Lebensdaten
gegen 1485 bis 1527 oder 1528
Geburtsort
Solothurn
Sterbeort
Basel (?)
Beruf/Funktion
Zeichner ; Kupferstecher ; Goldschmied ; Zeichner für den Holzschnitt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11869703X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Graf, Urs der Ältere
  • Graf, Urs
  • Graf, Urs der Ältere
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Zitierweise

Graf, Urs, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869703X.html [22.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hug ( 1527/30), Goldschmied in S.;
    M N. N. ( um 1515);
    Halb-B Hans, Goldschmied;
    1511 Sibylla (erw. 1511-36), T d. Hans v. Brunn gen. Scherer ( 1518), Gerbermeister, Mitgl. d. Schlüsselzunft u. d. Gr. Rats in B., u. d. Agnes Tschudy; Schwager Urban v. Brunn ( 1526), Ratsherr;
    S Urs d. J. (1512–60), Goldschmied;
    N Jacob G. ( n. 1578), Goldschmied in S., Bonaventura v. Brunn (1520–91), Bgm. v. B.;
    E Urs G. ( 1596), Maler in S.

  • Leben

    G. ist einer der großen Zeichner der deutschen Renaissance. Wie Dürer ist er Sohn eines Goldschmieds und hat er selber als Goldschmied begonnen; aber im Gegensatz zu Dürer hat er die Sphäre mittelalterlich-handwerklicher Kunstübung nicht verlassen. Seine Zeichnungen, in denen wir heute den weitaus bedeutendsten Beitrag G.s an die Kunst sehen, sind größtenteils beisammen geblieben (heute im Kupferstichkabinett Basel), was darauf schließen läßt, daß sie nicht (wie viele derjenigen Dürers) für Liebhaber und Sammler geschaffen wurden, sondern – von den wenigen erhaltenen Entwürfen für Goldschmiedearbeiten abgesehen – völlig zweckfrei und beiläufig entstanden sind.

    Offenbar noch vor Abschluß seiner Lernzeit als Goldschmied ist G. von Solothurn an den Oberrhein gekommen, zuerst wohl nach Basel, um 1503 nach Straßburg, wo er für den Verleger Knobloch die großformatigen Holzschnitt-Illustrationen zur 1506 erschienenen Ringmannschen Passion schuf. Das dem graphischen Ausdruck besonders günstige künstlerische Klima des Oberrheins hat G. zum Graphiker par excellence werden lassen. Neben seiner Tätigkeit als Goldschmied (1507 bei Lienhart Tribun in Zürich) und zeitweilig auch als Glasmaler (1511 bei Hans Heinrich Wolleb in Basel) wird G. zum wichtigsten Buchillustrator der großen Basler Offizinen (Amorbach, Petri, Froben, Furter etc.) vor der Ankunft der Brüder Ambrosius und Hans dem Jüngeren Holbein aus Augsburg 1515. Neben den Holzschnitt tritt in bescheidenerem Umfang der Kupferstich, wobei G. bezeichnenderweise auch Stiche von Martin Schongauer kopiert. Von G. stammt die früheste datierte Radierung, die wir kennen (1513). In engster Verbindung mit dem Goldschmiedehandwerk, für das er 1512 in der Basler Zunft zu Hausgenossen die Meisterschaft erlangt, entstehen mehrere Niello-Drucke. Das innere Schwergewicht der künstlerischen Tätigkeit liegt aber bei den Zeichnungen. Außerdem scheint G. auch als Maler gearbeitet zu haben, wie aus einem 1518 amtlich aufgenommenen Inventar seiner Habe zu schließen ist; für die Zuschreibung einiger weniger Gemälde an G. bildet „Das wilde Heer“ (Kunstmuseum Basel), das in Basilius Amerbachs Sammlungs-Inventar von 1586 als Werk G.s aufgeführt ist, den Ausgangspunkt. Trotz dieser intensiven Tätigkeit als „freier“ Künstler ist er dem Handwerk treu geblieben. 1519 wird er gar Münzeisenschneider der Basler Silbermünze.

    Während uns vom Schaffen G.s als Goldschmied, Glasmaler und Münzeisenschneider nur dürftigste Spuren erhalten sind, besitzen wir von ihm weit über 400 Holzschnitte, etwa 20 Kupferstiche, Radierungen und Niellen und gegen 200 Zeichnungen. In diesen letzteren – es sind, neben einigen Silberstift-, fast ausschließlich reine Federzeichnungen – hat der Künstler auch ein Zeitbild von unvergleichlicher Intensität geschaffen, vor allem ein Bild der „Splendeurs et misères“ des Soldatenlebens. Er hat selbst als Soldat an den für die eidgenössische Kriegsgeschichte entscheidenden, mörderischen Schlachten von Marignano (1515) und Bicocca (1522), aber auch an weiteren lombardischen und burgundischen Feldzügen teilgenommen; und daß der ungesittete soldatische Lebensstil auch den Bürger G. kennzeichnete, dafür zeugen die Basler Gerichtsakten, in denen er immer wieder wegen Raufereien, schlechten Benehmens, Ehebruchs und öffentlichen Umgangs mit Dirnen, ja sogar wegen Totschlagversuchs erscheint. Diese Welt hat G. in seinen Zeichnungen gestaltet, und er ist auch vor der blasphemisch-farcenhaften Darstellung religiöser Themen nicht zurückgeschreckt. Trotzdem ist dieses Bild einer unerbittlich harten Welt viel mehr ein Ausdruck von Gequältheit als von unbekümmerter Rohheit; als Unterton schwingt immer bittere Ironie mit. Diese bedient sich künstlerisch der kalligraphischen Linie, die bei G. eine Freiheit und Gelöstheit erreicht hat, wie bei keinem der großen Zeichner der Dürerzeit.

  • Literatur

    ADB IX;
    E. His, Beschreibendes Verz. d. (duckgraph.) Werks v. U. G., in: Zahns Jbb. f. Kunstwiss. VI, 1873, S. 145 ff.;
    H. Koegler, Btrr. z. Holzschn.werk d. U. G., in: Anz. f. Schweiz. Altertumskde. NF 9, 1907, S. 43 ff., 132 ff., 213 ff.;
    ders., Beschreibendes Verz. d. Basler Handzeichnungen d. U. G., 1926;
    ders., Hundert Tafeln aus d. Gesamtwerk d. U. G., 1947;
    E. Major, U. G., Ein Btr. z. Gesch. d. Goldschmiedekunst im 16. Jh., Straßburg 1907;
    ders. u. E. Gradmann, U. G., (1947);
    K. Th. Parker, Die verstreuten Handzeichnungen U. G.s, in: Anz. f. Schweiz. Altertumskde. NF 23, 1921, S. 207 ff.;
    ders., 20 Federzeichnungen v. U. G., 1922;
    W. Lüthi, U. G. u. d. Kunst d. alten Schweizer, 1928;
    M. Pfister-Burkhalter, U. G., Federzeichnungen, o. J. (Insel-Bücherei 664);
    ThB (auch f. S Urs d. J.)

  • Autor/in

    Hanspeter Landolt
  • Empfohlene Zitierweise

    Landolt, Hanspeter, "Graf, Urs" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 726 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869703X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Graf: Urs G., Goldschmied, Münzstempelgraveur, Kupferstecher und Formschneider, geb. zu Solothurn um 1485, bildete sich in Straßburg und Zürich zum Goldschmied aus und ließ sich als solcher zu Basel nieder, wo er 1512 in die Zunft der Hausgenossen, welcher die Goldschmiede angehörten, sowie in das Bürgerrecht aufgenommen wurde. Neben seinem zünftigen Beruf verwerthete er sein Zeichnungstalent auf verschiedene Weise; am bekanntesten ist er durch die Holzschnitte, womit er eine große Anzahl Basler und mehrere Straßburger Druckwerke geziert hat. Seltener sind die Arbeiten seines Grabstichels und seiner Radirnadel. Man besitzt von ihm 27 Kupferstiche, geätzte Blätter und Niellen (nicht zum Abdruck bestimmte Silberstiche). Von letzteren sind acht Platten mit Darstellungen aus dem Leben St. Bernhards von Clairvaux noch vorhanden und erst in neuester Zeit abgedruckt worden. — Am meisten zeigt sich Graf's originelle Kunstweise in seinen Federzeichnungen, an welchen besonders die Basler Kunstsammlung reich ist. Sie behandeln vielfach Scenen aus dem Landsknechtsleben der damaligen Zeit. Dieselben sind von einer Lebendigkeit der Darstellung, welche den kriegserfahrenen Mann verrathen. In der That hat G. an mehreren Feldzügen, unter anderen an der mörderischen Schlacht bei Marignano (1515) theilgenommen. Daß er überhaupt ein wildes und unordentliches Leben geführt haben muß, geht aus mehreren strafgerichtlichen Urtheilen hervor, die deshalb über ihn gefällt wurden. Damit stimmt auch der lascive Charakter vieler seiner Zeichnungen. Sein Todesjahr ist zwischen 1529 und 1535 anzusetzen.

    • Literatur

      Zahn's Jahrbücher für Kunstwissenschaft V. u. VI.

  • Autor/in

    E. His.
  • Empfohlene Zitierweise

    His, Eduard, "Graf, Urs" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 550 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869703X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA