Lebensdaten
1854 bis 1902
Geburtsort
Essen
Sterbeort
Hügel bei Essen
Beruf/Funktion
Stahlindustrieller ; Großindustrieller
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119054078 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krupp, Friedrich Alfred
  • Krupp, Fr.
  • Krupp, Friedrich
  • mehr

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Zitierweise

Krupp, Friedrich Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119054078.html [21.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred (s. 2);
    - Blasewitz 18482 Margarethe (1854–1931), T d. August Frhr. v. Ende (1815–89), preuß. Oberpräs. in Kassel, u. d. Eleonore Gfn. v. Königsdorff;
    2 T Bertha ( Gustav v. Bohlen u. Halbach, s. 4), Barbara ( Tilo Frhr. v. Wilmowsky, s. Gen. 4).

  • Leben

    Der einzige und zum Erben des Unternehmens bestimmte Sohn Alfred Krupps litt seit seiner Kindheit an Asthma und Anfällen von Gelenkrheumatismus. Er wurde daher von Hauslehrern unterrichtet und konnte das Essener Burggymnasium nur etwa zwei Jahre lang besuchen. Schon früh wurde er von seinem Vater zu Fragen der Unternehmensführung hinzugezogen, so im Alter von 16 Jahren zu den Vorentwürfen zum Generalregulativ. Von seinen persönlichen Neigungen her fühlte sich K. zur Metallurgie hingezogen. Der Wunsch, eine Technische Hochschule zu besuchen, wurde ihm vom Vater mit der Begründung versagt, daß für diese Disziplinen Fachleute vorhanden seien, der Unternehmer sich aber dem Unternehmen als Ganzem zu widmen habe. Das dazu notwendige Denken und Handeln jedoch könne nur im Unternehmen gelernt werden. Nach einer mehrmonatigen Ägyptenreise, die außer seiner Gesundheit entsprechend dem Willen des Vaters auch geschäftlichen Zwecken diente, trat K. 1875 – inzwischen großjährig – in das väterliche Unternehmen ein. Ihm wurde kein eigenes Aufgabengebiet übertragen. In der Folgezeit erwarb er Einblick und taktisches Geschick bei Verhandlungen dadurch, daß er mehr und mehr zum Mittelsmann zwischen seinem zurückgezogen in der Villa Hügel lebenden Vater und den leitenden Mitarbeitern im Unternehmen wurde. Dieser angesichts seiner Jugend sicher nicht einfachen Aufgabe entledigte er sich mit soviel Geschicklichkeit, daß Alfred Krupp ihn bald bewußt bei schwierigen Verhandlungen einsetzte, so 1878 bei dem – erfolgreichen – Versuch, die Freigabe des fähigen leitenden Finanzbeamten Gussmann aus dem württembergischen Staatsdienst zu erreichen. Gleichzeitig befaßte sich K. intensiv mit metallurgischen Fragen. Insbesondere widmete er sich dem Problem, bei großen Stahlgüssen die notwendige Dichte zu erreichen.

    1882 erhielt K. Prokura. Gleichzeitig willigte sein Vater in die Heirat mit Margarethe v. Ende ein, die er wegen ihrer adligen Herkunft zunächst lange abgelehnt hatte. Im Sommer des gleichen Jahres durfte er die TH Braunschweig besuchen. Von hier aus stand er in ständiger Korrespondenz mit den Kruppschen Metallurgen und gab u. a. die Anregung, für Werkzeugstahl Wolfram zur Legierung zu verwenden. Zurückgekehrt nach Essen, erreichte er 1883, daß ein zweites chemisches Laboratorium, und zwar mit betont wissenschaftlicher Aufgabenstellung, eingerichtet wurde, dessen Leitung er einem Braunschweiger Dozenten übertrug. Die schwebende Frage der Übernahme des 1879 in Deutschland eingeführten Thomasverfahrens kam in diesen Jahren jedoch nicht zur Entscheidung. 1886 führte K. die Verhandlungen um die Übernahme des durch seinen Stahlformguß bekannten Stahlwerks Annen b. Witten nicht nur für Krupp erfolgreich, sondern es gelang ihm zugleich, dessen Besitzer, Fritz Asthöwer, zum Eintritt und zur langjährigen Mitarbeit in der Krupp-Unternehmensleitung in Essen zu gewinnen.

    Nach dem Tode seines Vaters 1887 ging das Unternehmen an K. über. In den nur 15 Jahren unter seiner Leitung expandierte das Unternehmen stark. Die Belegschaft stieg von 20 200 auf 42 600. Davon entfielen 7 000 bzw. 16 000 auf die Außenwerke. Der Gesamtumsatz stieg von 42,2 Mill., davon 19 Mill. Rüstungsproduktion (Geschäftsjahr 1886/87) auf 101,4 Mill., davon 42,7 Mill. Rüstungsproduktion (1901/02). Der Auslandsumsatz stieg in demselben Zeitraum insgesamt von 29,2 auf 36 Mill., im Bereich Rüstungsproduktion von 16,2 auf 20,9 Mill. Mark. 1890 wurde die Herstellung von Panzerplatten aufgenommen. Sie wurden u. a. zur Panzerung von Schiffen verwendet. Versuche in der Richtung hatte es schon seit einigen Jahren gegeben, aber Alfred Krupp hatte sich trotz des Drängens aus dem Reichsmarineamt nicht dazu entschließen können. Durch die Aufnahme der Panzerplattenproduktion wurde die Konkurrenzsituation zu dem durch seine Hartgußpanzerplatten und -granaten bekannten Grusonwerk in Magdeburg verschärft. Das gleichzeitige Auftreten von zwei deutschen Firmen mit dem gleichen Produkt führte vor allem im Ausland zu Schwierigkeiten; die Reichsbehörden äußerten den Wunsch nach Einigung der Konkurrenten. Nach längeren Verhandlungen und begünstigt durch das Ausscheiden des Firmengründers Hermann Gruson (1891) kam Ende 1892 ein Betriebsüberlassungsvertrag zustande, der schon 1893 zum Kauf des Unternehmens durch Krupp führte.

    1896 entschloß sich K. nach längerem Zögern auch zur Übernahme der Schiff- und Maschinenbau AG Germania in Kiel (Betriebsüberlassungsvertrag, endgültiger Erwerb 1902).|Er folgte damit dem Drängen des Kaisers und des Reichsmarineamts sowie Anregungen aus dem Direktorium. Zugleich war mit der Aufnahme der Panzerplattenproduktion die Richtung zum eigenen Schiffbau schon eingeschlagen. Beide Werke, Grusonwerk und Germaniawerft, wurden grundlegend erweitert. Großzügigkeit in der Planung zeigte sich auch bei der Gründung des Kruppschen Hüttenwerks 1895/97 in standortmäßig günstiger Lage im späteren Rheinhausen bei Duisburg. Bereits 1889 und 1894 waren im Hinblick auf die Einführung des Thomasverfahrens lothring. Minettegruben angekauft worden. Das Hüttenwerk sollte zunächst fünf Hochöfen, ein Thomasstahlwerk mit drei Konvertern sowie ein Schienen- und Knüppelwalzwerk umfassen, die ersten Hochöfen konnten 1897 angeblasen werden.

    Gleichzeitig wurde in den 1890er Jahren das Essener Stammwerk großzügig erweitert und den gewandelten technischen Erfordernissen angepaßt: Die Erweiterung der Tiegelstahlschmelzerei schuf die Voraussetzungen für Güsse von 80 t Gewicht, sie konnten bearbeitet werden, weil die Schmiedehämmer durch hydraulische Schmiedepressen ersetzt wurden. Daneben gewann die Verwendung von Martinstahl, z. B. für Formgüsse von großen Schiffssteven und Maschinenteilen, durch die Errichtung von vier neuen Martinwerken an Bedeutung. Die um 1900 erbaute 8. Mechanische Werkstatt mit ihren ungewöhnlich großen Ausmaßen war weitgehend mit elektrischem Antrieb ausgestattet und ermöglichte die Herstellung auch sehr großer Teile für den Schiffbau sowie von Eisenbahnmaterial, das mengenmäßig ein sehr umfangreicher Fertigungsbereich blieb. Dazu kam, verstärkt durch die Tirpitzsche Flottenpolitik, der Bau von Kriegsschiffen. Im Geschützbereich sind u. a. der Übergang zu Nickelstahlrohren und die Entwicklung der Rohrrücklaufgeschütze zu erwähnen.

    In welchem Maß K. persönlich an dieser Unternehmensentwicklung beteiligt war, wird unterschiedlich beurteilt. Gegen die Bemühungen des Direktoriums hat er es verstanden, sich in allen wichtigen Dingen die alleinige Entscheidung vorzubehalten, während er im täglichen Geschäftsablauf dem Direktorium weitgehend freie Hand ließ, dabei aber umfassende Information forderte. K. hat am Grundsatz einer kollegialen Meinungsbildung im Direktorium festgehalten, auch gegen Jenckes Versuche, die eigene Stellung als Vorsitzender zu stärken. Auf K. ist es zurückzuführen, daß die wissenschaftlich-analytische Arbeit, die für den Bereich der Legierungsstähle besonders wichtig wurde, im Unternehmen eingeführt und ausgebaut wurde. An dem unternehmenspolitischen Grundsatz seines Vaters, die Gewinne weitgehend zum Ausbau und zur Erweiterung des Unternehmens zu verwenden, hielt K. bewußt fest. In der Großzügigkeit und dem Weitblick der Entscheidungen beim Ausbau des Unternehmens ging er über seinen Vater hinaus; Zeitgenossen charakterisierten dies als „Neukruppschen“ Geist. Verwirklicht werden konnten solche Ideen nur auf der Grundlage der damaligen hohen Ertragskraft des Unternehmens sowie der finanziellen Mittel, die ihm Großbanken gewährten.

    Bei Auslandsreisen agierte K. dank seines geschickten persönlichen Auftretens erfolgreich. Die Zusammenarbeit im Unternehmen basierte für ihn, mehr als für seinen Vater, auf einer vertrauensvollen Grundlage. Er lehnte zwar ebenfalls ein Mitspracherecht der Arbeiter ab, führte aber zugleich die sozialen Einrichtungen fort und baute sie aus. Mit der Gestaltung der Wohnsiedlungen, der Gründung des „Altenhofs“ für alte und invalide Mitarbeiter sowie von Bildungs- und Sporteinrichtungen ging er über die damals üblichen Leistungen auf diesem Sektor hinaus.

    Sein zunehmendes Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen führte dahin, daß er in der Villa Hügel eine mineralogische Sammlung einrichtete, selbst die Grundlagen für ein später von Wissenschaftlern herausgegebenes zoologisches Wörterbuch legte und seinen Töchtern naturwissenschaftlichen Unterricht geben ließ. In den Jahren seit 1898, als er begann, die Wintermonate auf Capri zu verbringen, widmete er sich intensiv der Tiefseeforschung. Zusätzlich förderte er in diesem Bereich einzelne Forschungsvorhaben und Institute.

    K.s Rückzug in die Privatsphäre während der letzten Lebensjahre war zu einem Teil gesundheitlich bedingt, zum Teil war es wohl auch der Versuch, den mit dem Unternehmen und damit unweigerlich auch der Person des Firmeninhabers verknüpften öffentlichen Diskussionen zu entfliehen. K. war persönlich bescheiden und zurückhaltend. Die mit seiner Stellung verbundenen Pflichten erfüllte er ungern. So liebenswürdig und gewinnend er im kleinen Kreis auftrat, so wenig hat er es je gelernt, vor größerem Publikum zu sprechen, so wenig hat|er auch vermocht, polemische Angriffe auf seine Person gelassen zu ertragen. Solche Angriffe aber häuften sich, veranlaßt durch die zunehmende Einbeziehung des Unternehmens in politische Auseinandersetzungen. K. hatte zunächst, ebenso wie sein Vater, eine Reichstagskandidatur abgelehnt. Wohl einem Wunsche Kaiser Wilhelms II. folgend, mit dem er freundschaftlich verbunden war, gehörte er 1893-98 dem Reichstag als fraktionsloser, den Konservativen nahestehender Abgeordneter an, ohne dort sonderlich hervorzutreten. Angriffsziele für die Öffentlichkeit boten die Freundschaft mit dem Kaiser, die Übernahme des Grusonwerks und der Germaniawerft und dann vor allem sein – politisch ungeschicktes – Engagement für die kaiserliche und Tirpitzsche Flottenpolitik. K. wußte zwar, daß er sich – durch die Übernahme der Germaniawerft zum Hauptbeteiligten geworden – nicht öffentlich für die Flottenpolitik verwenden durfte. Sein indirektes Eingreifen über Presseorgane durch seinen Mittelsmann Victor Schweinburg, den Generalsekretär des Flottenvereins, blieb jedoch nicht verborgen. Scharfe Angriffe der Sozialdemokraten richteten sich in Zusammenhang mit den Flottenvorlagen gegen die Rüstungsindustrie und die Rüstungsgewinne insgesamt, und damit vor allem gegen Krupp. Dabei wurden diese Angriffe zum Teil von Tirpitz selbst aus taktischen Erwägungen lanciert; der Kaiser bezog hierzu sachlich nie eine eindeutige Position. Im Herbst 1902 griff die deutsche Presse Angriffe einer ital. Zeitung gegen K. wegen Verstoßes gegen den Homosexuellenparagraphen des deutschen Strafgesetzbuches auf. K. wurde durch diese Vorwürfe persönlich sehr getroffen. Er starb unerwartet am 22.11.1902, den ärztlichen Gutachten zufolge an einem Herzschlag. Die Gerüchte und Spekulationen um einen Selbstmord sind nach den vorliegenden Quellen nicht zu klären. Entsprechend der testamentarischen Verfügung ging das Unternehmen an K.s Tochter Bertha als Alleinerbin über. Ihre Rechte nahm bis zu ihrer Großjährigkeit ihre Mutter Margarethe wahr. Diese führte zusammen mit dem Aufsichtsrat und dem Direktorium das Unternehmen fort. Darüber hinaus wirkte sie im sozialen Bereich, u. a. durch die Stiftung der Gartenstadt-Siedlung Margarethehöhe. Das Unternehmen wurde 1903 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wobei die Aktien weitestgehend in Familienbesitz blieben. – GKR (1887), WGR (1900); preuß. Staatsrat (1890), Mitgl. d. Herrenhauses (1897), u. d. rhein. Provinziallandtags (1900); Ehrenmitgl. d. Ver. dt. Eisenhüttenleute u. d. Ver. z. Beförderung d. Gewerbefleißes; Ehrenbürger d. Stadt Essen (1896); Dr.-Ing. E. h. (Aachen 1901); Goldene Bessemer-Medaille d. Iron and Steel Inst. in London (1902); preuß. Kronenorden 1. Kl. mit Brillanten (1902).

  • Literatur

    (s. a. L zur Einl.) F. A. K. u. s. Werk, 1904 (P);
    D. Haek, Die Krupp-Werke, 1906;
    W. A. Boelcke (Hrsg.), Krupp u. d. Hohenzollern, Aus d. Korr. d. Fam. Krupp 1850-1916, 1Berlin (DDR) 1956, 2u. d. T. Krupp u. d. Hohenzollern in Dokumenten, Kruppkorr. mit Kaisern, Kabinettschefs u. Ministern 1850-1918, hrsg. u. eingel. v. W. A. Boelcke, Frankfurt/M. 1970. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Renate Köhne-Lindenlaub
  • Empfohlene Zitierweise

    Köhne-Lindenlaub, Renate, "Krupp, Friedrich Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 135-138 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119054078.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA