Lebensdaten
1842 bis 1926
Geburtsort
Gesecke (Westfalen)
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Munitions- und Maschinenfabrikant ; Konstrukteur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132591189 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lorenz, Wilhelm

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Zitierweise

Lorenz, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132591189.html [16.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. August (ca. 1807–55), Feldwebel, dann Gerichtsschreiber in G., seit 1854 in Arnsberg, S d. Blechschlägers Johannes in Lippstadt;
    M Maria Eva van Gerfson (1806–60) aus Duisburg;
    Hannover 1873 Friederike Emilie (ca. 1854–81), T d. Papierwarenkaufm. Friedrich Christian Ludwig Lehne in Braunschweig;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    Wegen des frühen Todes der Eltern mußte L. den Besuch des Gymnasiums abbrechen. Nach einer Schmiedelehre arbeitete er zunächst in Hagen in der Schraubenfabrik und Gesenkschmiede von Funcke & Hueck, dann in Berlin, in einer Bielefelder Spinnerei und schließlich seit 1870 in der Zündkapselfabrik von Georg Egestorff in Hannover, wo er Maschinen und Werkzeuge einer Munitionsfabrik kennenlernte. 1875 trat er bei der Patronenfabrik Henry Ehrmann & Co. in Karlsruhe die Stelle eines Ingenieurs an, wurde bald Geschäftsführer und Prokurist und übernahm, mit Unterstützung des Karlsruher Bankiers Robert Koelle, das Unternehmen 1878 selbst. Unter dem Namen „Deutsche Metallpatronenfabrik Lorenz“ baute er es betriebsorganisatorisch und fabrikationstechnisch zu einem Branchenführer aus. Von der Fabrikation von Patronenhülsen ging er zur Herstellung von Munition für Schnellfeuergewehre und schwere Geschütze über. Seit 1885 produzierte er auch die für die Munitionsherstellung erforderlichen Maschinen und Werkzeuge nach eigenen Patenten (Härteverfahren, Kupplungen etc.) für Spezialunternehmen und Militärbehörden des In- und Auslandes. Dabei arbeitete er eng mit der Gewehrfabrik Gebr. Mauser, Oberndorf, seit 1878 mit der Firma Krupp in Essen sowie mit Unternehmen in Österreich, Italien, England, Portugal, der Türkei, China und Japan zusammen. Wegen ihrer wachsenden Bedeutung wurde die Maschinenbauabteilung 1883 als „Maschinenfabrik Lorenz Karlsruhe“ verselbständigt. Im Ausland errichtete L. komplette Munitionsfabriken neu und gewann durch Lizenzproduktion (Österreich, Italien, England) oder Monopolverträge (u. a. in Frankreich) Einfluß auf die Munitionsherstellung in diesen Staaten. An einem Höhepunkt der Aufwärtsentwicklung seiner Firmen, die zu dieser Zeit 4-500 Beschäftigte hatten, entschloß sich L. 1889 zum Verkauf der Munitions- und Maschinenbaubetriebe einschließlich aller Patente und Rechte an ein Konsortium, das von dem Berliner Industriellen Isidor Loewe (Ludwig Loewe & Co.) geführt wurde und hinter dem u. a. der Rottweiler Pulverfabrikant Max Duttenhofer stand. Der Kaufpreis betrug 6 Mill. Mark. Das Unternehmen wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aufsichtsrat L. ohne eigene Kapitalbeteiligung noch kurze Zeit angehörte, bis er sich nach Differenzen 1889 ganz zurückzog.

    L.s Hauptinteresse galt dem Konstruktionswesen. 1888 hatte er Gottlieb Daimler kennengelernt und noch im selben Jahr im Garten seines Karlsruher Hauses eine Motorenwerkstätte eingerichtet, in der er selbst konstruierte. 1889 wurde die Gründung der „Daimler Motorenwerke Ettlingen“ geplant, in welche Daimlers Canstatter Werkstatt verlegt werden sollte; L. war als Betriebsleiter vorgesehen. Das Projekt scheiterte aber an der unterschiedlichen Interessenlage der Beteiligten. L. und Duttenhofer strebten eine gewinnbringende Produktion an, Daimler suchte vor allem finanzielle Unterstützung für die Fortsetzung seiner Entwicklungsarbeiten. In der 1890 gegründeten „Daimler Motoren Gesellschaft“ (DMG) war L. nach Daimler größter Aktionär. 1890 erwarb er in Ettlingen eine Blechwarenfabrik, die er 1891 zur „Metallwarenfabrik Lorenz“ (seit 1893 „Maschinenfabrik Lorenz“, als die sie – seit 1921 AG – bis heute firmiert) ausbaute. Das heute noch bestehende Fabrikgebäude, architektonisch als „Kirche der Arbeit“ konzipiert, wurde 1897 errichtet. Hergestellt und erfolgreich vertrieben wurden verschiedene Arten von Werkzeugmaschinen sowie Geräte zur Schädlingsbekämpfung, während die in einer Abteilung des Unternehmens konstruierten Daimler-Motoren als zu kompliziert galten. Die Aktionäre der DMG, Daimler einerseits|und L. mit Duttenhofer andererseits, hatten untereinander häufig ein gespanntes Verhältnis. Die Investitionsentscheidungen der letzteren wurden erst unter dem Eindruck der Erfolge von Daimlers Motoren in Frankreich – in einer Zeit (1893–95), als Daimler vorübergehend aus der DMG ausgeschieden war – in eine technologisch zukunftsweisende Richtung gelenkt. Doch hat L., abgesehen von seiner Bedeutung als wichtigster Mitaktionär, auch Beiträge zur technischen Verbesserung des Automobils (Lenkung, Getriebe) geleistet, an dessen Zukunft er immer glaubte, während er Zeppelins Luftschiffen skeptisch gegenüberstand. 1890-1926 war er Mitglied des Aufsichtsrats der DMG, 1899-1903 stellvertretender Vorsitzender und danach bis 1909 Vorsitzender. In den folgenden Jahren zog er sich allmählich von der unternehmerischen Tätigkeit zurück. Seit 1971 gehört die Maschinenfabrik Lorenz zur schweizer. Maag-Zahnräder AG|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Karlsruhe 1910); Dr. med. h. c. (Heidelberg); Ehrenbürger v. Ettlingen; GKR.

  • Literatur

    VDI-Zs. 71, 1927, S. 932;
    P. Siebertz, Gottlieb Daimler, 1939, 41950;
    F. Haßler u. A. Biehl, 50 J. Dt. Waffen- u. Munitionsfabriken AG, 1939 (P);
    60 J.Lorenz-Maschinen, 1890–1950, 1950 (P);
    W. Raupp, Marksteine d. Fabrikgesch., W. L. u. s. Werk, in: der Lorenz-Kreis 1/2, 1953/54;
    F. Sass, Gesch. d. Verbrennungsmotorenbaus in Dtld., 1962;
    P. H. Stemmermann, W. L., s. Ettlinger Werk u. d. Daimler-Motoren-Gesellschaft, in: Oberrhein. Studien II, 1973;
    R. Hanf, Im Spannungsfeld zwischen Technik u. Markt, Zielkonflikte b. d. Daimler-Motoren-Gesellschaft im ersten Dezennium ihes Bestehens, 1980 (P).

  • Autor/in

    Hermann Schäfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schäfer, Hermann, "Lorenz, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 179 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132591189.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA