Lebensdaten
1186 bis 1247
Sterbeort
Clairefontaine
Beruf/Funktion
Gräfin von Luxemburg und Laroche ; Markgräfin von Arlon
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119268299 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ermesinde
  • Ermensinde
  • Erminsindis
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Zitierweise

Erminsindis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119268299.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich der Blinde, Gf. v. Namur u. Luxemburg ( 1196);
    M Agnes ( 1196), T des Gf. Heinrich v. Geldern ( 1182);
    Vt Gf. Balduin V. v. Hennegau ( 1195, s. NDB I);
    l) 14.8.1196 Gf. Theobald v. Bar ( 11./12.2.1214), 2) 18.5.1214 Hzg. Walram III. v. Limburg ( Juni 1226);
    4 K aus 1), u. a. Elis. Isabella ( Walram v. Monschau, S Walrams III. aus 1. Ehe), 2 S, 1 T aus 2) bekannt, Gf. Heinrich II. der Blonde v. Luxemburg ( 1281), Gerhard, Herr auf Durbuy, Katharina ( Hzg. Matthäus II. v. Lothringen, 1241);
    N Balduin VI. ( n. 1205), erster lat. Kaiser v. Konstantinopel (s. NDB I).

  • Leben

    Die erste Hälfte von E. Leben – niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, daß ihrem Vater noch Nachkommen geboren würden – war mit Kämpfen um ihr Erbe ausgefüllt; dabei gingen Namur, Durbuy und Laroche an ihren Vetter Balduin V. von Hennegau verloren, der im Kampf gegen E. ersten Brautwerber Heinrich II. von der Champagne die Unterstützung Friedrich Barbarossas und Heinrichs VI. besaß. Ihr erster wie auch zweiter Gemahl mußten in den Verträgen von Dinant (1199, 1223) diese Verluste noch einmal anerkennen, und Theobald, E. 1. Gemahl, wurde sogar Lehnsmann von Flandern und Hennegau. Erst ihrem Sohn Heinrich dem Blonden gelang es, Namur wiederzugewinnen. Entscheidend für die Zukunft war aber, daß Walram, E. 2. Gemahl, die Markgrafschaft Arlon einbrachte; damit wurde eine mehr als 600jährige Schicksalsgemeinschaft mit dem Lande Luxemburg begründet, die erst die Ereignisse des 2. Viertels des letzten Jahrhunderts aufgelöst haben, die aber durch die treffliche Bezeichnung der beiden Luxemburg – les deux Luxembourg – festgehalten wird.

    Die zweite Hälfte ihres Lebens füllte nun das Bemühen aus, diese sich andeutende Möglichkeit des Ausbaues ihres Machtbereiches durch kluge Familienpolitik, vor allem durch Heiraten ihrer Kinder zu fördern. Außerdem wurden Bitburg und das Burggrafenamt von Kyllburg hinzuerworben. Im Gedankengang E. muß die Vorstellung des alten zu Verdun geschaffenen Mittelreiches besondere Formen angenommen haben. Zur Festigung des Zusammengehörigkeitsgefühls ihrer Gebiete schuf sie einen Lehnhof und richtete verschiedene neue Hofämter ein. Mit ihrem Namen verknüpft sich die Regelung der Verhältnisse der Untertanen zum Territorialherren. Die Städte Echternach, Diedenhofen und Luxemburg erhielten 1236-44 Stadtfreiungen; die Lage der Hörigen wurde gebessert. Daneben vergaß sie aber auch nicht, durch große Klostergründungen, vor allem ihrer Grabkirche Clairefontaine für ihr Seelenheil zu sorgen.

  • Literatur

    ADB VI;
    Gisleberti chronicon Hanoniense, ed. L. Vanderkindere, Brüssel 1904;
    C. Wampach, Qu.- u. Urkk.buch z. Gesch. d. altluxemburg. Territorien I, II (mit Einl.), IV (mit Einl.), Luxemburg 1935-39;
    S. P. Ernst, Histoire de Limbourg III-VI, ed. E. Lavalleye, Lüttich 1839 ff.;
    Jbb. d. Dt. Gesch., Phil. v. Schwaben u. Otto IV.|v. Braunschweig;
    dass., Heinrich VI.;
    dass., Friedrich II,;
    H. d'Arbois de Jubainville, Histoire des ducs et des comtes de Champagne … IV-VI, ed. A. Longnon, Paris 1863-69;
    G. Smets, Henri I, duc de Brabant, 1190-1235, Brüssel 1908;
    F. Rousseau, Henri l'Aveugle, = Bibl. fac. de phil. et lettres de l'université de Liége 27, Lüttich u. Paris 1921;
    M. Grosdidier de Matons, Le Comté de Bar des origines au traité de Bruges, Paris 1922;
    C. Joset, Ermesinde (1186–1247), fondatrice du pays de Luxembourg, Arlon 1947;
    J. Schoos. Le développement politique et territorial du pays de Luxembourg dans la première moitié du XIII. siècle, Luxembourg 1950, Teildruck, in: Publications de Luxembourg, 71, ebd. 1950.

  • Autor/in

    Camillus Wampach
  • Empfohlene Zitierweise

    Wampach, Camillus, "Erminsindis" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 602 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119268299.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ermensinde (1196—1247), Gräfin von Luxemburg. Als gegen Anfang des 12. Jahrhunderts (1136) die männliche Linie des Ardennisch-Luxemburger Geschlechts ausstarb, ging die Grafschaft Luxemburg auf die Nachkommen Ermensindens, einer Tochter Konrads I. über, welche nach dem Tode ihres ersten Gemahls Adalbert, des Grafen v. Dasburg und Moha, in zweiter Ehe sich mit dem Grafen Godfried von Namur vermählte. Sie gab ihm mehrere Söhne, von welchen der älteste, Heinrich, der vierte dieses Namens, Graf von Luxemburg wurde. Mit dem Tode dieses Grafen (1196) erlosch die männliche Nachkommenschaft des luxemburg-namur'schen Hauses. Die Grafschaft Namur ging an Balduin IV., Grafen von Hennegau, über und Heinrichs einzige Tochter E. erbte Luxemburg. E. war gegen Ende des J. 1185 geboren und wurde im Alter von zwei Jahren mit Heinrich II., dem Grafen von Champagne, verlobt. Sie heirathete jedoch, nach ihres Vaters Tode, in erster Ehe den Grafen Theobald von Bar, nach dessen Hinscheiden (12. Febr. 1214) sie sich noch in demselben Jahre mit Walram III., dem Herzog von Limburg und Markgrafen von Arlon, vermählte. E. führte das Staatsruder mit kräftiger Hand, sie hob ihre Grafschaft durch bedeutende Gebietserweiterungen und durch Aufnahme mächtiger Herren in den Lehnsverband. In Folge ihrer Vermählung mit Theobald von Bar erhielt sie Marville und dessen Dependenzen (1213). Walram brachte ihr als Mitgift die Markgrafschaft Arlon (1214). Ferner erwarb sie die Grafschaften La Roche und Durbuy (1199), Thionville und Falkenstein (1216), einen Theil der Herrschaft Diekirch (1221), Bittburg (1233), Ligny (1240) und Dahl (1242). Ihr Hof erhielt eine glänzende Einrichtung durch Anstellung neuer Würdenträger; sie errichtete einen eigenen Gerichtshof, bekannt unter dem Namen „siége des nobles“, welcher die unter dem Adel ausgebrochenen Streitigkeiten und die Rechtshändel in Feudalsachen zu schlichten hatte. Durch hohe Bildung sowol als durch innige Frömmigkeit ausgezeichnet, beförderte sie den öffentlichen Unterricht und das Gedeihen der Klöster. Die|Städte Echternach (1236), Thionville (1239) und Luxemburg (1243) erhielten Freiheitsbriefe, in welchen sich eine wahre Liebe zu ihren Unterthanen kundgibt. Geliebt und hochgeschätzt von Allen starb sie d. 17. Febr. 1247 und wurde ihrem Wunsche gemäß in der von ihr gegründeten Abtei Clairfontaine beigesetzt.

    • Literatur

      Wurth-Paquet, Table chronologique du règne d'Ermensinde in den Publications de la société archéologique —; de Marne, Hist. de Namur; Ernst, Histoire de Limbourg; Bertholet, Hist. de Luxembourg T. IV.

  • Autor/in

    Schötter.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schötter, "Erminsindis" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 231-232 unter Ermensinde [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119268299.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA