Lebensdaten
1854 bis 1917
Geburtsort
Wolfach (badischer Schwarzwald)
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Politiker ; nationalliberaler Parteiführer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118657526 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bassermann, Ernst

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Zitierweise

Bassermann, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118657526.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Anton Bassermann (1821–97), Landgerichtspräsident in Mannheim, Landtagsabgeordneter;
    M Marie Eisenlohr;
    Julie, T des Bankiers Karl Ladenburg;
    1 S, 3 T, u. a. Elisabeth, verehelichte von Roon.

  • Leben

    B. hat 1872-74 in Heidelberg Jura studiert. 1878 diente er als Einjähriger bei einem preußischen Kavallerieregiment in Kolmar (Elsaß). 1880 ließ er sich als Rechtsanwalt in Mannheim nieder. Er hatte eine gutgehende Praxis - juristischer Berater des schwiegerväterlichen Bankhauses-, gehörte einer Reihe von Aufsichtsräten der verarbeitenden Industrie und der Flußschiffahrt an und war daher finanziell unabhängig. B. trat der Nationalliberalen Partei bei, der sein Vater schon angehört hatte. 1893 wurde er in den Reichsvorstand der Partei und in den Reichstag gewählt. Dem Reichstag gehörte er bis zu seinem Lebensende, mit kurzer Unterbrechung 1903, an. Mit seiner Hilfe wurden im Reichstag das kleine Sozialistengesetz und die Zuchthausvorlage (durch die B.sche Reichstagsmehrheit) zum Scheitern gebracht. 1898 wurde er auf R. von Bennigsens Vorschlag zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Seit 1905 war er der Vorsitzende des Zentralvorstandes der Parteien. Er war, mit seiner Fraktion ausgleichend zwischen Agrariern und Schwerindustrie einerseits, Freihändlern andererseits, maßgebend beteiligt an der Verabschiedung des Zolltarifs von 1902. In der von Bülow bei der Reichstagsauflösung 1906 improvisierten Gesetzgebungskoalition von Konservativen, National- und Linksliberalen führte B. die Mittelgruppe, die die beiden auseinanderstrebenden Flügelparteien zusammenzuhalten trachtete. Er war nicht Führer der Koalition, wohl aber deren aktiver Schlichter. B. bemühte sich, zur Durchsetzung des von Bülow auf diese Koalition zugeschnittenen Regierungsprogramms die Koalition zusammenzuhalten, obwohl sie ständig auseinanderzubrechen drohte. Er wußte, daß die Nationalliberalen allein zu schwach im Reichstag waren, um ihre eigene Politik durchzusetzen. Die größte Chance, diesem Ziel nahezukommen, bot der „Block“. So war er der Vertrauensmann des Reichskanzlers im Parlament. Bei seinen Bemühungen scheiterte die Koalition an den Konservativen. Am Sturz Bethmann-Hollwegs, dessen entschiedener Gegner er war, wirkte er maßgebend mit. Aber Bülows Wiederbetrauung gelang ihm nicht. - B. war ein Epigone gegenüber R. von Bennigsen, E. Lasker und M. von Forckenbeck. Seine Politik war im allgemeinen gouvernemental. Er sah die vor allem durch die Person des Kaisers, mit dem er nie in persönliche Berührung gekommen ist, bedingten Schwächen des Regierungssystems, wagte aber nicht, dessen Wandlung anzustreben.

  • Werke

    Die Nationalliberale Partei, in: Hdb. d. Politik, Bd. 2, 1912/13, S. 25 ff.;
    Aus d. Jugendzeit, Lebenserinnerungen, 1913.

  • Literatur

    Ahnentafel d. Rechtsanwalts u. Stadtrats in Mannheim E. B., 1910;
    R. Bahr, E. B. z. 60. Geburtstag, 1914;
    F. Mittelmann, E. B., Sein polit. Wirken, Reden u. Aufsätze, Bd. 1. Zur auswärt. Politik, 1914 (P);
    C. Bassermann, E. B., Das Lb. eines Parlamentariers aus Dtld.s glückl. Zeit, 1919;
    E. v. Roon, geb. B., E. B., Eine polit. Skizze, 1925 (P);
    R. Eickhoff, Polit. Profile, Erinnerungen aus vier Jahrzehnten, 1927;
    Th. Eschenburg, Das Kaiserreich am Scheideweg, B., Bülow u. d. Block, Nach unveröffentlichten Papieren aus d. Nachlaß E. B.s, eingel. v. G. Stresemann, 1929;
    B. Fürst Bülow, Denkwürdigkeiten, 1930/31;
    H. Goldschmidt, in: DBJ Überleitungsbd. II, S. 13-18 (u. Totenliste 1917, L).

  • Autor/in

    Theodor Eschenburg
  • Empfohlene Zitierweise

    Eschenburg, Theodor, "Bassermann, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 623 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118657526.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA