Wolff, Ferdinand
- Lebensdaten
- 1812 – 1905
- Geburtsort
- Köln
- Beruf/Funktion
- Publizist ; Übersetzer ; Kommunist
- Konfession
- jüdisch
- Namensvarianten
-
- Wolff, Ferdinand
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Wolff, Ferdinand
| Publizist, Übersetzer, Kommunist, * 7.11.1812 Köln, † 8.3.1905 London. (jüdisch)
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Genealogie
Aus Kölner Kaufmannsfam.;
V →Philipp (Wolf Heymann) (um 1784–1855), aus Wesseling b. K., Kaufm. in K., S d. →Gottschalk Heymann u. d. Rachel Solomon;
M →Helena Feist (1781–1833), aus Bonn, T d. →Fais Samuel Deutz;
⚭ London 1852 Eliza Williams (* um 1817);
1 S →John Ferdinand (1854–1942, ⚭ Grace Clifford Smith, 1870–1950), aus Pancras b. London, 2 T Helen Ann (1856/57 – n. 1905), Margaret (* 1858). -
Biographie
W. besuchte 1822–31 das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln und studierte nach dem Abitur 1831/32 und 1834/35 in Bonn, zwischenzeitlich in München und 1835 in Brüssel (Univ. Libre), Philosophie, dann Medizin, ohne zu promovieren. Anschließend lebte er in Paris, wo er sich mit dem Arzt →August Hermann Ewerbeck (1816–1860), einem der Gründer des „Bundes der Gerechten“, anfreundete und sich vermutlich diesem Bund anschloß.
W. übersetzte Texte →Heinrich Heines (1797–1856) ins Französische und unterrichtete zeitweise Heines Frau →Augustine Crescence Mirat („Mathilde“). Unter starken Depressionen leidend, ging W. 1846 nach Köln und dann nach Brüssel, wo er →Karl Marx (1818–1883) kennenlernte, den er bei der Formulierung und franz. Übersetzung seiner Kritik an dem Sozialisten →Pierre Joseph Proudhon (Misère de la Philos., 1847, dt. Das Elend d. Philosophie, 1885) unterstützte. Seit seiner Brüsseler Zeit für den „Bund der Kommunisten“ bis zu dessen Auflösung 1852 politisch aktiv, war W. 1847 in Brüssel zudem Mitbegründer der internationalen republikanischen „Association Démocratique“.
Am 4.3.1848 reiste er mit dem aus Belgien ausgewiesenen Marx nach Paris und weiter nach Köln, wo er Redakteur der von Marx als Chefredakteur geleiteten, republikanischen „Neuen Rheinischen Zeitung“ (1.6.1848–19.5.1849) wurde, für die er Okt. 1848–Jan. 1849 als Pariser Korrespondent die franz. Präsidentschaftswahlen kommentierte. Nach der Unterdrückung der Zeitung floh W. mit Marx nach Paris und korrespondierte von hier aus für die Kölner „Westdeutsche Zeitung“. Ende 1849 ausgewiesen, emigrierte er nach London.
Hier schrieb W. in den 1850er Jahren auf Vermittlung →Ferdinand Freiligraths (1810–1876) Beiträge und Korrespondenzen für dt. Zeitschriften und Zeitungen, u. a. das „Morgenblatt für gebildete Leser“, das Leipziger „Deutsche Museum“ und die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ (1854–1856), sowie für die enzyklopädischen Jahrbücher „Die Gegenwart“ (1856) und „Unsere Zeit“ (1858). 1856 zog er nach Blackburn (Lancashire), und vor 1881 nach Oxford, wo ihn der Romanist →Charles Bonnier 1890 als „ancien professeur de la pension“ kennenlernte. Über W.s Leben im engl. Exil ist wenig bekannt, wahrscheinlich wirkte er als Lehrer. 1882 und 1885 hielt er an der Univ. Oxford Vorträge über „Economics, Politics and Philosophy“, 1885 auf Veranlassung des brit. Philosophen →Sidney Ball. 1890–94 unterhielt W. einen Briefwechsel mit →Friedrich Engels (1820–1895).
W., der lediglich als zeitweiliger Mitstreiter von Marx und Engels in den Fokus der marxistischen Forschung gerückt war, gehörte zu einer Generation kommunistischer und repu|blikanischer Emigranten, deren Bedeutung für die europ. Geschichte mehr Aufmerksamkeit verdient.
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Werke
|Marx gegen Proudhon, in: Westphäl. Dampfboot 4, 1848, S. 7–16 u. 51–63;
Zeitskizzen, I. Bürgerliches, in: Dt.-Brüsseler-Ztg. Nr. 3 v. 9.1.1848, S. 3 f.;
Bürgerliches, (Geschrieben vor d. Märzrev.), in: Neue Rhein. Ztg. Nr. 23 v. 23.6.1848, Feuilleton;
Etwas v. d. demokrat. Presse v. Levi Schmul, ebd. Nr. 159 v. 3.12.1848, Feuilleton;
Die Lage u. d. Zukunft d. arbeitenden Classen, aus d. Gesichtspunkte d. engl. Verhältnisse betrachtet, in: Die Gegenwart 12, 1856, S. 888–954;
Die engl. Manchesterschule, n. ihrer Doktrin wie ihrer prakt. Wirksamkeit betrachtet, in: Unsere Zeit, Jb. z. Conversations-Lex., Bd. 2, 1858, S. 436–54;
W., Die rechte Hand Bismarck’s [Lothar Bucher], e. Plauderei, in: Die Neue Zeit 10, Bd. 1, 1892, S. 465–72;
Bucher, Bismarck u. v. Poschinger, ebd., Bd. 2, 1892, S. 501–03 u. 526–30;
W. Schmidt, Neue Rhein. Ztg., Art., Korr., Berr. über d. franz. Rev. 1848/49, 1986 (Auswahled.);
–Überss.: Homère, L’Iliade et l’Odysée, Traduction nouvelle, accompagnée de notes par Eugène Bareste, 2 Bde., 1842/43;
Les Agronomes latins, Caton, Varron, Columelle, Palladius, avec la traduction en français, hg. v. [Désiré] Nisar, 1844 (Übers. v. Varro);
–Qu Internat. Inst. f. Soz.gesch., Amsterdam, Karl Marx/Friedrich Engels Papers L 6386–6414 (Briefwechsel mit Engels). -
Literatur
|J. Grandjonc, Les rapports des socialistes et néohégéliens allemands de l’émigration avec les socialistes français, 1840–1847, in: Aspects des relations franco-allemandes 1830–1848, hg. v. R. Poidevin u. H.-O. Sieburg, 1978, S. 73–86;
W. Schmidt, F. W., Zur Biogr. e. kommunist. Journ. an d. Seite v. Marx u. Engels 1848/49, in: SB d. Ak. d. Wiss. d. DDR, Ges.wiss., 1983, H. 3;
ders., Redakteur u. Korrespondent d. „Neuen Rhein. Ztg.“, F. W., in: Btrr. z. Gesch. d. Arb.bewegung, 1983, H. 2, S. 262–72;
ders., F. W., Mitstreiter v. Marx u. Engels in d. Red. d. „Neuen Rhein. Ztg.“, in: Männer d. Rev., hg. v. H. Bleiber u. a., Bd. 2, 1987. S. 9–52;
Les souvenirs de Charles Bonnier, Un intellectuel socialiste européen à la belle époque, hg. v. G. Candar, 2001, S. 196–200;
R. Hoja, „Keiner verriet den anderen, blieben Freunde, ehrlich, treu …“, Heinrich Heines Begegnungen mit linksintellektuellen Freunden 1848–1856, 2007;
J. Herres u. F. Melis, Einf., in: K. Marx u. F. Engels, Ges.ausg. (MEGA), Bd. I/7, 2016, u. Bd. I/8, 2020;
Demokrat. Wege;
Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
Reinalter II. -
Autor/in
Jürgen Herres -
Zitierweise
Herres, Jürgen, "Wolff, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 438-439 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142946.html#ndbcontent