Lebensdaten
1579 bis 1657
Geburtsort
Heinsberg (?)
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Buchhändler ; Drucker ; Verleger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 133476456 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kinchius, Johann
  • Kinck, Johann
  • Kinckes, Johann
  • mehr

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Zitierweise

Kinckius, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133476456.html [12.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Severin Kinckys ( vor 1609), aus e. seit langem in K. ansässigen Fam., d. Hausbesitz in d. Kl. Budengasse hatte;
    M Ursula N. N.;
    1) Elisabeth ( 1622), T d. Buchdruckers u. Verlegers Joh. III Gymnich ( 1596, s. NDB VII) u. d. Hieronyma v. Aich, 2) um 1625 Gertrud Wichem;
    2 S, 1 T aus 1), u. a. Joh. Anton ( 1679), Verleger, Drucker u. Buchhändler, Mitgl. d. Gaffel Schwarzhaus, Ratsherr in K., Gertrud ( Johs. Weidenfeld, 1617–61, Buchhändler in K., s. ADB 41);
    E Engelbert ( 1708), Buchhändler in K.

  • Leben

    K. absolvierte eine Lehrzeit im Verlagsunternehmen Gymnich und machte sich nach seiner Heirat 1605 selbständig. Sitz der Firma blieb das Haus des Schwiegervaters, Zum (alten) Einhorn unter Fettenhennen, wo auch Sohn und Enkel ihre Unternehmen betrieben. Als Verleger und Buchdrucker|setzte sich K. für die Förderung der Gegenreformation ein. Enge Beziehungen bestanden zur Kölner Jesuitenniederlassung, die dem als „vir societatis nostrae studiosissimus ac bene de ea plurimis modis meritus“ bezeichneten Mann Aufträge gab. Er genoß auch das Vertrauen der Benediktiner von Groß Sankt Martin, für die er öfters Geldgeschäfte abwickelte. Von der Bedeutung seines Unternehmens gibt das Verzeichnis eine Vorstellung, das K. 1633 veröffentlichte und 1642 um ein Supplement erweiterte. Es enthält 560 Bücher aller Fachrichtungen, die (von Gymnich) geerbt, im eigenen Verlag herausgebracht und von anderen Firmen übernommen waren. Sie standen zum Verkauf auch in einer Niederlassung in Frankfurt/Main. Geschäftliche Beziehungen bestanden zu kölnischen (Johann Crith) und auswärtigen Druckern (Balthasar Lipp, Mainz; Hubert Reulandt, Luxemburg). Viele Verlagserzeugnisse K.s fallen durch geschmackvolle und abwechslungsreiche Kupfertitel auf, für die der Verleger bedeutende Künstler (unter anderem Abraham Hogenberg, Johann Gelle und die Brüder Johann Eckard und Johann Heinrich Löffler) heranzog. In mannigfachen Spielarten begegnet auch das Einhorn als Verlagssignet, das auf den Sitz des Unternehmens hinweist. Daneben verwendete K. auch ein Zeichen mit dem Jesus-Monogramm IHS, das wohl den engen Bindungen an die Kölner Jesuiten zu verdanken ist. Sohn und Enkel hatten ähnliche Marken in Gebrauch. Von 1624 bis zu seinem Tode gehörte K. dem Rat an und bekleidete zahlreiche städtische Ämter. Man darf ihn als den bedeutendsten und rührigsten Verleger Kölns im 17. Jahrhundert bezeichnen.

  • Literatur

    ADB 15 (auch f. Fam.);
    Index librorum apud I. K., civem et bibliopolam Coloniensem prostantium, qui partim hereditario iure ad ipsum transmissi, partim ipsius sumptibus impressi aliundeve comparati, 1633 (mit Suppl. v. 1642);
    J. J. Merlo, Die Buchhandlungen u. Buchdruckereien „Zum Einhorn“ in d. Straße Unter Fettenhennen zu Köln, 1879;
    Benzing, Buchdrucker;
    I. Heitjan, Die Stellung der Buchgewerbetreibenden in der Stadt Köln, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 11, 1971, Sp. 1129-1358.

  • Autor/in

    Severin Corsten
  • Empfohlene Zitierweise

    Corsten, Severin, "Kinckius, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 611 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133476456.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kinckius: Johann K. (Kinchius, Kinckes, Kinch), geb. 1579, 1656, Buchdrucker und Buchhändler zu Köln, heirathete Elisabeth Gymnicus und wurde nach seines Schwiegervaters Tode Inhaber der von den Gymnichern (s. Bd. X, S. 244 ff.) gegründeten altberühmten Firma „zum Einhorn“ (sub Monocerote) in dem Hause Nr. 13 Unter Fettenhennen. 1605 beginnt seine selbständige Wirksamkeit. Mit dem Jesuitenorden, der damals die theologische Litteratur sowie das Schul- und Erziehungswesen fast gänzlich beherrschte, trat K. in sehr nahe Beziehungen und wurde vielfach mit Privilegien für die Herausgabe der von Jesuiten verfaßten Schriften begünstigt. In einem solchen Privilegium ist er mit Anerkennung als „vir societatis nostrae studiosissimus ac bene de ea plurimis modis meritus“ bezeichnet. Das Verzeichniß seines Verlages ist so zahlreich, daß er darin weder von einem älteren noch späteren Kölner Buchhändler erreicht wird. v. Büllingen macht über 560 Werke namhaft, und sicher ist noch manches seiner Kunde entgangen. Viele bedeutende Werke befinden sich darunter. Häufig sind sie mit hübschen Titelblättern in Kupferstich geschmückt, wofür er die Stecher Abraham Hogenberg, Johann Gelle, Emanuel a Wehrbrun und die Brüder Joh. Eckhard und Johann | Heinrich Löffler beschäftigte. Drei der von letzterem ausgeführten Platten sind nach Zeichnungen des Malers Joh. Hulsman, darunter ist besonders nennenswerth der figurenreiche Foliotitel zu S. P. Bernardi Opera, studio et labore Jacobi Merloni Horstii. Dieses 1641 erschienene Werk ist zugleich eines der wichtigsten seines Verlags und hat seinen Werth bis zur Gegenwart behauptet. Auch das von Löffler gestochene Titelblatt zu Mallinckrot's 1639 erschienenem Werke De ortu et progressu artis typographicae ist beachtenswerth; es zeigt die Bildnisse des „JoanGutenbergis“ und „Joh. Faustus“ und die untere Abtheilung gewährt den Einblick in eine typographische Officin nach damaliger Einrichtung, wo Setzer, Drucker und Corrector in Thätigkeit sind, und führt uns vielleicht in des Verlegers eigene Druckerei. Zu seinen werthvollsten Unternehmungen gehört ferner Hermann Crombach's 1654 erschienener Foliant Primitiae gentium seu Historia SS. trium regum. Eine erfreuliche Wahrnehmung bietet der Umstand, daß K. seine Pressen so bereitwillig den vaterländischen, der alten Erzdiöcese Köln angehörigen Schriftstellern dargeboten und Werke ihres Geistes in Verlag genommen hat, z. B. von Franz Agricola, Johann Bilstein, Jacob Canisius, Adam Contzen, Hermann Crombach, Peter Cutsem, Michael Cuvellier, Anton Dulckenius, Georg Garnefeldt, Arnold Havens, Johann Hasius, Mathias Kinckius (Johanns Bruder), Adam Lutz genannt Brewer, Albert Malberg, Joh. Friedr. Mathenesius, Jacob Merlo-Horstius, Peter Ricolartz, Theodor Petreius, Joh. Roberti, Heinrich Rupäus, Maximil, Sandäus, Wilhelm Staben. Peter v. Streithagen. Wilh. v. Wolff-Metternich u. A. Er beschäftigte auch auswärtige Druckereien, besonders die des Balthas. Lippius in Mainz und des Hubert Reulant in Luxemburg. Auf den verschiedenen Signeten in Holzschnitt und Kupferstich, deren er sich bediente, pflegt das Einhorn nicht zu fehlen; zuweilen halten zwei dieser bedeutungsvollen Thiere sein Familienwappen, in welchen ein aus Wolken hervorgehender Arm eine Heugabel hält. Von Kaiser Ferdinand wurde K. geadelt, die Ritterzunft Windeck sandte ihn als Rathsherrn in den Senat der Stadt und von diesem wurde er durch die Erhebung zum Stimmmeister ausgezeichnet. Er starb, nachdem er sein Alter auf 77 Jahre gebracht hatte, als ein hochangesehener Mann und hinterließ drei Kinder, zwei Söhne, wovon der jüngere ein Canonicat im St. Gereonsstifte erhielt, und eine Tochter. Der ältere Sohn, Johann Anton K., wurde ebenfalls Buchhändler und bezog das Nebenhaus Nr. 15, wo er ein selbständiges Geschäft führte. Auch er wurde in den Rath gewühlt und zwar mit dem höheren Range eines Gebrauchs- oder Gebrechsherrn, die man die vornehmen Rathsherren nannte. Ein vielgelesenes Werk aus seinem Verlage ist die Historia nostri temporis von Chr. A. Thulden, im Anschlusse an eine ähnliche Arbeit von Adolph Brachel; sie wurde von Heinr. Bremer nachmals fortgesetzt und umfaßt eine Reihe von Bänden mit vielen Bildnissen in Kupferstich. Auch war ein Theil des väterlichen Verlags ihm überwiesen worden, darunter die Opera Bernardi, wovon er 1659 eine neue Ausgabe veranstaltete. Nach seinem 1680 erfolgten Tode hat seine Wittwe, Maria Richmud Dulman, die Buchhandlung fortgesetzt; Adressen von 1683 und 1686 lauten: Cölln in Verlegung Wittib und Erben Joannis Antonii Kinchii. Nach ihrem Tode ging das Geschäft auf ihren Sohn Johann Engelbert K. über, der 1708 gestorben ist und einen nur unbedeutenden Verlag aufzuweisen hatte. Mit ihm schwindet der Name aus Kölns Typographengeschichte. Im alten Einhornhause aber hat, nach dem Hinscheiden des Johann K. im J. 1656, Johann Widenfeldt, der Gatte seiner Tochter Gertrud, das blühende Geschäft unter seinem eigenen Namen fortgeführt.

    • Literatur

      Merlo, Die Buchhandl. und Buchdruck. zum Einhorn in Köln, 2. Aufl. v. Büllingen, Geschichte der Kölner Typographen und Verleger, Handschrift im Stadtarchiv.

  • Autor/in

    J. J. Merlo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Merlo, J. J., "Kinckius, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 741-742 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133476456.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA