Lebensdaten
1787 bis 1857
Geburtsort
Innsbruck
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Komiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 128642866 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scholz, Wenzislaus Johann
  • Scholz, Wenzel
  • Scholz, Wenzislaus Johann
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Zitierweise

Scholz, Wenzel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128642866.html [24.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold (1748/56?-1826), aus Schwerin od. Berlin, Schausp., 1778 Debüt, 1782-85 in Linz in Chevalier-, Stutzer- u. Dienerrollen, mit seiner Frau in I., Graz u. Regensburg engagiert, seit 1801 Mitgl. d. im neuerbauten Theater an d. Wien beheimateten Singspieltruppe Emanuel Schikaneders, dort zuletzt auch als Regisseur;
    M Josefa Haller (1765?-1832), Schausp., Theaterdir., 1778 Debüt in I., als Soubrette, Naive u. Liebhaberin in Augsburg, I. u. seit 1782 in Linz, als erste Liebhaberin, in naiven sowie kom. Rollen seit 1785 erneut in I., Graz u. 1792 in Regensburg, 1792 Trennung v. ihrem Mann nach achtj. Ehe, seit 1800/01 Mitgl. d. Truppe Wilhelm Frasels in Laibach, seit 1803 dessen Mitdir. u. Lebenspartnerin, 1807-10 mit Frasel ( 1810) Leitung d. Ständ. Theaters in Klagenfurt, bis 1816 dort u. in Laibach als Schausp., dann in Linz, ab 1829/30 in Bremen (beide s. ÖBL);
    1) 1811 Antonia Rupp ( 1844), T e. Buchdruckereifaktors, 2) 1850 Therese Miller ( 2] Karl Krottenthaler, 1818–64, Kapellmeister, Komp., s. ÖBL), Choristin; 1 vorehel. S Eduard (1811/12-1844), Schausp., Maler (s. Kosch, Theater-Lex.), 1 S aus 1) Anton ( 1846), Kadett in e. k. k. Inf.-Rgt., 2 T Josephine ( N. N. Leeb, wohl k. k. Major), Karoline ( Alfred Rr. v. Fran(c)k, 1808–84, k. k. Hptm., Prof. an d. Neustädter Militär-Ak. in W., s. Wurzbach; ThB);
    1 Adoptiv-S Eugen.

  • Leben

    Nach der Trennung der Eltern wuchs S. bei seiner Mutter auf, die seit 1800/01 in der Truppe Wilhelm Frasels in Laibach (Ljublana, Slowenien) spielte. 1804 konnte S. hier als Truffaldin in Schillers „Turandot“ (nach Carlo Gozzi) debütieren. Nachdem er seiner Mutter 1807 ans Ständische Theater von Klagenfurt gefolgt war, wurde er unter Joseph Schreyvogel (1768–1832) an das Wiener Burgtheater engagiert. Dort trat er im Nov. 1814 erstmals auf, blieb aber, da dem Derbkomischen zuneigend, aus Unzufriedenheit mit dem ihm anvertrauten Repertoire kaum ein Jahr. Nach Stationen am Theater in der Leopoldstadt, in Klagenfurt und am Grazer Ständischen Theater erhielt S. 1826 ein Engagement am Wiener Theater in der Josefstadt, das er im April mit der Titelrolle in „Trüffel, der Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni antrat. Von seinen Rollen dieser Zeit ist die des Ratsdieners Klapperl in Karl Meisls (1775–1853) parodistischer Posse „Die schwarze Frau“ hervorzuheben, die seinen Ruhm als Komiker begründete (Dez. 1826). Trotz unzureichender Singstimme hatte er im März 1827 auch den Oberon in der Wiener Erstaufführung des gleichnamigen Werks von Carl Maria v. Weber zu geben. Aufgrund der wechselnden Direktionen seines Prinzipals Karl Carl (eigtl. Karl Andreas Bernbrunn, 1787–1854), der ihn durch ungünstige Verträge band und dadurch ein Angebot des Burgtheaters (1833) hintertrieb, kam S. anschließend an die Theater an der Wien (1827) und in der Leopoldstadt (1839). Legendär wurde sein Zusammenspiel mit Johann Nestroy (1801–62), der den ihn anfangs eifersüchtig ablehnenden, aber kongenialen, physisch und im Temperament antithetisch mit ihm kontrastierenden Partner bis 1853 in den meisten seiner bis dahin 69 Stücke mit einer Rolle bedachte. Auf den Povernius Maxenpfutsch (Nagerl und Handschuh, 1832) folgten u. a. Zwirn (Der böse Geist Lumpazivagabundus, 1833), Tatelhuber (Die verhängnisvolle Faschingsnacht, 1839), Melchior (Einen Jux will er sich machen, 1842), Klaus (Freiheit in Krähwinkel, 1848), Holofernes (Judith und Holofernes, 1849) sowie Gabriel Brunner (Kampl, 1852).

    Von kleiner, rundlich-massiger Statur, erheiterte S. bereits durch sein körperliches Auftreten. Seine Komik schöpfte wesentlich aus dem Phlegma und einer charakteristischen, untertreibenden Trockenheit; wegen ihres burlesk-naiven Grundtons galt S. als letzter Repräsentant der älteren, auf die Figur des Hanswurst zurückgehenden Volkstheatertradition. Besonders neben dem furiosen, sprühend-nervösen Nestroy wirkten seine Mittel ungekünstelt und natürlich, verrieten auch psychologisches Gespür. Eine echte S.-Rolle, die er über dreißig Jahre lang gestaltete, wurde auch der Magister Lassenius (Der Weiberfeind in d. Klemme v. Theodor Hell). Als Carl 1854 starb, vermachte er S. eine jährliche Pension von 600 Gulden als eine Art Wiedergutmachung; unter Nestroys anschließender Direktion erhöhte sich seine Gage denn auch um mehr als die Hälfte auf 3000 Gulden. Bis zu seinem letzten Auftritt im Sept. 1857 (Belzebub, in: Der gutmütige Teufel v. Nestroy) absolvierte S. auch zahlreiche Gastspiele nahezu im gesamten dt.sprachigen Raum (zuletzt 1857 in Hamburg u. Berlin) und wurde dadurch zum Inbegriff österr. geprägter Volkskomik.

  • Literatur

    ADB 32;
    F. C. Weidmann, W. S., Erinnerungen, 1857 (P);
    C. Haffner, S. u. Nestroy, Roman aus d. Künstlerleben, Wien 1866;
    O. Rommel, Johann Nestroy, Ein Btr. z. Gesch. d. Wiener Volkskomik, Wien 1930;
    ders., Die Alt-Wiener Volkskomödie, 1952;
    R. Holzer, Die Wiener Vorstadtbühnen, Alexander Girardi u. d. Theater an d. Wien, 1951;
    A. Bauer, 150 J. Theater an d. Wien, 1952;
    ders., Das Theater in d. Josefstadt zu Wien, 1957;
    U. Deck, W. S. u. d. Alt-Wiener Volkstheater, Ein Btr. z. Gesch. d. Wiener Volkskomik, Diss. Wien 1969 (ungedr.) (Rollen- u. L-Verz., P);
    O. Rudan, Das Ständ. Theater in Klagenfurt 1810-1868, 1973;
    F. H. Mautner, Nestroy, 1974;
    W. S. u. Die chines. Prinzessin, hg. v. J. Hein, 2003;
    Wurzbach;
    Eisenberg;
    Ch. Trilse, K. Hammer u. R. Kabel, Theaterlex., 1977;
    H. Rischbieter (Hg.), Theater-Lex., 1983;
    Sucher. Theaterlex.;
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien.

  • Portraits

    zahlr. Aquarelle v. J. Ch. Schoeller (Wien, Hist. Mus. d. Stadt Wien, u. Privatbes.), Abb. in: W. Deutschmann, Theatral. Bilder-Gallerie, Wiener Theater in Aquarellen v. Johann Christian Schoeller, hg. v. Hist. Mus. d. Stadt Wien, 1980.

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Scholz, Wenzel" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 462-463 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128642866.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Scholz: Wenzel S., Wiener Komiker, geboren zu Brixen in Tirol am 28. März 1787, ein Schauspielerkind, dessen Talent schon frühzeitig gegen den ihm aufgedrungenen Beruf eines Kaufmanns protestirte. Mit seiner Mutter wandernd, betrat S. 1811 zum erstenmal die Bühne, gastirte 1815 im Wiener Hofburgtheater, und wurde daselbst engagirt. Doch fühlt er selbst bald das Drückende der vornehmen Atmosphäre, er wird zum „Kasperl“, wie sein Vater strafend ausrief, und treibt sich in Steiermark und Kärnten herum, bis er 1826 zu Hensler an das Josefstädter Theater nach Wien gerufen wurde. Sein erstes Debut (5. April) als Diener zweier Herren geht unbeachtet vorüber, in einer Posse Meisl's: die schwarze Frau, erringt er als Rathsdiener Klapperl einen beispiellosen Erfolg, der ihm bis an sein Lebensende treu blieb; als er zu Director Carl übertrat und mit Nestroy, dann auch mit Treumann zusammenwirkte, steigerte sich seine Beliebtheit bis zur Anbetung. Der schlaue Carl wußte seine finanziellen Calamitäten geschickt durch Vorschüsse, Darlehen, Kauf seiner Benefiz-Vorstellungen u. dgl. mehr auszubeuten, erst unter Nestroy's Direction erhielt er auch eine entsprechende Entlohnung. Ein Versuch, ihn für das Burgtheater zu gewinnen, mißlang. Noch in seinem 71. Lebensjahre schloß er einen neuen Contract ab, auf zahlreichen Gastspielen trug er seine Wiener Komik mit großem Erfolge in Ausland. Als er am 5. October 1857 starb, hatte|das Kleeblatt Treumann-Scholz-Nestroy diejenige Kraft verloren, die am ursprünglichsten, am stärksten local-Wienerisch zu wirken verstanden hatte. Besonders neben Nestroy's schneidenden Ironie war die ursprüngliche Harmlosigkeit Scholz' unentbehrlich, der quecksilbernen Technik Treumann's stellte er seine gutmüthige Ruhe entgegen. „Johann Nestroy und Wenzel S. schienen sich in die Erbschaft des Hanswurst getheilt zu haben: alle Schärfe und Beweglichkeit fiel Nestroy zu, alles Breite und Behagliche kam auf S. Nestroy mußte sich seinen Erfolg stets erringen, S. hatte schon gewonnen, wenn er erschien. S. war ein Vertreter der zuständlichen, duldenden, Nestroy ein Repräsentant der thätigen, der angreifenden Komik“ (Speidel). Das Wiener Publicum zog S. dem Nestroy vor, „viel harmlos-naiver“ nennt ihn Costenoble, sah man ihn oft, ließ sich eine gewisse Eintönigkeit, die allen specifisch wienerischen Komikern bis heute eigen ist, ihnen aber eher nützt als schadet, nicht absprechen. Ein ganzer Legendenkreis hat sich um seine Person gebildet, seine drolligen Dankreden, Impromptus und Extempores, deren sich der verhätschelte Liebling unzählige erlaubte, werden noch heute erzählt. Karl Haffner machte ihn zum Helden eines Dramas und eines Volksromans. Große künstlerische Ansichten dürfen wir von dem Volkskomiker nicht erwarten: sein Urtheil über Stücke war immer verkehrt, da war ihm Nestroy über. Doch bleibt seine Bescheidenheit und Selbsterkenntniß rühmenswerth, die sich in den gegen Nestroy ausgesprochenen Worten kundgibt: Ich allein bin nichts, du allein auch nichts, Treumann allein auch nichts, aber wir drei zusammen sind sehr viel!

    • Literatur

      Wurzbach 31, 212. — Josef Lewinsky, Von Brettern und Podium. —
      Wichtig die anekdotenhaften Nachrichten Fr. Kaiser's in der Morgenpost 1858 Nr. 70 ff. —
      Costenoble, Aus dem Burgtheater (1818—1837). — Ludwig Speidel, Die österreichische Monarchie in Wort und Bild. Abth. Wien S. 200.

  • Autor/in

    A. v. Weilen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meilen, A. von, "Scholz, Wenzel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 230-231 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128642866.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA