Lebensdaten
zwischen 1470 und 1490 bis 1540 oder 1541
Beruf/Funktion
Übersetzer französischer Romane ; Ratsherr in Bern
Konfession
katholisch,evangelisch?
Normdaten
GND: 11950510X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ziely, Wilhelm
  • Zieli, Wilhelm
  • Zielly, Wilhelm
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Ziely, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11950510X.html [22.02.2020].

CC0

  • Leben

    Ziely *)Zu S. 193.: Wilhelm Z., Bearbeiter französischer Romandichtungen, Bürger von Bern, wurde in den 70er oder 80er Jahren des XV. Jahrhunderts an unbekanntem Orte geboren. Sein Vater, der Tuchscherermeister Wilhelm Z., ein Fremder, wird in Bern zuerst im J. 1496 genannt, wo er in den Großen Rath der Zweihundert eintrat; er muß sich also wol schon mehrere Jahre zuvor in Bern niedergelassen haben. Seine Herkunft läßt sich nur vermuthen. Aus einem Schreiben, das Schultheiß und Rath von Bern am 14. October 1497 (lat. Missivenbuch) an den „Presidens Nicie“ (Nizza) richten, geht hervor, daß der Vater Z. in Nizza einen Bruder zur Verwaltung seiner Güter eingesetzt hat, und in einem zweiten Schreiben vom 10. December 1499 wird an „Gubernator, sindici et consules oppidi Nicie“ berichtet, daß „Unser Burger Gwilhelmus Zieli“ nach Nizza reise, um sein väterliches Erbe zu erlangen, das ihm ein Gegner streitig mache, obschon dieser gerichtlich abgewiesen worden sei. Endlich wendet sich Bern am 5. August 1501 in der gleichen Sache direct an den Herzog von Savoyen. Es ist also wol anzunehmen, daß die Familie Z. aus Nizza stammt. In seinen jungen Jahren scheint der Sohn das Handwerk des Vaters erlernt und betrieben zu haben; denn in einem Notariatsinstrument von 1504 wird von dem, „was er mit scheren verdient hat“, gesprochen, und ebenda verpflichtet er sich, seinen Bruder das Handwerk zu lehren. Im J. 1500 verehelichte sich Z. mit einer Stadtbernerin, Küngolt Vogt, bezog aber erst 1505 ein eigenes Haus, nachdem er die ersten vier Jahre seiner Ehe im Hause des Vaters zugebracht hatte. 1502 figurirt er zuerst unter den Mitgliedern des Großen Raths, in welcher Behörde er bis an sein Lebensende bleibt. 1511 muß er laut der Vorrede zu seinen Romanen am Kaufhaus beschäftigt gewesen sein; doch sind die Worte „zuo welcher zyt ich miner gunstigen Herren von Bern Diener gsin bin in irem kouffhus“ kaum mit Bächtold dahin aufzufassen, daß Z. „Diener des Kaufhauses" gewesen sei, sondern vielmehr, daß er dem Staate in irgend einer Eigenschaft am Kaufhause gedient habe. Dieses Amt wird wol das eines „Geleitsherrn“ gewesen sein, der die Oberaufsicht über die Waarenspedition, die Zölle u. s. w. hatte, wie er denn auch am 20. September 1536 urkundlich als „alt Gleitsherr“ bezeichnet wird. 1522 hatte er gegenüber Seb. Meyer jenen Widerruf wegen Verleumdung als Ketzer zu leisten, dessen Acten sich außer den bei Bächtold citirten Quellen auch in Zedler's Encyklopädie (nach Scheurer's Bernischem Museum) abgedruckt finden. Im December desselben Jahres gründeten der Schultheiß Jacob von Wattenwyl, der Seckelmeister Lienhart Hüpschi, der Alt-Venner Hans von Wingarten, der Rathsherr Hans Keyser und der Stadtschreiber Niclaus Schaller eine Gesellschaft zur Betreibung des Salzhandels und wählten Z. zu ihrem Factor. Am 4. April figurirt er als|Vogt des 1528 säcularisirten St. Vincenzstiftes und verwaltete vom Ende dieses Jahres bis 1533 und wiederum von 1537—39 als „Schaffner“ den Stiftsfundus. Da er 1540 zuletzt in dem sog. Osterbuch als Mitglied des Großen Rathes erwähnt wird und sein Name auch später nirgends mehr auftaucht, darf man annehmen, daß er vor Ostern 1541 gestorben ist.

    Ziely's litterarische Thätigkeit beschränkt sich auf die Ueberarbeitung, oder besser freie Uebersetzung der beiden französischen Romane „Olivier und Artus“ und „Valentin und Orsus": Lyhstoire de Oliuier de Castille et de Artus Dalgarbe, son tresroyal compaignon (translate de latin en françois par Ph. Camus), imprimee Genesue [Genève] lan mil cccc. lxxxii [1482] und lhystoire des deux vaillans cheualiers Valentin et Orson filz de lempereur de grece Imprime a lyon [nicht in Genf, wie Bächtold angibt].... Lan mil quatre cens quatre vingtz et neuf [1489]. (Zwei spätere Ausgaben dieses letzteren Romans datiren von Lyon 1495 und 1505.) Der Titel der ältesten Ausgabe Ziely's lautet: „In disem buoch werden begriffen vnd gefunden zwo wunderbarlicher Historien, gantz lieblich ze lesen, auch dienen zuo vil erfarnuß. Die Erst Hystori von zweyen treuwen gesellen, mit namen Olwier, eines künigs son uß Castilia vnd Arto, eynes künigs sun von Algarbia wölches künigreich zuo vnseren zeyten ist vnter dem künig von Portugal. Die Ander Hystori sagt von zweyen bruoderen Valentino vnd Orso, deren vatter ein keyser zuo Constantinopel, vnd ir muoter eins künigs dochter in Franckreich gewesen, mit namen Peppin. Gezogen vß frantzösischer zungen in Dütsch durch Wilhelm Ziely von Bern in Öchtland. Anno MDXXII [Druckfehler für MVXII?)“. Am Schluß: „Getruckt durch den fürsichtigen Adam Petri von Langendorff, Burger zuo Basel. In dem iar, do man zalt nach Christi vnssers Herren geburt Tusent fünffhundert zwentzig vnd ein iar. An dem XIIII. tag des Monats februarii“. Weitere Ausgaben sind verzeichnet im Berner Taschenbuch 1878, S. 46 und in Bächtold's Anmerkungen zu seiner Literaturgeschichte S. 139, wo aber die Frankfurter Ausgabe von 1572 fehlt. In der Vorrede zur ersten Ausgabe sagt Z., daß ihm „fürkommen in frantzösischer sprach ein gar seltzame history, in dem iar, so man zalt von der geburt Christ MVXI"; er habe sich dann in seinen Mußestunden eifrig ans Werk gemacht, sie ins Deutsche zu übertragen, „in der meynung, es werd mine arbeit manchem vertrüssigen menschen ein kurtzweil bringen"; freilich möge man ihn entschuldigen, wenn wegen seiner lückenhaften Kenntnisse des Französischen Manches unverständlich sei. Die Uebersetzung ist jedoch, abgesehen von einigen Mißverständnissen, für die Anforderungen jener Zeit eine recht tüchtige. Inhaltsangaben beider Romane finden sich bei Bächtold S. 438—442.

    • Literatur

      J. Bächtold, Gesch. d. deutschen Litteratur in d. Schweiz und die dort genannten weiteren Quellen. — Archivalien d. Berner Staats-Archivs. (Gefl. Mittheilungen von Dr. Türler.)

  • Autor/in

    E. Hoffmann-Krayer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann-Krayer, Eduard, "Ziely, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 45 (1900), S. 660-661 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11950510X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA