Lebensdaten
1839 bis 1913
Geburtsort
Wehringhausen bei Hagen (Westfalen)
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Eisenhüttenmann ; Industrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 141609680 | OGND | VIAF: 121864855
Namensvarianten
  • Kollmann, Wilhelm
  • Collmann, Wilhelm

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Zitierweise

Kollmann, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd141609680.html [08.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1813–61), Volksschullehrer, S d. Frdr. Dietr. Franz u. d. Johanna Schmidt;
    M Friederike Staubsand (1812–88);
    B Julius (1852–1923), Prof. d. Betriebswirtsch. in Dresden u. Darmstadt;
    - 1) N. N., 2) Therese N. N., 3) Sara Wolff ( 1944);
    1 T aus 1) N. N. ( Emil Marx, 1858–1907, KR, Mitarbeiter K.s in d. Bismarckhütte).

  • Leben

    Gefördert von Friedrich Harkort, besuchte K. die Provinzial-Gewerbeschule in Hagen mit dem Ziel, die hüttenmännische Laufbahn einzuschlagen. Seit 1857 war er in Hagen im neugegründeten Eisenhüttenwerk der Firma Funcke & Elbers tätig und erreichte bald eine leitende Stellung. Er wurde nach Belgien und Nordfrankreich zum Studium der dort erzielten Fortschritte beim Puddelverfahren entsandt. Nach Beschäftigung in einem Betrieb in Graz (1863–65) wurde K. als Leiter der Baildonhütte, die sein westfälischer Landsmann W. Hegenscheidt erworben hatte, nach Oberschlesien berufen. Aufgrund seiner Erfolge beim Ausbau dieses Werkes bot ihm die Kattowitzer AG für Eisenhüttenbetrieb an, ein neues Hüttenwerk in Oberheiduk aufzubauen und dessen Leitung zu übernehmen. Auf Wunsch K.s erhielt die Anlage den Namen „Bismarckhütte“. Mit großer Energie hat K. sich seiner neuen Aufgabe widmen müssen, weil bald nach Fertigstellung der ersten Bauten die schwere Wirtschaftskrise von 1873 auch die deutsche Eisenhüttenindustrie erfaßte. Trotz mancher Schwierigkeiten entwickelte sich die Hütte durch ständige Verbesserungen und Erweiterungen rasch zu einem vorbildlichen Werk der oberschlesischen Montanindustrie. Ihre Stahlfabrikation, unter anderem der Tiegelgußstahl, wurde weltberühmt. Auch gewann die Herstellung von Bandeisen und insbesondere von Feinblechen eine immer größere Bedeutung. Umfangreich war der Export, wobei – trotz hoher Schutzzölle – Rußland der wichtigste Markt wurde. Auch in Zeiten ungünstiger Konjunktur vermochte die Bismarckhütte, regelmäßig Dividenden zu zahlen.

    K. war auch auf wirtschafts- und sozialpolitischem Gebiet tätig. Er bekämpfte die Freihandelspolitik der Ära Delbrück-Camphausen, wurde durch seine Freundschaft mit Bismarck einflußreich in Zollfragen und war beteiligt an der Wiedereinführung der seit 1873 abgeschafften Eisenzölle. Seine Bemühungen um die Begründung von Eisensyndikaten führten 1886 zur Entstehung des Gauverbandes für Handelseisen in Schlesien und 1888 zur Gründung des Westdeutschen Feinblech-Verbandes. K. war Sachverständiger bei der Ausarbeitung der Handelsverträge mit Rußland, Österreich und Rumänien und wirkte maßgebend an der Patentgesetzgebung des Deutschen Reiches mit. Er war Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Handelskammer zu Oppeln. Für die Arbeiter und Beamten der Bismarckhütte gründete er Pensions-, Kranken- und Unterstützungskassen. Er baute ein Arbeiterkrankenhaus und ein Arbeiterheim. Aus der Werksiedlung entwickelte sich mit der Zeit eine eigene Großgemeinde „Bismarckhütte“, deren Amtsvorsteher, Schulinspektor und Ehrenbürger K. war. – K. trat 1908 von der Leitung der Bismarckhütte zurück, die er seit 1889 gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Emil Marx innehatte, und wurde Mitglied des Aufsichtsrats. Die letzten Jahre verbrachte er in Berlin und Baden-Baden.|

  • Auszeichnungen

    GKR.

  • Literatur

    Kohle u. Erz 3, 1906, S. 656, 5, 1908, S. 437 f., 477 f., 1049;
    Oberschlesien 7, 1908/09, S. 429-32 (P), 12, 1913/14, S. 277 f.;
    R. Martin, Jb. d. Vermögens u. Einkommens d. Millionäre in Preußen, 1912;
    Stahl u. Eisen 33, 1913, S. 1464, 1505 f. (P);
    VDI-Zs. 57, 1913, S. 1569 f. (P);
    Schlesien 7, 1913/14, S. 40;
    A. Friedrich, Oberschles. Industrie-Kapitäne, in: Nord u. Süd 40, 1916, S. 109 f.;
    A. Perlick, Landeskde. d. oberschles. Industriegebietes, 1943, S. 392;
    K. Tanzer, Oberschles. Eisenindustrie, in: Stahl u. Eisen 221, 1952, S. 573;
    A. Perlick, Oberschles. Berg- u. Hüttenleute, 1953;
    H. Backs, in: Westfalenpost v. 15.7.1958 (Sonderbeil.);
    W. Majowski, 100 J. Kattowitz 1865-1965, 1965;
    K. Fuchs, Die Bismarckhütte in Oberschlesien, in: ZUG 15, 1970, S. 255-72 (P);
    ders., W. K. u. seine Bedeutung f. d. oberschles. Blech- u. Eisenindustrie 1870-1908, in: Zs. f. Ostforschung 25, 1976, S. 276-91. |

  • Quellen

    Qu.: Briefe an Bismarck 1893-98 (Friedrichsruh, Bismarck-Archiv).

  • Autor/in

    Alfons Perlick
  • Empfohlene Zitierweise

    Perlick, Alfons, "Kollmann, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 465 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd141609680.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA