Lebensdaten
1637 bis 1704
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Rechenmeister
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 123909279 | OGND | VIAF: 37837499
Namensvarianten
  • Arithmeticus (Beiname)
  • Heins, Valentin
  • Arithmeticus (Beiname)
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Zitierweise

Heins, Valentin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123909279.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Albert, Leineweber, seit 1636 Bürger in H.;
    M N. N.; Verwandter Paul v. Klingenberg, schleswig-holstein. Gen.postmeister;
    - 1) Hamburg 1660 Catharina (1637–82), T d. Bäckers Jürgen Schar in H. u. d. Dorothea Relow, 2) ebd. 1683 Catharina (1647–91), T d. Brauers Ludemann Gevers in H.;
    5 S, 6 T aus 1), 2 S, 2 T aus 2);
    E Anton (1716–1804), Arzt in H. (s. BLÄ).

  • Leben

    H. blieb seiner bescheidenen Herkunft zeitlebens eingedenk, obwohl er zuletzt ein hochgeachteter Experte der kaufmännischen Rechenkunst war. Er verdiente sich bereits mit 14 Jahren Geld durch Unterricht und bildete sich dabei selbst in der Kunst der kaufmännischen Rechnung, der Buchführung und des Schönschreibens aus. Er studierte kurz Theologie in Leipzig und Jena, legte jedoch kein Examen ab. 1662 erhielt er eine Vikarie am Dom (das heißt eine jährliche Dotation) und verdiente 1661-72 seinen Unterhalt durch kaufmännischen Unterricht sowie Buchführung für die „Glückstadter Afrikanischer Gesellschaft“. Er wurde 1670 (das heißt 2 Jahre, bevor die Gesellschaft einen Verlust von 1 Million Mark feststellte und sich auf ihr rein juristisches Fortbestehen einschränkte) Rechenmeister an der Sankt Michaelis-Kirchenschule und behielt diese Stellung bis zu seinem Tode. Mit Heinrich Meißner, seinem Kollegen von der Sankt Jacobi-Kirchenschule, begründete er 1690 die „Kunst-Rechnungsliebende Societät“, die 1940 als „Mathematische Gesellschaft in Hamburg“ ihr 250jähriges Jubiläum feierte. Außerdem betätigte er sich als Verfasser von mathematischen sowie für die kaufmännische Praxis bestimmten Büchern und Schriften, in die er selbstverfaßte Verse einstreute. Sein „Gazophylacium Mercatorioarithmeticum, das ist: Schatzkammer der kauffmännischen Rechnung“, wurde bis 1779 sechsmal neu aufgelegt. Es verdrängte ältere Bücher dieser Art, da es aus der Praxis zahlreiche Beispiele brachte. H. verwertete unter anderem die als Sekretär der Gesellschaft gemachten Erfahrungen; daher ist das Buch für die Handelsgeschichte noch heute aufschlußreich. Obwohl mit allen Finessen des Handels- und Geldverkehrs vertraut, trat H. noch für das lutherische Ideal der Selbstgenügsamkeit ein.

  • Literatur

    ADB XI;
    A. Schönherr, Der Stand d. kaufmänn. Bildung u. d. Hamburger Rechenmeister, Diss. Hamburg 1927, Teildr. 1926;
    H. Stange, Die Jacobi-Kirchenschule u. ihre Lehrer, 1934;
    H. Sieveking, Die Glückslädter Guineafahrt im 17. Jh., in: Vj.schr. f. Soz.- u. Wirtsch.gesch. 30, 1937, S. 19-71;
    ders., Zur Entstehung u. Verbreitung d. doppelten Buchführung, in: Mitt. aus d. handelswiss. Seminar d. Univ. Zürich NF 75, 1944, S. 7-32;
    H. Schimank, in: FF 16, 1940, Nr. 29/30, S. 338 f. (P);
    ders., Die Kunst-Rechnungsliebende Societät, in: Mitt. d. Math. Ges. in Hamburg 8, Festschr., T. III, 1941, S. 22-50 (W-Verz., P);
    P. E. Schramm, Kapitalist. Streben u. d. Ideal d. Genügsamkeit im Widerstreit, Das kaufmänn. Lehrb. d. Rechenmeisters V. H. 1686, in: Kaufleute zu Haus u. üb. See, Hamburg. Zeugnisse d. 17., 18. u. 19. Jh., 1949, S. 119-33;
    ders., Die Vorfahren d. Hamburger Ratsherrn Jakob Krohn (1711–75), in: Zs. f. Nd.sächs. Fam.kde. 30, 1955, S. 14 ff.;
    Schröder (W).

  • Portraits

    Stiche v. J. Wichmann u. C. Fritsch n. verlorenem Bild v. M. Florien, v. J. Wichmann nach verlorenem Bild v. V. Neukrantz, Abb. in: FF 16, 1940, S. 338.

  • Autor/in

    Percy Ernst Schramm
  • Empfohlene Zitierweise

    Schramm, Percy Ernst, "Heins, Valentin" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 436 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123909279.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heins: Valentin H., Arithmeticus, geboren zu Hamburg am 15. Mai 1637, eines fleißigen Leinwebers strebsamer Sohn. — Was ein Haken werden will, krümmt sich bei Zeiten; der eifrige Jünger der vier Species hatte schon im 14. Lebensjahre so viel Zahlenkenntnisse gesammelt, daß er sich das tägliche Brot durch gründliches Unterrichten im kaufmännischen Rechnen erwerben konnte. Eigentlich aber steuerte er der Theologie zu, weshalb er neben der Mathematik auch die elassischen Sprachen autodidaktisch erlernte, und im J. 1658 die Universität Leipzig besuchte; auch in Jena studirte er, mußte aber schon im Jahre 1659 beim Mangel genügender Stipendia als halbfertiger Theolog nach Hamburg zur Rechnungskunst zurückkehren, welcher er sodann zeitlebens treu blieb. Seit er im J. 1670 bestallter Rechnenmeister der St. Michaeliskirchenschule und daneben Buchhalter der afrikanischen Handelsgesellschaft in Hamburg geworden war, galt er als eine infallible Autorität in Rechnungssachen, deren verzwickteste Fälle ihm zu wahren Lusterempeln wurden. Glücklich pries sich der Kaufmannslehrling, der sich seiner Unterweisung erfreuen durfte. Und wer solcher Auszeichnung nicht genoß, der studirte desto eifriger die Lehrbücher des großen Meisters. Seit dem J. 1686 edirte er nämlich eine Reihe classischer Werke der höheren Rechnungskunst, die sich (1693) für Eingeweihte zu wahren „mercatorisch-arithmetischen Delicien“ steigerten, worauf 1694 sein unsterbliches Hauptwerk folgte, das „Tyrocinium Mercatorio-Arithmeticum“, die Grundlegung der kaufmännischen Rechnung, ein unzählige Male neu aufgelegtes, nachgedrucktes und von auswärtigen Concurrenten geplündertes, in allen Schulen Hamburgs und Umgegend eingeführtes Rechnenbuch, das im Laufe der Zeit von vielen Generationen angehender Kaufleute erfolgreich benutzt wurde. Auch in der decorativen Schönschreibekunst leistete H. Großes, wie einige gedruckte Anleitungen zur Formation einzügiger Initialen darthun. An seinen theologischen Jugendtraum mahnte nur entfernt der Besitz seiner kleinen Pfründe als Domvicar, übrigens war er voll und ganz der Rechnungskünstler wie er sein soll. Noch erlebte der allgemein|verehrte Mann die Freude, einen Sohn unter seinen 15 Kindern als fertig gewordenen Theologen, nämlich als ordinirten Prediger zu begrüßen, dann segnete er diese Welt mit allen ihren Lebens- und Rechnungsproblemen am 17. Novbr. 1704. Als Mitglied der kunstübenden mathematischen Societät in Hamburg führte er den Beinamen „der Hoffende“. Bekannter aber war und blieb er unter seinem ehrlichen Tauf- und Familiennamen. Denn noch nach 150 Jahren gebrauchte man denselben sprüchwörtlich als autoritative Betheuerung einer Rechnungsrichtigkeit, indem man sagte: „3 mal 3 thut 9 nach Valentin H.“ — oder gar gereimt: „3 von 4 bleibt Eins, nach Valentin Heins“.

    • Literatur

      Hamb. Schriftstellerlexikon, Bd. III. S. 153 und die daselbst S. 155 genannten Quellen.

  • Autor/in

    Beneke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beneke, Otto, "Heins, Valentin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 650-651 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123909279.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA