Lebensdaten
1857 bis 1944
Geburtsort
Schüttenhofen (Sušice, Böhmen)
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Augenarzt
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 136408192 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koller, Carl

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Zitierweise

Koller, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136408192.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold, Kaufm., aus Teplitz (Böhmen);
    M N. N.;
    N. N.;
    1 T.

  • Leben

    Schon als Medizinstudent in Wien führte K. unter Salomon Stricker experimentell-embryologische Untersuchungen über die Herkunft des dritten Keimblattes (Mesoderm) durch. Von Arlt in die Augenheilkunde eingeführt, bildete sich K. nach der Doktorpromotion (1882) an der II. Augenklinik des Allgemeinen Krankenhauses zum Augenarzt aus. 1884 wurde er von Freud, seinem Studienfreund, zu Versuchen über die Wirkung des durch den Mund aufgenommenen Kokains auf den Organismus beigezogen; beide waren damals Sekundarärzte des Allgemeinen Krankenhauses. Als K. den seit langem bekannten, örtlich betäubenden Effekt des Kokains auf die Zungenschleimhaut selber beobachtete, kam ihm „blitzartig“ der Gedanke, das Mittel könnte sich als Anästhetikum für Augenoperationen eignen, bei denen man die Allgemeinnarkose wegen des damit verbundenen Würgens und Brechens oft nicht anzuwenden wagte. Die Entdeckung der Oberflächenanästhesie des Auges mit 2 %iger Kokainlösung, die K. am 15.9.1884 dem Heidelberger Ophthalmologenkongreß bekanntgeben ließ, wurde sogleich als große Wohltat begrüßt und bildete den Auftakt zur chirurgischen Lokalanästhesie. Im Januar 1885 wurde K. als Jude von einem Kollegen beschimpft, wehrte sich, mußte sich duellieren und verließ nach einiger Zeit Wien. Nach drei Jahren Weiterbildung, zwei davon bei Donders und Snellen in Utrecht (1885–87), wanderte er 1888 nach New York aus. Er führte dort bis 1942 eine augenärztliche Praxis, wirkte lange am Mount Sinai Hospital und bearbeitete verschiedene ophthalmologisch-klinische und optische Probleme.

  • Werke

    Btrr. z. Kenntnis d. Hühnerkeims im Beginne d. Bebrütung, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien, III. Abt., 80, 1879, S. 316-28;
    Unterss. üb. d. Blätterbildung im Hühnerkeime, in: Med. Jb. 1881;
    Vorläufige Mitt. üb. locale Anästhesirung am Auge, in: Klin. Mbl. f. Augenheilkde. 22, 1884, Beil.h., S. 60-63;
    Über d. Verwendung d. CocaÏn z. Anästhesirung am Auge, in: Wiener med. Wschr. 34, 1884, Sp. 1276–78, 1309-11;
    Hist. Notiz üb. d. ersten Anfänge d. Lokalanästhesie, ebd. 78, 1928, S. 601 f., auch in: Journal of the American Medical Association 90, 1928, S. 1742 f.

  • Literatur

    S. Bloom, in: Archives of Ophthalmol. 31, 1944, S. 344 f. (P);
    E. Ben-Zur, Die Gesch. d. Lokalanästhesie unter bes. Berücksichtigung d. Entdeckung d. Kokains, Diss. Zürich 1960;
    Hortense Koller Becker (T), C. K. and cocaine, in: Psychoanalytic Quarterly 32, 1963, S. 309-73;
    E. Lesky, Die Wiener med. Schule im 19. Jh., 1965, S. 486-90;
    Th. E. Keys, Die Gesch. d. Chirurg. Anaesthesie, 1968 (P);
    Fischer;
    ÖBL (W, L).

  • Portraits

    Phot. in: Duke-Elder, System of Ophthalmology VII, 1962, S. 595.

  • Autor/in

    Huldrych M. Koelbing
  • Empfohlene Zitierweise

    Koelbing, Huldrych M., "Koller, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 465 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136408192.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA