Lebensdaten
1787 oder 1789 bis 1854
Geburtsort
Krakau
Sterbeort
Ischl. (Geburtsdatum nicht verifizierbar; der dem Verlassenschaftsakt beigeschlossene Geburtsschein ist eine Fälschung zur Verdeckung der Illegitimität der Geburt.)
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Theaterdirektor ; Possendichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118834800 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bernbrunn, Karl Andreas
  • Bernbrunn, Karl
  • Carl (Pseudonym)
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Zitierweise

Bernbrunn, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834800.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Andrä Bernbrunn, Spekulant, aus Westdeutschland stammend;
    M Maria Anna, geschiedene Gattin des Dichters J. B. von Alxinger (1755–97), T des Heereslieferanten Abraham Wetzlar, der 1776 mit seiner ganzen Familie zum Katholizismus übertrat und in den erblichen Freiherrnstand mit dem Prädikat Plankenstern erhoben wurde, die Verbindung der Eltern konnte erst nach Alxingers Tod (1797) legalisiert werden, auf einen Adelstitel hat weder Bernbrunn-Vater noch Bernbrunn-Sohn einen Anspruch, obwohl beide sich den Freiherrntitel beilegten;
    Marg. (1788–1861), Sängerin, T des pfälzisch-bayerischen Hofmusikers Martin Lang (1755–1819) und der Hofschauspielerin Marianne Boudet ( 1835).

  • Leben

    B. scheiterte als Offizier, wurde Schauspieler in München bei K. F. C. Weinmüller, dann am Hoftheater, erhielt 1822 die Direktion des Isartortheaters und ging 1826 mit seinem ganzen Ensemble nach Wien, um das Theater an der Wien zu pachten. 1838 kaufte er das|Leopoldstädter Theater dazu, auf das er sich zurückzog, als er 1845 das Theater an der Wien verlor. Der von ihm errichtete Neubau („Carl-Theater“) stand 1847-1945. B. suchte in München und in Wien zuerst den Erfolg durch meisterliche Inszenierung von Ritter-, Räuber- und Spektakelstücken, verlegte sich aber bald auf die Pflege der billigen Wiener Volkskomödie, die 1813 durch A. Bäuerle, J. Gleich und K. Meisl zu großer Blüte kam. In Wien band er ein glänzendes Komiker-Ensemble (J. Nestroy, W. Scholz, F. Hopp, L. Grois, K. Treumann) und einen Kreis von Volksdramatikern an seine Theater. Er selbst hatte in München die Staberl-Gestalt A. Bäuerles durch seine reißerische Komik zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, aber auch zerspielt.

  • Werke

    Eine Bibliogr. d. meist nur hs. erhaltenen, auf seine Initiative zurückgehenden, theatergesch. wichtigen „Staberliaden“ gibt O. Rommel in seiner Nestroy-Monogr. (J. Nestroy, Sämtl. Werke, Bd. 15, Wien 1930, S. 571-75);
    mehrere seiner interessanten Inszenierungen in d. Bilder-Publikationen A. Bäuerles festgehalten, Reprod., in: O. Rommel, Die Alt-Wiener Volkskomödie, 1952.

  • Literatur

    ADB II;
    A. Lewald, Ges. Schrr., 1844–46, Bd. 4;
    F. Gämmerler, Theaterdir. Carl, Wien 1854, F. Kaiser, Theaterdir. Carl, ebenda 1854;
    ders., Unter 15 Theaterdirektoren, ebenda 1870;
    E. Grandaur, Chronik d. kgl. Hof- u. Nat.-theaters in München, 1878;
    J. Kolarsky, Dir. Carl, Diss. Wien 1926 (ungedr. mit wertvollen Archivalien);
    A. Bauer, 150 J. Theater an d. Wien, 1952;
    Goedeke XI/2, 1953, S. 32-38 (W, L), 41 f. (für Margarete);zu Martin Lang: ADB XVII (im Artikel Ferd. Lang).

  • Portraits

    Ölgem. v. F. Schilcher (Hist. Mus. d. Stadt Wien);
    Phot. (ebenda);
    B. als „Staberl“, Costüme-Bild z. Theaterztg. (Wien, Nat.-Bibl.).

  • Autor/in

    Otto Rommel
  • Empfohlene Zitierweise

    Rommel, Otto, "Bernbrunn, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 105-106 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834800.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bernbrunn: Karl B., bekannter unter seinem Theaternamen Karl Karl, geb. zu Krakau 1787, gestorben zu Ischl im Salzkammergute 14. Aug. 1854. Ursprünglich für den Militärstand bestimmt, wurde er in der kaiserl. königl. österreichischen Ingenieurakademie erzogen. Als Fähnrich trat er in die Armee und machte den Feldzug von 1809 mit, während dessen er in französische Kriegsgefangenschaft gerieth. Er sollte in Mantua erschossen werden, fürstliche Verwendung befreite ihn. Er mußte das Ehrenwort geben, nie wieder gegen Frankreich zu fechten. Schon früher für den Schauspielerberuf erglüht, betrat er jetzt zum ersten Male die Bühne des Josephstädter Theaters in Wien. Obwol sein Debut glücklich ausfiel, fand er doch die lebhafteste Opposition bei seinen früheren Kameraden, welche die Standesehre befleckt erachteten durch das öffentliche Auftreten eines noch mit dem Officierscharakter bekleideten Mannes. Karl verließ deshalb Wien und fand in München einen entsprechenden Wirkungskreis. Zunächst am „Herzoggartentheater“ engagirt, trat er nach dem Brande desselben an das Isarthortheater über, dem unter des Freiherrn de la Motte Leitung stehenden zweiten Hoftheater. Hier gründete er seinen Ruf und sein Glück. Er war als Schauspieler beliebt und machte sich, mit rastloser Energie und eisernem Fleiß sowie mit praktischem Bühnenverständniß ausgestattet, bald zum unentbehrlichen Rathgeber des Intendanten und zum dirigirenden Regisseur. Als im J. 1818 das neu erbaute Hoftheater eröffnet wurde, stieg er zum Director des Isarthortheaters auf, welches nun ganz selbständig und abgesondert von der Intendanzadministration von ihm geleitet wurde. Auf der Wiener Volksbühne blühte damals das neue Genre der Localpossen, welche in den Sitten und Gewohnheiten des Volkes selbst ihre Wurzel und das Geheimniß ihrer Wirksamkeit hatten. Gleich und namentlich Bäuerle waren die erfolgreichsten Vertreter dieser litterarischen Richtung. Karl erkannte mit dem ihm eigenen Scharfblick und seinem erfinderischen Instinct, daß er mit der Einführung dieser Localpossen in München einen glücklichen Wurf thun könnte. Die Figur des Parapluiemachers Staberl in Bäuerle's „Bürgern von Wien", welche er mit größtem Erfolge spielte, regte ihn zu seinen „Staberliaden“ an. Er schuf sich im „Staberl“ einen eigenen komischen Charaktertypus, in welchem der alte deutsche Hanswurst verjüngt auf der Scene erschien. Als solcher wurde er die Hauptperson einer Menge theils von Karl selbst verfaßter, theils von ihm beeinflußter Possen, welche meist nach vorhandenen Stoffen — Goldoni mußte namentlich herhalten — bearbeitet waren. Seine wirksam auf den Beifall des Publicums speculirende Spielweise verschaffte diesen Possen einen großen Erfolg und dem von ihm geleiteten Theater eine außerordentliche Prosperität, welche endlich den Neid der Hoftheaterintendanz erregte, welche der Rivalität der Karl'schen Direction, die durch rührige Productivität und praktischen Sachverstand ausgezeichnet war, sich nicht gewachsen fühlte. Zwar gelang es Karl's Beliebtheit in den höchsten Kreisen mehrere Male die drohende Gefahr der Auflösung des Theaters am Isarthor abzuwenden, als er aber 1825 bei einem Gastspiele am Theater an der Wien in der österreichischen Hauptstadt mit seiner Gesellschaft eine glänzende Aufnahme gefunden hatte, entsprach die 1826 bei dem Thronwechsel in Baiern erfolgende Aufhebung des Isarthortheaters wol seinen eigenen Wünschen. Karl wurde pensionirt und siedelte mit seiner Gesellschaft nach Wien über. Hier spielte er auf dem Josephstädter und dem Theater an der Wien. Im Verein mit den Komikern Scholz und Nestroy, der ihm auch als Possendichter ein außerordentlicher Gehülfe ward, erhob er seine Bühne zu nie geahnter Popularität und erwarb ein bedeutendes Vermögen. 1838 kaufte er das Leopoldstädter Theater und leitete bis zum J. 1845 das Theater an der Wien und das auf der Donauinsel, jenes als Pächter, dieses als Eigenthümer. Als im J. 1845 das Theater an der Wien von Franz Pokorny, welcher seine Offerten überboten hatte, käuflich übernommen wurde, blieb Karl auf das Theater in der Leopoldstadt beschränkt. Er baute dasselbe neu auf und eröffnete das neue Haus, welches nach ihm Karltheater genannt wurde, am 20. Dec. 1847. Sein Glück verminderte sich von jetzt an; noch einmal nur errang er durch Erwerbung des Komikers Karl Treumann, den er dem Theater an der Wien abspenstig machte und neben den allbeliebten Scholz und Nestroy ins Feuer schickte, einen glänzenden Erfolg. 1854 starb er am Schlagfluß. Karl war ein Mann von ungewöhnlichem Talente für die Bühnenleitung. Scharfsinnig und erfinderisch wußte er mit seltener Treffsicherheit auf die Bedürfnisse eines schaulustigen Publicums zu speculiren, mit eiserner Willenskraft führte er seine Entschlüsse durch, mit seltenem Geschick beutete er die schauspielerischen und schriftstellerischen Talente aus, und beherrschte die technischen Hülfsmittel der Bühne. Höhere Ziele verfolgte er nie, der Erfolg um jeden Preis war das Ziel seiner directionellen Thätigkeit, dem er rücksichtslos nachstrebte. Die Theaterleitung war ihm ein Feld der Speculation und er beherrschte dasselbe mit souveränem Geiste, ein ebenso kluger Generalstäbler, als schlagkräftiger Feldherr des theatralischen Eroberungskrieges. Das Schlachtenglück blieb denn diesem Bühnen-Napoleon auch fast immer treu und er erreichte das Ziel seiner Laufbahn, die Erwerbung eines großen Vermögens. Er starb als Wittwer nach der tüchtigen Schauspielerin Margarethe Lang, die er in München geheirathet hatte.

  • Autor/in

    Förster.
  • Empfohlene Zitierweise

    Förster, "Bernbrunn, Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 410-411 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834800.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA