Lebensdaten
erwähnt 1018, gestorben 1055
Sterbeort
Melk
Beruf/Funktion
Markgraf von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13324993X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Adelbert
  • Adalbert von Österreich
  • Adalbert
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Zitierweise

Adalbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13324993X.html [22.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Liutpold, Markgraf von Österreich, „Babenberger“;
    M Richardis;
    Frowiza, T des Dogen Otto Orseoli von Venedig, Schw König Peters von Ungarn;
    S Luitpold, Ernst;
    B Herzog Ernst I. von Schwaben.

  • Leben

    A. folgte im Jahre 1018 seinem Bruder (Stiefbruder) Heinrich. Seine Regierung stand im Zeichen der Auseinandersetzung des deutschen Königtums mit Ungarn, Böhmen und Polen. Unter Heinrich III. griff A. zusammen mit seinem Sohn Liutpold erfolgreich in diese Kämpfe ein; die beiden östlichen Landesviertel (das heutige Niederösterreich) konnten dadurch in die Mark und in das Reich einbezogen werden. Das von den Ungarn, auch im glücklichen Eingreifen in die ungarischen Thronwirren, zurückeroberte Gebiet, die sog. „Neumark“ (zwischen Fischa, Leitha, March und unterer Thaya), erhielt 1043 Liutpold als Lehen. Da dieser noch im gleichen Jahre fiel, wurde die Neumark einem Grafen Siegfried unterstellt und später (um 1060) in die Ostmark einbezogen. Schon vorher war im Kampf gegen Böhmen-Mähren die Thaya erreicht (1039 bis 1041) und dort im Norden eine „Böhmische Mark“ (an Pulkau und Thaya; 1055 genannt) errichtet, die gleichfalls unter A.s Sohn Ernst mit der Ostmark vereinigt wurde. So gewann die Mark Österreich unter A. (teilweise erst unter seinem Sohn realisiert) den größten Gebietszuwachs. Ein intensiver Siedlungsbau (Angerdörfer) folgte. Nicht mit Unrecht nennt ihn die spätere vaterländische Geschichtsschreibung den „Siegreichen“. Er verlegte seine Residenz von Melk donauabwärts nach Tulln. Otto von Freising führt den Ursprung seines Geschlechts väterlicherseits auf A. zurück. A.s Sohn Ernst folgte ihm als Markgraf.

  • Literatur

    ADB I;
    H. Breßlau, Jbb. d. Dt. Reiches unter Konrad II., 1879;
    E. Steindorff, Jbb. d. dt. Reiches unter Heinrich III., 1881;
    A. Huber, Gesch. Österr. I, 1885;
    G. Juritsch, Gesch. d. Babenberger, 1894;
    M. Vancsa, Gesch. Nieder- u. Oberösterr.s I, 1905;
    S. Riezler, Gesch. Baierns I, 21927;
    Uhlirz I, 1927;
    K. Lechner, Die Babenberger u. Österr., 1947.

  • Autor/in

    Karl Lechner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lechner, Karl, "Adalbert" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 45 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13324993X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Adelbert: Adalbert von Oesterreich, Markgraf, 26. Mai 1055. Ein Sohn des Markgrafen Liutpold und Nachfolger seines Bruders Heinrich I. nach dessen Tode (23. Juni 1018) in der markgräflichen Würde. Seines Enkels Enkel Otto, Bischof von Freising, der Geschichtschreiber, sowie die älteste österreichische Reimchronik betrachten ihn mit Recht als den eigentlichen Gründer Oesterreichs; der erstere, welcher über seines eigenen Hauses Geschichte als unterrichtet gelten darf, sagt, dieser sein Ahnherr "soll seine Abkunft aus dem Blute" des unter Ludwig dem Kinde hingerichteten, gefeierten Grafen Adalbert von Babenberg abgeleitet haben; nachweislich stammte seine Familie aus Franken, wo sie im zehnten und elften Jahrhundert begütert erscheint. Man nennt sie gemäß jener Nachricht Otto's von Freising die Babenberger.

    A. erscheint bereits im J. 1010 als Graf in dem bis zur Ilz nach Osten|reichenden Schweinachgau und folgte später seinem ältern Bruder auch westlich davon als Graf in dem zuerst seinem Vater verliehenen Donaugau. Sein Haus war in glücklichem Aufsteigen, sein Bruder Poppo seit 1015 Erzbischof von Trier, seines Bruders Ernst Söhne folgten demselben im schwäbischen Herzogthume, seine Vettern geboten im obern Maingebiet. Die baierische Ostmark reichte schon über den Wiener Wald, als er sie erhielt, und sein Bruder hatte durch Kaiser Heinrichs II. Gnade östlich von dem Wiener Walde bereits großen Grundbesitz erworben. A. stand bei Konrad II. in hohem Ansehn, wie sich bei Adalbero's von Kärnthen (s. d.) Absetzung 1035 zeigte. Vermählt war er mit Frowila, einer Tochter des Herzogs Otto Urseoli von Venedig, Schwester des Königs Peter von Ungarn, der nach seiner Vertreibung 1041 bei A. Schutz fand und mit demselben Kaiser Heinrichs III. Hülfe gegen den Usurpator Ovo anrief.

    Der erste bedeutende Kriegserfolg für seine Markgrafschaft wurde ihm noch vorher, nach Peters Vertreibung, zu Theil (Spätsommer 1041), indem sein Sohn Liutpold II. (s. d.) in dem entscheidenden Feldzuge gegen Herzog Bretislaw von Böhmen eine der Ostmark entrissene Grenzstadt nahm, zerstörte und den Sohn des dortigen Befehlshabers gefesselt dem Vater zusandte. A. lieferte aber den Gefangenen seinem Könige aus, der ihn (Oct. 1041) bei Bretislaws Begnadigung demselben zurückgab.

    Bei Ovo's Einbruch in die Ostmark im J. 1042 konnte A. eine Niederlage gegen das ungarische Hauptheer am 15. Febr. bei Traismauer nicht verhindern, schlug aber mit seinem Sohne ein gleichzeitig im Norden der Donau eingebrochenes Ungarnheer, indem er mit nur 30 Schildträgern den Kampf begann, dann von dem sich sammelnden Adel und dessen Mannen Zuzug bis auf etwa 300 erhielt, denen sich die befreiten Gefangenen anschlossen. Die Ungarn wurden bis an die March verfolgt, wo noch Viele ertranken. Bei König Heinrichs III. glücklichen Feldzügen gegen Ovo gewann sein Sohn den Ruhm des Ungarnsiegers und wurde mit den von Ovo abgetretenen Gebieten als einer neuen Ostmark belehnt, starb aber schon nach wenigen Tagen (9. Dec. 1043). Zunächst erscheint wol in der neuen Erwerbung ein Markgraf Siegfried, schon am 21. April 1048 aber A. auch mit diesen Landschaften belehnt, auf die der Name Oesterreich von dem westlich angrenzenden ältern Besitze mit übertragen wurde. In den damaligen Kriegen des Reiches mit dem ungarischen Könige Andreas I., deren Ende er nicht mehr erlebte, ward ihm im J. 1050 die Herstellung der Reichsfestung Heimburg mit übertragen. Er verlegte seine Residenz von Melk nach Tuln und hinterließ die so sehr erweiterte Markgrafschaft seinem Sohne Ernst. — (Büdinger, Oesterr. Gesch. I. 475 ff.)

  • Autor/in

    Büdinger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Büdinger, Max, "Adalbert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 65-66 unter Adelbert [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13324993X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA