Lebensdaten
erwähnt 976, gestorben 994
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Markgraf der Ostmark ; Graf im unteren Donaugau ; Graf im Traungau
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136648258 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liutpold
  • Luitpold
  • Leopold
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Zitierweise

Leopold I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136648258.html [06.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Babenberger (s. NDB I);
    B (od. Ov) Berthold v. Schweinfurt ( 980), Gf. im bayer. Nordgau;
    - Richwara (Richarda ?, Richeza ?), T d. Gf. Ernst IV. v. Sualafeldgau, Stief-Schw d. Gf. Markward v. Eppenstein;
    S Mgf. Heinrich I. v. Ö. ( 1018, s. NDB VIII), Hzg. Ernst v. Schwaben ( 1015, s. NDB IV), Poppo ( 1047), EB v. Trier, Mgf. Adalbert v. Ö. ( 1055, s. NDB I, 1] Glismod, Schw d. Bischofs Meinwerk v. Paderborn, od. Mathilde (v. Cham), 2] Frowiza, n. 1058, T d. Dogen Otto Orseoli v. Venedig, Schw d. Kg. Peter v. Ungarn);
    4 T;
    E Leopold ( 1043), „junger“ Mgf. v. Ö. (s. NDB 14).

  • Leben

    Die am 21.7.976 bei Regensburg zugunsten des bayer. Klosters Metten ausgestellte Urkunde Kaiser Ottos II. (DO.II.133) nennt unter den Petenten erstmals einen Mgf. Liutpald (Leopold). Man darf vermuten, daß|er am gleichen Tag oder kurz zuvor im Zuge der kaiserl. Maßnahmen im bayer. Raum nach der Niederschlagung des Aufstandes des Bayernherzogs Heinrich II. d. Zänkers als Nachfolger eines zuletzt 972 genannten, wohl 980/81 verstorbenen Mgf. Burkhard mit der Mark im Osten Bayerns belehnt worden ist. Mit ihm beginnt die 270 Jahre dauernde Herrschaft jener Fürstenfamilie in Österreich, für die sich der Name „Babenberger“ eingebürgert hat.

    Die Herkunft L.s ist umstritten. Otto von Freising, selbst Angehöriger desbabenberg. Hauses, leitete seinen Vorfahren Adalbert, den Sohn L.s, von jenem Adalbert her, der 906 nach einem rechtlich problematischen Hochverratsprozeß enthauptet worden war. Dieser Adalbert war Angehöriger der am Obermain reich begüterten Familie der „älteren“ Babenberger oder Popponen. Neben dieser Theorie steht eine zweite, erstmals von Aventin gebotene, die L. aus dem bayer. Hochadel herleitet. Nach ihr gehörte er dem Hause der Luitpoldinger oder Arnulfinger an. Als Stütze dieser Theorie dient eine Nachricht, nach der L. – noch vor 976 – als Graf im altbayer., östlich von Regensburg gelegenen Donaugau genannt ist. Belege für 977 bzw. 979 lassen erkennen, daß er auch im Traungau und in dem zu beiden Seiten des Inn gelegenen Sundergau als Graf gebot. Erstmals erwähnt finden wir ihn – nach Lechner – in jenem Liupo, der unter den Zeugen im feierlichen Privileg Ottos d. Großen für die röm. Kirche von 962 aufscheint. Ist die Herkunft auch ungeklärt, so steht doch fest, daß die Babenberger der führenden Reichsaristokratie angehörten, in deren Hand alle wichtigen weltlichen und kirchlichen Ämter lagen. L.s Bruder oder naher Verwandter Berthold v. Schweinfurt war Graf im bayer. Nordgau. Einer seiner Söhne, Poppo, gelangte auf den Trierer Erzstuhl, ein anderer, Ernst, wurde mit dem Hzgt. Schwaben belehnt.

    L. besaß in seiner neuen Mark keinen allzu großen Rückhalt durch Besitz an Grund und Boden. Er stand vielmehr manchen alteingessenen hochfreien Geschlechtern beträchtlich nach. Außerdem war das Land mit reichen Besitzungen der bayer. Hochstifte durchsetzt, wobei sich Passau unter seinem Bischof Pilgrim der besonderen Förderung durch den Kaiser erfreute. Den Sizo, ein Mitglied der mächtigen Familie der Sigeharde, der als kgl. Amtsträger auf der Burg Melk saß, vermochte L. erst nach erbitterten Kämpfen zu verdrängen. Die Möglichkeit der Babenberger, ihre Position im Lande zu konsolidieren, lag anfangs in erster Linie in ihren, aus der Markenverfassung des Reiches sich ergebenden Befugnissen als kgl. Beamte, die sie berechtigten, bestimmte Abgaben und Leistungen von geistlichen und weltlichen Grundherren einzufordern. Auf einem Gerichtstag in der Mark zwischen 985 und 991 ließ der Bayernherzog jene dem Markgrafen zustehenden Rechte und Leistungen von Seiten der Hochstifte und Abteien feststellen. Die besondere Treue zum König – ein wesentliches Kriterium des Aufstiegs der frühen Babenberger – konnte sich schon wenige Monate nach L.s Einsetzung in Österreich erweisen. Während der Empörung Heinrichs d. Zänkers, Heinrichs von Kärnten und Bischof Heinrichs von Augsburg 977 finden wir L. im Hoflager Ottos II. Militärisch stand nach wie vor die Ungarnabwehr im Vordergrund der Aufgaben in der Mark. Das Land hatte unter Einfällen des östlichen Nachbarn, der die unruhige Lage im Reich ausnützte, 984/85 schwer zu leiden. Erst der Gegenschlag des nunmehr in Bayern eingesetzten Heinrich des Zänkers, der wohl zusammen mit dem militärischen Aufgebot des Markgrafen 991 über den Wienerwald hinaus in das Wiener Bekken vorstieß, brachte nicht nur eine Beruhigung im Ostraum, sondern auch eine Ausweitung der Mark bis an die Schwechat und Triesting. L. starb in Würzburg infolge eines zwei Tage zuvor während der Kiliansmesse verübten Mordanschlages, der nicht ihm, sondern Heinrich von Scfaweinfurt gegolten hatte.

  • Literatur

    ADB 18;
    H. Fichtenau, Von d. Mark z. Herzogtum, Grundlagen u. Sinn. d. Privilegium minus f. Österreich, 21965;
    ders., Herkunft u. Bedeutung d. Babenberger im Denken späterer Generationen, in: MIÖG 84, 1976;
    F. Tyroller, Geneal. d. altbayer. Adels im Hoch-MA in 51 genealog. Tafeln, in: Genealog. Tafeln z. mittel-europ. Gesch., 1962-69;
    H. Dienst, Die Dynastie d. Babenberger u. ihre Anfänge in Österreich, in: Schr. d. Inst. f. Österreichkde. 33, 1978. - L
    s. a. Leopold VI. v. Österreich.

  • Autor/in

    Walter Koch
  • Empfohlene Zitierweise

    Koch, Walter, "Leopold I." in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 274 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136648258.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Leopold I. (Liutpold), Markgraf von Oesterreich (976—994), aus dem Hause der Babenberger. Seine Abkunft ist dunkel. Die Familientradition wie dieselbe bei dem Babenberger Otto von Freisingen erhalten ist, leitete Leopolds Sohn Adalbert von jenem Adalbert ab, der unter Ludwig dem Kinde angesichts seiner Burg Babenberg enthauptet wurde. Dieser genealogische Zusammenhang ist jedoch durch neuere Untersuchungen (F. Steins) erschüttert worden, da ein näheres Eingehen auf die Besitzverhältnisse zeigt, daß der Allodialbesitz der Markgrafen von Schweinfurt, aus deren Hause die österreichischen Babenberger stammen, sich nicht mit dem Allodialbesitze der einstigen Babenberger berührt, sondern vielmehr vielfach mit dem Allodialbesitze eines anderen westfränkischen Geschlechtes, das man nach seiner Hauptbesitzung die Geisenheimer nennen könnte, obgleich allerdings auch die Burg Babenberg später im Besitze des letzteren Hauses erscheint. Ja man hat sogar die fränkische Abstammung der österreichischen Babenberger in Abrede gestellt und denselben entweder (Riezler) baierische Herkunft, oder gar in barocker Weise (Cl. Schmitz) Abkunft von den Scheyern-Wittelsbachern vindicirt oder endlich (A. Huber) schwäbischen Ursprung behauptet.|Dunkel wie die Abkunft seines Hauses im allgemeinen ist auch Leopolds unmittelbare Abstammung. Sein Bruder Berthold war Graf im Nordgau und im Volkfelde. Er selbst war ursprünglich Graf im Donaugau. Der Vater beider scheint jener ostfränkische Graf Heinrich gewesen zu sein, der zu König Heinrich I. in engen Beziehungen stand und zuletzt mit ihm verwandt war. Auch das Jahr, in welchem L. einem gewissen Burchard als Markgraf von Oesterreich folgte, war früher strittig; gewöhnlich entschied man sich für das J. 984. Gegenwärtig gilt als der Zeitpunkt, zu welchem L. in den Besitz der Ostmark gelangte, das J. 976, in welchem er zuerst urkundlich als Markgraf von Oesterreich erscheint und man bringt, wol mit Recht, seine Einsetzung mit der Empörung Herzog Heinrichs II. von Baiern gegen König Otto II. in Verbindung, bei welcher u. a. die Brüder Berthold und L. auf Seite des letzteren standen. Sowie wahrscheinlich damals Graf Berthold durch die Verleihung der wiederhergestellten Markgrafschaft im Nordgau belohnt wurde, so wird eben damals wo nicht schon früher auch L. die Ostmark mit dem Traungau verliehen worden sein, doch so, daß er daneben die Grafschaft im Donaugau behielt, die sogar noch auf seine Söhne überging. Eine spätere Zeit kleidete die Erhebung Leopolds zum Markgrafen von Oesterreich in die Form einer Sage, die uns ein Melker Geistlicher aus dem Ende des 12. Jahrhunderts überliefert hat, wonach ein Kaiser unserem L., der ihm auf der Jagd im Augenblicke der Gefahr beisprang, seinen gebrochenen Bogen mit der Aussicht auf Belehnung mit einem zunächst erledigten Reichslande gegeben und sein Versprechen durch die Verleihung der Ostmark erfüllt habe. Dieselbe Sage weiß auch zu erzählen, daß L., in der Mark angelangt, eine Burg, in der sich ein gewisser Gizo festgesetzt hatte, erstürmt, den eroberten Platz Melk d. i. mea dilecta genannt und an demselben 12 weltliche Kleriker angesiedelt habe, damit nicht wieder eine Festung daraus gemacht werden könne. Als Kern dieser Localsage dürfte zu betrachten sein, daß L. einen Theil der alten karolingischen Ostmark (bis zum Wienerwalde) noch von den Ungarn (Gejsa) besetzt fand, sein Gebiet erst in schweren Kämpfen erweitern mußte und den ersten Grund zu dem Kloster Melk gelegt hat. Noch unter L. wurde die Ostmark bis zum Wiener Walde ausgedehnt, wie man aus den noch von Bischof Pilgrim von Passau zu Lorch und Mautern abgehaltenen Synoden ersieht, auf denen es sich um die in dem Lande zwischen Enns und Wiener Walde der Passauer Kirche zustehenden Zehnte handelte. Vermuthlich damals wurde zum Schutze gegen die Ungarn Wieselburg an der Erlaf angelegt. Zu Bechlaren scheint L. residirt zu haben. L. starb am 10. Juli 994. Bertholds des Nordgauers Sohn Heinrich hatte sich nach längerer Fehde mit dem Bischofe von Würzburg ausgesöhnt. Aus diesem Anlasse veranstaltete der Bischof zu Würzburg ein Fest, zu welchem auch L. geladen wurde. Als nun dieser eines Morgens nach der Messe sich in Kampfspielen erlustigte, traf ihn ein Pfeil, der nicht ihm, sondern seinem Neffen bestimmt war. Dies war am 8. Juli; zwei Tage darnach verschied der Markgraf und wurde zu Würzburg begraben. Sein Verwandter Thietmar von Merseburg erzählt dies und fügt hinzu: „Man beweinte ihn mit Recht, denn es gab keinen verständigeren und in jeder Beziehung besseren Mann“. Seine Gemahlin Richeza, deren Abstammung dunkel ist, gebar ihm vier Söhne, Heinrich, Adalbert, Ernst und Poppo, von denen die beiden ersten nach einander ihrem Vater in der Ostmark folgten, Ernst Herzog von Schwaben, Poppo Erzbischof von Trier wurde.

    • Literatur

      Breve chronicon Austriae Mellicense (MG. T. XXIV). — Thietmar von Merseburg, Lib. IV. c. 14. —
      Meiller, Regesten der Babenberger. —
      Büdinger, Oesterr. Geschichte, 271 ff., 464 ff. — G. Waitz, Jahrbb. d. deutschen|R. unter K. Heinrich I. (neue Bearbeitung), Excurs XII. —
      F. Stein, Ueber die Herkunft des Markgrafen Liupold von Oesterreich (Forsch. zur deutschen Geschichte, XII. 1. 1871). — Ambros Heller, Ueber die Herkunft der österr.-babenberg. Fürsten (Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich, 10.—11. Bd.). —
      S. Riezler, Geschichte Baierns, I. 360. — Cl. Schmitz, Oesterreichs Scheyern-Wittelsbacher oder die Dynastie der Babenberger, München 1880. — Alfons Huber in den Mittheilungen des Instituts für österr. Geschichte, II. 374 ff.

  • Autor/in

    v. Zeißberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeißberg, Heinrich von, "Leopold I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 379-381 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136648258.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA