Lebensdaten
1891 bis 1970
Geburtsort
Uster bei Zürich
Sterbeort
Männedorf bei Zürich
Beruf/Funktion
reformierter Theologe ; Kunst- und Literaturkritiker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 142559261 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lejeune, Robert

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lejeune, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142559261.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (1848–98), Kaufm. in d. Spinnerei s. Schwagers Bindschedler-Lejeune, S d. Gustav, aus in Süddtld. ansässiger Hugenottenfam., 1885 Bürger v. Riesbach (Schweiz);
    M Emma v. Ehrenberg (1861–1925);
    1913 Suzanne (1888–1984), Malerin, T d. Carl Hartwich ( 1917), Pharmazeut (s. NDB VIII);
    2 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur am literarischen Gymnasium in Zürich 1910 studierte L. dort zunächst ein Semester Germanistik und begann dann ein Studium der Theologie bei Leonhard Ragaz, das er, nach einigen Semestern in Heidelberg, 1913 in Zürich abschloß. Danach versah er zunächst als Bergpfarrer Stellen in Graubünden (Flerdern 1913/14, Tenna 1914/15, Andeer 1915–18; vgl. Erinnerungen eines Bergpfarrers, 1961), war 1918-26 als Seelsorger in der Arbeitergemeinde Arbon (Thurgau) tätig und wirkte 1926-58 als Prediger in der Gemeinde Neumünster in Zürich. Hervorzuheben ist besonders seine Mitarbeit in der Siedlung „Gartenhof“ im Arbeiterviertel Zürichs. Beeindruckt von seinem Lehrer Ragaz, hatte er sich der von diesem 1906 ins Leben gerufenen religiös-sozialen Bewegung angeschlossen. 1916-48 arbeitete er an der von Ragaz gegründeten Zeitschrift „Neue Wege“ mit. Von den zahlreichen Aufsätzen, die L. in dieser Zeitschrift veröffentlichte, sind vor allem „Vom Recht und Unrecht in der materialistischen Geschichtsschreibung“ (1919) und „Das Schöpferische in der Geschichte“ (1919) zu nennen, in denen er sich besonders mit Bergsons „Évolution créatrice“ auseinandersetzte. Diese sollte auch Gegenstand einer Habilitation sein, die dann wegen des Rücktritts von Ragaz von seiner Professur nicht zustande kam. Die bedeutendste Leistung L.s als Theologe war eine 4 Bände umfassende Auswahl der Predigten und Andachten Johann Christoph Blumhardts (1925–37), für die er 1939 die theol. Ehrendoktorwürde der Univ. Basel erhielt.

    L., der einen ausgeprägten künstlerischen Sinn besaß, hielt zahlreiche Vorträge über Themen der bildenden Kunst und legte eine beachtliche Kunstsammlung mit Werken von Chagall, Daumier, Goya, Rouault u. a. an. Er verkaufte allerdings auch ohne zu zögern, wo es galt zu helfen. Unter anderem unterstützte er den Dichter William Wolfensberger (1889–1919), von dem er 1964 „Ausgewählte Werke“ herausgab. Vor allem aber kümmerte er sich um deutsche und österr. Emigranten, die er zum Teil bei sich beherbergte, darunter den Bildhauer Fritz Wotruba. Durch diesen lernte er 1938 Robert Musil kennen, um dessen Aufenthaltserlaubnis sich L. erfolgreich bemühte und dessen materielle Existenz er unermüdlich zu sichern suchte. Zwischen beiden entspann sich ein reger Gedankenaustausch. Während L. sich mit dem „Mann ohne Eigenschaften“ auseinandersetzte, beschäftigte sich Musil mit Blumhardt und mit Daumier, über den L. eben eine Monographie vorbereitete (Honoré Daumier, 1945). Musils Briefe, L.s an Musils Grab am 17.4.1942 gesprochene „Würdigung“ (erweitert u. d. T. Gedenkrede für Robert Musil, in: R. Musil, Leben, Werk, Wirkung, 1960) sowie die zur Eröffnung der Robert-Musil-Arbeitsstelle an der Univ. des Saarlandes im Nov. 1970 vorgetragenen Erinnerungen „Robert Musils Schweizer Jahre“ geben ein eindrucksvolles Zeugnis von dieser Freundschaft.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Botschaft v. Reiche Gottes, 1933 (mit L. Ragaz);
    Ch. Blumhardt et sa signification pour notre époque, in: Bull. Fac. libre de Théol. protestante de Paris, 1935;
    L. Ragaz, Bibliogr., 1951;
    dass., in: Bündner Jb. 1961;
    L. Ragaz. (z. 100. Geb.tag), ebd. 1968;
    Wilhelm Lehmann, 1952;
    Georges Rouault, Rede b. d. Eröffnung d. Ausstellung in Ebenrain, 1965;
    Honoré Daumier, Rede b. d. Eröffnung d. Ausstellung in Ebenrain, 1967. -
    Btrr. in Neue Wege u. a.: Das Staatsproblem, 1916;
    Die Bedeutung d. Reformation, 1921;
    Der Liberalismus, 1922;
    Die Erwartung d. Reiches Gottes in bes. Beziehung auf d. Sozialismus, 1932, 1933;
    Rel.-soz. Bewegung, in: Hdb. d. schweizer. Volkswirtsch., 1939;
    Beschwerde gegen Pressezensur, 1940.

  • Literatur

    R. Musil, Briefe 1901–42, hrsg. v. A. Frisé, 1981;
    W. Berghahn, R. Musil in Selbstzeugnissen u. Bilddokumenten, 1963;
    K. Corino, Der Förderer|Musil, in: Frankfurter Allg. Ztg. v. 11.1.1971;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1967;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1970.

  • Portraits

    Büste v. F. Wotruba (Murten b. Basel, Privatbes.);
    Phot. in: 10 J. Arbeitsstelle f. Robert Musil-Forschung an d. Univ. d. Saarlandes 1970–80, 1980.

  • Autor/in

    Marie-Louise Roth
  • Empfohlene Zitierweise

    Roth, Marie-Louise, "Lejeune, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 177 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142559261.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA