Zechiel-Eckes, Klaus( verheirateter)
- Lebensdaten
- 1959 – 2010
- Sterbeort
- Köln
- Beruf/Funktion
- Mediävist
- Konfession
- -
- Namensvarianten
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- Zechiel, Klaus( geborener)
- Zechiel-Eckes, Klaus( verheirateter)
- zechiel-eckes, klaus
- Zechiel, Klaus( geborener)
- zechiel, klaus
- Zechiel-Eckes, Klaus( verheiratether)
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Zechiel-Eckes, Klaus
|geborener Zechiel, Mediävist, ~ 12.5.1959 Pforzheim, † 23.2.2010 Köln.
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Genealogie
V Erich Zechiel (1929–1989), Lehrer, S d. Ernst Z. (1889–1975) u. d. Amalie Riexinger (1893–1974);
M Gerlinde, T d. Josef Siegl (1910 – wohl 1943 ⚔ Stalingrad) u. d. Franziska Schwarzmeier (1907–1988);
⚭ Annette Eckes (* 1960), Dr. med.;
1 T Miriam Eckes (* 1982), Dipl.-Soz.päd., 1 S Florian Eckes (* 1988), Dr. phil., Germanist. -
Biographie
Z. besuchte die Grundschule und 1969–78 das Hebel-Gymnasium in Pforzheim. Nach dem Grundwehrdienst begann er 1979 Geschichte und Romanistik zu studieren, zunächst an der Univ. des Saarlandes, ab 1981 an der Univ. Freiburg (Br.). 1985 schloß er sein Studium mit dem Ersten Staatsexamen in den Fächern Geschichte und Romanistik ab. Ende 1990 wurde Z. mit einer von Hubert Mordek (1939–2006) betreuten Arbeit über eine frühmittelalterliche Kirchenrechtssammlung, die Concordia Canonum des Cresconius, promoviert (2 Bde., 1992). Sie bietet neben einer sorgfältigen Edition des Werkes eine ausführliche Untersuchung, mit der die frühmittelalterliche Kirchenrechtsforschung auf eine neue Grundlage gestellt wurde.
Unter Mordeks Leitung war Z. 1986–89 und 1991–92 wissenschaftlicher Angestellter an dem von der Dt. Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt „Fränkische Kapitularien“. 1992 begann er seine Untersuchung zu Florus von Lyon, einem Diakon und Theologen des 9. Jh., mit der er sich 1998 an der Univ. Freiburg für die Fächer mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften habilitierte („Florus von Lyon als Kirchenpolitiker und Publizist“, 1999).
Ab 2000 arbeitete Z. an dem DFG-Projekt „Pseudoisidor und die Bibliothek von Corbie“ mit Forschungsaufenthalten in Paris und St. Petersburg, danach ab 2001 im Dezernat Sondersammlungen der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Lehrstuhlvertretungen führten ihn nach München (SS 1999/2000), Bonn (SS 2002) und Zürich (WS 2002/2003). Im Wintersemester 2003/04 folgte er Tilman Struve (1938–2014) auf den Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte an der Univ. Köln, den er bis zu seinem frühen Tod innehatte.
Z.s Arbeiten zu Pseudoisidor, einer der berühmtesten und wirkmächtigsten Fälschungen der mittelalterlichen Geschichte, erlangten eine weit über die mediävistische Forschung hinausgehende Bedeutung. Die Fälschung besteht aus mehreren Teilen, darunter auch den falschen Dekretalen, also gefälschten Papstbriefen früher Päpste der ersten drei Jahrhunderte n. Chr. In mehreren Schritten gelang Z. der Nachweis, daß die von ihm in die 830er Jahre datierten Fälschungen im Kloster Corbie entstanden sein müssen. Zugleich äußerte er die Vermutung, daß der in Corbie zeitweise als Abt amtierende Paschasius Radbertus (um 790 – um 860) ein möglicher Urheber des Fälschungswerks gewesen sein könnte. Damit löste er ein Rätsel, das die Forschung über|Jahrhunderte beschäftigt hatte. Den Ausgangspunkt für seine Beobachtungen bildete die Identifizierung von Randzeichen in Handschriften, die zur vermuteten Entstehungszeit der Fälschung in Corbie gewesen waren. Mit den Randzeichen markierten die Fälscher Textstellen, die später in das Fälschungswerk eingearbeitet wurden.
Diese Theorie wurde in wesentlichen Punkten von einem Großteil der Forschung akzeptiert, insbesondere in Hinblick auf die Identifikation der Arbeitshandschriften und die Bedeutung des Klosters Corbie. Z. setzte seine Forschungen zu den Pseudoisidorischen Fälschungen an der Univ. Köln fort, so beispielsweise im Rahmen eines DFG-Projekts über „Fälschung als Instrument der politischen Opposition gegen Ludwig den Frommen“, daneben übernahm er ein vorher bei Hubert Mordek angesiedeltes Projekt zur Edition karoling. Kapitularien ab 814. Als Resultat dieser Arbeit erschien posthum 2012 eine Neuedition der am 23.3.789 ausgestellten „Admonitio generalis“ Karls d. Großen.
Z. verstarb sehr plötzlich an Leukämie. Einige seiner noch nicht ganz abgeschlossenen Arbeiten konnten ebenfalls posthum publiziert werden, so u. a. 2013 die Edition eines Briefs, den Papst Siricius 385 an Bf. Himerius von Tarragona gesandt hatte.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. Nordrhein-Westfäl. Ak. d. Wiss. u. d. Künste (2007);
Mitgl. d. Zentraldirektion d. Monumenta Germaniae Historica (MGH) (2007). -
Werke
|u. a. Die Concordia canonum d. Cresconius, Stud. u. Ed. 2 T., 1992;
Eine Mailänder Red. d. Kirchenrechtsslg. Bf. Anselms II. v. Lucca (1073–1086), Eine text- u. qu.krit. Studie, in: ZSRGK 81, 1995, S. 130–47;
Florus v. Lyon, Amalarius v. Metz u. d. Traktat über d. Bf.wahl, Mit e. krit. Ed. d. sog. ‚Liber de electionibus episcoporum‘, in: Revue bénédictine 106, 1996, S. 109–33;
Eine neue Arb.hs. d. Diakons Florus v. Lyon, Der Kommentar d. Ambrosius z. CXVIII. Psalm (Cod. Firenze, Bibl. Med. Laur., Plut. XIV. 21), ebd. 119, 2009, S. 336–70;
Florus v. Lyon als Kirchenpol. u. Publ., 1999;
Zwei Arb.hss. Pseudoisidors (Codd. St. Petersburg F. v. I. 11 u. Paris lat. 11611), in: Francia 27, 2000, S. 205–10;
Ein Blick in Pseudoisidors Werkstatt, Stud. z. Entstehungsprozess d. falschen Dekretalen, Mit e. exemplar. editor. Anhang, ebd. 28, 2001, S. 37–90;
Verecundus oder Pseudoisidor? Zur Gesch. d. Excerptiones de gestis Chalcedonensis concilii, in: DA 56, 2000, S. 413–46;
Frühe Pseudoisidor-Rezeption b. Hinkmar v. Laon, e. Fragm. d. verloren geglaubten „Unterschrr.werks“ v. Juli 869, ebd. 66, 2010, S. 19–54;
Auf Pseudoisidors Spur, Oder: Versuch, e. dichten Schleier zu lüften, in: Fortschritt durch Fälschungen? Ursprung, Gestalt u. Wirkungen d. pseudoisidor. Fälschungen, hg. v. W. Hartmann u. G. Schmitz, 2002, S. 1–28;
Kat. d. frühma. Fragmente d. Univ.- u. Landesbibl. Düsseldorf, 2003 (mit M. Plassmann u. U. Schlüter, 2003);
Der ‚unbeugsame‘ Exterminator? Isidorus Mercator u. d. Kampf gegen d. Chorepiskopat, in: Scientia veritatis, FS f. Hubert Mordek z. 65. Geb.tag, hg. v. O. Münsch u. Th. Zotz, 2004, S. 173–90;
Cresconius maculatus, Unbek. Kölner Überlfg. d. Concordia canonum, in: Analecta Coloniensia, Jb. d. Diözesanu. Dombibl. Köln 4, 2004 (2005), S. 97–127;
Hist. geordnete u. systemat. Slg. d. kirchl. Rechts im frühma. Rätien, in: Schrift, Schriftgebrauch u. Textsorten im frühma. Churrätien, hg. v. H. Eisenhut, K. Fuchs, M. H. Graf u. H. Steiner, 2008, S. 199–221;
Zur kirchl. Rechtspraxis im späteren 8. Jh., d. Zwei-Bücher-Slg. d. Kölner Dom-Hss. 210 (fol. 122–151), in: Mittelalterl. Hss. d. Kölner Dombibl., hg. v. H. Finger, 2008, S. 187–229;
Rebell. Kleriker? Eine unbek. kanonist.-patrist. Polemik gegen Bf. Hinkmar v. Laon in Codex Paris, BNF, nouv. Acq. Lat. 1746, 2009;
Fälschung als Mittel pol. Auseinandersetzung, Ludwig d. Fromme (814–840) u. d. Genese d. pseudoisidor. Dekretalen, 2011;
Die erste Dekretale, Der Brief Papst Siricus’ an Bf. Himerius v. Tarragona v. J. 385 (JK 255), Aus d. Nachlass mit Ergg. hg. v. D. Jasper, 2013;
Ad impr. Praep. E. Frauenknecht, Florus Lugdunensis, Opera polemica, 2014. -
Literatur
|G. Schmitz, Nachruf K. Z.-E., in: DA 66, 2010, S. 639–48;
Th. Kölzer, Nachruf auf K. Z.-E., in: Jb. d. Nordrhein-Westfäl. Ak. d. Wiss. u. d. Künste, 2011, S. 134–39;
W. Hartmann, K. Z.-E. als Erforscher d. Kirchenrechts, in: Fälschung als Mittel d. Pol., Pseudoisidor im Licht d. neuen Forsch., Gedenkschr. f. K. Z.-E., hg. v. K. Ubl u. D. Ziemann, 2015, S. 243–56. -
Autor/in
Daniel Ziemann -
Zitierweise
Ziemann, Daniel, "Zechiel-Eckes, Klaus" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 610-611 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143010.html#ndbcontent