Lebensdaten
1436 oder 1433 bis 1484
Sterbeort
Moyenvic
Beruf/Funktion
Bischof von Metz ; Markgraf von Baden
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137807503 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Georg von Baden
  • Georg Markgraf von Baden
  • Georg von Metz
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Zitierweise

Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137807503.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Mgf. Jakob I. v. B. ( 1453), S d. Mgf. Bernhard I. v. B. ( 1431, s. NDB II);
    M Katharina ( 1439), T d. Hzg. Karls I. d. Kühne v. Lothringen ( 1431);
    B Mgf. Karl (1427–75), Mgf. Bernhard II. ( 1458, s. NDB II), EB Johann v. Trier ( 1503), Mgf. Marcus (* 1434), Verweser d. Bistums Lüttich 1465/66;
    Schw Margarethe (⚭ Albrecht Achilles, 1486, Mgf. u. Kf. v. Brandenburg, s. NDB I).

  • Leben

    Wie seine Brüder Johann und Marcus für den geistlichen Stand vorgesehen, erhielt G. 1445 die niederen Weihen, studierte mit ihnen gemeinsam in Erfurt (1452–54), Pavia (1454/55) und Köln (1456) - sicherlich auch Jura - und wurde 1456 Domkanoniker in Köln. Doch vom Vater noch 1453 mit dem nördlichen Drittel der Markgrafschaft beerbt, entschied sich G. erst 1459 für den geistlichen Stand. Maßgebend dafür war die Wahl Johanns zum Erzbischof von Trier - G. erwirkte ihm in Rom das Pallium -, der erreichte, daß G. am 24.10.1457 zum Koadjutor und am 15.6.1459, nach dem Tode Bischof Konrad Bayers, zum Administrator und nach Erfüllung des kanonischen Alters zum Bischof von Metz gewählt und ernannt wurde. G. trat dieses Amt 1461 an nach einem vom Kapitel geforderten Aufenthalt in Frankreich zur Erlernung der Sprache.

    G. folgte meist der trierischen, das heißt der kaiserlich-badischen Politik; bei ihm erhielt diese jedoch sehr bald einen durch die Erfordernisse des Bistums bedingten eigenen Charakter. Die Pflichten gegen Kaiser und Reich waren mit der Rücksicht auf das benachbarte Lothringen, Pfalz, Burgund und Frankreich zu verbinden. So stand G. in der Mainzer Stiftsfehde seit 1461 mit den Brüdern auf der Seite|Adolfs von Nassau; die versprochene militärische Hilfe leistete er aber erst nach Abschluß eines Sondervertrages im Mai 1462. Bei Seckenheim schwer verwundet und gefangen genommen, wurde seine Haft dann leichter als die der anderen Fürsten. Der Pfalzgraf soll ihn mehrfach besucht haben. Der lothringische Marschall Johann von Finstingen erwirkte seine Befreiung bereits im Januar 1463 gegen die Zahlung eines Lösegeldes von 42 500 gld (innerhalb von 20 Jahren) und die Zusage, den Pfalzgrafen mit Papst und Kaiser auszusöhnen.

    Eine straffe, die finanziellen Möglichkeiten des bischöflichen Territoriums ausnutzende Verwaltung half, die schwer belastenden Schulden aus der Mainzer Stiftsfehde langsam zu decken. Daneben bemühte sich G. mit der Unterstützung des Kapitels um die Rückerwerbung alter Besitzrechte des Bistums, so vor allem in Épinal - diese Verpflichtung hatte er bei der Wahl übernommen - und in Sankt Avold, freilich ohne bleibenden Erfolg. Nach langjährigen Verhandlungen gelang G. im Vertrag vom 9.2.1466 die Beilegung des offenen Konfliktes zwischen Domkapitel und Stadt Metz - veranlaßt durch die entgegengesetzte Parteinahme in der Mainzer Bistumsfehde, verursacht durch Kompetenzstreitigkeiten in der Stadt - durch eine klare Abgrenzung der Rechte von Stadt und Geistlichkeit, besonders betreffend Gericht, Besitz, Dienst und Abgaben. Das damit geschaffene gute Verhältnis zu Stadt und Kapitel wurde nur in den letzten Jahren nochmal gefährdet. 1478 und 1484 machte die Stadt neue Versuche, das letzte bischöfliche Recht, die Wahl des obersten städtischen Gerichtsorgans, der „Treize“, auszuschalten. 1481 appellierten Kapitel und Geistlichkeit gegen die vom Bischof für notwendig erachteten Reformstatuten an den Papst. EB Johann erreichte jedoch vom Bischof den Verzicht auf die Reformen, mit denen die schwierige wirtschaftliche Lage der Stifter und Klöster noch verschlechtert worden wäre.

    Nicht nur in der Territorialpolitik wurde G. von Kaiser und Papst gestützt. Der Kaiser befürwortete 1471 die Erhöhung G.s zum Kardinal. Beim Augsburger Reichstag 1473 übertrug er ihm die Beilegung des Streites zwischen dem Herzog von Lothringen und der von diesem überfallenen Stadt Metz (Friedensschluß vom 28.4.1474). Beim Nürnberger Reichstag 1480 wurde G. mit dem Erzbischof von Trier kaiserlicher Kommissar in der Türkensache für die westlichen Lande.

    Die nahe Beziehung zum Kaiser blieb bestehen, auch als G., der anfangs als treuer Anhänger der französischen Krone gegolten hatte, am 29.9.1473, wenige Tage nach dem Besuch des Kaisers in Metz, ein Bündnis mit Karl dem Kühnen von Burgund einging, das ihn zu dessen Rat und Diener machte, Karl weitgehenden Einfluß auf G.s Politik einräumte und ihm Plätze und Städte des Metzer Territoriums öffnete, allerdings unter Vorbehalt des Kaisers, des Pfalzgrafen und G.s badischer Brüder.

    Die enge Bindung an Kaiser und Burgunder bedingte G.s politische Bedeutung in den folgenden Jahren. Bei der Zusammenkunft Friedrichs III. und Karls von Burgund in Trier im Oktober und November 1473 soll er zur Durchführung der Krönungszeremonien für den Burgunder vorgesehen gewesen sein. Während des Reichskrieges gegen Burgund erschien er kurz vor dem Waffenstillstand im Lager vor Neuß, um die plötzlich auftauchenden Hindernisse beseitigen zu helfen. Seit November 1476 hat er zunächst als Bevollmächtigter des Burgunders, dann des Kaisers gemeinsam mit dem alten Studiengefährten aus Pavia, Georg Heßler, die Verhandlungen geführt, die am 19.8.1477 zum Vollzug der Heirat zwischen Maximilian und Maria führten. Bis zur Ankunft Maximilians in den Niederlanden gehörte er zu den Ratgebern Marias. Später war er politischer Vertrauter Maximilians, der ihn aus Dankbarkeit als Koadjutor und Administrator im Bistum Utrecht eingesetzt und für die Nachfolge Davids von Burgund ausersehen haben soll (Tabouillot II, S. 675).

    Obwohl G. wohl nie die höheren Weihen erhielt, galt er den Zeitgenossen als guter Kirchenfürst, der seinem selig gesprochenen Bruder Bernhard nahe stand. Sie lobten seine Weisheit, seine Sprachkenntnisse - er sprach lateinisch, französisch und deutsch - und seine Frömmigkeit. G. legte den Grundstein zum Neubau von Sankt Symphorian (1481); er bestätigte die Erweiterung von Sankt Peter in Finstingen zum Kollegiatstift (1475). In seine Zeit fallen mehrere neue Niederlassungen des Franziskanerordens (Tertiarinnen in Château-Salins, Klarissinnen de L’Ave-Maria in Metz, Cordeliers de la Chapelle-aux-Bois).

  • Literatur

    ADB VIII;
    Journal de Jehan Aubrion 1465-1512, ed. L. Larchey, Metz 1857;
    Cartulaire de l’évêché de Metz, ed. P. Marichal, = Mettensia 5, Paris 1908, S. 75-94, 175-86;
    La chronique de Philippe de Vigneulles, ed. Ch. Bruneau, II u. III, Metz 1929 u. 1932; künftig:
    RTA (Ältere Reihe) 20, 23 u. 24;
    M. Meurisse, Histoire des évesques de l’église de Metz, Metz 1634, S. 568-94;
    A. Calmet, Histoire de Lorraine V, 2Nancy 1752, Sp. 234-57;
    N. Tabouillot, Histoire générale de Metz II, Metz u. Nancy 1775, S. 653-84, V u. VI, 1787;
    M. L. Duhamel, Négociations de Charles VII et de Louis XI|avec les évêques de Metz pour la châtellenie d’Épinal 1444-66, = Ann. de la Soc. d’Émulation du Dép. des Vosges 12, Épinal, Paris 1867, S. 199-444;
    A. Bachmann, Dt. Reichsgesch. im Za. Friedrichs III. u. Max. I., I, 1884, bes. S. 282 ff., II, 1894, bes. S. 571 ff. u. 703 f.;
    Th. Müller, Die Markgrafen Johann, G. u. Markus v. Baden auf d. Universitäten zu Erfurt u. Pavia (1452 ff.), in: ZGORh 45, 1891, S. 701-05;
    K. Weinmann, Bischof G. v. B. u. d. Metzer Kapitelstreit, in: Jb. d. Ges. f. lothring. Gesch. u. Altertumskde. 6, 1894, S. 1-94;
    W. Hollweg, Dr. Georg Heßler, 1907, bes. S. 3, 48-59;
    G. Allemang, in: Dict. Hist. Geogr. VI (L);
    M. Prevost, in: Dictionnaire Biogr. Française IV, Paris 1948 (L). >

  • Autor/in

    Henny Grüneisen
  • Empfohlene Zitierweise

    Grüneisen, Henny, "Georg" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 219-221 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137807503.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Georg, Bischof von Metz, geboren 1433, war ein jüngerer Sohn des Markgrafen Jakob I. von Baden und der Prinzessin Katharina von Lothringen. Zum geistlichen Stande bestimmt, erhielt G. am 23. Nov. 1445 in Baden die Tonsur; 1451 wies ihm zwar sein Vater Durlach als Markgrafen von Baden zu und 1453 bestimmte er dies von neuem im Testamente, G. aber wollte seinem Berufe nicht entsagen und verzichtete auf Durlach 1454 zu Gunsten seiner älteren Brüder Karl und Bernhard. G. wurde Domherr zu Köln und am 5. October 1457 Coadjutor, Mainburn und Administrator des Bischofs von Metz, Konrad von Boppard. Ein trefflicher Kirchenfürst, wurde er Konrads Nachfolger am 20. April 1458 und ergriff am 27. Juli 1461 Besitz. Noch 1461 veräußerte er Saarburg. 1461 zog G. auf Befehl des Kaisers und des Papstes mit seinem Bruder Karl und anderen Herren gegen Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz, den Beschützer des Mainzer Erzbischofs Diether von Isenburg, aber bei Seckenheim am 30. Juni 1462 fiel er schwer verwundet in pfälzische Gefangenschaft, kam erst nach Heidelberg, dann nach der Burg Eicholsheim bei Mannheim, wurde ziemlich milde behandelt, mußte aber geloben, nie mehr gegen Kurpfalz zu streiten und den Kurfürsten mit Pius II. auszusöhnen, — auf Verwendung des lothringischen Marschalls Johann von Vinstingen erhielt er am 22. Januar 1463 gegen 60000 Gulden Lösegeld, von denen man|später 10000 abließ, seine Freiheit. Um sich für diese Summe schadlos zu halten, besteuerte G. mit päpstlicher Erlaubniß sein schuldloses Bisthum; da Metz und die Domherren Gegner Diether's von Isenburg waren, verfolgte G. sie grausam — es kam endlich auch zur vollen Spaltung zwischen der Stadt und den Domherren, doch legte G. den Streit am 31. Januar 1466 bei. 1473 wollten die Lothringer Metz überrumpeln, doch schloß G. 1474 zwischen dem neuen Herzoge René und der Stadt Frieden. 1473 sollte G. in Trier Karl den Kühnen zum Könige von Burgund krönen, als der Kaiser plötzlich abreiste. 1477 erbat er in kaiserlichem Auftrage in Gent für Maximilian die Hand Maria's von Burgund und seiner Vermittlung gelang die glänzende Verbindung. In Erinnerung an diese Dienste wollte ihm Maximilian das Bisthum Utrecht zuwenden, als G. am 11. October 1484 in Moyenvic starb. Er ruht in Metz.

    • Literatur

      Meurisse, Histoire des evesques de l'église de Metz, Metz 1634. Jacomin Husson, Chronique de Metz (1200—1525), publié par Michelant, Metz 1870. Schöpflin, Historia Zaringo-Badensis.

  • Autor/in

    Kleinschmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kleinschmidt, Arthur, "Georg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 681-682 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137807503.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA