Zech, Rosel
- Lebensdaten
- 1940 – 2011
- Geburtsort
- Berlin
- Sterbeort
- Berlin
- Beruf/Funktion
- Schauspielerin ; Sprecherin ; Musikerin
- Konfession
- -
- Normdaten
- GND: 124575498 | OGND | VIAF: 9482865
- Namensvarianten
-
- Zech, Roselie Helga Lina
- Zech, Rosel
- Zech, Roselie Helga Lina
- Schühly, Rosel
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- Neuenfels, Hans
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- Schmitz, Sybille
- Schühly, Thomas
- Shakespeare, William
- Stein, Margot
- Stein, Peter
- Verhoeven, Michael
- Zadek, Peter
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Zech, Rosel (eigentlich Roselie Helga Lina)
| Schauspielerin, * 7.7.1940 Berlin, † 31.8.2011 Berlin, ⚰ Berlin-Charlottenburg, Luisenkirchhof III.
-
Genealogie
V Heinz, aus Hoya/Weser, Binnenschiffer;
M Helga (1919–2021), aus B., Verkäuferin, Schneiderin, T d. Friedrich Schulze u. d. Lina N. N.;
⚯ Thomas Schühly (* 1951), aus Karlsruhe, Filmproduzent,|u. a. v. „Die Sehnsucht d. Veronika Voss“, 1982;
kinderlos. -
Biographie
Aufgewachsen in Hoya/Weser, beschloß Z. mit 16 Jahren, Schauspielerin zu werden.
Nach Abschluß der Realschule mit der Mittleren Reife 1957 besuchte sie die Max-Reinhardt-Schule in Berlin (die sie nach einem Jahr vorzeitig verließ) und nahm Privatunterricht bei der Schauspielerin Margot Stein (* 1921) am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin. Vergeblich sprach sie bei mehreren Theatern in Deutschland vor, bis sie 1962 ein Engagement am Südostbayer. Städtetheater in Landshut (heute Landestheater Niederbayern) erhielt, und dann in der Schweiz, wo sie am Städtebundtheater Biel-Solothurn und am Sommertheater Winterthur alle ein bis zwei Wochen neue Premieren spielte. 1965–70 war Z. am Schauspielhaus Wuppertal verpflichtet. Hier wurde sie von Peter Zadek (1926–2009) entdeckt und weiter gefördert.
Ab 1970 am Württ. Landestheater in Stuttgart engagiert, wechselte sie 1972 an das Schauspielhaus Bochum, wo sie unter Zadeks Regie u. a. in Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, Tschechows „Die Möwe“ und Behans „Die Geisel“ auftrat. Auch in seinen Fernsehinszenierungen wurde sie eingesetzt, zuerst in „Der Pott“ (1970) nach einem Theaterstück von Sean O’Casey und 1973 in „Kleiner Mann – was nun?“ nach dem Roman von Hans Fallada. Im selben Jahr stand sie in dem Film „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ von Ulli Lommel (1944–2017) vor der Kamera, an der Seite von Kurt Raab (1941–1988) und Margit Carstensen (1940–2023); bei den Dreharbeiten lernte sie Rainer Werner Fassbinder (1945–1982) kennen. Mittlerweile sehr erfolgreich als Theaterschauspielerin, konzentrierte sich Z. zunächst weiter auf diese Arbeit, bevor sie zunehmend auch im Fernsehen zu sehen war. Ihre Rollen wählte sie kritisch aus – meist verkörperte sie gebrochene Frauenfiguren. 1976 wurde sie für ihre Leistung in Ibsens „Hedda Gabler“ von der Zeitschrift „Theater heute“ als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitete u. a. mit Theaterregisseuren wie Hans Lietzau (1913–1991), Luc Bondy (1948–2015), Dieter Giesing (* 1934), Peter Stein (* 1937) und Hans Neuenfels (* 1941) zusammen. 1978 war sie am Dt. Schauspielhaus Hamburg und 1979/80 an der Freien Volksbühne Berlin engagiert.
Zuvor spielte sie in Wolfgang Beckers (1910–2005) preisgekröntem Film „Die Vorstadtkrokodile“ (1977, als Frau Wolfermann) und in weiteren TV-Filmen unter der Regie von u. a. Michael Verhoeven (* 1938) und Tankred Dorst (1925–2017).
Nach einer ersten Zusammenarbeit mit Fassbinder in „Lola“ (1981) übernahm Z. die Hauptrolle in dessen Film „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982), der den Goldenen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin erhielt. Hier mimte sie – in Anlehnung an die letzten Lebensjahre der Ufa-Schauspielerin Sybille Schmitz (1909–1955) – eine einst erfolgreiche Schauspielerin, die in ihrer Traumwelt gefangen ein tragisches Ende findet. Einem breiteren Fernsehpublikum wurde Z. etwa zeitgleich durch ihre Rolle der Elfriede Knapp in dem Fünfteiler „Die Knapp-Familie“ (1981–83 ARD, Prod. d. WDR) bekannt. Im Laufe der 1980er Jahre war sie häufiger in größeren Produktionen zu sehen und hatte bis in die 2000er Jahre regelmäßige Gastauftritte in Krimi-Serien wie „Tatort“ oder „Der Alte“. Daneben blieb sie dem Theater treu: 1981 und 1984 wirkte sie am Bayer. Staatsschauspiel, 1985/86 am Hamburger Schauspielhaus, 1992/93 und 1994 bei den Salzburger Festspielen, 2002 am Burgtheater in Wien. 2009 stand sie u. a. als Mutter Courage bei den Luisenburg Festspielen in Wunsiedel und 2010 in der Broadway-Adaption „33 Variationen“ von Moisés Kaufman am Berliner Renaissance-Theater auf der Bühne. 2002–2011 verkörperte sie zehn Staffeln lang die resolute Mutter Oberin in der ARD-Erfolgsserie „Um Himmels Willen“.
Z. war eine außergewöhnlich vielseitige Charakterdarstellerin, die sich als „eine völlig Unabhängige“ (Stadelmaier) ihren Rollen auf intellektuell-einfühlsame und zugleich immer auch etwas distanzierte Weise näherte.
Über ihr Privatleben ist nur wenig bekannt, sie galt als Einzelgängerin ohne Starallüren.
Ihr langjähriger Lebensgefährte war der Filmproduzent Thomas Schühly, den sie Mitte der 1970er Jahre am Bochumer Schauspielhaus kennengelernt hatte. Bis 2009 lebte Z. in München, bevor sie in ihre Geburtsstadt Berlin zurückzog. Hier erlag sie im Aug. 2011 einer kurz zuvor diagnostizierten Krebserkrankung.
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Auszeichnungen
|Förderpreis d. Landes NRW (1968);
Dt. Darst.preis d. Bundesverbandes Regie f. „Mascha“ (1983);
Kainz-Medaille d. Stadt Wien f. „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ (1990);
Erster Preis d. World Film Festivals in Montreal f. „Salmonberries“ (1991);
Bayer. Filmpreis–Beste Darstellerin f. „Salmonberries“ (1992);
Bayer. Verdienstorden (1999);
Merkur-Theaterpreis d. „Münchner Merkur“ f. „Afterplay“ (2001). -
Werke
Weitere W u. a. Kinofilme: Eiszeit, 1975 (Regie: P. Zadek);
Die Hamburger Krankheit, 1979 (R: P. Fleischmann);
Mosch, 1980 (R: T. Dorst);
Lola, 1981 (R: R. W. Fassbinder);
Heute spielen wir d. Boß, Wo geht’s denn hier zum Film?, 1981 (R:|P. Raben);
Der Angriff d. Gegenwart auf d. übrige Zeit, 1985 (R: A. Kluge);
Vermischte Nachrr., 1986 (R: A. Kluge);
Bei mir liegen Sie richtig, 1990 (R: U. Stark);
Salmonberries, 1991 (R: P. Adlon);
Mr. Bluesman, 1993 (R: S. Wortmann);
Hades, 1995 (R: H. Achternbusch);
Aimée u. Jaguar, 1999 (R: M. Färberböck);
Väter, 2002 (R: D. Levy);
Anatomie 2, 2003 (R: S. Ruzowitzky);
Kammerflimmern, 2004 (R: H. Hölzemann);
– Fernsehen: Verführungen, 1979 (R: M. Verhoeven);
Die Geschwister Oppermann, 1983 (Dreiteiler;
R: E. Monk);
Mascha, 1983 (R: H.-E. Quelle);
Ein fliehendes Pferd, 1985 (R: P. Beauvais);
Die Bertinis, 1988 (Fünfteiler;
Buch u. R: E. Monk);
Fabrik d. Offiziere, 1989 (Vierteiler, R: W. Vollmar);
Der rote Vogel, 1993 (Fünfteiler, R: G. Erhardt);
Das Baby d. schwangeren Toten, 1994 (R: W. Mühlbauer);
Schade um Papa, 1995 (Serie, 13 Folgen, R: P. Weck);
Papa u. Mama, 2006 (Zweiteiler, R: D. Wedel);
Mr. Nanny–Ein Mann für Mama, 2006 (R: O. Dommenget);
Agathe kann’s nicht lassen–Die Tote im Bootshaus, 2006 (R: H. Metzger);
Schicksalsjahre, 2011 (Zweiteiler, R: M. Alexandre);
– Nachlaß: Fam.bes. -
Literatur
L R. Hoghe, Die Sucht nach Wahrheit, R. Z. als Hedda Gabler, in: Theater, 1977, S. 16 ff.;
ders., Einfach ich sein, in: Die Zeit v. 10.10.1986, überarb. in: ders., Zeitporträts, 1993, S. 151–57 (P);
C. Godard, R. Z., La course contre la peur, in: Le Monde v. 1.7.1982;
C. B. Sucher, Theaterzauberer, 1988 (P);
H. Treusch u. R. Mangel (Hg.), Spiel auf Zeit, Theater d. Freien Volksbühne 1963–1992, 1992;
B. Ottersbach, T. Schadt u. N. Haun (Hg.), Schauspieler-Bekenntnisse, 2007, S. 334–47 (Interview, P);
W. Bittner, M. vom Hofe (Hg.), Ich bin e. öff. Mensch geworden, Persönlichkeiten aus Film u. Fernsehen, 2009, S. 97–104 (P);
G. Stadelmaier, Wer weiter geht, bleibt besser allein, Die Frau vom Meer, Zum Tod d. grandiosen Theater- u. Filmschauspielerin R. Z., in: FAZ v. 2.9.2011 (P);
C. Dössel, Unnachahmlich ungerührt, Sie blieb immer e. Alleinige – und stark, Zum Tod d. Schauspielerin R. Z., in: SZ v. 2.9.2011 (P);
D. E. Slotnik, R. Z., A Movie Actress Favored by Fassbinder, Dies at 69, in: The New York Times v. 4.9.2011;
R. Bergan, R. Z. Obituary, in: The Guardian v. 6.9.2011;
M. Hairapetian, in: film-dienst 19, 2011, S. 41;
K. Weniger, Das gr. Personenlex. d. Films;
Munzinger;
CineGraph. -
Porträts
P Fernseh-Interviews: mit H. Oechsner, BR-Online alpha forum v. 25.11.2005;
mit S. Sauer in „Unter vier Augen“, BR Fernsehen, 2006. -
Autor/in
Eileen Rositzka † -
Zitierweise
Rositzka, Eileen, "Zech, Rosel (eigentlich Roselie Helga Lina)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 608-610 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124575498.html#ndbcontent