Lebensdaten
erwähnt 907, gestorben 937
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
Herzog von Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118504363 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arnulf der Böse
  • Arnulf von Bayern
  • Arnulf <der Böse>
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Arnulf, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118504363.html [30.08.2016].

CC0

Arnulf, „der Böse“

Herzog von Bayern, 14.7.937 Regensburg.

  • Genealogie

    V Markgraf Luitpold im bayerischen Nordgau, Donaugau, Kärnten und Pannonien ( 907); M Kunigunde, Schw der Grafen Erchanger und Berchthold von Schwaben, spätere Gemahlin König Konrads I.; 1) Agnes, (der Sage nach) T eines ungarischen Fürsten, 2) Judith, T des Grafen Eberhard von Sülichgau (?); 4 S, u. a. Eberhard, Herzog von Bayern; 2 T.

  • Leben

    A., eine kraftvolle Persönlichkeit, übernahm 907 als Herzog die Führung des bayerischen Stammes. Es gelang ihm, in mehreren Treffen die Ungarn zu schlagen; nach einem Sieg, den er 913 am Inn über die Eindringlinge erfocht, schloß er wahrscheinlich einen Vertrag mit ihnen, der das Land bis zum Jahre 927 von ihren Beutezügen befreite. Nach der Wahl des Franken Konrad zum König kam es zu einer Kraftprobe zwischen der neuerstarkten Herzogsgewalt und der Königsgewalt, mit der sich der gesamte bayerische Episkopat, der|die Umwandlung seiner mächtigen, durch die fränkisch-reichskirchliche Tradition bestimmten Stellung in den abhängigeren landeskirchlichen Zustand befürchtete, verbündet hatte. Es gelang Konrad I., A. vorübergehend aus Bayern zu vertreiben. Die Synode von Hohenaltheim 916, die grundsätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Königsmacht wie zum Schutze des kirchlichen Besitzstandes beschloß, und später eine bayerische Bischofsversammlung zu Regensburg forderten A. auf, sich zur Verantwortung zu stellen. Der Herzog setzte sich mit Erfolg zur Wehr und konnte 917 sein Herzogtum zurückerobern. In den Jahren 907-14 hatte er in großem Umfange Säkularisationen vorgenommen – daher der ihm von mönchischen Chronisten beigelegte Name „der Böse“ – und damit die bayerischen weltlichen Großen und Bischöfe ausgestattet, deren Hilfe es ihm ermöglichte, sich Bayerns voll und ganz wieder zu bemächtigen. Auch seiner Außenpolitik kam die Verfügung über den Klosterbesitz zustatten. Bei der Königswahl des Jahres 919 in Fritzlar stand er abseits und nahm für sich selbst den Königstitel in Anspruch. Daß es ein deutsches Gegenkönigtum gewesen sei, überliefert eine späte Abschrift einer Salzburger Chronik. Denkbar wäre auch, daß er mit einem bayerischen Königtum der Entwicklung des Landes den seiner Tradition und damaligen Situation gemäßen Abschluß geben wollte. Nach einer kurzen Belagerung Regensburgs durch Heinrich I. kam es hier im Jahre 921 zu einem Vertrag zwischen den beiden Herrschern, demzufolge der Herzog eine lose Oberhoheit des Königs anerkannte, in der Innen- und Außenpolitik aber freie Hand behielt – sogar das wichtige Recht der Bischofsernennungen fiel darunter. A. unternahm 922 einen Zug nach Böhmen, um die Wende 933/34 einen erfolglosen Kriegszug gegen König Hugo von Italien mit der Absicht, die langobardische Königskrone für seinen Sohn Eberhard zu erwerben. Diesen designierte er auch 935 zu seinem Nachfolger. Bei der Krönung Ottos I. in Aachen amtierte er als Marschall des Reiches. Die Anerkennung der Herzöge fiel dem neuen König als selbstverständliches Erbe zu.

  • Literatur

      ADB I;  M. Doeberl, Entwicklungsgesch. Bayerns I, 31916;  S. Riezler, Gesch. Baierns I, 21927;  H. Rall, Der Königsplan d. Bayernhzg. A. in Gesch.schreibung u. Politik, in: HJb 60, 1940, S. 231-45;  W. Holtzmann, Kg. Heinr. I. u. d. hl. Lanze, 1947;  F. Tyroller, Die Ahnen d. Wittelsbacher, in: Beil. z. Jber. d. Wittelsbacher Gymnasiums München, 1950/51;  W. Mohr, Kg. Heinr. I. (919–936), 1950;  K. Reindel, Die bayer. Luitpoldinger v. 893-989, Slg. u. Erläuterung d. Qu., in: Qu. u. Erörterungen z. bayer. Gesch., NF 11, 1953.

  • Autor

    Kurt Reindel
  • Empfohlene Zitierweise

    Reindel, Kurt, "Arnulf" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 396 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118504363.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Arnulf I.

  • Leben

    Arnulf I., Herzog von Baiern (907—937), Sohn Luitpolds. Markgrafen der Ostmark. Da sein Vater, der mächtigste und angesehenste Mann in Baiern, der selbst zuweilen schon als Herzog bezeichnet wird, in der großen Ungarnschlacht 907 gefallen war und der schwache König Ludwig nicht die Macht besaß auf Baiern irgend welche Einwirkung auszuüben, erlangte A. wahrscheinlich durch Wahl der bairischen Großen, keinesfalls durch königliche Uebertragung die herzogliche Würde Ein rauher Kriegsmann, voll durchdringender Thatkraft war A. der Mann, wie ihn die Zeit brauchte. Nach der furchtbaren Niederlage von 907, die der Blüthe des bairischen Adels den Tod gebracht und den Verlust beider Pannonien und der Ostmark zur Folge gehabt hatte, stand das bis zur Enns reichende Hauptland Baiern, womit Kärnthen und ein Theil Ostfrankens vereinigt war, den Ungarn fast wehrlos offen. Dreimal, in den Jahren 909, 910 und 913, mußte Baiern die Ueberfluthung durch die schrecklichen magyarischen Horden dulden, aber jedesmal gelang es A. im Rücken der Eindringlinge eine genügende Heeresmacht zu sammeln und sie auf ihrem Rückzuge mit gutem Erfolg zu überfallen. 913 brachte er ihnen am Inn mit Hülfe der Schwaben eine so blutige Niederlage bei, daß ihre Häuptlinge sich zu einem Friedensvertrage bequemten. Wahrscheinlich hat das in diesen Jahren durch kriegerische Noth hervorgerufene Bedürfniß einer Verstärkung der militärischen Mittel den Herzog zu dem bedeutungsvollen Schritt einer umfassenden Säcularisation von Klostergütern bestimmt. Dieselbe betraf und zwar in sehr empfindlicher Weise vornehmlich die Stifter Altaich, Benediktbeuern, Isen, Moosburg, Schäftlarn, Schliersee, Tegernsee, Wessobrunn, in deren Händen sich seit den zwei Jahrhunderten der Christianisirung schon ein ungeheurer Besitzstand angehäuft hatte. Von Seite der geistlichen Chronisten der folgenden Zeiten hat diese rücksichtslose Einziehung von Kirchengütern zu Gunsten der Staatsgewalt dem Herzog den Beinamen des Schlimmen eingetragen.

    Dem deutschen Königthum stand A. mit seinen Baiern anfangs in trotziger Selbstgenügsamkeit gegenüber. Vergeblich bemühte sich König Konrad dem Zerfalle des Reiches in vier Stammesherzogthümer Einhalt zu thun. Seine Vermählung mit Arnulf's Mutter Kunigunde hatte diesen nicht zur Unterwerfung bestimmen können; einem kriegerischen Einfall in Baiern konnte dann zwar der Herzog anfangs nicht widerstehen; bei seinen alten Feinden, den Ungarn, suchte er Schutz; bald aber kehrte er nach Baiern zurück (916), bot in seiner stark befestigten Landeshauptstadt Regensburg dem König die Stirn und vereitelte alle Versuche desselben ihn aus seiner Stellung zu verdrängen. Auch der enge Anschluß der bairischen Geistlichkeit an König Konrad vermochte diesem nicht das Uebergewicht zu verschaffen; vergebens drohte das Concil zu Hohenaltheim (916) den Herzog, wenn er sich nicht unterwerfe, "mit Judas dem Verräther des Herrn, den Flammen des höllischen Feuers zu überliefern." Als Konrad starb, gedachte A. seine Unabhängigkeit in gleicher Weise gegen dessen Nachfolger Heinrich zu behaupten. Es war nicht nur der eigene stolze Sinn, der ihn zu solchem Widerstand, gegen das deutsche Königthum ermunterte, sondern das zähe Selbstgefühl des ganzen Stammes, der unter den Agilulfingern lange Zeit ein gesondertes staatliches Dasein geführt und auch unter der Karolingischen Herrschaft festen Zusammenhalt bewahrt und ausgesprochene Bevorzugung genossen hatte. Was wollte, schrieb ein Baier von König Heinrich, was wollte dieser Sachse in unserm Lande, wo sein Vater niemals auch nur einen Fußbreit Bodens besessen hatte? Trotzdem gelang es König Heinrich bei einer Zusammenkunft vor den Mauern Regensburgs (921) A. zur Anerkennung seiner Oberherrlichkeit zu bestimmen. Ob dabei Heinrichs überlegene Kriegsmacht oder sein geschicktes persönliches Auftreten oder ob eine bei A. erst jetzt erwachte Opferwilligkeit zu Gunsten deutscher Einigkeit die Entscheidung herbeigeführt hat, läßt sich nicht erkennen. Doch stand A. auch fortan fast völlig selbständig da, nannte sich "Herzog der Baiern von Gottes Gnaden", ließ Münzen mit. seinem Namen schlagen und schickte Grafen als Sendboten aus. Das wichtigste Recht der Besetzung der bairischen Bisthümer hatte ihm Heinrich ausdrücklich eingeräumt. A. scheint den Bischöfen einen Theil vom Gewinn der|Klostersäcularisationen überlassen zu haben und steht mit ihnen fortan auf dem besten Fuße.

    928 leistete er dem König Heinrich Heeresfolge gegen die Böhmen, deren König Wenzel sich unterwarf. 934 aber zog er auf eigene Faust, von einigen italienischen Großen zu Hülfe gerufen, gegen Hugo von der Provence in die Lombardei, erntete jedoch statt der gehofften Königskrone nur Mißerfolge. Als nach Heinrichs Tode dessen Sohn Otto zum Könige gewählt worden, wartete A. bei der Krönung zu Aachen als Marschall des königlichen Gefolges. Am 14. Juli 937 starb er in seiner Burg zu Regensburg und wurde in der Emmeramskirche dortselbst begraben. Ueber seine Todesart wußten die mönchischen Chronisten bald Geschichten zu erzählen, welche die Gottlosigkeit seiner Handlungsweise zu beweisen bezweckten. A. hinterließ von zwei Gemahlinnen (Gerbirga, Tochter Rudolfs, Bruders des Königs Konrad, und Agnes, Tochter eines ungarischen Fürsten Torus) vier Söhne: Eberhard, der ihm im Herzogthum folgte, Arnulf, Hermann, Ludwig, und zwei Töchter: Judith und Adelheid. Die Abstammung der Grafen von Scheiern-Wittelsbach, der späteren Herzoge Baierns, von Arnulf, läßt sich nicht zu völliger Sicherheit erheben, beansprucht jedoch hohe Wahrscheinlichkeit.

    • Literatur

      Schottmüller, Entstehung des Stammesherzogthums Baiern. Büdinger, Oesterr. Gesch.

  • Autor

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Arnulf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 605-607 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118504363.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA