Wohlfahrt, Georg Balthasar
- Lebensdaten
- 1607 – 1674
- Geburtsort
- Schweinfurt
- Sterbeort
- Schweinfurt
- Beruf/Funktion
- Mediziner
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
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- Wolfart, Georg Balthasar
- Wohlfahrth, Georg Balthasar
- Wohlfahrt, Georg Balthasar
- Wolfart, Georg Balthasar
- Wohlfahrth, Georg Balthasar
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Wohlfahrt (auch Wo[h]lfa[h]rt[h]), Georg Balthasar
| Mediziner, * 11.6.1607 Schweinfurt, † 31.1.1674 Schweinfurt, ⚰ Schweinfurt, Alter Friedhof. (evangelisch)
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Genealogie
V →Georg (1570–1657), Glaubensexulant aus d. Steiermark, Chirurg, Wundarzt, Barbier, 1610 Bürgerrecht in Sch., 1615 Mitgl. d. Rates (Zusatz), 1636–57 Mitgl. d. Sechserstandes (Bgm.) ebd.;
M Ursula (1584/85–1610), T d. Benedikt Oberländer, aus Schleiz (Vogtland), Stahl- u. Eisenhändler;
Stief-M (seit 1611) Dorothea (⚭ 1] Martin Stö[h]r), T d. →Johann Fischer († 1593), 1566, 1574, 1581, 1584, 1587, 1589 u. 1592 Bgm. in Sch.;
Schw →Ursula (1601–75, ⚭ 1631 →Wilhelm Barger, 1603–56, Mag., Rektor d. Lat.schule u. d. Gymn. in Sch.);
– ⚭ Schweinfurt 1634 Susanna († 1673, ⚭ →Caspar Pol(l)ich, † v. 1634, Handelsmann in Sch.), T d. →Daniel Gräf (erw. 1615), Handelsmann in Kitzingen;
kinderlos;
N →Johann Wilhelm Barger (1640–1698), Mag., Konrektor d. Lat.schule u. d. Gymn. in Sch., 1667 Subdiakon, 1674 Archidiakon, 1690 Oberpfarrer ebd., 1672 Gründer e. „Collegium biblicum“ ebd., früher Anhänger d. Pietismus, Korr. mit J. Spener, Vf. zahl. Lpr., 1695 Gründer e. Stiftung u. a. z. Ankauf v. Büchern f. d. Sakristeibibl. St. Johannis in Sch. (s. Pfarrerbücher d. Reichsstädte, hg. v. M. Simon, Nr. 3; H. Weigelt, Gesch. d. Pietismus in Bayern, 2001, S. 52 f.). -
Biographie
Die wenigen Fakten zu W.s Leben stammen aus der Leichenpredigt des Schweinfurter Oberpfarrers →Caspar Heunisch (1620–1690). Nach vorbereitendem Privatunterricht in der Chirurgie, Chemie und Pharmazie besuchte W. seit 1625 das Gymnasium Casimirianum Academicum in Coburg. Seit 1626 studierte er Medizin an der Univ. Altdorf, seit 1631 an der Univ. Straßburg und 1633 an der Univ. Basel. Zu seinen akademischen Lehrern zählten in Altdorf →Caspar Hofmann (1572–1648), in Straßburg →Melchior Sebizius (1578–1674) und in Basel →Emmanuel Stupanus (1587–1664). Die geplante Studienreise nach Italien,|wesentlicher Bestandteil der medizinischen Gelehrtenausbildung, mußte W. auf Geheiß seines Vaters abbrechen. Die Promotion zum Dr. med. erfolgte 1634 an der Univ. Altdorf; Disputationen W.s sind im Druck nicht nachweisbar. Bis zu seinem Tod wirkte W. als praktischer Arzt; als typischem Vertreter von Glaubensexulanten gelang ihm schnell der Aufstieg in die akademisch gebildete Herrschaftselite der Stadt. Die Leichenpredigt rühmt seine tiefe Religiosität, seine selbstlose Tätigkeit als Arzt, der im Volksmund ein „Kräuterdoktor“ genannt worden sei, sowie seine große medizinische und religiöse Bildung und Belesenheit.
Neben →Johann Laurentius Bausch (1605–1665), →Johann Michael Fehr (1610–1688) und →Georg Balthasar Metzger (1623–1687) bleibt W. erinnerungswürdig als Mitbegründer der Academia Naturae Curiosorum. 1652 in Schweinfurt gegründet, ist sie heute die älteste dt. Gelehrtengesellschaft. Gemäß den Statuten sollte das Ziel der Akademie, „die Natur zu erforschen zum Wohle der Menschen“, durch Schaffung einer vielbändigen Enzyklopädie der Heilmittel erreicht werden. In halbjährlich vorzulegenden Monographien sollten die Mitglieder jeweils ein Objekt aus dem Tier-, Pflanzen- und Mineralreich „ad normam et formam Academiae“ dem enzyklopädischen Bildungsideal entsprechend bearbeiten; 1670 wurde stattdessen die Zeitschrift „Miscellanea Curiosa Medico-physica Academiae Naturae Curiosorum“ als Publikationsorgan gegründet. Ärzte aus anderen Städten wurden als Mitglieder gewonnen; die Leopoldina etablierte sich als „korrespondierende Akademie“, die erst 1878 in Halle/Saale einen dauerhaften Sitz fand und seit 2008 als Dt. Akademie der Naturforscher Leopoldina–Nationale Akademie der Wissenschaften firmiert.
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Literatur
|L. Jungermann, Quod Deus Ter Optimus Maximus … Fauste … faciat, Sacratissima Imperatoris Autoritate Gratiosissimus Collegii Medici Ordo In Universitate Altorphina, Virum Praestantissimum doctissimum Dn. Georgium Balthasarum Wolfart Swinfurtensem [ … ], Altdorf 1634;
N. N., Carmina Gratulatoria In honorem &
gratiam Georgii Balthasari Wohlfahrthi [ … ], Altdorf 1634;
N. N., Salve Academicum vel Iudicia et Elogia super recens adornata Academia curiosorum, Leipzig 1662;
C. Heunisch, Fasciculus Myrrhae, Das Geistl. Myrrhen-Büschelein, Aus d. Hohen Lied Salomonis bey Christl. Sepultur d. G. B. W., Nürnberg [1674];
F. Gademann, Btrr. z. Vorgesch. d. Ak.gründung u. z. Lebensgesch. d. Gründer, in: FS z. Gedenkfeier an d. v. 300 J. in Schweinfurt erfolgte Gründung d. Dt. Ak. d. Naturforscher, 1952, S. 18–29;
U. Müller u. D. Weber (Hg.), Salutem et Felicitatem! Gründung u. internat. Ausstrahlung d. Leopoldina, 2012, S. 24–49;
dies. u. W. Berg (Bearb.), Protocollum Academiae Caesareo-Leopoldinae Naturae Curiosorum, Ed. d. Chron. d. Ksl.-Leopoldin. Ak. d. Naturforscher, 2013, S. 30–33 u. 405;
– Qu Archiv d. Leopoldina. -
Autor/in
Uwe Müller -
Zitierweise
Müller, Uwe, "Wohlfahrt (auch Wo[h]lfa[h]rt[h]), Georg Balthasar" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 392-393 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142937.html#ndbcontent