Lebensdaten
1763 bis 1836
Geburtsort
Bechhofen Kreis Ansbach
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Publizist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100188540 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leuchs, Johann Michael

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Leuchs, Johann Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100188540.html [17.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Wolfgang (1743–1801), Bierbrauer u. Gastwirt in B.;
    M Maria Magdalena Haertlein ( 1819), Bierbrauers-T aus B.;
    Nürnberg 1795 Dorothea Rosina ( 1852), T d. Joh. Reiß (1753–1825), Pfarrer in Nürnberg (St. Lorenz), u. d. Margaretha Forster;
    5 S, 3 T, u. a. Joh. Carl (s. 2), Erhard Friedrich (1800–37), Verleger u. Hrsg. d. Allg. Handlungsztg. in N., wahrsch. Vf. d. berühmten Aufrufs z. Gründung e. Eisenbahn v. N. nach Fürth, d. am 2.1.1833 in dieser Ztg. erschien.

  • Leben

    Im Alter von zwölf Jahren kam L. nach Nürnberg als Lehrling in eine Spezereihandlung. Sein Lehrherr besaß eine umfangreiche Bibliothek, die der Junge in seiner knappen|Freizeit zum intensiven Studium von Philosophie und Theologie nutzte. Nach Abschluß der Lehrzeit unternahm er eine zweijährige Studienreise, die ihn über Frankfurt/Main und Köln in die Niederlande und nach Frankreich führte. Bei einem längeren Aufenthalt in Wien hörte er Vorlesungen des Kameralisten Joseph Frhr. v. Sonnenfels. 1784 kehrte L. nach Nürnberg zurück und wurde im Handlungshaus Kießling als Kommis tätig. Nebenbei widmete er sich zusammen mit seinem Freund, dem späteren Dr. med. Johann Benjamin Erhard, der Lektüre von Kants Schriften. 1791 erhielt er das Bürgerrecht und machte sich – nach dem Erwerb des Anwesens Obstmarkt 26 (1793) – mit einer Manufaktur-, Material- und Farbenhandlung selbständig. Gleichzeitig faßte er den Entschluß, sich eingehend mit den theoretischen Grundlagen seines Berufs zu beschäftigen. Als Ergebnis dieser Studien erschien 1791 seine „Allgemeine Darstellung der Handlungswissenschaft“, die er in erweiterter Form 1804 als zweibändiges Werk unter dem Titel „System des Handels“ herausbrachte (21817, 31822). Außerdem gab er seit 1794 die „Allgemeine Handlungszeitung“ heraus. Ihr trat drei Jahre später „Der Verkündiger oder Wochenschrift zur Belehrung, Unterhaltung und Bekanntmachung für alle Stände“ (bis 1812) zur Seite. L. war dabei gleichzeitig Redakteur, Herausgeber und Verleger. 1824 erschien sein „Ausführliches Handels-Lexicon oder Handbuch der höhern Kenntnisse des Handels“.

    L. lag nicht nur die theoretische Grundlegung der Handelswissenschaften am Herzen. Er bemühte sich auch um den Fortschritt in der kaufmännischen Ausbildung. Zu diesem Zweck gründete er 1791 in Nürnberg eine „Akademie-, Lehr- und Pensions-Anstalt der Handlung“. Die Einmaligkeit dieser Anstalt bestand in der Verbindung von praktischer Ausbildung und theoretischem Unterricht. L. nahm dazu eine Anzahl 15jähriger Lehrlinge in sein Handelshaus auf. Die Lehrzeit betrug drei bis fünf Jahre. Halbtags wechselten Theorie und Praxis. Der Stoffplan umfaßte die unterschiedlichen Zweige der Handelswissenschaft, außerdem Warenkunde, Chemie und Fremdsprachen. L. legte nicht nur Wert auf eine gute Fachausbildung, sondern vermittelte auch für das menschliche Zusammenleben nötige Kenntnisse. Die Akademie bestand vermutlich bis 1809/11. 1802 errichtete L. ein „Museum“, in dem man gegen Bezahlung eines Eintrittsgeldes außer 100 Zeitungen die wichtigsten Nachschlagewerke lesen konnte.

    L.s Fähigkeiten fanden auch in der Kommunalverwaltung seiner Heimatstadt Anerkennung. Noch in der reichsstädtischen Zeit wurde er Mitglied des Größeren Rates. Aufgrund der neuen Gemeindeordnung von 1818 wurde er für drei Jahre zum Gemeindebevollmächtigten und stellvertretenden Magistratsrat gewählt. In dieser Funktion setzte er sich bei der Neuordnung des Volksschulwesens für eine bessere Lehrerbesoldung ein. Durch seine publizistische Tätigkeit kann L. für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, zusammen mit Carl Günther Ludovici an der Begründung der modernen Handelswissenschaft entscheidend mitgewirkt zu haben.

  • Werke

    Das Neueste u. Nützlichste d. Chemie, Fabrikwiss., Apothekerkunst, Oekonomie u. Waarenkenntniß … I, 1797 (= Monatl. Btrr. d. 4. Jg. d. Allg. Handlungsztg.);
    Vollst. Handelsrecht …, o. J.;
    Adreßbuch d. Kaufleute u. Fabrikanten in Europa, 3 Bde., 2. Ausg., 1814;
    Die Kunst reich zu werden, 1826;
    Vollst. Contorwiss., 4 Bde., 1806-23.

  • Literatur

    R. Seyffert, J. M. L. als Handelswissenschaftler, = Einl. z. Faks.dr. d. 1. Aufl. vom System d. Handels, 1933, S. IX-XLIX;
    Will-Nopitsch, Nürnberg. Gel.-Lex., 6. T. 1805, S. 298-300;
    J. F. Roth, Gesch. d. Nürnberg. Handels IV, 1802, S. 196 f.

  • Autor/in

    Gerhard Hirschmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirschmann, Gerhard, "Leuchs, Johann Michael" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 365 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100188540.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA