Lebensdaten
1676 bis 1748
Geburtsort
bei Breslau
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118656325 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Melodius, Christianus (Pseudonym)
  • Kohlgärtner, Adam (verschwiegener Name der Eltern)
  • Christianus Melodius (Pseudonym)
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Orte

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Zitierweise

Bernd, Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656325.html [14.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Kohlgärtner (Bernd verschweigt den Namen seiner Eltern in seiner Selbstbiographie absichtlich); ledig.

  • Leben

    B. begann 1699 in Leipzig zu studieren. Nach der Habilitation 1701 übte der Magister B. mit seinen Vorlesungen große Anziehungskraft aus und war seit 1712 als Oberkatechet an der Petrikirche ausgesprochener Zugprediger, offenbar wegen seiner undoktrinären Predigtart. Die inneren Anfechtungen des schwerkranken Mannes erinnern in manchem an die Luthers. Aber Erschrecken über sittliche Lähmungserscheinungen, die durch das orthodox-lutherische Lehrsystem verursacht waren, Einflüsse von Pietismus und Aufklärung her, angeblich auch schon Anstöße vom väterlichen Laienchristentum, das den Gedanken der Verdammnis Andersgläubiger von sich wies, veranlaßten B., pseudonym einen schweren Angriff gegen die lutherische Lehre vorzutragen (Einfluß der göttlichen Wahrheiten usw.). Er ist bei seinem physischen und psychischen Gesundheitszustand nicht in der Lage gewesen, in dem Prozeß, der ihm bald - insbesondere wegen seines „Indifferentismus“ - gemacht wurde, standzuhalten, sondern hat widerrufen und seine Entfernung vom Predigtamte geschehen lassen. Interessant ist er, weil in seiner überempfindsamen Seele sich Zeitalter begegnen (man vergleiche in der Selbstbiographie die anhaltenden Versuche, die Anfechtungen gleichzeitig vom Teufel her und ganz natürlich zu erklären) und verschiedene geistige Welten miteinander ringen.

  • Werke

    Unterschied d. Moral Christi u. d. Pharisäer…, Leipzig 1727;
    [Ps.] Ch. Melodius, Einfluß d. göttl. Wahrheiten in d. Willen u. in d. Leben d. Menschen, ebenda 1728;
    Die Wahrheit unserer christl. Religion …, ebenda 1734;
    Eigene Lebensbeschreibung, ebenda 1738;
    wichtig ist B.s u. Deylings (Leipziger Stadtsuperintendent) Briefwechsel mit Val. Ernst Löscher (Stadtbibl. Hamburg).

  • Literatur

    ADB II;
    J. G. Walch, Hist. u. theol. Einl. in d. Religionsstreitigkeiten d. ev.-luth. Kirchen, Jena 1730–39, Bd. 3, S. 534-848;
    K. G. Dietmann, Die gesamte d. ungeänderten Augspurg. Confession zugethane Priesterschaft im Churfürstenthum Sachsen. Dresden u. Leipzig 1752–63, Bd. I/2, S. 277-83;
    G. Frank, Gesch. d. prot. Theol., 1863–1905, Bd. 2, S. 335-37;
    F. Blanckmeister, Sächs. Kirchengesch., 21906, S. 261-63, 281.

  • Portraits

    Kupf. v. J. C. Sysang (Staatl. Kupf.Kab. Dresden [3] u. Öffentl. wiss. Bibl. Berlin [1, Bildnisslg. Prof. F. Wadzeck]).

  • Autor/in

    Franz Lau
  • Empfohlene Zitierweise

    Rommel, Otto, "Bernd, Adam" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 106 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656325.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bernd: Adam B., pietistischer, durch die Ketzerei des Melodianismus bekannter Katechet an der Peterskirche in Leipzig, geb. 31. März 1676 in Breslau, 5. Nov. 1748. Schon wegen seiner Schrift „Unterschied der Moral Christi und der Pharisäer“ (1727) wurde er ein Advocat des Papstthums genannt. Am meisten aber brachte ihn in Verruf sein 1728 unter dem Namen Christianus Melodius erschienenes Buch: „Einfluß der göttlichen Wahrheiten in den Willen und das ganze Leben des Menschen“. Dem Mißbrauch der lutherischen Rechtfertigungslehre zu fleischlicher Sicherheit zu steuern, lehrt er auf Grund einer eigenthümlichen Psychologie, welche den Willen durch den Verstand influxu physico determinirt sein läßt: der Glaube sei der Beifall, den der Verstand der Lehre Christi zollt, der Beifall des Verstandes nöthige den Willen zu guten Werken und durch diese werde der Mensch gerechtfertigt. Das war ein Eingriff in das Herz des Protestantismus. Das Buch wurde als ein „Pasquill auf die lutherische Lehre und Grundsuppe der Indifferentisterei“ confiscirt, sein Verfasser mit einigem Gehalte suspendirt. Derselbe hat nachgehends widerrufen und das System der lutherischen Kirche dem systemati renovationis der römischen vorgezogen.

    • Literatur

      Bernd's eigene Lebensbeschreibung. Leipzig 1738. Uebrige Litteratur in Frank's Geschichte der prot. Theologie. II. S. 335.

  • Autor/in

    Frank.
  • Empfohlene Zitierweise

    Frank, "Bernd, Adam" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 411 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656325.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA