Lebensdaten
erwähnt 1039, gestorben 1058 oder 1060
Sterbeort
Essen
Beruf/Funktion
Äbtissin von Essen und Gerresheim
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123983444 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Theophanu

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Zitierweise

Theophanu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123983444.html [12.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. lothring.-rhein. Geschl. d. Ezzonen (s. NDB IV);
    V Ezzo, Pfalzgf. v. Lothringen (um 955–1034, s. NDB IV; LexMA);
    M Mathilde (978–1025, s. LexMA), T d. Ks. Otto II. (955–83, s. NDB 19) u. d. Ksn. Theophanu ( 991, s. NDB 26);
    Om Ks. Otto III. (980–1002, s. NDB 19), Tante-v Adelheid (977–1043), Äbtissin d. Stifte Quedlinburg, Gernrode, Frohse u. Vreden sowie Gandersheim (s. NDB I), Tante-m Sophia ( 1039), Äbtissin v. Gandersheim u. E. (s. NDB 24);
    3 B Liudolf (Ludolf) ( 1031), Vogt d. Abtei Brauweiler, Otto, Pfalzgf. v. Lothringen, seit 1045 Hzg. v. Schwaben ( 1047, s. ADB 24; beide s. NDB IV in Art. Ezzonen), Hermann II., Ebf. v. Köln ( 1056, s. NDB VIII; LexMA), 6 Schw Richeza, Kgn. v. Polen (um 995–1063, s. NDB 21), Adelheid ( vor 1011), um 1003 Äbtissin v. Nivelles (Brabant), Heylwig ( 1076), Äbtissin v. St. Quirin in Neuß, Mathilde ( wohl 1051/57), Äbtissin v. Dietkirchen u. Villich b. Bonn, Sophia ( 1045/58), Äbtissin v. St. Maria ad Gradus in Mainz, Ida ( 1060), Nonne in St. Maria ad Gradus in Köln, vor 1038 Äbtissin v. St. Maria in Gandersheim, 1049 Äbtissin v. St. Maria im Kapitol in Köln.

  • Leben

    T. trug den Namen ihrer ksl. Großmutter und dürfte damit eine der älteren Töchter von Pfalzgf. Ezzo von Lothringen und dessen Frau Mathilde gewesen sein. Sie wurde mithin einige Jahre vor 1000 geboren, aber wohl nach Richeza, die in der „Fundatio monasterii Brunwilarensis“ als „primogenita“ bezeichnet ist. Urkundlich belegt erscheint T. erstmals 1037 anläßlich einer Neuordnung des ezzon. Erbes. 1039 folgte sie ihrer Tante Sophia als Äbtissin des Frauenstifts Essen; alles spricht dafür, daß sie bereits in deren Amtszeit Sanctimoniale in Essen war. Auch T.s Mutter Mathilde hatte vor ihrer Heirat offensichtlich als Sanctimoniale in Essen gelebt. Das Stift Essen war über die Äbtissinnen mit dem otton. Kaiserhaus eng verbunden; mit dem Abbatiat der T. in Essen traten die Ezzonen das Erbe der Ottonen an – ein Erbe, das sich zudem aus ezzon. Vogteirechten für den linksrhein. Besitz des Stifts speiste. T. selbst verstand sich als (letzte) Essener Äbtissin aus otton. Hause. Wie aus dem wahrscheinlich von ihrer Schwester Ida geschenkten Hidda-Evangeliar für die Zeit zwischen 1056 und 1058 hervorgeht, amtierte T. zugleich als Äbtissin in Gerresheim, dies wohl jedoch auch schon früher. Zudem war zu dieser Zeit die Propstei des von Essen aus gegründeten Frauenstifts in Essen-Rellinghausen mit dem Abbatiat T.s verbunden. Das Essener Stift selbst gehörte seit otton. Zeit zu den vornehmsten Frauengemeinschaften des Reiches. Eine nachhaltige Bedeutung T.s für die Reichspolitik ist nicht belegbar, doch sind mit Herkunft und Amt enge Kontakte zum Hof naheliegend. Auf ihre Bitten und die Intervention von Ebf. Hermann von Köln, ihres Bruders, erwirkte sie 1041 von Kg. Heinrich III. Marktrecht für den Ort Essen. 1051 wird eine Neuordnung des ezzon. Besitzes auf Betreiben nur der Geschwister Hermann, Richeza und T. vorgenommen.

    Die Brauweiler Fundatio bezeichnet T. als Frau von „männlicher Tatkraft“, eine Formulierung, die eine Charakterisierung der Ksn. Theophanu bei Thietmar v. Merseburg aufgriff. Wesentliche und bleibende Leistung T.s ist die Fertigstellung des Essener Münsterkirchenbaus mit der Errichtung der Außenkrypta und eines neuen Chorabschlusses; dieser wurde erst nach einem Brand 1275 durch einen Neubau um 1300 abgelöst. Eine Weiheinschrift in der Krypta von 1051 nennt T. als Bauherrin und die Weihe durch Ebf. Hermann, ihren Bruder.

    Für T. war die mütterliche Herkunft aus dem otton. Königshaus von entscheidender und prägender Bedeutung; so nennt eine beschriftete Grabplatte aus der östlich der Krypta angebauten Grabkammer für T. nicht nur als Todestag einen 4. März, sondern identifiziert die Äbtissin als Enkelin Ks. Ottos II. und Tochter Mathildes, verschweigt damit aber die väterliche Abstammung. Neben dieser Grabplatte bezeugen weitere, heute in der Domschatzkammer bewahrte Objekte die Sorge T.s um ihr Totengedenken und zugleich ihr Selbstbewußtsein sowie Repräsentationsbedürfnis: ein Evangeliar mit einem Prachteinband aus Goldblech und einer Elfenbeintafel mit der figürlichen Darstellung und namentlicher Nennung T.s in Dedikationshaltung, ein Kreuz (durch Stifterinschrift eindeutig identifizierbar), ein Kreuznagelreliquiar und mit großer Sicherheit das sog. jüngere Mathildenkreuz, wahrscheinlich auch der heute verlorene Marsusschrein. Hinzu kommt die Schenkung eines ebenfalls verlorenen Kreuzes für den Konvent in Rellinghausen.

    Von einzigartiger Bedeutung ist die Memorialurkunde, mit der T. Totengedenken und Memoria für das Jahr nach ihrem Tod regelte. Die Urkunde gehört zu den ältesten von einer Frau ausgestellten Privaturkunden des europ. Mittelalters. Minutiös werden liturgische Leistungen für das Seelengedenken in der Essener Stiftskirche und in den vom Stift abhängigen Kapellen Essens sowie in Gerresheim und Rellinghausen festgelegt und finanziert, ferner Leistungen an Arme im liturgischen Rhythmus des Jahres sowie Kerzenspenden und Nachtlichter.

  • Quellen

    Qu H. Pabst, Die Brauweiler Gesch.qu., in: Archiv d. Ges. f. ältere dt. Gesch.kde. 12, 1874, S. 80–200 (darin: Ed. d. Fundatio monasterii Brunwilarensis S. 147–92); Essener Urk.b., Regg. d. Urkk. d. Frauenstifts Essen im MA, 1: Von d. Gründung um 850 bis 1350, bearb. v. Th. Schilp, 2010.

  • Literatur

    L K. G. Beuckers, Die Ezzonen u. ihre Stiftungen, Eine Unters. z. Stiftungstätigkeit im 11. Jh., 1993; T. Fremer, Äbtissin T. u. d. Stift Essen, Gedächtnis u. Individualität in otton.-sal. Zeit, 2002;
    K. Lange, Die Krypta d. Essener Stiftskirche, Heurist. Überlegungen zu ihrer architekton.-liturg. Konzeption, in: Essen u. d. sächs. Frauenstifte im FrühMA, hg. v. J. Gerchow u. Th. Schilp, 2003, S. 161–84; B. H. Gass, Das T.-Evangeliar im Essener Domschatz (Hs. 3), in: … wie das Gold den Augen leuchtet, Schätze aus d. Essener Frauenstift, hg. v. B. Falk, Th. Schilp u. M. Schlagheck, 2007, S. 169–88; C. Horch, … pro commemoratione animae meae distribuenda …, Die Memorialurk. d. Äbtissin T., in: Pro remedio et salute anime peragemus, Totengedenken am Frauenstift Essen im MA, 2008, S. 191–212 (L);
    BBKL 21; Braunschweig. Biogr. Lex. II.

  • Portraits

    P Dedikationsbild auf d. Buchdeckel d. T.-Evangeliars, Goldblech (Essener Domschatz), Abb. in: … wie das Gold den Augen leuchtet (s. L), S. 98, Abb. 2.

  • Autor/in

    Thomas Schilp
  • Empfohlene Zitierweise

    Schilp, Thomas, "Theophanu" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 99-100 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123983444.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA