Lebensdaten
1861 bis 1939
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Oberschreiberhau (Riesengebirge)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Naturphilosoph
Konfession
evangelisch,Freidenker
Normdaten
GND: 118512706 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bölsche, Wilhelm
  • Bel'še, Vil'gel'm
  • Boelsche, Wilhelm
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Zitierweise

Bölsche, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118512706.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl, nach Theologiestudium Redakteur der „Köln Zeitung“;
    M Elise Kunckel, T eines Mainzer Buchhändlers aus eingesessener Familie in Prüm (Eifel); Verwandter Franz s. (1);
    1) Berlin 1892 Adele Bertelt, geschieden 1895, 2) Köln 1897 Johanna, T des Ingenieurs Wilhelm Heinrich Walther und der Alwine te Bloot;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    B. studierte in Bonn und Paris Philosophie und Kunstgeschichte; 1885 ging er nach Berlin, um sich literarisch zu betätigen. Seine beiden ersten Romane fanden wenig Beachtung, jedoch kam er 1887 im Verein „Durch“ mit dem jungen Naturalismus in Berührung, zu dessen programmatischen Schriften seine freilich gemäßigten „Naturwissenschaftlichen Grundlagen der Poesie - Prolegomena einer realistischen Aesthetik“ (1887) wurden. 1888 lernte er durch Bruno Wille in Erkner Gerhart Hauptmann kennen, mit dem ihn lebenslängliche Freundschaft verband. B. nahm 1890 an der Gründung der „Freien Volksbühne“ teil, wurde Redakteur der „Neuen Rundschau“, flüchtete vor der Weltstadt ins stille Friedrichshagen. Hier schrieb er den Roman „Die Mittagsgöttin“ (2 Bände, 1891, 121921). Der Zusammenbruch der ersten Ehe (von O. E. Hartleben in der Novelle „Das Ehefest“ [1916] persifliert), literarischer Mißerfolg und die Notwendigkeit, selbst für den Lebensunterhalt sorgen zu müssen, führten B. über Vorträge in Arbeiterbildungsvereinen auf den „Mußweg der Liebhaberei“ - zur allgemeinverständlichen Darstellung des naturwissenschaftlichen Weltbildes der Haeckel-Zeit und damit zum literarischen Erfolg. „Das Liebesleben in der Natur“ (2 Teile in 3 Bänden, 1898–1902, 81. bzw. 77. Tausend 1927), seine vielen, in zahlreichen Zeitschriften verstreuten, aber großenteils auch in Büchern zusammengefaßten Aufsätze und 17 Kosmos-Bändchen vermitteln in dichterisch gehobener Sprache biologische Erkenntnis im Lichte der Entwicklungslehre, jedoch unter betonter Abkehr vom Materialismus. Stilistisch wirkte B.s Vorbild bis in die populär-wissenschaftliche Literatur unserer Zeit nach. 1918 übersiedelte er nach Oberschreiberhau. Seine Hoffnung, hier in einem Buch „Sternenfrieden“ sein idealistisch-panpsychistisches Weltbild darlegen zu können, ist über der Tagesschriftstellerei nicht Wirklichkeit geworden. Ihm zu Ehren wurde 1931 der Felsgrat zwischen Großer und Kleiner Schneegrube amtlich „B.-Grat“ benannt.

  • Werke

    Weitere W Paulus, Roman, 1885;
    Der Zauber d. Kg. Arpus, Roman, 1887, 121923;
    H. Heine, Versuch einer ästhet.-krit. Analyse seiner Werke u. seiner Weltanschauung, T. 1, 1888;
    Entwicklungsgesch. d. Natur, 2 Bde., 1892–96;
    Vom Bazillus z. Affenmenschen, 1900, 15. Tausend 1921;
    Hinter d. Weltstadt - Friedrichshagener Gedanken z. ästhet. Kultur, 1901;
    Von Sonnen u. Sonnenstäubchen, 1902;
    Aus d. Schneegrube, 1903;
    Die Abstammung d. Menschen, = Kosmosbändchen Nr. 1, 1904, 171930, Gesamtaufl. 126000;
    Die Schöpfungstage, 1906;
    Auf d. Menschenstern, 1908, 20. Tausend 1923 (darin autobiogr. wichtig Friedrichshagen in d. Lit.);
    Stunden im All, 1909, 18. Tausend 1922;
    Stirb u. Werde, 1918, 10. Tausend 1921;
    Tierseele u. Menschenseele, 1924;
    Die Abstammung d. Kunst, 1926;
    Lichtglaube, 1927;
    Das Leben d. Urwelt, 1931;
    Wie d. erste Kosmosbändchen entstand, in: Kosmos 28, 1931, S. 24 (autobiogr. wichtig);
    Was muß d. neue dt. Mensch v. Naturwiss. u. Religion fordern?, 1934;
    Hrsg.: ges od. ausgew. Werke v. Heine, Hauff, Uhland, A. v. Humboldt, Büchner, Wieland, Novalis, Fechner, F. A. Lange, Grottewitz, Carus Sterne, Haeckel, Goethe (Naturwiss. Schrr.), Angelus Silesius.

  • Literatur

    Soergel, 11o. J. (1919?) (P S. 241);
    H. Fechner, W. B., in: Ostdt. Mhh. 2, 1921, S. 33;
    Zu B.s 60. Geburtstag, in: Kosmos 18, 1921, H. 1 (P);
    R. Penzig, W. B. als Religionsphilosoph, in: Die Eth. Kultur 32, 1924, S. 17;
    F. Bolle, W. B., in: Orion 3, 1948, S. 170 (P);
    Kürschner, Lit.-Kal. 1934 u. 1939 (W).

  • Autor/in

    Fritz Bolle
  • Empfohlene Zitierweise

    Bolle, Fritz, "Bölsche, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 400 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118512706.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA