Zuntz, Günther

Lebensdaten
1902 – 1992
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Cambridge (England)
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
-
Namensvarianten

  • Zuntz, Albert Günther
  • Zuntz, Günther
  • Zuntz, Albert Günther
  • Zuntz, Günter
  • Zuntz, Albert Günter

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Zuntz, Günther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143074.html [30.01.2026].

CC0

  • Zuntz, Albert Günther

    | Klassischer Philologe, * 28.1.1902 Berlin, † 3.4.1992 Cambridge (England), ⚰ Cambridge (England), Chesterton, St Andrew’s Graveyard.

  • Genealogie

    V Leo (1875–1937, ev.), Dr. med., prakt. Arzt in B., S d. Nathan (s. 1) u. d. Friederike Bing;
    M Edith (* 1877, ev.), T d. Louis Bähring, Zimmermeister in Königsberg (Pr.), aus 1731 aus d. Bm. Salzburg vertriebener Fam., u. d. Emma Ragetzki;
    Schw Elisabeth Franziska Dora (1905–1990);
    1) um 1925 1945 (Eva) Leonore (1904–1993), T d. Hugo Hempel (1877–1951), aus Mügeln b. Schweinitz (preuß. Prov. Sachsen), Dr. med., HNO-Arzt, zuletzt in B., u. d. Olga Fajans (1869–1954), aus Thorn, 2) 1947 Mary Alyson Garrat;
    1 S aus 1) Peter (Henry) (1924–2010), 2 T aus 1) u. a. Maleen Usellis (1928–2021);
    2 S aus 2) Carsten, Andrew, 1 T aus 2) Alyson;
    Schwägerin Marianne F. Hempel (1903–94, Joachim Friedrich Leppmann, 1899–1982, aus Düsseldorf, Dr.-Ing., emigrierte 1934 n. Teheran u. 1947 in d. USA, Mitarb. im Californian Dep. of Highways), Dr. med., emigrierte 1934 n. Teheran u. 1947 in d. USA, Vf. e. unpubl. Autobiogr. „Story of My Life“, 1980/81, Kinderärztin in Berkeley (Kalifornien, USA).

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Bismarck-Gymnasium (heute Goethe-Gymn.) in Berlin-Wilmersdorf 1920 studierte der hoch musikalische Z. v. a. in Berlin und Marburg, u. a. bei Eduard Fraenkel (1888–1970), Werner Jaeger (1888–1961), Paul Maas (1880–1964), Eduard Meyer (1855–1930), Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorf (1848–1931), Paul Jacobsthal (1880–1957) und Paul Friedländer (1882–1968). Letzterer promovierte Z. 1927 mit der Arbeit „Über Hölderlins Pindar-Übersetzungen“ zum Dr.|phil. Anknüpfend an Norbert v. Hellingraths (1888–1916) Studie „Pindar-Übertragungen von Hölderlin“ (1911), kam Z. zu dem Ergebnis, der schwäb. Dichter habe trotz unzureichender Griechischkenntnisse und einer etwas schulmäßigen Übersetzungspraxis Pindar „bis ins Innerste“ begriffen. Bereits 1924 absolvierte Z. das 1. Staatsexamen und unterrichtete seit 1926 am Philippinum in Marburg und 1927/28 am Friedrichsgymnasium in Kassel; dort legte er das 2. Staatsexamen ab und führte mit den Oberklassen Aischylos-Dramen auf. In diesen Jahren schrieb er auch an die Sprache Hölderlins, Rilkes und Stefan Georges anklingende Gedichte. Eine wohl geplante Habilitation über Aristophanes-Scholien und -Katenen kam nicht mehr zustande.

    Unmittelbar nach der NS-Machtübernahme verlor Z. aus rassischen Gründen seine Stelle im Schuldienst. Durch Vermittlung des Direktors der Berliner Papyrussammlung, Wilhelm Schubart (1873–1960), erhielt er in Kopenhagen bei Carsten Høeg (1896–1961) eine Forschungsstelle und arbeitete mit an der Edition der alttestamentlichen Lektionarien, des sog. Prophetologiums. Frau und Kinder folgten nach. Kontakte nach England ermöglichten 1939 eine zweite Emigration. Zu Beginn des 2. Weltkriegs wurde er auf der Isle of Man interniert. Nach einer Anstellung 1943–47/48 als Bibliothekar am Mansfield College in Oxford, erfolgte Z.s Berufung zum Senior Lecturer in Hellenistic Greek an die University of Manchester (1955 Reader, 1963 Professor). Nach der Emeritierung 1967 widmete sich Z. ganz seinem Lehrbuch für Altgriechisch. Da sich keine Publikationsmöglichkeit in Englisch ergab, folgte er 1976/77 einer Einladung an die Univ. Tübingen, um eine dt. Ausgabe zu erarbeiten, die 1983 erschien. Alle 86 Lektionen bestehen aus originalen griech. Texten von Homer über das Neue Testament bis Marc Aurel. Anschließend wandte er sich den philosophischen Hymnen zu und veranstaltete hierzu 1983 und 1984 in Tübingen ein Seminar und hielt Vorträge. Das Manuskript wurde 2005 postum von Hubert Cancik (* 1937), der 1959/60 bei Z. in Manchester studiert hatte, und Lutz Käppel (* 1960) als Buch herausgegeben. Im Mittelpunkt steht der Zeus-Hymnos des stoischen Philosophen Kleanthes aus dem 3. Jh. v. Chr.

    Z.s Verhältnis zu Deutschland und den dt. Kollegen blieb nach Kriegsende gespalten. Seine Wiederannäherung an den dt. Wissenschaftsbetrieb war weitgehend von persönlichen Konstellationen abhängig, engere Kontakte bestanden zu Bruno Snell (1896–1986) in Hamburg, Hartmut Erbse (1915–2004) in Bonn und Albin Lesky (1896–1981) in Wien, nach dessen Vorschlag die Österr. Akademie der Wissenschaften Z. zum korr. Mitglied wählte.

  • Auszeichnungen

    |Fellow d. British Ac. (1956);
    korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1974) u. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1984);
    Dr. phil. h. c. (Tübingen 1983).

  • Werke

    |Über Hölderlins Pindar-Überss., 1928 (Diss.);
    De Papyro Berolin. 13411, in: Aegyptus 15, 1935, S. 282–96;
    Prophetologium I–VI (Monumenta Musicae Byzantinae), 1939–70 (mit C. Høeg u. G. Engeberg);
    The Political Plays of Euripides, 1963;
    Persephone, 1971;
    Opuscula Selecta, Classica, Hellenistica, Christiana, 1972 (S. 314–17 W-Verz.);
    Griech. Lehrgang. Bd. I: Lektionen, Bd. II: Exercitia, Vokabular, Bd. III: Appendix Grammatica, Summa Grammatica, 1983;
    Wann wurde d. Evangelium Marci geschrieben?, in: Markus-Philologie, hg. v. H. Cancik, 1984, S. 47–71;
    Die Streichquartette op. 3 v. Joseph Haydn, in: Die Musikforsch. 39, 1986, S. 217–39;
    Lukian v. Antiochien u. d. Text d. Evangelien, hg. v. B. Aland u. K. Wachtel, 1995 (W-Verz., P);
    Griech. phil. Hymnen, hg. v. H. Cancik u. L. Käppel, 2005 (postum).

  • Literatur

    |M. Hengel, Nachruf u. Nachtrag d. seit 1972 ersch. Schrr., in: Aland u. Wachtel, 1995 (s. W), S. 61–89;
    W. Ludwig, Amtsenthebung u. Emigration klass. Philologen, in: Würzburger Jbb. 12, 1986, S. 217–39, bes. 222 ff.;
    H. Schwabl, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 143, 1992/93, S. 437–43;
    M. Vöhler, Hölderlins Pindar, Zum Öff.keitsbezug v. Hölderlins ‚Spätwerk‘, in: Hölderlin-Jb. 41, 2018/19, S. 33–54;
    Jehuda Zuntz, Die Gesch. d. Fam. Z., 1488–1998, ²1998;
    U. Maas, Verfolgung u. Auswanderung dt.sprachiger Sprachforscher 1933–1945, 2010;
    BHdE II;
    BBKL 35.

  • Autor/in

    Kay Ehling
  • Zitierweise

    Ehling, Kay, "Zuntz, Albert Günther" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 783-784 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143074.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA