Lebensdaten
um 1490 - 1525
Geburtsort
Giebelstadt bei Würzburg
Beruf/Funktion
Bauernführer ; Reichsritter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118694480 | OGND | VIAF: 35250813
Namensvarianten
  • Geier, Florian
  • Geier von Giebelstadt, Florian
  • Geyer, Florian
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Zitierweise

Geyer, Florian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694480.html [03.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus fränk. Adelsgeschl. (erloschen 1708);
    V Dietrich ( 1492), auf G., S d. Balthasar, auf G., u. d. Cecilie v. Vestenberg;
    M Anna, T d. Sebastian v. Seckendorf (tot 1496), auf Dettelsau usw., ansbach. Hptm. u. Hofrichter auf d. Gebirg, u. d. Barbara v. Wallenrodt;
    Ur-Gvm Hans v. Wallenrodt ( 1473), kaiserl. Landrichter z. Nürnberg; Urur-Groß-Om Konrad v. Wallenrodt ( 1393), Hochmeister d. Dt. Ordens, Johannes v. Wallenrodt ( 1419), EB v. Riga (1397–1418), Bischof v. Lüttich (seit 1418);
    B Eberhard, Amtmann z. Uffenheim, Erbe G.s;
    Barbara, Schw d. Wilh. v. Grumbach ( 1567);
    1 S, 2 T.

  • Leben

    Nach dem frühen Tod seiner beiden älteren Brüder wurde G. Inhaber des Unteren Schlosses zu Giebelstadt und eines Anteils am Schloß Ingolstadt, beide bei Würzburg, und eines nicht unbeträchtlichen Besitzes in der Umgebung, der meist würzburgischen und brandenburgischen, auch Wertheimer und Rienecker Lehen war. G. reiste 1512-13 aus unbekannten Gründen zum König von England. 1517 wurde er in einem Zinsstreit mit dem Stift Neumünster in Würzburg vom Geistlichen Gericht exkommuniziert und blieb bis zu seinem Tode im Bann. 1519 nahm er als Hauptmann im brandenburgischen Dienst an dem Kriegszug des Schwäbischen Bundes gegen Herzog|Ulrich von Württemberg und der Belagerung des von Götz von Berlichingen verteidigten Schlosses Möckmühl teil. Anschließend trat er auf Empfehlung von Markgraf Casimir von Brandenburg-Kulmbach in den Dienst des Hochmeisters Albrecht von Preußen. Er nahm an dem Krieg gegen Polen teil und führte 1520 die Waffenstillstandsverhandlungen; im Auftrag des Hochmeisters reiste er an den Kaiserhof in die Niederlande und anschließend nach Dänemark. Er begleitete den Hochmeister 1522 zum Reichsregiment nach Nürnberg und nahm, ohne hervorzutreten, 1523 an den Verhandlungen des Schweinfurter Rittertages teil. Im Herbst 1523 begegnet G. als (Hof-)Marschall des Hochmeisters. Er wird ihn auch zur Unterredung mit Luther in Wittenberg 1523 begleitet haben. Auf jeden Fall scheint sich G. früh der neuen Lehre angeschlossen zu haben. Nach Ausbruch des Bauernkrieges schloß er sich Mitte April 1525 als Hauptmann oder Bauernrat den Tauberbauern an, die in der fränkischen Bauernschaft aufgingen. Er machte sich ihr Programm einer Reichsreform und die Forderung, daß sich Adel und Kirche künftig nach gemeinen Bürger- und Bauernrechten halten sollten, zu eigen, ohne daß sich erkennen läßt, wie weit er es selbst beeinflußt hat. Die Bauern verwandten ihn vorwiegend zu Verhandlungen. Er brachte die 9 mainzischen Städte im Odenwald ebenso wie die markgräfliche Stadt Kitzingen und die Reichsstadt Rothenburg zum Anschluß an die Bauern. Am 1. Juni nahm er an dem Bauernlandtag in Schweinfurt teil. Sein Einfluß in der Bauernschaft scheint begrenzt gewesen zu sein. Während der Entscheidungsschlachten von Königshofen und Ingolstadt (2. und 4.6.1525) weilte G. erneut in Rothenburg, um auf Verhandlungen mit Markgraf Casimir zu warten. Aus der Stadt ausgewiesen, wandte er sich nordwärts und wurde im Wald Gramschatz nördlich Würzburg von 2 Knechten seines Schwagers Wilhelm von Grumbach auf Rimpar erstochen. – Durch das Schauspiel Gerhart Hauptmanns (1895) wurde das Bild G.s für weite Kreise geprägt.

  • Literatur

    ADB VIII;
    H. Barge, F. G., 1920;
    G. Franz, Zur Lebensgesch. G.s, in: HV 24, 1929;
    ders., Der dt. Bauernkrieg, 41956;
    W. Benkert, Mitt. z. Lebensgesch. G.s, in: Archiv d. Hist. Ver. f. Unterfranken 69, 1934;
    ders., Der Streit zw. d. Stift Neumünster u. G., in: Archiv f. Ref.gesch. 41, 1948, S. 154-63;
    O. Mühlmann, F. G., in: Württ. Franken NF 28/29, 1954;
    Banniza I;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Autor/in

    Günther Franz
  • Empfohlene Zitierweise

    Franz, Günther, "Geyer, Florian" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 357-358 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694480.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Geier: Florian G., stammte aus einem ausgestorbenen fränkischen Adelsgeschlecht, das eine Burg in Giebelstadt bei Würzburg besaß. Seine Jugend liegt im Dunkel. Er war unter denen, welche Götz von Berlichingen 1519 zu Möckmühl gefangen nahmen. Daß er ein Genosse der Sickingen’schen Unternehmung gewesen sei, ist nur Vermuthung. Als der Bauernkrieg Franken ergriff, übernahm er die Führung der Bauern der Rotenburger Landwehr, dir, untermischt mit einem Fähnlein angeworbener Landsknechte, unter dem Namen der „schwarzen Schaar“ durch kriegerische Zucht und Rüstung sich auszeichneten. Die schwarze Schaar, wie diejenige Jäcklein Rorbach's von Böckingen, schlug sich zu dem „hellen, lichten Haufen Odenwalds und Neckarthals“. An dessen Spitze stand Georg Metzler, ein heruntergekommener Wirth aus dem kurmainzischen Flecken Ballenberg, während Wendel Hipler, ehemaliger Kanzler des Grafen von Hohenlohe, ehrgeizig und gewandt, als geistiges Haupt gelten konnte. Ihm kam es darauf an, den Adel für die Bewegung zu gewinnen, indeß Florian G. es allen an Haß gegen seine Standesgenossen zuvorthat und gelegentlich dafür|sprach, alle Burgen zu brechen und anzubrennen. Es waren diese Schaaren, welche am 16. April 1525 die That von Weinsberg vollbrachten. Sie jagten den Grafen Ludwig, Helfreich von Helfenstein, Obervogt des Ortes, der sich erst jüngst bei Stuttgarts Vertheidigung gegen Herzog Ulrich tapfer betheiligt hatte, unter Pfeifenklang in ihre Spieße und mißhandelten seine Gemahlin, eine natürliche Tochter Maximilians, die ihren zweijährigen Knaben auf dem Arm, um das Leben des Grafen bat. Nach der Einnahme Heilbronns scheint sich G. mit seiner schwarzen Schaar von der übrigen Masse getrennt zu haben, die, wol auf Hipler's Rath, Götz von Berlichingen zum Feldhauptmann wählte. Beide Abtheilungen fanden sich Anfang Mai, verstärkt durch andere fränkische Schaaren vor Würzburg zusammen und machten sich an die Belagerung des Frauenberges. Damals trat G. gegen die Heißsporne im Bauernrath dafür auf, daß man sich mit den Zugeständnissen der Besatzung begnügen möge, drang aber gegen die radical gesinnten Genossen, die er in der Hitze eines Streites „des Teufels Bruderschaft“ nannte, nicht durch (Mittheilung von H. Dr. Henner nach dem Manuscript von L. Fries): Während dessen sollten sehr merkwürdige Entwürfe einer durchgreifenden Reichsreform berathen werden. Von einem Gesinnungsgenossen Frdr. Weigand, kurmainzischem Cellar in Miltenberg, waren Vorschläge dafür bei Hipler angelangt, der einem Kriegsrath in Heilbronn beiwohnte. Als aber das Heer des schwäbischen Bundes unter dem Truchsessen von Waldburg gegen die Bauern heranrückte, mußte man alle Reformpläne aufgeben. Hipler suchte im Neckarthal die Zerstreuten zu sammeln und eilte dann nach Würzburg, um dort Hülfe zu suchen und für die Herstellung der Disciplin zu wirken: Indessen setzte der Truchseß seinen Siegeszug fort. Am 20. Mai wurde bei Neckargartach der gefangene J. Rorbach, an einen Baum gebunden, langsam verbrannt. Am 2. Juni erfolgte die Niederlage der Bauern bei Königshofen. Metzler und Hipler entkamen, wofern der letzte nicht, wie Götz von Berlichingen, schon früher das Heer verlassen hatte. Inzwischen war G., abgeschickt zum Landtag von Schweinfurt, alsdann zu Verhandlungen mit dem Markgrafen Kasimir von Brandenburg, ins Lager zurückgekehrt. Mit der sehr zusammengeschmolzenen schwarzen Schaar nahm er am 4. Juni an dem blutigen Kampfe bei Sulzdorf und Ingolstadt Theil und wußte sich aus dem Schloß Ingolstadt in ein Gehölz zu retten, und hier umstellt Nachts mit ein Paar Getreuen durchzuschlagen. Entschlossen den Kampf nicht aufzugeben, wandte er sich nach dem Haller Gebiet. Aber am 9. Juni wurde er auf dem Speltich, unweit des Schlosses Limburg, von seinem eigenen Schwager, Wilhelm von Grumbach überfallen und mit seinen letzten Anhängern getödtet. Metzler blieb verschollen. Hipler trat noch im September 1525 vor dem Hofgericht in Notweil auf, um einen alten Proceß gegen die Grafen von Hohenlohe weiter zu verfolgen, mußte aber, der Theilnahme am Bauernkrieg beschuldigt, entfliehen. Er soll während des Reichstags von Speier 1526 „mit verstellter Nase und Kleidung“ daselbst erschienen sein um seine Sache zu führen, wurde aber in pfalzgräfliche Gefangenschaft nach Neustadt gebracht und scheint in der Haft gestorben zu sein.

    • Literatur

      Oechsle, Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges, 1830. Bensen, Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken, 1840. W. Zimmermann, Geschichte des großen deutschen Bauernkrieges, 2. A. 1856. Briefe Hipler's in der Geschichte Götz von Berlichingen (Ausg. 1861), S. 413—16, 774, 775. Vgl. Die Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken von Lorenz Fries, hsg. von Schäffler und Henner. Würzburg 1883 ff. und Kluckhohn, Ueber das Project eines Bauernparlamentes in Heilbronn, in Nachrichten v. d. Kgl. Gesellschaft d. W. zu Göttingen, Nr. 7. St.

  • Autor/in

    Stern.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stern, "Geyer, Florian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 502-503 unter Geier von Giebelstadt [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694480.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA