Lebensdaten
um 1316 bis 1390
Sterbeort
Halberstadt
Beruf/Funktion
Bischof von Halberstadt ; Philosoph ; Naturforscher ; Scholastiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118878646 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Albrecht III. (als Bischof von Halberstadt)
  • Albert von Ricmestorp
  • Albertus de Saxonia (gewöhnlich genannt)
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Zitierweise

Albert von Sachsen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118878646.html [25.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus einer nach Helmstedt zugewanderten Rickmerstorfer Bürgerfamilie.

    Albert studierte in Prag (?) und Paris, wo er von 1351-62 an der Artistenfakultät lehrte und 1353 Rektor der Universität war. 1362-65 weilte er wahrscheinlich am päpstlichen Hofe in Avignon, 1365 erscheint er als erster Rektor der Universität Wien, zu deren Gründung er wesentlich beigetragen hat. Von 1366 bis zu seinem Tode war er Bischof von Halberstadt; dort hob er die Disziplin des Welt- und Ordensklerus und hat sich um den Dombau verdient gemacht. Seine gutenteils auch gedruckten Werke gehören der Artistenfakultät an. In der Logik ist Albert Okkamist. Seine Ethikauslegung ist vom Ethikkommentar des Walter Burleigh völlig abhängig. Hingegen enthalten seine von Buridanus und Nikolaus Oresme stark beeinflußten naturphilosophischen Werke beachtenswerte physikalische Beobachtungen und Gedanken (über Fallbeschleunigung, Impetustheorie usw.), deren Originalität und Modernität von P. Duhem anfänglich stark übertrieben wurden und durch die Forschungen von Albert Maier auf das rechte Maß zurückgeführt worden sind. Auch Schriften zur Psychologie hat Albert hinterlassen.

  • Werke

    u. a. Tractatus logicae; In libros de coelo et mundo, Pavia 1481 u. ö.; Sophismata, Paris 1490 u. 1495;
    Quaestiones super octo physicorum libros, Padua 1493 u. ö.; Quaestiones in logicam Guilelmi Occam, in: W. Occam, Expositio aurea, Bologna 1496;

    Commentarius in Posteriora Aristotelis, Mailand u. Venedig 1497; Tractatus de proportionibus, Bologna 1502 u. ö.; De generatione et corruptione, Venedig 1515 u. ö.; Expositio decem librorum ethicorum Aristotelis (ungedr.); De sensu et de sensato (ungedr.).

  • Literatur

    ADB I (unter Albert, Bischof v. Halberstadt);
    P. Duhem, Etudes sur Léonard da Vinci, 3 Bde., Paris 1906–13;
    G. Heidingsfelder, A. v. S., 21927 (W);
    H. Sange, Bischof A. II. v. Halberstadt, 1932, vgl. HZ 151, S. 287;
    A. Maier, Die Impetustheorie d. Scholastik, Rom 1940;
    dies., An d. Grenze v. Scholastik u. Naturwiss., 1943;
    LThK;
    Enc. Catt. I, 1949.

  • Autor/in

    Martin Grabmann
  • Leben

    Albert, Bischof von Halberstadt, A. von Rickmersdorf, gewöhnlich Albertus de Saxonia genannt, ein hervorragender Scholastiker des 14. Jahrhunderts, von Geburt ein Sachse, studirte zu Prag und Paris, wo er bis 1360 verweilte, ging dann nach Rom, nahm, von Papst Urban V. nach Wien geschickt, an der Gründung der dortigen Hochschule, zu deren erstem Rector ihn Herzog Rudolf IV. 1365 ernannte, hervorragenden Antheil und war endlich 1366—90 Bischof von Halberstadt. Während das Hauptfeld seiner Thätigkeit im Gebiete der Logik lag, zeigt er sich zugleich als sehr tüchtig geschult in Mathematik und in dem damaligen aristotelisch-arabischen Betriebe der Naturwissenschaften. Als einer der einflußreichsten Logiker seiner Zeit wirkte er im engsten Anschluß an Occam und Buridan, d. h. als Gegner der Anhänger des Albertus Magnus und des Thomas v. Aquino, und er verlieh hierdurch der Wiener Universität in den Parteikämpfen jener Zeit ebenso eine bestimmte Richtung, wie sein Gesinnungsgenosse Marsilius v. Inghen in Heidelberg die gleiche Wirkung ausübte, so daß in Deutschland der Occamismus ein Uebergewicht erlangte. Von seinen Schriften dieser Gattung, den „Quaestiones“ zu Occam's Logik (gedruckt in Occam's Expositio aurea“, 1496), den „Quaestiones super libros posteriorum“, welche eine casuistische Erörterung des aristotelischen Standpunktes enthalten (gedruckt 1497), der „Logica“ (gedruckt 1522) und den „Sophismata“ (gedruckt 1495), in welchen er 254 Sophismen abhandelt, gibt Prantl in seiner Gesch. der Logik Bd. 4 eine eingehende Darstellung. A. ist, wie es scheint, der Erste, der für die demonstratio propter quid, d. h. den Schluß aus der Ursache auf die Wirkung, und die demonstratio quia, aus der Wirkung auf die Ursache, den Ausdruck a priori und a posteriori gebraucht. — Gleichfalls in occamistischem Sinne sind seine anderweitigen Commentare geschrieben: „Super Aristotelis de coelo et mundo“, 1492 u. ö.; „Super octo libros physicorum“, 1516; „Super libros de generatione et corruptione“, 1516. Nur handschriftlich vorhanden sind die Werke: „De anima“, „De libris ethicorum“, „Parvorumnaturalium“, „Quaestiones super libros peri hermenias et priorum“. Außerdem verfaßte er noch einige bei Adelung verzeichnete Schriften, unter welchen jene „De proportionibus“ die bedeutendste ist. Der „Liber aggregationis s. secretorum de herbis etc.“ (s. unten S. 189), seit 1478 oft gedruckt, wird ihm so wenig wie Albert dem Großen angehören, obgleich eine Bodlejanische Handschrift, welche, dem Titel nach zu urtheilen, jenes Werk enthält, es dem Albertus de Saxonia zuschreibt. —

    • Literatur

      (Echard, Script. ord. praed. I. 186 b.)

  • Autor/in

    v. L.
  • Empfohlene Zitierweise

    L., von, "Albert von Sachsen" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 182-183 unter Albert, Bischof von Halberstadt [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118878646.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA