Lebensdaten
1513 bis 1584
Geburtsort
Verden
Sterbeort
Bremen
Beruf/Funktion
Bürgermeister von Bremen
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 119727641 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kenckel, Detmar
  • Kenkelius, Ditmarus
  • Cenckel, Detmar
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Zitierweise

Kenckel, Detmar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119727641.html [18.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Verdener Kaufm.- u. Ratsfam.;
    V Diedrick (1481–1531), Kaufm. u. Bgm. in V., S d. Ratmanns Detmar in V. u. d. Adelheid Gröning;
    M Gebeke Speken (1494–1564);
    Ov Cord ( 1530), nach B. übergesiedelt, 1495 Ratmann;
    Vt Cord ( 1564), Ratmann in B.;
    - Bremen 14.12.1539 Anna (1517–78), T d. Ratmanns Tile von Cleve ( 1549) in B. u. d. Wubke von Büren;
    5 S, 7 T, u. a. Diedrik (1540–79), Kaufm. in Antwerpen, Tilemann (1543–82), Ratssekr. in Lübeck (s. ADB 15).

  • Leben

    Nach anderthalbjähriger Schülerzeit in Bremen und Braunschweig ging K. 1529 an die Universität Wittenberg, wo er vor allem Luther und Melanchthon hörte. Nach dem frühen Tode des Vaters verzichtete er indes 1531 auf einen gelehrten Beruf, um daheim der Mutter in der Führung des Geschäftes beizustehen. Dann übersiedelte er zu seiner Verwandtschaft nach Bremen, wo er 1539 das Bürgerrecht erwarb, durch Heirat in den|Kreis der Ratsfamilien eintrat und ein Kaufmannsgeschäft, insbesondere den Tuchhandel, betrieb. 1549 wurde K. zum Ratmann, 1554 zum Bürgermeister gewählt. 1553 war er Mitglied einer hansischen Gesandtschaft, die bei der Königin Maria von England um die Wiederherstellung der Rechte des Londoner Stalhofes nachsuchte. 1554 legte er als Vertreter des Rates den Streit Herzog Heinrichs von Braunschweig mit der Stadt Bremen bei. Vor allem aber erreichte er damals auf zwei Reisen nach Brüssel die Aussöhnung Bremens mit Kaiser Karl V. und damit nach 7 Jahren die formelle Beendigung des Schmalkaldischen Krieges für die Hansestadt.

    Im Richtungsstreit der orthodox lutherischen Bremer Pfarrgeistlichen mit dem melanchthonisch gesinnten Domprediger Albert Rizäus Hardenberg nahm K. wie die Mehrheit des Rates gegen letzteren Partei und wirkte daraufhin, daß er 1561 durch den Kreistag von Braunschweig des Niedersächsischen Kreises verwiesen wurde. Die durch die klerikale Intoleranz hervorgerufene Polarisierung der theologischen Standpunkte führte allerdings zu einem politischen Gegenschlag der Ratsminderheit unter Führung des Bürgermeisters Daniel von Bürendes Jüngeren , eines Anhängers und Förderers Hardenbergs, hinter dem die Mehrheit der Bürger stand. Die Absetzung der orthodoxen Geistlichen durch die Partei Bürens beantwortete die Ratsmajorität, indem sie – so auch K. – im Frühling 1562 heimlich aus der Stadt wich und fortan jahrelang bei Kaiser und Reich wie auch bei dem Niedersächsischen Kreis und der Hanse gegen das „Ketzernest“ Bremen agitierte. K., der sich für 6 Jahre in Oldenburg niederließ und von dort aus sein Geschäft mit Hilfe seiner daheim gebliebonen Ehefrau leitete, bekämpfte die inzwischen verhanste Stadt Bremen und ihren neuen Rat nicht nur publizistisch durch eine Reihe von Flugschriften, sondern vertrat die Ausgewichenen auch mit einigen Parteigängern 1566 auf dem von Kaiser Maximilian II. nach Augsburg berufenen Reichstage. Er konnte freilich nicht verhindern, daß es zu der Erneuerung einer schon 3 Jahre zuvor eingesetzten kaiserlichen Fürstenkommission kam, die im März 1568 in Verden zwischen den Parteien einen Schlichtungsvertrag vermittelte. Dieser besiegelte die Niederlage der Ausgewichenen und den endgültigen Sieg der melanchthonischen Richtung Bürens, einer theologischen Position, aus der Bremen später ohne starken Bruch zum Kalvinismus übergehen konnte.

    Durch den Verdener Vertrag seines Ehrenamtes für immer verlustig gegangen, ist der „affgestanden Borgermeister“ Kenckel – so sein Epitaph –, der durch sein kompromißloses Festhalten am orthodoxen Luthertum das meiste zu dieser in Niedersachsen ungewöhnlichen kirchenpolitischen Entwicklung Bremens beigetragen hatte, im Mai 1568 nach Bremen zurückgekehrt und hat hier, ohne erneut öffentlich hervorzutreten, als einfacher Bürger fortan seinen Geschäften gelebt.

  • Werke

    Zahlr. z. T. ungedr. theol. Streitschrr., großenteils zitiert b. H. W. Rotermund, Lex. aller Gel., die seit d. Ref. in Bremen gelebt haben etc., 1818, S. 235 f. (d. dort gen., früher als Ms. im Staatsarchiv Bremen verwahrte Hist. d. Brem. Rel.händel ist durch Kriegsfolge verschollen).

  • Literatur

    ADB 15;
    H. Smidt, Aus D. K.s Nachlaß, in: Brem. Jb. 7, 1874, S. 1-67;
    H. Entholt, Bgm. D. K., ebd. 30, 1926, S. IX-XI (P).

  • Portraits

    Medaillon (Brustbild) am unteren Abschluß d. Epitaphs (Bremen, St.-Ansgarii-Kirche).

  • Autor/in

    Karl H. Schwebel
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwebel, Karl H., "Kenckel, Detmar" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 490 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119727641.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kenckel: Detmar K. ist als Bürgermeister von Bremen in den Hardenbergischen Wirren und durch sein Ausweichen aus der Stadt nach dem Siege des Calvinismus bekannt geworden. Er stammte aus einer angesehenen Familie Verdens, sein Vater, der Bürgermeister Dietrich, war zugleich Kaufmann, der Großvater, Bürgermeister Detmar, hatte in Rostock studirt. Er selbst, geb. am 9. October 1513, hatte eine ausgezeichnete Erziehung genossen, in Wittenberg studirt und Luther und Melanchthon gehört, dann nach des Vaters Tode 1531 dessen Geschäft neben der Mutter übernommen. Durch seine Heirath mit Anna, der Tochter des Bremer Bürgermeisters Thile van Cleve, kam er 1539 nach Bremen, wo er ein Großhandelsgeschäft namentlich in Wolle, Wachs und Honig, daneben auch einen Kleinverkauf hielt. Seine Verbindungen reichten von Antwerpen bis Pommern, auch weit ins Hinterland. 1555 ward er wider seinen Willen nach seines Schwiegervaters Tode Bürgermeister. Schon 1553 sandte ihn der Rath mit Lübecker, Hamburger, Kölner und Danziger Rathsherrn zur blutigen Maria nach England, wo er eine Erneuerung der hansischen Stahlhofprivilegien erwirkte. 1554 vertrug er die Stadt mit Heinrich dem Jüngern von Braunschweig von den Wurster und Schmalkaldischen Kriegen her und erlangte am 6. December für den letzteren Krieg die Gnade Kaiser Karls V. für Bremen ohne Opfer. 1559 regelte er mit Hamburg die Kornausfuhr von der Unterelbe, und auf dem Hansetage in Lübeck mit dem Deutschmeister von Livland, Gotthart Kettler, die Verhältnisse der Bremischen Komthurei. Als 1560 der Bremer Religionsstreit zwischen Hardenberg und den Stadtpredigern durch Tilemann Heshusius zur ärgsten Verbitterung gedieh, hatte K., der die „Wittenborgisken Scriften“ selber kannte, zunächst in melanchthonischer Weise einen Mittelweg gesucht; vertrat aber, als dieser verworfen war, mit eiserner Energie den strengsten lutherischen Standpunkt. Als daher nach dem Braunschweiger Kreistage vom 8. Februar 1561 Hardenberg als Sakramentirer am 18. die Stadt hatte verlassen müssen, brach am 19. Januar 1562 der Aufstand, an dessen Spitze der Bürgermeister Daniel van Büren stand, gegen den starr lutherischen Theil des Rathes und namentlich gegen K. los, der am 24. März mit anderen Rathsgliedern aus der Stadt wich, zunächst zum Hofe des Erzbischofs Georg nach Verden, von dort Michaelis nach Oldenburg. Hier nahm K., hochgeehrt vom Grafen Anton, seinen Wohnsiß und führte nachdrücklich die Sache des alten Raths. Er brachte Bremen aus der Hanse, erschien im Auftrage jenes 1566 auf dem Reichstage zu Augsburg und verhandelte persönlich mit Maximilian II., der indessen die Sache gütlich durch Kurfürst August von Sachsen zum Austrag zu bringen suchte. Obwol die Bürgerschaft sich aus Furcht vor Kenckel's Rückkehr heftig sträubte, gelang der Vergleich doch am 25. Februar 1568 zu Verden, worauf K. nach Bremen zurückkehrte und still seiner Familie und seinem Geschäfte lebte, das seine tüchtige „leve Anne Fruwe“ während seines „Exils“ tapfer und treu verwaltet hatte. Am 19. Februar 1584 starb er. Von scharfem Kopf, eisernem Willen, freundlichen und humanen Umgangs selbst mit seinen Gegnern war er|wegen seiner Geschäftskenntniß, seiner großen Verbindungen und seiner scharfen Feder bei der feindlichen Partei gefürchtet; streng religiös, gewissenhaft bis zum Opfer seiner eigenen Persönlichkeit, an Luther's strenger Lehre mit Liebe und aus Ueberzeugung festhaltend, führte er den Streit gegen den Durchbruch der reformirten Lehre in Bremen rücksichtslos vor Kaiser und Reich und in ausgehenden Druckschriften. Erst neuerdings ist klar geworden, daß ihm persönlich das Verketzern der Pastoren keine Freude war, bis dahin galt er für den ärgsten Hetzer, namentlich nach seinem „Gespräche vom Bremischen Lärmen“, das 1562 in Oldenburg erschien und später fortgesetzt wurde. Er hat ein für seine Biographie wichtiges Hausbuch hinterlassen und der noch vorhandene Rest seines höchst interessanten Geschäfts- und Familienbriefwechsels zeigt eine klassische Beherrschung seiner niederdeutschen Muttersprache und ist eine wichtige Fundgrube für die Geschichte des häuslichen Lebens und der damaligen Erziehung. Der im Briefwechsel oft genannte, dem gelehrten Stande gewidmete, in Rostock wesentlich durch Nathan Chytraeus gebildete Sohn Tilemann K., geb. am 17. Decbr. 1543, inscribirt in Rostock 1562, nachher in Leipzig, den Niederlanden, Paris, wurde vermuthlich vom Herzoge Johann von Holstein 1576 zur Hülfe für seinen Kanzler Georg Beyer angestellt, am 19. April 1581 wurde er Rathssecretär in Lübeck, in Regensburg oder Wien 1582.

    • Literatur

      Dr. H. Smidt, Aus Detmar Kenckel's Nachlaß, im Bremischen Jahrbuch VII, ibid. IV. (Pratje), Herzogth. Bremen und Verden VI, 23—36. Allg. d. Biogr. III, 582 s.; X, 558 f. Rotermund.

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Kenckel, Detmar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 601-602 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119727641.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA