Lebensdaten
1425 oder 1429 bis 1476
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Kurfürst von der Pfalz ; Herzog von Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118693514 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Friedrich I.
  • Friedrich I. der Siegreiche von der Pfalz
  • Friedrich von der Pfalz
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Zitierweise

Friedrich der Siegreiche, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118693514.html [24.08.2016].

CC0

Friedrich I. der Siegreiche

Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, Kurfürst von der Pfalz, * 1.8.1425 Heidelberg, 12.12.1476 Heidelberg, Heidelberg, ursprünglich Franziskanerkirche, jetzt in der Jesuitenkirche.

  • Genealogie

    V Kf. Ludw. III. v. d. Pf. ( 1436), S d. Kg. Ruprecht ( 1410); M Mechthild ( 1438), T d. Gf. Amadeus v. Savoyen ( 1402); B Kf. Ludw. IV. v. d. Pf. (1424–49), Ruprecht (1427–80), EB v. Köln; 1472 Clara Dett (Tott, 1520), Bürgers-T aus Augsburg; 2 S (vorehel.), u. a. Ludw. (1463–1524), Stamm-V d. Grafen v. Löwenstein-Wertheim; N Kf. Philipp v. d. Pf. (1448–1508).

  • Leben

    Infolge des frühen Todes seines Bruders Pfalzgraf Ludwigs IV. übernahm F. 1449 als Vormund des erst einjährigen Kurfürsten Philipp die Regentschaft der Pfalz. Der junge, politisch begabte und zur Macht strebende Fürst fand jedoch schon bald einen Weg, um die vollen Herrschaftsrechte zu erlangen, zumal die gefährliche außenpolitische Lage der Pfalz diesen Plan ratsam machte. Unter Wahrung aller Nachfolgerechte Philipps – F. verzichtete ausdrücklich auf eine rechtmäßige Ehe – adoptierte er seinen Neffen mit Zustimmung der Notabeln des Landes (Januar 1452). Infolge dieser dem römischen Recht entlehnten „Arrogation“ wurde F. auf Lebenszeit rechtmäßiger Herr der Pfalzgrafschaft, mit der er sein persönliches Erbteil, darunter die Landvogtei im Elsaß, vereinigte. Da Kaiser Friedrich III. die Bestätigung der unter Umgehung der Vormundschaftsbestimmungen der Goldenen Bulle erfolgten Arrogation verweigerte, fehlte F. die immer wieder erstrebte reichsrechtliche Legitimation seiner Stellung, eine Tatsache, die das Verhältnis des Kaisers zum Pfalzgrafen auf das stärkste belastete und damit die Reichspolitik der nächsten Jahrzehnte wesentlich bestimmte. Seine Landesherrschaft sicherte F. nun durch „Territorialrecht“ (Weigel), das heißt durch die Mitbeteiligung der maßgebenden adligen und geistlichen Vertreter des Landes am Akt der Arrogation. Für die mit der Pfalz verbundenen Reichsrechte: Kurfürstentum, Truchsessenamt und Reichsvikariat, stützte er sich auf die Autorität des Papstes und der Kurfürsten, die sich zur Anerkennung der Arrogation bereit fanden.

    Die kluge, nüchterne, landesfürstlich bestimmte Denkweise F.s kam zunächst einem raschen Aufschwung des pfälzischen Territoriums zugute. Die Einverleibung der Grafschaft Lützelstein (November 1452), die Unterwerfung der Oberpfalz (Februar 1454) und die militärisch erzwungene Anerkennung der kurpfälzischen Lehnshoheit durch Herzog Ludwig von Veldenz (1455) beseitigten die Widerstände innerhalb des Landes. Eine geschickte Einungspolitik begründete das für die Folgezeit so wichtige Bündnis F.s mit Herzog Ludwig und Herzog Albrecht von Bayern, festigte sein gutes Verhältnis zu den schwäbischen und fränkischen Reichsstädten und sicherte ihm das freundliche Verhältnis zum Erzbistum Trier, zu Lothringen und Frankreich. In der Auseinandersetzung der wittelsbacher Fürsten mit dem Kaiser, Markgraf Albrecht von Brandenburg und deren Anhängern im süddeutschen Fürstenkrieg und in der Mainzer Stiftsfehde (1458 beziehungsweise 1461-63) hat sich F. als realistischer Machtpolitiker und taktisch geschickter Feldherr gegen seine alten Gegner am Rhein durchgesetzt. Dieter von Isenburg, Erzbischof von Mainz, verpfändete ihm nach seiner Niederlage bei Pfeddersheim (1460) die Mainzer Besitzungen an der Bergstraße. Dafür half F. diesem nach dessen Absetzung ohne Rücksicht auf den päpstlichen Bann gegen den von Papst und Kapitel eingesetzten und vom Kaiser und Markgraf Albrecht von Brandenburg unterstützten Adolf von Nassau. Die Gefangennahme Ulrichs von Württemberg, Karls von Baden und Georgs von Baden, Bischof von Metz, in der Schlacht bei Seckenheim 1462 verschaffte F. erheblichen finanziellen und territorialen Gewinn und damit die Vormachtstellung am Oberrhein. Erst die für F. äußerst wichtige Wahl seines Bruders Ruprecht zum Erzbischof von Köln (1463) bewog den Pfalzgrafen zur Anerkennung Adolfs von Nassau, der sich inzwischen in Mainz durchgesetzt hatte, da der Papst nur unter dieser Bedingung zur Bestätigung Ruprechts in Köln bereit war. Pfälzischer Macht- und Einflußbereich reichte nun von der Landvogtei im Elsaß bis nach Kaiserswerth und Köln, das zeitweise wie eine pfälzische Sekundogenitur von F.s Räten mitregiert wurde.

    Den äußeren Erfolgen entsprach die innere Durchbildung des Territoriums, an deren Beginn nicht zufällig die Reform der Heidelberger Universität (1452) mit der Versachlichung ihrer Organisation, der Aufnahme des römischen Rechts und der Förderung einer zu den Quellen zurückkehrenden Arbeits- und Lehrmethode steht. Von dort holte sich F. manche seiner Räte, mit denen er Zucht und Ordnung nun auch im staatlichen und kirchlichen Bereich (Klosterreform) durchzusetzen suchte. Die Ämtereinteilung des Territoriums, die Wahrnehmung der Lehnsrechte (Aufzeichnung 1471) sowie die Ausnutzung aller Möglichkeiten, um die der Pfalz eingestreuten reichsunmittelbaren Gebiete der Bistümer, Klöster und Reichsritter durch Schirm- und Dienstverträge dem Lande zuzuordnen, bezweckten die Verbindung der verschiedenartigen mittelalterlichen Rechtselemente zu einer intensivierten Staatlichkeit der so weit auseinanderliegenden Lande. Die geschickte Finanzwirtschaft F.s, die dazu beitrug, daß es nicht zur Bildung von Landständen kam, das schlagkräftige, von vielen gefürchtete Heer, dessen Besonderheit ein Kern von im Lande gezogenen und geschulten Söldnern war, wie auch die Einrichtung des mit Gelehrten beider Rechte besetzten Pfälzischen Hofgerichts als Appellationsinstanz für alle Stände des Landes (1462 ?) sind Ergebnisse solcher Politik.

    Dieser aus eigener Kraft in rechtlicher Ausnahmesituation gegenüber dem Kaiser erfolgte territoriale Aufstieg gab dem Pfalzgrafen sehr bald eine Sonderstellung im Reich und in der europäischen Politik. In den 50er Jahren gehörte er zur „Reichsreform“-Gruppe der rheinischen Kurfürsten und hat 1456 – vielleicht beeinflußt von der wittelsbachischen Königstradition – selbst damit gerechnet, zum römischen König gewählt zu werden. Nur vorübergehend kam es 1464 nach den Friedensschlüssen des süddeutschen Fürstenkrieges zu einer Entspannung zwischen F. und dem Kaiser. Neue Verhandlungen um die Bestätigung der Arrogation verliefen wieder ohne Ergebnis. Weder der Pfalzgraf noch EB Ruprecht von Köln erhielten die Regalien. Beide wurden sie von den Einungs- und Landfriedensverhandlungen der folgenden Jahre ausgeschlossen.

    Um in seiner neuen Stellung am Rhein gegen die andauernde Feindschaft des Kaisers und des Brandenburgers den notwendigen Rückhalt zu finden, vollzog der Pfalzgraf durch Annahme des ihm angebotenen Hilfsbündnisses mit Karl dem Kühnen (1465) die für sein letztes Jahrzehnt entscheidende Wendung von Frankreich zu Burgund. Die pfälzische Politik in Mainz und Köln, das schiedsrichterliche Eingreifen des Pfalzgrafen im Südwesten und am Niederrhein, beruhte auf ihrer beider Einverständnis. Die von F. gemeinsam mit der Geistlichkeit durchgeführte Reform des Klosters Weißenburg rief infolge des Widerstandes der unter F.s Vogtei stehenden Reichsstadt Weißenburg einen neuen|Konflikt mit dem Kaiser hervor (1469). Wegen Landfriedensbruches setzte der Kaiser Herzog Ludwig von Veldenz zum Reichshauptmann gegen F. ein (Januar 1470) und entzog ihm die elsässische Landvogtei (Dezember 1470). F.s Festhalten am burgundischen Bündnis – trotz Werbungen von französischer Seite im gleichzeitigen burgundisch-französischen Konflikt – ließ die kaiserliche Werbung an Burgund scheitern und verhinderte so den auch von den übrigen Fürsten nicht gewünschten Reichskrieg. In territorial begrenzter Fehde besiegte er Herzog Ludwig von Veldenz (September 1471) und behauptete die Herrschaft in der Landvogtei, zumal die meisten Städte auf seiner Seite standen.

    Wollte sich der Kaiser dem Pfalzgrafen gegenüber durchsetzen, mußte er Burgund und Pfalz trennen. Von Markgraf Albrecht von Brandenburg unterstützt, erstrebte er daher die Einung mit Burgund auf Kosten des Pfalzgrafen. Hingegen hat sich Herzog Ludwig von Bayern bis zuletzt um eine Aussöhnung des Kaisers mit dem Pfälzer bemüht. Er dachte an eine Einung der Häuser Sachsen, Brandenburg und Wittelsbach mit dem Kaiser, die aller Interessen je nachdem Böhmen, Ungarn oder Burgund gegenüber wahren sollte. F. selbst hat diese Politik wahrscheinlich unterstützt, seit das rücksichtslose Vorgehen Karls des Kühnen am Rhein und dessen Bündnis mit Ruprecht von Köln die pfälzischen Interessen bedrohte (1472/74). Jedoch verwirklichten sich die politischen Absichten des Kaisers. Bei der persönlichen Zusammenkunft zwischen ihm und Karl von Burgund in Trier im Herbst 1473 kam es noch nicht zu einer Einigung, vielleicht mit deshalb, weil Karl das Bündnis mit F. nicht lösen wollte. Erst die burgundische Niederlage der Kriegsjahre 1475 und 1476 schuf die Voraussetzungen zur habsburgisch-burgundischen Heirat. Der Pfalzgraf war daran nicht beteiligt. Da seine Aussöhnung mit dem Kaiser nicht gelang, nötigte ihn seine Lage zur Neutralität. Er zog sich aus der großen Politik zurück.

    Prinzipiell bedeutsam bleiben Verlauf und Ausgang der jahrelang von Kaiser und Pfalzgraf mit allem Scharfsinn geführten rechtlichen Auseinandersetzung um Arrogation, Belehnung, Landfrieden und das Recht auf die elsässische Landvogtei. Bei dem großen Prozeß des Augsburger Reichstages von 1474 hat der Kaiser F. schließlich in die Reichsacht erklärt. Aber nicht nur F.s Appellation an den Papst wegen des formal nicht zulässigen Rechtsganges, sondern auch die danach weitergeführten Verhandlungen zeigen deutlich, daß die Frage juristisch unentschieden blieb, weil dem Recht des Kaisers die auf Erb- und Territorialrecht gestützte Staatsraison des Landesfürsten gleichwertig gegenüber getreten war.

    Als Vertreter dieses neuen Staatsgedankens stand F. dem Burgunder näher als seinen deutschen Standesgenossen, so sehr ihm auch dessen prunkvolles Wesen fremd war. Starke Religiosität – F. ließ sich bei den Franziskanern begraben, zu deren Bruderschaft er gehörte – stand neben Liebhaberei der humanistischen Poesie, Freude an Mathematik und Astronomie neben der Zuneigung zur Musik. Politik und Kriegskunst entsprachen jedoch am meisten seiner kraftvollen, aber humanen und beim Volk beliebten Persönlichkeit. Er war ein vorbildlicher Landesvater. Konsequenz und rasche Tatkraft neben klugem Maßhalten haben ihn hier zum größten reichsfürstlichen Gegenspieler Kaiser Friedrichs III. gemacht.

  • Literatur

    ADB VII;  Ch. J. Kremer, Gesch. d. Kf. F. I. v. d. Pfalz, 2 Bde. (II Urkk.), Frankfurt u. Leipzig 1765;  K. Menzel, Kf. F. d. S. v. d. Pfalz, Diss. München 1861;  ders., Regg. z. Gesch. F. d. S., Kf. v. d. Pfalz, in: Qu. u. Erörterungen z. bayer. u. dt. Gesch. 2, 1862, S. 209-499;  M. v. Kemnat, Chronik F. d. S., ebd., S. 1-141;  Michel Beheims Reimchronik, ebd. 3, 1863, S. 1-258;  künftig:RTA (Ältere R.) 18-23;  – L. Häusser, Gesch. d. rhein. Pfalz I, 1845 (unveränderter Neudruck 1924), S. 329 ff.;  N. Feeser, F. d. S., Kf. v. d. Pfalz 1449–76, Schulprogr. Neuburg a. D. 1879/80;  E. Gothein, Die Landstände d. Kurpfalz, in: ZGORh NF 3, 1888, S. 1 ff.;  R. Lossen, Staat u. Kirche in d. Pfalz im Ausgang d. MA, = Vorref.geschichtl. F III, 1907;  A. G. Kolb, Die Kraichgauer Ritterschaft, in: Württ. Vjhh. f. Landesgesch., NF 19, 1910, S. 1 ff.;  G. Ritter, Die Heidelberger Univ. I, 1936, bes. S. 362-410;  F. Ernst, F. d. S., in: Saarpfälz. Lb. I, 1938, S. 45-59 (L);  I. Most, Der Reichslandfriede v. 20. Aug. 1467, in: Syntagma Friburgense, 1956, S. 191 ff., bes. S. 230-33;  dies., Schiedsgericht, Rechtlicheres Rechtgebot, Ordentliches Gericht, Kammergericht, Zur Technik fürstl. Pol. im 15. Jh., in: Schrr.-R. d. Hist. Komm. b. d. Bayer. Akad. d. Wiss. 5, 1958, S. 116 ff.;  H. Weigel, Kaiser, Kurfürst u. Jurist, F. III., EB Jakob v. Trier u. Dr. Johs. v. Lysura im Vorspiel zum Regensburger Reichstag v. April 1454, ebd., S. 80 ff.

  • Portraits

    Ölgem. v. H. Wertinger, 1515 (München, Nat.-mus.Foto Marburg), v. M. Grünewald (?) (Heidelberg. Kurpfälz. Mus.), beides Kopien nach gemeinsamer, wohl zeitgenöss. Vorlage (s. H. Braune, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst NF IV, 1927, S. 331-33 [Abb.]).

  • Autor

    Henny Grüneisen
  • Empfohlene Zitierweise

    Grüneisen, Henny, "Friedrich der Siegreiche" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 526-528 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118693514.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Friedrich I.

  • Leben

    Friedrich der Siegreiche. F. I., Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Baiern, des heiligen römischen Reiches Erztruchseß und Kurfürst, gewöhnlich der Siegreiche, auch der böse Fritz genannt, wurde am 1. Aug. 1425 als der zweite Sohn des Kurfürsten Ludwig III. von der Pfalz und der Prinzessin Mechtilde von Savoyen geboren. Nach dem Tode seines Bruders des Kurfürsten Ludwig IV. (1449) übernahm er die Normundschaft über dessen damals einjährigen Sohn Philipp und die Administration der kurpfälzischen Lande. Sein Anfang fiel in eine bewegte Zeit, es begann gerade jener große Krieg gegen die Städte, zu welchem Markgraf Albrecht von Brandenburg alle Fürsten aufzubringen bemüht war. F., wie sein verstorbener Bruder den Städten gewogen, hielt sich zurück; später hat er redlich mitgeholfen, den Frieden wieder herzustellen (Bamberger Sprüche vom 22. Juni 1450). Während der Erregungen dieses Krieges mag er die Ueberzeugung gewonnen haben, daß eine vormundschaftliche Regierung nicht den Einfluß und die Freiheit besitze, wie die Lage des Fürstenthums sie erforderte. Er übernahm deshalb im Einverständniß mit der Kurfürstinwittwe Margaretha und der merklichsten Räthe und Glieder der Pfalzgrafschaft die selbständige Regierung für die Dauer seines Lebens, vereinigte bleibend sein kleines väterliches Besitzthum mit den Hauptlanden, adoptirte seinen Neffen Philipp und versprach, um für die Zukunft dessen Erbfolge nicht zu gefährden, keine eheliche Gemahlin zu nehmen. Diese Handlung, die in den Urkunden Arrogation genannt ward, ging nicht ohne heftigen Widerspruch vor sich. Zwar der Papst, der um die Bestätigung ersucht wurde, zeigte sich willfährig, auch die Kurfürsten, geistliche und weltliche, sprachen, einer nach dem andern, ihre Anerkennung aus, aber der Kaiser Friedrich III., mit dessen ausdrücklicher Genehmigung nach der ersten Urkunde vom 16. Septbr. 1451 die Arrogation geschehen sollte, war bis zu seinem Ende nicht dazu zu bewegen. Auch etliche Lehensleute, wie Pfalzgraf Ludwig von Veldenz, die Grafen von Lützelstein, die Herren von Lichtenberg, mit denen F. schon als Administrator allerlei Irrungen hatte, und die Oberpfälzer erhoben sich zu offenem Widerstande. F. mußte zum Schwerte greifen, um sich Gehorsam und Ruhe zu verschaffen. Im Nov. 1452 züchtigte er die Lützelsteiner durch Einnahme ihrer festen Burgen Lützelstein und Einartshausen. Im Februar 1454 mußten die Amberger sich unterwerfen. Im folgenden Jahre unternahm F. den Feldzug gegen Ludwig von Veldenz und nöthigte ihn nach der Eroberung von Bergzabern (11. Aug. 1455) die kurpfälzische Lehenshoheit wieder anzuerkennen (3. Octbr. 1455). Diese raschen und entscheidenden Erfolge befestigten die Herrschaft des Arrogators, Bündnisse mit deutschen und auswärtigen Fürsten, mit zahlreichen Städten am Rhein, in Franken und Schwaben erhöhten sein Ansehen. So konnte der Kurfürst auch in den Angelegenheiten des Reiches eine gewichtige Rolle spielen. Gewiß war die unfreundliche Haltung des Kaisers nicht ohne Einfluß auf seine deutsche Politik, aber auch ohne sie hätte der junge Kurfürst bei seiner rücksichtslosen Thatkraft, bei seiner stark ausgeprägten landesfürstlichen Denkart seine Stellung im Lager der Fürstenpartei genommen, welche Reformen im Reiche und nicht zum wenigsten Befestigung und Erweiterung des Fürstenthums anstrebte. Die Gefahr, welche von Osten her durch die Türken drohte, hatte die Fürsten aufmerksam gemacht auf die Wehrlosigkeit des Reiches, und zugleich auf die Unfähigkeit des Kaisers, der nicht einmal im Stande war, im eigenen Hause die Herrschaft zu behaupten. Wol berief der Kaiser einen Reichstag nach Regensburg (April 1454) und ließ dort Vorschläge wegen Ausrüstung eines Heeres, Aufstellung eines Reichshauptmanns und Errichtung eines fünfjährigen Landfriedens machen. Aber die Fürsten waren nicht gesonnen, sofort darauf einzugehen, sie meinten, daß zuerst die Grundlage für eine tüchtige Action nach Außen geschaffen, daß die Gerichte ordentlich bestellt, daß Friede und Ordnung gemacht werden, daß der Kaiser persönlich mit den Kurfürsten und andern Fürsten eine Besserung des Reichs durchführen müsse. Der Kaiser und vor allem der Papst, welche Hülfe erwarteten, geriethen in Ungeduld und ließen die Vorschläge dringend wiederholen. Aber die Fürsten blieben hart und antworteten mit neuen Beschwerden. Der Kaiser und der Papst, äußerten etliche auf dem Reichstage zu Frankfurt (Sept. 1454), dächten nicht daran, Krieg wider die Türken zu führen, es sei ihnen nur um das Geld der deutschen Nation zu thun. Da man der Ansicht war, daß der Kaiser unfähig und abgeneigt sei, eine Reichsreform auszuführen, faßte man den Plan, selbständig vorzugehen und ihm einen römischen König an die Seite zu stellen. Es wurde ein Programm entworfen, die Kurfürsten von Köln und Trier, von der Pfalz und Brandenburg verhandelten mit dem Erzherzog Albrecht, dem Bruder Friedrichs III., über seine Erhebung, über Türkenkrieg und Reichsreformen, natürlich auch über die Vortheile, die der neue König seinen Wählern zuwenden würde. Die Sache scheiterte wol zumeist an dem Widerstande des Kaisers, der bei den Fürsten selbst und gerade bei einem der tüchtigsten, dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg, Rath und Unterstützung fand. Ebenso wenig war Friedrich III. zu bewegen, den Reichsreformplan anzunehmen, den die Kurfürsten unter Führung des Erzbischofs Jacob von Trier beim Reichstage zu Neustadt (Februar 1455) vorlegten. Das kaiserliche Gericht, das mit ständigen Richtern besetzt werden sollte, und das Reichsregiment, bei dem die Kurfürsten hervorragenden Einfluß üben wollten, entsprach nicht seinem Sinne. Durch den Markgrafen Albrecht ließ er erklären, daß er in den Vorschlägen der Kurfürsten nur die Absicht erkenne, ihn zu beleidigen. Und noch in einer andern Sache widerstand der zähe Kaiser. Als während des Reichstages die Nachricht vom Tode des Papstes Nikolaus V. eintraf, verlangten die Kurfürsten, daß dem neuen Papste nicht eher Gehorsam geleistet werden solle, als bis er die Forderungen der deutschen Nation erfüllt habe. Der Kaiser dagegen, den sein Geheimschreiber Enea Silvio auf die Gemeinschaft der päpstlichen und kaiserlichen Interessen aufmerksam machte, beeilte sich dem neuen Papst Calixt III. ohne jeglichem Vorbehalt in seinem und der deutschen Nation Namen Obedienz zu leisten. Da auf diese Weise die weltliche und kirchliche Reform scheiterte, kam auch in Sachen|des Türkenkrieges kein Beschluß zu Stande. Das Reich blieb wehrlos und unthätig, so sehr auch die Ungarn die ihnen drohende Gefahr betonen und um schleunige Hülfe bitten mochten. Noch einmal beschlossen die Kurfürsten, den Kaiser auf das dringendste zu ermahnen, daß er in das Reich kommen und die Neustädter Resormpläne annehmen möge. Vergeblich. Der Kaiser wies alle Zumuthungen und Vorwürfe entschieden zurück und verbot die Versammlung, welche die Kurfürsten in Nürnberg zu halten beabsichtigten. Dennoch wurde sie abgehalten. Pfalzgraf F. erschien in Person (30. Nov. 1456); ebenso Dietrich von Mainz und Friedrich von Brandenburg, Kursachsen schickte Räthe. Selbst der Papst war trotz des kaiserlichen Verbotes durch seinen Legaten vertreten. Die Opposition hatte die ernstliche Absicht, die vom Kaiser zurückgewiesene Reichsreform in die Hand zu nehmen, wieder wollte sie einen römischen König aufstellen. Friedrich von der Pfalz war dazu ausersehen. Aber es fehlte den Kurfürsten die entschlossene und einmüthige Gesinnung und Ueberzeugung. Köln und Trier (Johann von Baden) waren gar nicht vertreten, Sachsen und Brandenburg sprachen gegen alle Beschlüsse, welche den Kaiser allzusehr verletzen mußten; so blieben die Vorschläge, welche Mainz und Pfalz über eine Kurfürsteneinung und Königswahl machten, nur unschädliche Entwürfe. Auch der Tag, der darauf noch zu Frankfurt (Mai 1457) gehalten wurde, blieb ohne Erfolg. Der Kaiser siegte mit leichter Mühe über die Partei, die ihm so gefährlich zu werden drohte. Ebenso gelang es dem Papste hauptsächlich durch die Bemühungen des Enea Silvio die Bewegung, die sich damals am Rhein wider ihn erhob, zu bemeistern. Die Opposition scheiterte an ihren eigenen Fehlern. Als Erzbischof Dietrich von Mainz und Pfalzgraf Friedrich, die am längsten zusammengehalten und noch im März 1457 sich Freundschaft und Ausdauer gelobt hatten, schon ein Jahr darnach durch territoriale Händel sich wieder trennen und gegen einander hetzen ließen, befand sich die Reformpartei in vollständiger Auflösung. In üppiger Fülle kamen nun die kleinen localen und territorialen Streitigkeiten zum Vorschein. Doch sie riefen nicht planlose Fehden an allen Enden hervor, sondern es bildeten sich durch die Bedeutung der betheiligten Personen zwei Gruppen, die sich feindlich gegenüber traten. Hier die Baiern unter Pfalzgraf Friedrich und Herzog Ludwig von Landshut, dort Markgraf Albrecht von Brandenburg, der sein Nürnberger Landgericht auf Kosten seiner Nachbarn, insbesondere der Herzoge von Baiern erweitern wollte, im Bunde mit Mainz, Veldenz, Baden, Wirtemberg und andern kleinen Fürsten und Herren, die allerlei wider Friedrich und Ludwig zu klagen hatten. Schon kamen einzelne Ausbrüche der Feindschaft. Markgraf Albrecht rückte mit dem Grafen von Wirtemberg vor das Schloß Widdern an der Jaxt, das von streitlustigen kurpfälzischen Mannen besetzt war, und zerstörte es (Juni 1458). Zwar erschien der Markgraf bald danach als Bündner der Baiern gegen die Reichsstadt Donauwörth, die von Herzog Ludwig weggenommen wurde; aber diese That wurde dann von ihm benutzt, um den Reichskrieg wider seinen Gegner erklären zu lassen. Der Papst, der die Kräfte der Parteien lieber gegen die Türken wenden wollte, mahnte dringendst zum Frieden, doch umsonst. Es fanden zwar noch Friedenstage statt, allein mitten unter den Verhandlungen trafen die Fürsten ihre Vorbereitungen zum allgemeinen Kampfe. Jede Partei suchte durch mächtige Bündner sich zu verstärken. Friedrich ritt selbst nach Eger und schloß mit dem König von Böhmen, Georg Podiebrad, ein Bündniß, trotz des Argwohns, den dieser gegen den Landshuter hegte (15. April 1459). Indeß auch dem Markgrafen gelang es, den Böhmenkönig, der, ein glücklicher Emporkömmling, weniger an den Parteikämpfen Theil nehmen, als sich in gute Beziehungen zu den alten Fürstenhäusern setzen wollte,|zu einem Bündniß mit Brandenburg und Sachsen zu bewegen und dadurch des Pfalzgrafen Erfolgen in Eger zu begegnen. Ueberhaupt suchten die Parteien durch listige Anschläge sich zu schädigen. Durch die Nürnberger Schiedssprüche, die sogenannten blinden Sprüche, durch welche, angeblich unter Zustimmung des Herzogs Ludwig, die Streitigkeiten des Pfalzgrafen mit Mainz, Veldenz und Wirtemberg zu des erstern Nachtheil geschlichtet werden sollten (9. Juli und 14. Septbr. 1459), wollte die markgräfliche Partei ihre Freunde formell ins Recht setzen und den Pfalzgrafen mit Ludwig entzweien. Aber die plumpe List mißlang. Pfalzgraf Friedrich erkannte, daß sein Bündner Ludwig die Zustimmung in ganz anderem Sinne gegeben habe, als die Gegner vorgaben, und verwarf die Sprüche. Da briefliche Auseinandersetzungen die Streitenden nicht versöhnten, kam es zum Kriege, am Rhein, in Franken, Schwaben und Baiern. Das Waffenglück neigte sich zu den Baiern. Friedrich schlug den Diether von Isenburg, den Nachfolger des Erzbischofs Dietrich, bei Pfeddersheim (4. Juli 1460) und nöthigte ihn zum Frieden und Bündniß (18. Juli und 4. August). Wenige Tage später ward ein günstiger Stillstand mit Ulrich von Wirtemberg abgeschlossen (8. August). Danach wurden die Grafen von Leiningen und Ludwig von Veldenz bezwungen. In Baiern vermittelte Herzog Wilhelm einen Stillstand unter Bedingungen, die dem Markgrafen nachtheilig waren. Die baierische Partei hatte den ersten allgemeinen Waffengang siegreich bestanden. Von den Markgräflichen wurde es schmerzlich empfunden, daß der Erzbischof von Mainz sich von ihnen lossagte. Er that dies nicht allein wegen der erlittenen Niederlage, sondern aus noch wichtigeren Gründen. Papst Pius II. hatte durch die lästigen Zumuthungen, die er dem Elekten vor der Bestätigung machte, und dann, als er diese fallen ließ, durch die hohe Geldsumme, die er für das Pallium forderte, den Erzbischof unkluger Weise in die Opposition gedrängt. Die rücksichtslose Behandlung des ersten Kirchenfürsten, die erneuten Forderungen wegen des Türkenkrieges, die Bannbulle, welche Pius II. auf dem Congresse zu Mantua wider alle diejenigen erließ, die an ein künftig Concilium appelliren würden, und viele andere Klagepunkte riefen eine neue heftige Bewegung hervor. Auch gegen den Kaiser, der mit dem Papste einverstanden war, richtete sich die Unzufriedenheit. Die Fürsten nahmen die früheren Pläne wieder auf, dem Kaiser einen römischen König an die Seite zu stellen, den Papst durch die Errichtung einer pragmatischen Sanction zur Abstellung der Beschwerden der deutschen Nation zu nöthigen. Erzbischof Diether und Pfalzgraf Friedrich verhandelten darüber mit dem König Georg von Böhmen. Durch dessen Erhebung hofften sie hohes Ansehen im Reiche, aber auch reiche territoriale Vortheile zu gewinnen (Vertrag zwischen dem Pfalzgrafen und dem Dr. Martin Mayr als Bevollmächtigten des Böhmen vom 16. Novbr. 1461). Erzbischof Diether schrieb auf den 16. Febr. einen Kurfürstentag nach Nürnberg aus, wo über die weltliche und kirchliche Reform berathen werden sollte. Er erließ hier eine Appellation an ein künftiges Concil, der eine Reihe von Fürsten, Pfalzgraf Friedrich und sogar die Markgrafen Friedrich, Albrecht und Johann von Brandenburg beitraten. Denn so allgemein war der Unwille über den Kaiser und Papst, daß selbst die brandenburgischen Brüder, die seither auf Seite des Kaisers gestanden, zu einer ihm feindseligen Politik fortgerissen wurden. Freilich waren sie nicht zu einer Königswahl, am wenigsten zu der Georgs von Böhmen, zu bewegen, wol aber zur Durchführung von Reformen, wie sie früher beabsichtigt waren. Es ergingen ernste Schreiben an den Kaiser und den Papst (1. März), in denen jener zu reformirender Thätigkeit im Reiche, dieser zur Abstellung der Beschwerden ermahnt wurde. Mainz, Pfalz und Brandenburg schlossen ein Bündniß zu gemeinsamer Durchführung der nothwendigen Reformen (1. März). Am 6. März wurden Pfalzgraf F. und Erzbischof Diether in den|Kurverein aufgenommen, der seit seiner Gründung eine dem Kaiser und dem Papste feindselige Richtung hatte. Aber der Höhepunkt der Opposition war erreicht, rasch und unaufhaltsam gingen ihre Wogen wieder nieder und verliefen. Die Markgrafen von Brandenburg, von Mißtrauen gegen Mainz und Pfalz wegen der böhmischen Königswahl erfüllt, hielten zuerst inne und traten wieder auf die Seite des Kaisers, besonders da Friedrich III. selbst den Abtrünnigen die Möglichkeit zur Rückkehr geboten hatte Ebenso verstand es der Papst, den Markgrafen Albrecht durch seine gewandten Legaten zu besänftigen. Selbst Pfalzgraf F. ließ sich durch dieselben Legaten, die ihm Ende Mai 1461 die Versicherung gaben, daß der Papst keineswegs ohne Zustimmung der deutschen Fürsten eine Kriegssteuer zu erheben gedenke, von weiteren seindseligen Schritten abhalten. So verlies der Tag zu Frankfurt, den Diether am 31. Mai abhalten wollte, kläglich. Pfalzgraf F. wäre nicht erschienen, auch wenn ihn die Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug gegen Ludwig von Veldenz nicht in Anspruch genommen hätten. Von allen Bündnern im Stiche gelassen, sah sich der unglückliche Erzbischof genöthigt in Gegenwart der päpstlichen Legaten seine bisherigen Schritte und die Appellation zu widerrufen. Aber dadurch gewann er sich keineswegs die Verzeihung des Kaisers und des Papstes. Beide waren entschlossen, den gänzlich isolirten Gegner zu verderben. Diether wurde am 21. August 1461 abgesetzt, an seiner Stelle Graf Adolf von Nassau zum Erzbischof von Mainz ernannt. Da Diether nicht freiwillig wich, sondern gegen die Gewalt sich mit Gewalt zu behaupten verkündete, entbrannte ein heftiger Streit um das Erzstift, an dem die hervorragendsten deutschen Fürsten mehr oder weniger Theil nahmen. Es war schmachvoll von dem Pfalzgrafen F., daß er den Isenburger, mit dem er zur Reichsreform und auch sonst verbündet war, nicht sofort unterstützte, sondern eine Zeitlang Miene machte, die Partei Adolfs von Nassau zu ergreifen, daß er erst dann ein Bündniß zu Schutz und Trutz mit Diether abschloß, als dieser ihm besonderen Gewinn zugesagt, die Städte und Burgen der Bergstraße verpfändet hatte (19. Novbr. 1461). Der Graf von Katzenelnbogen ward Genosse des Bundes. Es kam Friedrichs kriegerischste Zeit. Im Juni hatte er den Pfalzgrafen Ludwig in Meisenheim belagert und von neuem zur Anerkennung der Lehenschaft genöthigt. Im September war er nach Franken geeilt, um dem Herzog von Landshut gegen seinen alten Gegner den Markgrafen beizustehen. Am 22. September hatte er Uffenheim, danach das Schloß Hoheneck genommen. Als er jetzt von da an den Rhein zurückkehrte, eröffnete sich ihm eine neue Fehde. Einige nassauische und königssteinische Dörfer zwischen Rhein und Main erfuhren zuerst das Elend der damaligen Kriegführung; aber Friedrichs Versuch, in den nassauisch gesinnten Rheingau einzudringen, mißlang (Decbr. 1461). Selbstverständlich erschienen die alten Feinde Friedrichs wieder auf dem Kampfplatz. Ulrich von Wirtemberg und badische Söldner fielen in das Pfälzische ein und verübten großen Schaden. Nur der strenge Winter legte den Kämpfern eine Zeit lang Waffenruhe auf; weder die Bannbullen des Papstes noch des Kaisers Mahnungen vermochten den Fortgang des Kampfes im Frühjahr zu verhindern. F. fiel dem Markgrafen von Baden, dann dem Grafen von Wirtemberg ins Land und streifte verheerend bis Stuttgart. Aber ein zweiter Versuch, den Rheingau zu erobern, scheiterte wieder an der hartnäckigen Vertheidigung der nassauischen Söldner und Bauern (April 1462). Diese kleinen Kämpfe konnten keine Entscheidung bringen. Die Gegner beschlossen nach einem großen Plane und mit vereinten Kräften vorzugehen. Der Stadt Mainz, welche sich mit Diether und dem Pfalzgrafen verbündet hatte (2. Decbr. 1461), sollte der Angriff gelten. Da aber einige Fürsten, wie Wilhelm von Sachsen und Ludwig von Hessen, auf deren Theilnahme man rechnete,|sich durchaus nicht beeilten, ihre Truppen zu stellen, so ward ein anderer Feldzugsplan beschlossen. Markgraf Karl von Baden, sein Bruder Bischof Georg von Metz und Graf Ulrich von Wirtemberg fielen in der Meinung, daß Friedrich ferne sei, von Pforzheim aus in das Pfälzische, um hier und in den angrenzenden Gebieten des Grafen von Katzenelnbogen die Ernte zu verderben, wo möglich Heidelberg selbst zu erobern. Aber F. stand am rechten Platze zur Abwehr bereit. Er überfiel die unachtsam vorstürmenden Fürsten am 30. Juni bei Seckenheim und nahm sie nach tapferer Gegenwehr alle drei gefangen. Das schien eine entscheidende Wendung des Krieges zu sein, für den Pfalzgrafen und den Erzbischof, der sich persönlich am Kampfe betheiligte, den besten Ausgang verheißend. Auch in Baiern wurde mit Glück gekämpft. Herzog Ludwig schlug den Markgrafen bei Giengen in die Flucht (19. Juli). Kein Wunder, daß die siegreiche Partei ihre Forderungen hoch stellte. Pfalzgraf F. hielt die Seckenheimer Gefangenen in strenger Haft und war entschlossen, sie nur gegen ein großes Lösegeld freizugeben. An seinen hohen Forderungen scheiterten die Friedensverhandlungen, welche zu Regensburg im October 1462 stattfanden. Der Fall von Mainz, das die nassauische Partei am 28. October eroberte, erschütterte nur die Aussichten Diethers, nicht die des Pfalzgrafen, der mit seinen Absichten, die Mainzer Fehde und seine Gefangenen rücksichtslos zur Bereicherung seiner Macht auszubeuten, immer deutlicher hervortrat. Weder Gesandtschaften, die baten, noch kriegerische Drohungen waren im Stande, seinen Sinn zu beugen. Zwar der Bischof von Metz, dem F. überhaupt weniger grollte, ward frei (22. Jan. 1463), aber die anderen blieben, da sie die Bedingungen nicht annehmen wollten, in um so härterer Haft. Die Kaiserlichen versuchten es, den Herzog von Burgund dem Pfalzgrafen auf den Hals zu schicken, aber Philipp hütete sich, das Schwert für eine Sache zu ziehen, die ihm aussichtslos erschien. Mehrere Friedenstage fanden statt in Wasserburg, Oppenheim, Wiener Neustadt, aber alle scheiterten, da F. sich hartnäckig weigerte, die Partei Diethers zu verlassen und die gefangenen Fürsten unter günstigeren Bedingungen freizugeben. Da starb der Erzbischof Dietrich von Köln und Friedrichs Bruder Ruprecht wurde am 30. März 1463 zum Nachfolger gewählt. Diese Wahl war jedenfalls in der Absicht betrieben worden, den Pfalzgrafen gefügiger zu machen. Ruprecht mußte sich verpflichten, eine Urkunde seines Bruders beizubringen, durch die er Frieden und Freundschaft mit Adolf versprach, oder wenn er sie nicht erlange, wieder auf das Erzstift zu verzichten. Indeß nicht so leicht war des Pfalzgrafen Sinn zu bewegen. Gewiß war die Erhebung seines Bruders in Köln ein ihm hochwillkommenes Ereigniß, dem er Rechnung zu tragen hatte, allein zum offenen Verrath an Diether konnte er sich nicht entschließen; nur einen Waffenstillstand vom 24. April bis 11. November und die Freilassung der Fürsten wollte er zugeben. Karl von Baden erlangte am 20. April, Ulrich von Wirtemberg einige Tage später die Freiheit, beide gegen ein ungeheures Lösegeld, das zuletzt nur in einigen Punkten ermäßigt wurde. Sonst war die Absicht Friedrichs, den Diether beim Erzstift zu erhalten, freilich auch die, noch weiteren Gewinn für seine Hülfe davon zu tragen. Hatte er doch bereits mit seinem Gegner Ludwig von Veldenz einen Vertrag abgeschlossen, durch den beide ihre bereits gemachte und künftig noch zu machende Mainzer Beute sich gegenseitig garantirten (5. Jan. 1463). Ein Vergleich, den Markgraf Karl am 1. Juni 1463 vermittelte und der die Bedingung enthielt, daß Diether das Erzstift gegen etliche Entschädigungen an Land und Geld aufgeben sollte, kam nicht zur Ausführung, wahrscheinlich weil F., dem er keinen Vortheil brachte, ihn zu hintertreiben wußte. Da kamen die Gegner auf den Einfall, durch eine kecke List die beiden Bündner zu trennen, den Isenburger hinter dem Rücken des|Pfalzgrafen zum Friedensschlusse zu bewegen. Diether, der des Pfalzgrafen eigennützige Politik längst erkannt hatte, schenkte einem erdichteten Brief, durch den F. dem Nassauer das Anerbieten machte, ohne Diethers Einwilligung sich mit ihm zu vergleichen, nur allzu leicht Glauben. Er schloß unter Vermittlung des Landgrafen Heinrich von Hessen einen Vertrag, in dem er zu Gunsten Adolfs auf das Erzstift verzichtete und als Entschädigung auf Lebenszeit etliche Städte und Schlösser und eine bedeutende Geldsumme erhielt (5. Octbr. 1463). Auf einem Tage zu Frankfurt wurden die einzelnen Friedensartikel verbrieft und besiegelt. Vergeblich protestirte der Pfalzgraf wider diese Vorgänge, wider den Betrug, den man sich mit seinen Namen erlaubt hatte. Diethers Entschluß und die geschehenen Thatsachen waren nicht mehr zu ändern. Da ließ F. durch die Vorstellungen seines Bruders Ruprecht sich besänftigen und stellte endlich am 1. Novemder jene Urkunde aus, welche Ruprecht bei seiner Wahl beizubringen sich verpflichtet hatte. Adolf bestätigte ihm dagegen die Verpfändung der Bergstraße und bewilligte ihm noch weitere Vortheile, die Stadt Pfeddersheim und Zolleinkünfte zu Ehrenfels. So war endlich die Fehde am Rhein beigelegt, nachdem schon im August desselben Jahres zwischen dem Kaiser und dem Markgrafen Albrecht einerseits und dem Herzog Ludwig und den fränkischen Bischöfen andererseits ein Friede abgeschlossen worden war. F. trug alsbald Sorge, das durch den Krieg Gewonnene sich dauernd zu sichern, und Friedens- und Bundesverträge mit seinen früheren Gegnern abzuschließen, mit Erzbischof Adolf, mit Ludwig von Veldenz, mit Albrecht Achilles. Selbst der Kaiser ließ sich wol mit Rücksicht auf den Markgrafen von Baden und den Grafen von Wirtemberg, die sich bei hoher Geldstrafe verpflichtet hatten, den Unwillen des Kaisers zu beschwichtigen, dazu bewegen, dem Pfalzgrafen durch den Markgrafen Albrecht die Erklärung abzugeben, daß er wegen der Mainzer Sache mit ihm versöhnt sei (14. Febr. 1464). Auch der Papst, der den Ausgang des Mainzes Streites freudig anerkannte, gewährte Verzeihung und ließ den Pfalzgrafen auf dem Tage zu Worms durch seine Legaten feierlich vom Banne freisprechen (13. März 1464). Am 25. Mai wurde Ruprecht als Erzbischof von Köln bestätigt. So war der Pfalzgraf mit großem Gewinn für sein Haus und sein Land aus dem Kampfe hervorgegangen, aber die wichtigen Fragen der Reichs- und Kirchenreform, die er eine Zeitlang vertreten hatte, waren unterlegen. Es ist bezeichnend, daß Erzbischof Adolf dem Kaiser versprechen mußte, niemals eine Versammlung der Kurfürsten und anderer Fürsten ohne kaiserliche Genehmigung zu berufen oder zu gestatten. Man wollte der Opposition das wichtigste Mittel ihrer Agitationen entziehen. Aber daß ein Bedürfniß der Reformen vorhanden war, wurde von der kaiserlichen Partei nicht verkannt. In der Folge war sie es, die auf den Reichs- und Fürstentagen Vorschläge machte, freilich nicht nach den früheren Mustern, nicht nach den Wünschen und zum Vortheil der kurfürstlichen Oligarchie. Schon aus diesem Grunde hielt sich Pfalzgraf F. ferne oder stand in offener Opposition, zumal seine früheren politischen Gegner trotz aller Friedensversicherungen aus ihren fortdauernden feindseligen Gesinnungen kein Hehl machten. Eine Botschaft Friedrichs, welche den Kaiser um Bestätigung der Arrogation und Verleihung der Regalien bitten sollte, kehrte unverrichteter Sache nach Hause zurück. In Rechtshändeln, z. B. mit den Grafen Schaffrid von Leiningen, wurde F. vom kaiserlichen Hofgericht ungebührlich und parteiisch behandelt, seine Unterthanen wider die Bestimmungen der goldenen Bulle mit Citationen und Processen belästigt. Zum Reichstage in Ulm (Februar 1466) wo Markgraf Albrecht im Namen des Kaisers einen Landfriedensentwurf vorlegte, wurde F. nebst etlichen seiner Anhänger nicht geladen. So nahm der Pfalzgraf an dem Landfrieden, der dann zu Nürnberg errichtet wurde, keinen|Antheil und ging unbekümmert um Acht und Bann, welche jeden Friedensstörer bedrohten, seine eigenen Wege. Im Herbst 1466 zog er, angerufen von den elsässischen Städten, deren Landvogt er war, gegen den Grafen Hans von Lupfen und zwang ihn zu einem vortheilhaften Vergleiche. Nach dem Aussterben der älteren Linie der Grafen von Leiningen gelang es ihm, nach einer kurzen Fehde mit der jüngeren Linie einen Theil der Erbschaft zu gewinnen (Juli 1468). Auch die Rechte seiner Kurwürde wußte er zu wahren. Als der Kaiser im November 1468 nach Italien zog, übernahm er das Reichsvicariat in den westlichen Gegenden unter Zustimmung seiner rheinischen Mitkurfürsten. Den Kölner Domherren, welche mit seinem Bruder, dem Erzbischof Ruprecht, haderten, entriß er mit Gewalt die Kirchengüter, die letzterem zustanden (Februar 1469). Während dieser kleinen Händel verlor er die großen Angelegenheiten des Reiches keineswegs aus den Augen. Eine Zeit lang schien es, als ob eine Verschiebung der Parteien eintreten, als ob die Baiern sich dem Kaiser nähern, Markgraf Albrecht dagegen sich von ihm entfernen würde. Die Veranlassung lag in der böhmischen Frage. Papst Paul II., der noch rücksichtsloser als sein Vorgänger Pius II. alle conciliaren Hervorbringungen zu beseitigen trachtete, hatte den König Georg von Böhmen, der die der Curie verhaßten Basler Compactaten nicht aufgeben wollte, obwol er früher einmal um den Preis der deutschen Krone dazu bereit gewesen war, in den Bann gethan, ihm und seinen Nachkommen die böhmische Krone abgesprochen, die Unterthanen ihres Treueides entbunden (23. Decbr. 1466). König Mathias von Ungarn ließ sich bereit finden, die böhmische Krone von des Papstes Gnaden zu tragen und begann wider den Ketzer einen verheerenden Krieg. Die Fürsten des Reiches nahmen Partei für den einen oder den andern. Markgraf Albrecht hielt trotz des Papstes Bann entschlossen zu Georg, vermählte seine Tochter Ursula mit dessen Sohn Heinrich und wirkte, wo er konnte, zu Gunsten des von allen Seiten grimmig gehaßten Böhmenkönigs. Daß sich Ludwig von Landshut jetzt auf die andere Seite neigte, darf uns nicht wundern, denn er erwies den Päpsten stets unbegrenzte Ehrfurcht und war dem Böhmen nie recht geneigt; daß aber auch Pfalzgraf F. dem Papst und dem Kaiser zu Gefallen mit Mathias, als König von Ungarn und Böhmen ein Bündniß abschloß (1. Septbr. 1469), also des Papstes Gewaltstreich anerkannte, war eine starke Verirrung, die nur durch den grimmigen Haß gegen den Markgrafen Albrecht erklärt werden kann. Indeß die alten Stimmungen und Verstimmungen waren mächtiger, als die neuen künstlichen Combinationen. Der Kaiser blieb unversöhnlich und ergriff gern eine Gelegenheit, dem Pfalzgrafen, der von seinem Platze einmal nicht weichen wollte, einen streitbaren Feind auf den Hals zu schicken. F. war wegen eines Klosters zu Weißenburg an der Lauter, wo er als Landvogt eine Reform eingeführt, die seitherigen Vorgesetzten vertrieben und neue Mönche eingesetzt hatte, in heftigen Streit mit der Stadt Weißenburg gerathen. Papst und Kaiser, von den Bedrängten um Hülfe angerufen, erklärten sich für Wiederherstellung der früheren Zustände. Durch diesen Spruch ermuthigt, setzten die Weißenburger den früheren Abt wieder ein, den Zorn des Pfalzgrafen in hohem Grade herausfordernd. F. eilte heran, belagerte die Stadt und verwüstete die Umgegend. Nach schweren Schädigungen, die sich beide Theile einander zufügten, ward auf Betreiben der elsässischen Städte ein Stillstand abgeschlossen (6. Febr. 1470). Aber der Kaiser hatte inzwischen Maßregeln getroffen, welche den Frieden verhinderten, hatte den Pfalzgrafen Ludwig von Veldenz, der gern bereit war, zum Reichshauptmann ernannt (15. Januar); und diesem gelang es, die Weißenburger zum Bruche des geschlossenen Vertrages zu bewegen. So begann die Fehde von neuem, aber des Veldenzers Waffen waren so wenig glücklich als früher. Es war vergeblich, daß der Kaiser die Landvogtei im Elsaß, welche Friedrichs väterliches Erbe war, diesem abnahm und seinem Reichshauptmann übertrug (17. Decbr. 1470); nur die Stadt Hagenau nahm ihn als Landvogt auf, die übrigen Städte blieben dem alten Herrn treu und leisteten ihm Beistand. Ludwig kam immer mehr ins Gedränge, verlor eine Anzahl wichtiger Burgen und Städte und bat endlich um Frieden, den ihm F. unter schweren Bedingungen bewilligte. Er mußte die Landvogtei wieder abtreten und alle Eroberungen dem Sieger überlassen (2. Septbr. 1471). Bald darauf schloß auch die Stadt Weißenburg ihren Frieden mit dem Pfalzgrafen (5. December). Der Zorn des Kaisers über diese neuen Erfolge des pfälzischen Arrogators stieg aufs höchste, zumal derselbe auch in der Reichspolitik wieder scharfe Opposition machte. Während der letzten Fehde hatten sich die alten Parteiverhältnisse wieder hergestellt. König Georg behauptete sich als König von Böhmen bis an sein Ende (22. März 1471). Baiern und Pfalz leisteten keine kriegerische Hülfe wieder ihn, ja Pfalzgraf F. ließ sich mit ihm auf Unterhandlungen ein, welche die Wahl des Herzogs Karl von Burgund zum römischen König zum Ziele hatten. Markgraf Albrecht dagegen näherte sich wieder dem Kaiser, gewann bei ihm erhöhten Einfluß und suchte ihn für eine kräftige Initiative in den Reichsangelegenheiten zu gewinnen. Seinen Mahnungen ist es zuzuschreiben, daß der Kaiser, nachdem er 25 Jahre lang nicht mehr im Reiche gewesen, auf dem Reichstage zu Regensburg (1471) persönlich erschien. Es wurde über den Türkenkrieg verhandelt, der Kaiser verlangte die schleunigste Ausrüstung eines Heeres und eine allgemeine Reichssteuer, den 10. Pfennig von jedem Einkommen, er versprach, wenn man ihm willfahre, einen allgemeinen Landfrieden zu errichten. Die Forderungen scheiterten, zumeist an dem Widerstande der Städte, die den Argwohn hegten, daß man mit der Steuer und der Execution sie nur schädigen wolle. Von dem versprochenen Landfrieden hielten sie nicht viel, wie konnte auch der Kaiser von Landfrieden reden, in dem Augenblicke, wo er die Gesandten des Pfalzgrafen und seine Friedenserbietungen auf das schroffste zurückwies? Trotzdem machte F. neue Versuche, den Kaiser mit sich auszusöhnen. Herzog Ludwig von Landshut übernahm die Vermittlung. Aber der Kaiser stellte Bedingungen, wie die Bezahlung von 32000 Gulden, die Herausgabe der Landvogtei und der Ortenau, die Entbindung der Seckenheimer Gefangenen von ihren Verpflichtungen und die Wiedererstattung ihres bezahlten Lösegeldes, die F. anzunehmen keine Lust hatte. Als dann der Kaiser im Jahre 1473 die Zusammenkunft mit dem Herzog von Burgund hatte, hoffte F. durch den Einfluß dieses ihm befreundeten Fürsten den Kaiser zu gewinnen. Auch dies war vergeblich. Der Kaiser erschwerte viel mehr die Bedingungen und entschloß sich sogar, das letzte Mittel, das ihm zu Gebote stand, wider den Pfalzgrafen anzuwenden. Er citirte ihn vor ein Fürstengericht auf den Reichstag zu Augsburg (Mai 1474) und übertrug dem Markgrafen Albrecht den Vorsitz. Als dieser aber und seine Beisitzer Miene machten, den Beschwerden des Pfalzgrafen Rechnung tragend die Formen des Rechtsganges zu beobachten, ward der Kaiser ungeduldig, nahm dem Markgrafen den Stab aus der Hand und erklärte selbst einen Spruch fällen zu wollen (9. Mai). In kurzer Frist sprach er das Urtheil, daß der Pfalzgraf den kurfürstlichen Titel abzulegen habe, daß er das Verbrechen laesae Majestatis begangen und in die Strafe der Acht und Aberacht verfallen sei. Wenn der Kaiser nur auch die Macht gehabt hätte, das Urtheil zu executiren. Statt dessen ließ er sich bald wieder auf Unterhandlungen ein und stellte dem Pfalzgrafen noch einmal jene schweren Bedingungen, die schon wiederholt zurückgewiesen waren und jetzt nach reiflichster Verathung mit den vornehmsten Gliedern der Pfalzgrafschaft abermals zurückgewiesen wurden. Die Pfälzer hatten keine Lust, blos um des Kaisers Versöhnung und Anerkennung willen Alles, was sie durch schwere Fehden und glückliche Umstände erworben hatten, wieder hinzugeben. Der Pfalzgraf hielt seinen Besitz fest und ward immer trotziger und feindseliger. Die Interessen seines Hauses setzten ihn in neuen Gegensatz zu Kaiser und Reich. Die Kölner hatten den Erzbischof Ruprecht Vertrieben und mit Zustimmung des Kaisers einen neuen Administrator aufgestellt. Der Herzog von Burgund, um Hülfe angerufen und verbündet mit Ruprecht und mit dem Pfalzgrafen, war bereit, die Empörer zu züchtigen. Mit einem gewaltigen Heere zog er an den Niederrhein, nahm Remagen und Linz und belagerte die Stadt Neuß (Juli 1474). Das Reich rüstete sich, um diesen kühnen Einfall, an den sich die schlimmsten Befürchtungen knüpften, gehörig zurückzuweisen. Markgraf Albrecht wurde vom Kaiser zum obersten Reichshauptmann ernannt — aber nur langsam und allmählich zogen die Reichstruppen, vornehmlich die der Städte, heran. Pfalzgraf F. legte seine Freundschaft mit dem Burgunder dadurch an den Tag, daß er den Reichstruppen den Durchmarsch durch sein Gebiet verwehrte. Trotz seiner zerfahrenen Zustände und elenden Militärverfassung hatte das Reich Erfolg. Neuß leistete tapferen Widerstand, das Reichsheer rückte siegreich den Rhein hinab bis Köln. Verschiedene Kämpfe fanden statt. Da ließ sich der Herzog durch Unterhandlungen mit dem Kaiser und dem Markgrafen zum Abzuge bewegen und versprach dem Sohne des Kaisers Maximilian seine Tochter Maria zur Gemahlin zu geben. Dieser Ausgang, welcher dem Herzog wahrscheinlich eine Züchtigung ersparte und allein dem Hause Habsburg Vortheil zu bringen schien, erregte allgemeinen Unmuth, selbst bei kaiserlich gesinnten Fürsten. Da mag der Kaiser einen Augenblick daran gedacht haben, zur Stütze seiner Politik, die er gegen Burgund befolgte, sich wieder besser mit den baierischen Fürsten zu stellen, die jenem verbündet waren. Er erschien zu Landshut bei der Hochzeit des Herzogs Georg und verkehrte mit Philipp, dem pfälzischen Kurprinzen. Aber dies waren vorübergehende Versuchungen. Der Pfalzgraf blieb bis an sein Ende in des Kaisers Acht und starb ungebeugt am 12. Decbr. 1476 zu Heidelberg. F. hatte selten Frieden, singt der Hofdichter Michel Beheim von seinem Herrn; allein er verstand es, den Krieg durch den Krieg zu bezahlen, er hinterließ seinem Nachfolger Philipp das Kurfürstenthum in erweitertem Umfange und blühendem Zustande. Mehr als 60 Burgen und Städte hat er dazu gebracht, nicht Eine ist unter seiner Herrschaft verloren gegangen. Trotz seiner vielen Fehden war F. auch den Bestrebungen und Arbeiten des Friedens, den Künsten und Wissenschaften gewogen, insbesondere liebte er die Musik. Auch mit den Spielereien seiner Zeit, mit Sterndeutern und Alchymie beschäftigte er sich. Das Gedeihen der Heidelberger Universität lag ihm sehr am Herzen, er fügte ihrem Vermögen neue Schenkungen hinzu, ordnete das Besoldungswesen der Professoren, rief junge Kräfte heran und erließ ein neues Statut, das in der Geschichte der Hochschulen wichtig ist (29. Mai 1452). Ebenso sorgte F. für tüchtige Verwaltung und das Gerichtswesen seines Landes. Zu Heidelberg errichtete er ein Hofgericht (1472). Handel und Verkehr, insbesondere das Gewerbewesen erfreuten sich seiner Gunst und Fürsorge. So verstand es F. nicht allein durch kriegerische Eroberungen, sondern auch durch die Vorzüge der inneren Verwaltung sein Fürstenthum zu befestigen und selbst während der trostlosen Wirren des deutschen Reiches zu einem kräftigen Staatswesen zu gestalten. Nach den Bestimmungen der Arrogation sollte sich F. nicht vermählen. Doch er entsagte keineswegs den Freuden der Liebe. In München lernte er das Hoffräulein Clara Dettin von Augsburg kennen, die ihm ihre Gunst schenkte. Er erzeugte mit ihr zwei Söhne, Friedrich und Ludwig. Später, als Philipp seine Einwilligung gab (24. Januar 1472), nahm er die Geliebte zur Gemahlin. Der älteste Sohn starb noch bei Lebzeiten des Vaters (1474), der jüngere, Ludwig, ist Stammherr der Fürsten von Löwenstein-Wertheim geworden.

    • Literatur

      Chr. Jac. Kremer, Geschichte des Kurfürsten Friedrichs des Ersten von der Pfalz. Mit Urkunden. Zwei Bände. Frankfurt und Leipzig. 1765. — L. Häusser, Geschichte der Rheinischen Pfalz, Heidelberg 1856. I. Band. S. 329—420. — Quellen und Erörterungen zur bayer. und deutschen Geschichte. Bd. II und III enthaltend: Quellen zur Geschichte Friedrichs des Siegreichen, 1) Mathias von Kemnat und Eikhart Artzt, herausgegeben von C. Hofmann; 2) Regesten zur Geschichte Friedrichs des Siegreichen, angefertigt von K. Menzel. Bd. II. Michel Beheim und Eikhart Artzt, herausgegeben von C. Hofmann, München 1857—1863. — K. Menzel, Kurfürst Friedrich der Siegreiche von der Pfalz. 1454—1464. München 1861. — Chr. Roder, Die Schlacht von Seckenheim in der Pfälzer Fehde von 1462—63. Villingen 1877.

  • Autor

    K. Menzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Menzel, K., "Friedrich der Siegreiche" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 593-603 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118693514.html#adbcontent

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