Lebensdaten
1424 bis 1449
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Worms
Beruf/Funktion
Kurfürst von der Pfalz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123011884 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig IV. von der Pfalz
  • Ludwig IV.
  • Ludwig IV. von der Pfalz
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Zitierweise

Ludwig IV., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123011884.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Haus Wittelsbach;
    V Kf. Ludwig III. v. d. Pf. ( 1436, s. NDB 15);
    M Mechtild ( 1438), T d. Gf. Amadeus v. Savoyen ( 1402);
    Ov Pfalzgf. Otto I. v. Mosbach (1390–1461), Vormund L.s 1436-42;
    B Kf. Friedrich I. d. Siegreiche v. d. Pf. (1429–76, s. NDB V);
    Vt Pfalzgf. Christoph v. Neumarkt (1416–48), Kg. v. Dänemark u. Schweden seit 1440, Kg. v. Norwegen seit 1441 (s. ADB IV);
    - Heidelberg 1445 Margarete (ca. 1410–79), T d. Gf./Hzg. Amadeus VIII. v. Savoyen (1383–1451), später Papst Felix V. (1439/40-49), Kardinal v. Sabina (1449–51);
    1 S Kf. Philipp v. d. Pf. (1448–1508).

  • Leben

    Beim Tod seines Vaters 1436 war L. erst dreizehn Jahre alt; deshalb behielt Pfalzgf. Otto I. aus der Mosbacher Linie die für den kranken Ludwig III. bereits geführte vormundschaftliche Regierung bis 1442 bei. Otto ließ L. 1437 in Eger mit der Kurwürde belehnen, nahm aber das kurfürstl. Wahlrecht 1438 und 1440 bei den Erhebungen Albrechts II. und Friedrichs III. zum König selbst wahr. In der Auseinandersetzung zwischen dem zu Basel tagenden Konzil und Papst Eugen IV. beteiligte sich Otto an der Festlegung der kurfürstl. Neutralität. Die Wirkung der von L.s Mitvormund Raban v. Helmstatt, Erzbischof von Trier, wesentlich gestalteten Neutralitätserklärung von 1438 währte nahezu ein Jahrzehnt und wurde damit auch für L. zur Richtschnur seiner Kirchenpolitik. In der Mainzer Akzeptation von 1439 hatten König Friedrich III. und die deutschen Bischöfe mit den Kurfürsten die für sie erheblichen Reformdekrete des Konzils von Basel zur gültigen Norm erklärt. Auf diese Weise versuchten sie, zwischen den kirchlichen Instanzen zu vermitteln und gleichzeitig die Kirchenreform voranzutreiben, konnten allerdings ein Schisma nicht verhindern. Die Angehörigen des Pfälzer Kurhauses standen nicht nur der konziliaren Reformpartei nahe, die nach der Absetzung Eugens IV. 1439 in Basel den Hzg. Amadeus VIII. von Savoyen als Felix V. zum Papst gewählt hatte, sondern L. verstärkte die familiären Beziehungen mit der bedeutenden Savoyer Dynastie, indem er sich am 22.10.1444 mit Amadeus' Tochter Margarete verlobte. Zu Beginn des Jahres 1442 trat L. die Regierung als Kurfürst selbst an; am 18. Juni erhielt er von Friedrich III. in Aachen die Belehnung. Er hatte sich bereits vor seiner Großjährigkeit in die militärischen Vorbereitungen zur Abwehr der Armagnaken, der Söldner des franz. Kg. Karl VII. eingeschaltet, nicht zuletzt durch Unterstützung der zehn elsäss. Städte, da die Verhandlungen über den Abzug der Söldner im Sommer 1444 zu keinem befriedigenden Erfolg geführt hatten. Auf Grund dieser Aktivitäten wurde L. zum Reichshauptmann gegen die Armagnaken bestellt; er war an der Beseitigung dieses Söldnerunwesens im Frühjahr 1445 (Schlacht bei Illkirch) entscheidend beteiligt.|Im Gegensatz zu den territorialen Veränderungen unter Ludwig III. durch die pfälz. Landesteilung von 1410 blieb der Besitzstand unter L. konstant, sieht man vom Kauf der Grafschaft Löwenstein 1441 ab. Dagegen hat L. über die Landfriedenswahrung in den kurpfälz. Landen hinaus durch Schutzbündnisse mit den Schwäb. Reichsstädten 1443-46 dem Landfrieden zu dienen gesucht. Zusammen mit Kg. Christoph von Dänemark, Schweden und Norwegen, Pfalzgraf der Neumarkter Linie, mit Hzg. Albrecht von München und dem Bischof Friedrich von Regensburg schloß er 1444 ein Landfriedensbündnis für seine oberpfälz. Herrschaftszone. Er bemühte sich jahrelang um die Schlichtung eines Streits der Stadt Mainz mit ihrem Erzbischof und vermittelte 1449 zwischen Ritterschaft und Bürgerschaften der Schweiz. Die Chancen des Wiener Konkordates von 1448, sich mit kirchlicher Hilfe als Territorialherr noch stärker zu etablieren, konnte L. nicht mehr nutzen, wie er auch sonst ein eigenes Regierungsprofil kaum zu entwickeln vermochte; denn er verstarb noch nicht 25jährig. Sein Bruder Friedrich, dem er bereits 1443 erheblichen Einfluß auf die Regierung der Pfalzgrafschaft eingeräumt hatte, übernahm zunächst die Vormundschaft für L.s Sohn Philipp, bis er sich 1451/52 selbst der Kurwürde bemächtigte.

  • Literatur

    ADB 19;
    RTA 13-17;
    E. Cornaz, Le mariage Palatin de Marguerite de Savoie (1445–49), in: Mémoires et documents publiés par la Société d'hist. de la Suisse Romande, Seconde Série 15, 1932;
    Henry J. Cohn, The government of the Rhine Palatinate in the fifteenth century, 1965;
    H. Angermeier, Königtum u. Landfriede im dt. Spät-MA, 1966, bes. S. 406 ff.;
    ders., Die Reichsreform 1410–55, 1984;
    Hdb. d. bayer. Gesch., hrsg. v. M. Spindler, III, 2, 21979, bes. S. 1291 f.;
    H. Rall, Wittelsbacher Lb., 1979;
    Ch. Frhr. v. Brandenstein, Urkk.wesen u. Kanzlei, Rat u. Regierungssystem d. Pfälzer Kf. Ludwig III. (1410–36), 1983;
    U. Weis, Urkk.wesen u. Kanzlei d. Pfälzer Kf. L. IV. (1445–49) (in Vorbereitung).

  • Portraits

    Kupf. v. J. Ammann u. H. Sperling (Heidelberg, Kurpfälz. Mus.);
    Gem., 17. Jh. (ebd.).

  • Autor/in

    Carl August Lückerath
  • Empfohlene Zitierweise

    Lückerath, Carl August, "Ludwig IV." in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 411 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123011884.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ludwig IV., Kurfürst von der Pfalz, 1437—49, war geb. am 1. Jan. 1424. Nach Ludwigs III. Tode führte Pfalzgraf Otto von Mosbach die Vormundschaft, der gegen die Bestimmung der Goldenen Bulle schon 1437 seinen Mündel mit der Kurwürde belehnen ließ. 1442 ward L. volljährig und wohnte bald darauf der Krönung des neuen Königs Friedrich III. zu Aachen bei. Unter Friedrich, der bei seiner überaus langen Regierung der schweren Aufgabe, die ihm zu Theil ward, nicht gewachsen war, tritt Ludwigs Name ganz bedeutsam hervor. Während in dem Kampfe zwischen Papst und Kirche auf dem mit|Bann belegten Baseler Concil sich die Franzosen ihre Selbständigkeit gegenüber der Curie bewahrten, waren es auf deutscher Seite die Kurfürsten, welche durch einen Neutralitätsbund (17. März 1438) eine feste Nationalkirche zu schaffen schienen, wären nicht wieder eigennützige Parteiinteressen die Ursache einer baldigen Niederlage gewesen. Bei dieser Neutralitätspolitik war zwar noch Ludwigs Mitvormund Rhabanus von Trier die entscheidende Persönlichkeit, aber schon 1443 trat der junge Kurfürst selbstthätig in die Verhandlungen ein. Schon seine verwandtschaftlichen Beziehungen mußten ihn auf Seite der Reform-Partei Stellung nehmen lassen, denn L. vermählte sich am 18. October 1445 mit Margarethe, der Tochter des Herzogs Amadeo VIII. von Savoyen, der schon im hohen Alter dem Sohne die Regierung übergeben, sich als Einsiedler an den Genfer See zurückgezogen hatte, jetzt aber als Reformpapst unter dem Namen Felix V. in den politisch kirchlichen Kampf eintrat. Bei dieser Verbindung Ludwigs mit dem savoyischen Hause waren die Kurfürsten von Trier und Mainz nicht ohne politische Berechnung betheiligt. Bedeutsamer als deutscher Reichsfürst tritt L. in den Beziehungen des Deutschen Reichs zu Frankreich am. Bekanntlich hatte Friedrich III. in seinen Kämpfen mit den Schweizern die Thorheit begangen, französische Hülfe von Karl VII. (1421—67) zu verlangen, dem nichts erwünschter war, als die zügellosen Schaaren von Söldnern, die gefürchteten Armagnacs, die Frankreich selbst zur Last waren, zu einer Action nach Außen zu verwenden, die ihm bei der Schwäche des Deutschen Reiches ein Stück Grenzgebiet eintragen konnte. Die Schweizer wurden, wie bekannt, bei St. Jacob (26. August 1444) geschlagen, nun aber begannen die Söldner nach Deutschland sengend und brennend einzudringen, den ganzen Elsaß und den Sundgau zu besetzen. Während aber das Reich ohnmächtig diesem Treiben zusah und sich zu schwach fühlte einen Kriegszug zu beginnen, ja Reichsfürsten, wie Mainz und Köln mit Frankreich liebäugelten, ward L. der thatkräftige Vertreter des deutschen Reichsgedankens. Schon längst beabsichtigte er einen Krieg gegen die Armagnacs, noch ehe die Städte auf einer Versammlung zu Frankfurt ernstlich davon sprachen, aber L. wünschte einen allgemeinen Reichskrieg, der mit gemeinsamer Kraft begonnen nicht allein der Söldnerhaufen sich erwehren konnte, sondern vor allem Frankreich gegenüber das Deutsche Reich aus seiner Ohnmacht emporheben sollte. Im October 1444 hatte L. persönlich zu Speier seinen vollen Einfluß in diesen entscheidungsvollen Fragen geltend gemacht und nur unwillig fügte sich der zum Losschlagen auf eigene Faust gerüstete Pfalzgraf, als König Friedrich zu Wolsheim mit dem Dauphin zu pactiren begann. Nach den Verhandlungen, wie sie der Trierer führte, sollte L. die Waffen niederlegen, die Armagnacs aber bis zu einem weitern Beschlusse, die von ihnen eingenommenen Plätze besetzt halten. Diesem entehrenden Waffenstillstande gegenüber ist es der Pfalzgraf L., der des langen Säumens müde selbst mit einem Heerhaufen ins Elsaß bis nach Straßburg vordringt. Bei Illkirch brachte er den Söldnern eine bedeutende Niederlage bei. Allgemeiner Dank der lange bedrückten Bevölkerung folgte der tapfern That des Pfalzgrafen. Längst war er als thatkräftiger, charakterfester und friedliebender Fürst bei den Zeitgenossen geachtet. Die Chronisten wissen nicht genug seine Verdienste um die Aufrechthaltung des Friedens hervorzuheben. Man nennt ihn den „biderben, ehrlichen und gottseligen Fürsten“. So hatte er sich besonders in den weiteren Kämpfen Friedrichs III. mit den Eidgenossen als erwünschter Schiedsrichter bewährt. 1455 hatte er als 22jähriger junger Mann die Friedensunterhandlungen zu Constanz geleitet und zu gutem Ausgange geführt. Vor Allem hebt sich bei der trostlosen Lage des Reichs, bei der Gewissen- und Charakterlosigkeit eines großen Theils einflußreicher Reichsfürsten, die wahrhaft makellose Gestalt Ludwigs glänzend|hervor. Im eigenen Lande bewies er sich als tüchtigen Regenten, die Universität Heidelberg weiß von seiner Fürsorge zu erzählen, wo er als Wiederhersteller des Dionysianums bekannt ist. Noch nicht 25 Jahre alt starb er zu Worms am 13. August 1449. Aus seiner Ehe mit Margarethe von Savoyen ging der ritterliche und für die. Wissenschaften begeisterte Kurfürst Philipp hervor.

    • Literatur

      Häusser, Geschichte der rhein. Pfalz, I. 313—29. Hautz, Geschichte der Universität Heidelberg, I. E. Wülcker, Urkunden und Schreiben betreffend den Zug der Armagnaken (1439—44), im Neujahrsblatt des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a/M., 1873. W. Pückert, Die churfürstliche Neutralität während des Baseler Concils, Leipz. 1858.

  • Autor/in

    Wille.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wille, Jakob, "Ludwig IV." in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 571-573 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123011884.html#adbcontent

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