Lebensdaten
erwähnt 613, gestorben vermutlich 640 oder 641
Geburtsort
Lay Sankt Christophe
Sterbeort
Habendum (Remiremont)
Beruf/Funktion
Bischof von Metz ; Heiliger ; Stammvater des karolingischen Herrschergeschlechts
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119090856 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arnulf von Metz
  • Arnulf
  • Arnulf von Metz

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Zitierweise

Arnulf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119090856.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus fränkischem, im Gebiet von Metz und Verdun begütertem Adel;
    S heiliger Chlodulf, Bischof von Metz, Ansegisel ( Begga, T Pippins dem Älteren).

  • Leben

    A. wuchs am fränkischen Hof auf und wurde von dem Rector Palatii Gundolf (Verwandtem Gregors von Tour?) dem Gefolge Theudeberts II. (595–612) zugeteilt, wo er bis zum Domesticus aufstieg. Als Gegner Theuderichs II. und der Königin Brunhild verhalf er mit Pippin dem Älteren als Führer des austrasischen Adels Chlotar II. von Neustrien zur Herrschaft in Austrasien (613). 614 wurde er Bischof von Metz, 622/23 mit Pippin dem Älteren Vormund des austrasischen Unterkönigs Dagobert I. 625/26 vermittelte er den Ausgleich zwischen Chlothar II. und Dagobert und zog sich 629 von allen Ämtern in die Vogesen zurück, wo sein Freund Romarich das Kloster Remiremont gegründet hatte. Durch seinen Sohn Ansegisel ist A. der Stammvater der Karolinger.

  • Literatur

    ADB I;
    Vita, in: AA SS Julii IV, Paris 1868, S. 435-47, u., hrsg. v. B. Krusch, in: II, S. 426-46;
    Paulus Diaconus, Gesta episcoporum Mettensium, hrsg. v. G. H. Pertz, in: II, S. 264;
    J. Seytre, Hist. de S. Arneul évêque de Metz, Nîmes 1892;
    L. Saltet, L'origine méridionale des fausses généalogies carolingiens, in: Mélanges Léonce Couture, Toulouse 1902, S. 77;
    U. Chevalier, Répertoire des sources historiques du Moyen-Age, Bio-bibliogr., Bd. 1, Paris 1905, S. 334;
    Gebhard, Le roi Dagobert, 1911;
    Hauck I;
    H. v. Schubert, Gesch. d. christl. Kirche im Früh-MA, 1921;
    J. Depoin, in: Revue Mabillon 11, 1921, 12, 1922;
    J.-B. Pelt, Textes extraits principalement des registres capitulaires, Metz 1930, S. 366;
    F. A. Weyland, Vies des Saintes du diocèse de Metz, Bd. 4;
    LThK.

  • Autor/in

    Eugen Ewig
  • Empfohlene Zitierweise

    Ewig, Eugen, "Arnulf" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 397 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119090856.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Arnulf, Bischof von Metz, Stammvater des arnulfingischen oder karolingischen Herrschergeschlechts. Von vornehmen und reichbegüterten fränkischen Eltern um das J. 582 geboren, wurde A. in seinen Jünglingsjahren an den Hof Theodeberts II. von Austrasien (596—612) geschickt, um sich hier unter der Leitung des Majordomus Gundulf für den Staatsdienst vorzubereiten. Durch tapfere Waffenthaten erwarb er sich des Königs Vertrauen bald in so hohem Grade, daß ihm|ein Provincialgebiet von dem sechsfachen Umfange eines gewöhnlichen Domesticats zur Verwaltung übergeben wurde. In jenen Jahren verheirathete er sich auch und es gingen aus dieser Ehe zwei Söhne, Chlodulf und Ansegisil, hervor. Schon damals regte sich in A., man vergleiche die offenbar an seinen Ring im Metzer Domschatz sich knüpfende, dem „Ring des Polykrates“ nachgebildete Legende bei Paulus Diaconus, die Neigung zu religiöser Beschaulichkeit. Zunächst folgte er jedoch 612 der Berufung auf den bischöflichen Stuhl von Metz und behielt denselben 15 Jahre lang, bis 627, inne. A. gehört zu jener ersten Bischofsgeneration germanischer Herkunft, welche im 7. Jahrhundert statt des bisher vorherrschenden römischgallischen Klerus die fränkischen Bisthümer zu besetzen anfing. Auch ist er der Ersten einer, die mit ihrem hohen geistlichen Range einen hervorragenden Einfluß auf die Staatsregierung verbanden; für ihn mußte es von besonderem Vortheil sein, daß Metz die Residenzstadt der austrasischen Könige war. Gleich im ersten Amtsjahre freilich mochte seine Stellung eine schwere Erschütterung erfahren, als es der Königin Brunhilde mit Hülfe ihres jüngeren Enkels Theodorich von Burgund gelang, den älteren, Theodebert, vom Throne zu stoßen und die Herrschaft in Austrasien wiederzuergreifen. Doch bald darauf rief die austrasische Aristokratie, unter der Führung Arnulf's und Pippin's des Aelteren, den neustrischen König Chlothar gegen die verhaßte Königin herbei; und wie hier, bei Erneuerung des fränkischen Gesammtreichs unter Chlothar II., so war Arnulf's Einfluß gewiß auch im J. 622 thätig, als dieser König sich entschloß, Austrasten der gesonderten Regierung seines Sohnes Dagobert zu überlassen. Wenigstens erschienen A. und Pippin als die vornehmsten Rathgeber des jungen Königs; sie betrieben die Niederwerfung des unruhigen Agilolfingers Chrodoald, A. vor Allen schlichtete eine Gebietsstreitigkeit zwischen Vater und Sohn. Daß ihm schon das große Ziel der karolingischen Politik, wie es von Pippin dem Mittlern und seinen Nachfolgern mit Festigkeit verfolgt worden ist, die Regeneration des fränkischen Gesammtreichs von Austrasien aus, als Aufgabe vorgeschwebt habe, läßt sich nicht behaupten. Seine und seines Freundes Pippin Bedeutung beruht darauf, daß sie sich an die Spitze des austrasischen Adels, und damit auch, bei der damaligen Schwäche des merovingischen Königthums, an die Spitze des austrasischen Staats emporgeschwungen hatten. Sie begründeten nicht die Politik, aber die Macht des karolingischen Geschlechts, das, aus der ehelichen Verbindung ihrer Kinder Ansegisil und Begga erwachsend, in ihnen gleicher maßen seine Stammväter ehrte. Arnulf's Rücktritt vom bischöflichen Amte, seine Niederlassung in Horenberg, einer einsamen Stätte der Vogesen, nicht fern von der Clause seines asketischen Freundes Romarich, sein 14jähriges Leben in frommer Abgeschiedenheit, dies Alles hat ihm bei den Nachkommen den Ruf der Heiligkeit erworben, und noch zu Karls des Großen Zeit war diese Heiligkeit des Ahnherrn der Stolz des neuen Königshauses. Erst später legte man größeren Werth aus den verwandtschaftlichen Zusammenhang mit der merovingischen Dynastie, und so wurde seit der Regierung Karls des Kahlen, dem Zeitalter der Fälschungen, an den Namen Arnulf's ein genealogisches Gewebe geknüpft, das aller geschichtlichen Wahrheit entbehrt. A. starb in seiner Zurückgezogenheit am 16. Aug. 641 und wurde zuerst von Romarich im Kloster Habendum an der Mosel, Remiremont gegenüber, beigesetzt; nach Jahresfrist aber erfolgte durch Görich die Translation der Leiche nach der Apostelkirche bei Metz, welche seitdem die S. Arnulf's Kirche genannt wurde.

    • Literatur

      Vita Arnulfi bei Mabillon Acta SS. II. 150. Bonnell, die Anfänge des karolingischen Hauses. Berlin 1866.

  • Autor/in

    Oelsner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Oelsner, "Arnulf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 607-608 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119090856.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA