Lebensdaten
1889 bis 1967
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler ; Professor in Heidelberg
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118737082 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moser, H. J.
  • Moser, Hans J.

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Zitierweise

Moser, Hans Joachim, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118737082.html [28.08.2016].

CC0

Moser, Hans Joachim

Musikwissenschaftler, * 25.5.1889 Berlin, 14.8.1967 Berlin. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Andreas (1859–1925) aus Semlin/Donau, Violinpädagoge an d. Musikhochschule Berlin, 1900 Prof. ebda., Dr. phil. h. c. (s. MGG), S d. Selchers u. Winzers Franz aus Oberbergern b. Krems u. d. Antonie Spatz; M Edda Elcho (1868–1930) aus Williamsburg (New York, USA), T d. Rudolf Ewh (später: Elcho) (1839–1923), Romancier, Feuilletonchef|d. Berliner Volksztg. (s. DBJ V), u. d. Anna Wedemeyer aus Hannover; 1) 1916 Clara Topp (* 1889), 2) 1935 Dorothea (Dorle) Duffing, 3) Hanna (* 1910), Studiendir., T d. Alfred Walch (1871–1912), Prof. an d. Baugewerkschule in Höxter, u. d. Julie Schumann (1874–1955), Musiklehrerin; Ur-Gvm d. 3. Ehefrau Robert Schumann (1810–56), Komp. u. Musikschriftst.; Ur-Gmm d. 3. Ehefrau Clara Schumann (1819–96), Pianistin u. Komp.; – 1 S, 1 T aus 1); 4 K aus 2), u. a. Edda (* 1941), Sängerin (s. Riemann: New Grove), 2 S aus 3) Dietz-Rüdiger (* 1939), Prof. f. bayer. Lit.gesch. in München (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1992), Wolf-Hildebrand (* 1943), Sänger.

  • Leben

    Das geistig und musikalisch rege Elternhaus sowie eine gute humanistische Schulbildung haben die vielseitigen Neigungen M.s in besonderem Maße gefördert. Seit dem 15. Lebensjahr erhielt er Kompositionsunterricht bei Heinrich van Eyken, später bei Karl Rosner, Carl Krebs und Robert Kahn. Nach dem Abitur 1907 studierte er in Marburg, Berlin und Leipzig Musikwissenschaft bei Gustav Jenner, Ludwig Schiedermair, Hugo Riemann, Arnold Schering, Hermann Kretzschmar und Johannes Wolf, daneben Philosophie, Germanistik und Geschichte, wie auch Gesang bei Oskar Noë und Felix Schmidt. 1910 promovierte M. an der Univ. Rostock zum Dr. phil. mit einer Dissertation über „Die Musikergenossenschaften im deutschen Mittelalter“ (Nachdr. 1972). Seit 1913 wirkte er als Sänger (Baß). 1914-18 war er im Kriegsdienst. 1919 habilitierte er sich bei Hermann Abert in Halle mit einer Arbeit über das Streichinstrumentenspiel im Mittelalter. Er wurde dort Privatdozent und erhielt 1922 eine ao. Professur. Seit 1925 lehrte er an der Univ. Heidelberg. 1927 folgte er dem Ruf als Direktor der Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin, wurde Mitglied des Senats der Akademie der Künste und war gleichzeitig als Universitätslehrer tätig. 1933 wurde er in den Ruhestand versetzt und mußte 1934 auch seine Lehrtätigkeit aufgeben sowie seine vielfältigen Ämter in musikwissenschaftlich und -pädagogisch orientierten Vereinigungen niederlegen. Fortan arbeitete er als freier wissenschaftlicher Schriftsteller und Sänger. Finanzielle Not, dazu die Verpflichtung, für den Unterhalt einer wachsenden Familie zu sorgen, zwangen ihn schließlich, der NDSAP beizutreten. 1940 wurde ihm daraufhin als Dramaturg die Leitung der Reichsstelle für Musikbearbeitungen im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda übertragen, die er bis 1945 innehatte. Nach Kriegsende lebte er als Freischaffender in Berlin. 1947 lehrte er für acht Wochen an der Univ. Jena, gleichzeitig an der Musikhochschule in Weimar, wo er bis 1949, wiederum freischaffend, tätig blieb. 1950 kehrte er nach Berlin zurück und übernahm die Leitung des Städtischen (vormals Stern'-schen) Konservatoriums. Zwei Jahre später wurde er von Friedrich Blume und Hans Albrecht wieder in die Musikgeschichtliche Kommission berufen und somit als Musikwissenschaftler rehabilitiert. 1961 trat er in den Ruhestand. Seine letzten Lebensjahre wurden durch die Auswirkungen eines Schlaganfalls überschattet, dennoch blieb er bis zum Tode unermüdlich tätig.

    M. war Musiker und Wissenschaftler zugleich. Außergewöhnliche Merkfähigkeit, archivalischer Spürsinn und großes Organisationstalent verbanden sich bei ihm mit unglaublicher Produktivität. M. hat mehr als 1500 Veröffentlichungen unterschiedlichster Art vorgelegt, darunter zusammenfassende Darstellungen – im besonderen zur deutschen Musikgeschichte, der ev. Kirchenmusik und des deutschen Liedes. Hier hat M. ebenso Grundlegendes geleistet wie auf dem Gebiet der musikalischen Biographie mit seinen Arbeiten über Paul Hofhaimer und Heinrich Schütz. Als Kenner des deutschen Liedes besorgte M. viele Neuausgaben. Daneben entstanden Belletristik, Hör- und Schauspiele, Libretti und zahlreiche Kompositionen. Nicht alles, was oft erstaunlich rasch aus seiner Feder flöß, ist den Standardwerken zuzurechnen. Dennoch gehört M. zu den herausragenden Persönlichkeiten der Musikwissenschaft im 20. Jh.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Königsberg, 1931); Mozartmedaille d. Stadt Wien (1963).

  • Werke

    u. a. Das Streichinstrumentenspiel im MA (Habil.schr.), in: A. Moser, Gesch. d. Violinspiels, 21966/67, S. 1-34; Gesch. d. dt. Musik, 3 Bde., 1920/24, versch. Aufl. 1928/30, Nachdr. mit Ergg. 1968; Paul Hofhaimer, e. Lied- u. Orgelmeister d. dt. Humanismus, 1929, 21966; Die mehrstimmige Vertonung d. Evangeliums, Geschichtl. Darst., Bd. 1, 1931, 21968; Corydon, das ist: Gesch. d. mehrstimmigen Generalbassliedes u. d. Quodlibets im dt. Barock, 2 Bde., 1933, Nachdr. 1966; Musik-Lex., 1935, Neuausg. mit Erg.bd. A-Z, 41963; Heinrich Schütz, sein Leben u. Werk, 1936, 21954 (amerikan. 1959); Lehrb. d. Musikgesch., 1936, 141967; Das dt. Lied seit Mozart, 2 Bde., 1937, 21968; Musikgesch. in hundert Lb., 1952, Lizenzausg. 1979; Die ev. Kirchenmusik in Dtld., 1954, Nachdr. 1978; Selbstber. d. Forschers u. Schriftst., in: Festgabe f. H. J. M. z. 65. Geb.tag, 1954, S. 111-57; Luther als Musiker, in: Speculum musicae artis, FS f. H. Husmann, 1970, S. 229-44. – Editionen: Gassenhawerlin u. Reutterliedlin, Zu Franckenfurt am Meyn, b. Christian Egenolf 1535, 1927, Nachdr. 1970; Neuaufl. d. Denkmäler Dt. Tonkunst, 65 Bde., 1957-61. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Musikabt. d. Staatsbibl. Berlin, Preuß. Kulturbes.

  • Literatur

    Festgabe f. H. J. M. z. 65. Geb.tag, hrsg. v. e. Freundeskreis, 1954 (ausführl. W-Verz., bearb. v. H. Wegener, P); Ch. Engelbrecht, in: Der Kirchenmusiker, 1959, S. 77 f.; dies., in: Musik im Unterricht, 1959, S. 156 f.; H. Fischer, in: Kontakte, 1959, S. 120 f.; O. Riemer, in: Musica 13, 1959, S. 335 f.; W. Vetter, Gedanken z. musikal. Biogr., in: Die Musikforschung XII, 1959, S. 132-42; E. Werba, in: Musikerziehung 12, 1959, S. 216 f.; A. A. Abert, in: Acta Musicologica 40, 1968, S. 91 f.; F. Oberborbeck, in: Lied u. Chor 59, 1967, S. 218; O. Söhngen, in: Die Musikforschung 21, 1968, S. 154-57, MGG mit Suppl.bd.; Riemann mit Erg.bd.; New Grove. – Zu Julie: D.-R. Moser (Hrsg.), Mein liebes Julchen, Briefe v. Clara Schumann an ihre Enkeltochter Julie, 1990.

  • Autor

    Dagmar Droysen-Reber
  • Empfohlene Zitierweise

    Droysen-Reber, Dagmar, "Moser, Hans Joachim" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 191-193 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118737082.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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