Lebensdaten
1827 bis 1909
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
jüdische Familie
Normdaten
GND: 136233120 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ladenburg, Carl
  • Ladenburg, Karl

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Zitierweise

Ladenburg, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136233120.html [19.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Seligmann (s. 2), S d. Wolf Haium (s. 1);
    B Ferdinand (1835–99), Bankier, Mitinh. d. Bankhauses in M., Konsul v. Großbritannien, Stadtrat 1880–96;
    Vt Emil (1822–1902), GKR, Bankier in Frankfurt/M., Sigmund (1830–74), Bankier in Frankfurt/M., Albert (s. 5);
    - 1859 Ida (1840–1928), Präsidentin d. Bad. Frauenver., Vorsitzende d. Dienstbotenver., T d. Indigo-Großhändlers Samson Elias Goldschmidt u. d. Wilhelmine Buding;
    1 S, 1 T Richard (* 1864), Teilhaber d. Bankhauses in M., 1905-18 Vorstandsmitgl. d. Süddt. Diskonto-Ges., 1913-18 Mitgl. d. Handelskammer M., Julie ( Ernst Bassermann, 1917, nat.liberaler Pol., s. NDB I);
    N Eduard (s. 4), Gustav (1847–1902), Teilh. d. Bankhauses in M., Rudolf (s. 6), August (1856–1910), Bankier in Frankfurt/M., Mitbegründer d. Metallbank u. Metallges.

  • Leben

    L. trat im Alter von 16 Jahren nach dem Besuch der Volksschule in das väterliche Bankhaus ein, seine Ausbildung wurde im Privatunterricht fortgesetzt, da der Vater den humanistisch orientierten Unterricht des Gymnasiums für den angehenden Bankier als wenig geeignet ansah. 1850 ging er für drei Jahre nach London (u. a. Bankhaus Hamborough), anschließend arbeitete er ein Jahr in einer Pariser Bank, um nach seiner Rüdekehr bei Ladenburg die Tätigkeit eines Auslandskorrespondenten wahrzunehmen. 1859 wurde er Teilhaber des Bankhauses Ladenburg. Bereits lange bevor er, nach dem Tode des Vaters, 1873 Seniorchef der Bank wurde, hatte er entscheidenden Anteil an ihren Unternehmungen und Geschäften und somit maßgeblichen Einfluß auf die Entwicklung von Stadt und Region Mannheim in einer Periode immer rascheren industriell-gewerblichen Wachstums dieses Verkehrs- und Handelszentrums. Er war an der Gründung der BASF mitbeteiligt und übernahm deren Verwaltungsvorsitz vom Vater, ebenso dessen Funktion im Verwaltungsrat der Pfälzischen Eisenbahn. Während der wichtigsten Jahrzehnte der deutschen Industrialisierung hatte er erheblichen Einfluß auf wirtschafts-, finanz- und unternehmenspolitische Entscheidungen, sei es als Mitbegründer von Unternehmen (Bad. Bank, Zellstoffabrik Waldhof – hier indem er 1884 die an dieser Gründung interessierten Brüder Rudolf Christian und Carl Haas mit dem bei der BASF ausgeschiedenen Carl Clemm zusammenbrachte, sowie durch eine Beteiligung am Unternehmenskapital –, Süddeutsche Juteindustrie, Rheinische Schuckert Gesellschaft für elektrische Industrie AG Mannheim, Immobilien-Gesellschaft und Bahngesellschaft in Waldhof), sei es als Vorsitzender (Bad. Bank, Alkaliwerke Westeregeln, Rheinische Elektrizitäts-Gesellschaft, Bad. Rück- und Mitversicherungsgesellschaft, später; „Frankona“, Zellstoffabrik Waldhof, Verein Deutscher Ölfabriken, Bad. Gesellschaft für Zuckerfabrikation Waghäusel) oder als Mitglied von Aufsichtsräten (Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft, Mannheimer Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft, Bad. Assekuranzgesellschaft „Vita“, später: Hamburg-Mannheimer Versicherungs-Gesellschaft).

    Diese starke Verflechtung des Bankhauses Ladenburg mit der Mannheimer Wirtschaft, namentlich der persönliche Einfluß L.s, blieb bis um die Jahrhundertwende erhalten, obwohl allgemein seit der Mitte des 19. Jh. der Einfluß der Privatbankiers zugunsten der größeren Aktienbanken zurückging. Seit den 70er Jahren war auch in Mannheim eine zunehmende Zahl von Banken entstanden, aufgrund immer größeren Kapitalbedarfes der Industrie hatten sich aber auch die Zentralisationstendenzen im Bankgewerbe mehr und mehr verstärkt. Die Krise von Bank- und Industrieunternehmen um die Jahrhundertwende, wohl auch der unerwartet frühe Tod seines Neffen und Teilhabers Gustav (1902) und schließlich das Beispiel der 1904 erfolgenden Fusion der Oberrhein. Bank Mannheim (ehem. Köster & Cie) mit der 1870 gegründeten Rhein. Creditbank Mannheim, an der sich die Deutsche Bank beteiligte, ließen in L. den Entschluß zur Umwandlung der Privatbank in eine Aktienbank reifen, der schließlich 1905 durch die Gründung der Süddeutschen Diskonto-Gesellschaft AG Mannheim, die Übernahme des Bankhauses Ladenburg durch die Berliner Diskonto-Gesellschaft, mit der seit der Zeit Wolf Haium Ladenburgs bereits gute Beziehungen bestanden, in die Tat umgesetzt wurde. Mit 12 Mill. Mark besaß die Familie Ladenburg die Mehrheit des Aktienkapitals von 20 Mill. Mark (L. hatte allein 3,4 Mill., Dr. Paul Ladenburg 2,15, August Ladenburg 2,1, Ernst Ladenburg 1,75, Eduard Ladenburg 1,6 und Dr. Richard Ladenburg 1,0 Mill. Mark Aktienkapital). L. übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates, den er 1908 an seinen Schwiegersohn, den Rechtsanwalt und nationalliberalen Politiker Ernst Bassermann abgab, welcher schon seit vielen Jahren der juristische Berater des Bankhauses war und seit 1905 ebenfalls im Aufsichtsrat der Süddeutschen Diskonto-Gesellschaft saß; auch die Führung der Geschäfte blieb zunächst im wesentlichen in Händen der Familie Ladenburg.

    L. nahm, anders als sein Vater und sein Großvater, auch vielfältige öffentliche Aufgaben wahr. Der Handelskammer Mannheim gehörte er 1866-1907 an, er war Handelsrichter (1870–73), Mitglied des Bezirksrates und des Stadtverordneten-Kollegiums, seit 1874 österrreichisch-ungarischer Generalkonsul, gehörte der Nationalliberalen Partei an und vertrat 1887-91 und 1893-97 seine Vaterstadt als Abgeordneter in der II. Kammer der bad. Landstände, wo er sich vor allem Budgetangelegenheiten widmete.

    In seinen letzten Lebensjahren erlebte L. die weitere Ausdehnung der neuen Aktienbank, die Eröffnung von Filialen in Lahr, Pforzheim, Freiburg und Heidelberg sowie die Übernahme der Bankhäuser Winter, Engler & Co in Pforzheim (1905), Weil & Benjamin in Mannheim (1906), Trotter & Co in Heidelberg (1906), I. M. Bernion in Landau (1907) und Jacob Bär in Bruchsal (1907) mit entsprechender Erhöhung des Aktienkapitals auf 35 Mill. Mark. Später folgten die Übernahme der Pfälzischen Spar- und Creditbank Landau (1910) und der Bankhäuser Ludwig Weil, Freiburg (1910), Rischmann, Worms (1912), August Hund (später: J. J. Castell), Offenburg (1917) und schließlich des traditionsreichen, 1786 gegründeten Konstanzer Bankhauses Macaire & Co (1921); parallel dazu erfolgten Aktienkapitalerhöhungen auf 50 Mill (1911) und 200 Mill. Mark (1922). - GKR (1899); Ehrenbürger v. Mannheim (1907).

  • Literatur

    K. L., Sein Leben u. Wirken, Von s. Kindern u. Enkeln dargest., in: Mannheim i. Vergangenheit u. Gegenwart II, 1907 (P);
    Bad. Biogr. VI, 1935, S. 163-65;
    - s. a. L zu 1)-4).

  • Autor/in

    Hermann Schäfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schäfer, Hermann, "Ladenburg, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 388 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136233120.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA