereiste er den Balkan und besuchte Sarajewo, Ragusa und Spalato in Dalmatien; dabei entstanden die ersten „Zigeunerbilder“. In den folgenden Jahren reiste M. nach Ungarn, Paris und Südfrankreich, ferner nach Rumänien und Bulgarien. 1927 wurde die berühmte „Zigeunermappe“ vollendet. 1930 besuchte er wiederum Dalmatien; sein Lungenleiden verschlimmerte sich, kurz vor seinem Tod heiratete er ein drittes Mal.

    M.s Arbeiten der letzten fünf Schaffensjahre genügten der Kunstgeschichte, um das gesamte Œuvre des Künstlers in die Rubrik „Zigeunermaler“ einzuordnen. Die Zigeunerbilder, die zweifellos zu M.s Hauptwerken gehören, sind eher – wie auch sein übriges Werk – Ausdruck eines romantischen Gefühls für das Schöne, das reizvoll Exotische, als eine Schilderung des nüchternen Alltags und des gesellschaftlichen Ausgegrenztseins der Zigeuner. M. war ein „Schönheitssucher“, ein zeitlich ungebundener, sensibler|Maler, dessen „Kunst der Nuance“ mit einer gewissen Feinfühligkeit ertastet sein will (Paul Westheim). Er war eine sehr introvertierte Persönlichkeit, deren menschliches Empfinden und seelischer Zustand den bildnerischen Ausdruck mitbestimmten. Neben „seinem“ Thema, den Badenden oder Aktdarstellungen in der Natur, stehen deshalb das sich prüfende Selbstporträt oder das intime Doppelbildnis mit der jeweiligen Lebenspartnerin im Vordergrund seiner Arbeiten. Vergleiche mit seinen Zeitgenossen lassen den Maler mit seinem beharrlichen Rückgriff auf immer gleiche Sujets als schöngeistigen, weltfremdem Sonderling erscheinen. Daß er zu den gesellschaftlichen Problemen der Zeit nicht Stellung nahm, alles Alltägliche offensichtlich negierte, hat lange die Einschätzung und Bewertung seiner Malerei beeinflußt.

  • Werke

    u. a. in: Brücke-Mus., Nat.gal., Berlin; Leopold-Hoesch-Mus., Düren; Mus. Folkwang, Essen; Kunsthalle, Hamburg; Mus. Ludwig, Köln; Kunsthalle, Emden; Städelsches Kunstinst., Frankfurt; Gal. Moritzburg, Halle; Mus. d. bildenden Künste, Leipzig; Bayer. Staatsgem.slgg., München; Staatsgal., Stuttgart; Von der Heydt-Mus., Wuppertal; The Detroit Inst. of Art, Detroit; Art Mus., St. Louis.

  • Literatur

    P. Westheim, O. M., in: Das Kunstbl., 2, 1918, S. 129 ff.; E. Troeger, O. M., 1949 (P); L.-G. Buchheim, O. M., Leben u. Werk, 1963 (W-Verz. d. Graphik v. F. Karsch, Ausst.-Verz., L); ders., O. M., Pastelle-Zeichnungen – Lithographien, 1969; H. Jähner, O. M., 1974; F. Karsch, O. M. – d. graph. Gesamtwerk, Sonderkat. d. Gal. Nierendorf, Berlin 1974 (P); M.-A. v. Lüttichau, O. M., Ein Romantiker unter d. Expressionisten, 1993 (Ausst.-Verz., L, P); Schles. Lb. V, 1968; ThB; KML. – Emmy Mueller, Erinnerungen an O. M. (Typoskript, Anfang d. 50er J.). – Weitere Ausst. u. a. Gal. Thomas, München 1978 (P); O. M. z. 60. Todestag, Gal. Nierendorf, Berlin 1990 (P). – Archivstud. v. T. Pirsig, Essen.

  • Portraits

    Zahlr. Selbstbildnisse, Abb. u. a. bei v. Lüttichau (s. L); E. L. Kirchner, Gem. „O. M. mit Pfeife“, 1913 (Brücke-Mus., Berlin).

  • Autor

    Mario-Andreas von Lüttichau
  • Empfohlene Zitierweise

    Lüttichau, Mario-Andreas von, "Mueller, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 328-329 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118737554.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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