Wintz, Hermann

Lebensdaten
1887 – 1947
Geburtsort
Speyer
Beruf/Funktion
Gynäkologe ; Strahlentherapeut
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Wintz, Hermann Ludwig
  • Wintz, Hermann
  • Wintz, Hermann Ludwig

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Zitierweise

Wintz, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142900.html#indexcontent [08.05.2026].

CC0

  • Wintz, Hermann Ludwig

    | Gynäkologe, Strahlentherapeut, * 12.8.1887 Speyer, † 11.6.1947 Zusmarshausen bei Augsburg. (katholisch)

  • Genealogie

    Aus seit 1698 in d. Pfalz nachweisbarer Fam.;
    V Michael, Tischlermeister, Möbelfabr. in S.;
    M Katharina Holdermann;
    1) 1922 1925 Pauline, T d. Karl Zitzmann (1871–1956, ev.), aus Nürnberg, 1921–24 Gen.dir. d. RGS AG (Reiniger, Gebbert & Schall) in Erlangen, Kunstsammler, Dr. med. h. c. (Erlangen 1923), 1923 GKR, 1923 Ehrenbürger v. Erlangen u. Starnberg (s. L), u. d. Karoline N. N., 2) Erlangen 1940 Emma Vogler, aus Z.;
    kinderlos.

  • Biographie

    Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Speyer studierte W. seit 1907 Medizin sowie Mathematik, Physik und Chemie an den Universitäten Erlangen, Freiburg (Br.) und Heidelberg (Dr. phil. 1920). Auf das Staatsexamen 1912 folgte eine Tätigkeit an der Medizinischen Klinik und dem Physiologisch-Chemischen Labor an der Univ. Heidelberg. 1913 holte ihn sein späterer Doktorvater, der Gynäkologe Ludwig Seitz (1872–1961), als Praktikant an die Erlanger Universitätsfrauenklinik (Dr. med. 1914). Im 1. Weltkrieg wurde in der Frauenklinik die Röntgenstation des III. Bayer. Armeekorps installiert. Hier verrichtete W. als Militärarzt den Großteil seines Kriegsdienstes. Nach seiner Habilitation für Geburtshilfe und Frauenheilkunde 1918 wurde er bereits 1921 Direktor der Frauenklinik und Ordinarius für Gynäkologie sowie Leiter der Hebammenschule (Rektor 1938–44).

    Gegründet auf seine innovativen Forschungen und mit großzügiger Unterstützung durch die Firma „Reiniger, Gebbert und Schall AG“ errichtete W. seit 1919 innerhalb der Frauenklinik ein modernes strahlentherapeutisches Zentrum von Weltrang und entwickelte seine strahlentherapeutische Methodik weiter. Die „Erlanger Methode“, deren Eckpfeiler er 1920 mit Seitz etabliert hatte, präsentierte erstmals eine kohärente radiologische Konzeption für die Behandlung häufiger Krebsarten der Frau.

    Sie sah feste Strahlendosierungen vor und war auch bei inoperablen Patientinnen einsetzbar. Die Verbreitung seines Behandlungsregimes, das über Deutschland hinaus zwei Jahrzehnte lang als Standardmethode galt, brachte W. zahlreiche internationale Auszeichnungen und Einladungen zu Vorträgen (u. a. Spanien 1922; Italien u. USA 1926). In jener Zeit manifestierte sich sein Ruf als Prominentenarzt; in großer Zahl behandelte W. v. a. gut situierte Patienten aus dem In- und Ausland, was ihm über die wirtschaftlich prekären Jahre der Weimarer Republik ein hohes Einkommen garantierte. Doch ist belegt, daß er finanzschwachen Patienten die Behandlungskosten teilweise oder ganz erließ.

    Als erfolgreicher Wissenschaftler und hochfrequentierter Frauenarzt bzw. Strahlentherapeut verfügte W. über zahlreiche Kontakte zu lokalen und regionalen Größen aus Wirtschaft und Politik, woran sich nach 1933 nichts änderte. W. trat 1935 der NSDAP, 1936 dem NS-Dozentenbund bei und wurde 1938 förderndes Mitglied der SS. Als die fränk. Gauleitung ihm das Amt des Rektors der Univ. Erlangen anbot, fungierte er bereitwillig 1938–44 als „Hochschulführer“. W. und die Frauenklinik der Univ. Erlangen beteiligten sich in eilfertiger Weise an der sog. Erbgesundheitspolitik des „Dritten Reichs“. Neben der Durchführung von 513 Zwangssterilisationen im Rahmen des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ zeichnete W. als Klinikdirektor auch für mindestens 136 Zwangsabtreibungen an „Ostarbeiterinnen“ verantwortlich.

    Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde er wegen seiner Unterstützung der NS-Politik von der US-amerik. Militärregierung aus seinen universitären Ämtern entlassen und verstarb vor dem Spruchkammerentscheid.

  • Auszeichnungen

    |u. a. Ehrenmitgl. d. American College of Radiology (1927), d. Real Ac. de Medicina in Barcelona (1940), d. japan.-dt. med. Ges. in Tokio (1941) u. d. Reale Ac. di Scienze Lettere e Arti in Modena (1943);
    Mitgl. d. Leopoldina (1935);
    Carlos-Heuser-Medaille d. 5. Internat. Radiologenkongresses in Chicago (1937);
    Offz. d. belg. Leopoldsordens (1939);
    – H.-W.-Weg in Speyer.

  • Werke

    |Experimentelle Unterss. über Chemismus u. Bakteriengehalt d. Scheidensekrets sowie über d. bakteriziden Eigenschaften gegenüber d. Tuberkelbazillus, 1914 (med. Diss.);
    Unsere Methode d. Röntgen-Tiefentherapie u. ihre Erfolge, 1920 (mit L. Seitz);
    Die Röntgenbehandlung d. Uteruskarzinoms, 1924;
    Die Röntgenbehandlung d. Mammakarzinoms, 1924;
    Erlangen im Spiegel d. Münze, 1936 (mit E. Deuerlein).

  • Literatur

    L W. Frobenius, Röntgenstrahlen statt Skalpell, Die Univ.-Frauenklinik Erlangen u. d. Gesch. d. gynäkol. Radiol. v. 1914–1945, 2003 (auch zu Karl Zitzmann);
    A. Ley u. M. M. Ruisinger (Hg.), Von Gebärhaus u. Retortenbaby, 175 J. Frauenklinik Erlangen, 2003;
    K. H. Leven u. A. Plöger (Hg.), 200 J. Univ.klinikum Erlangen 1815–2015, 2016;
    P. Rauh, H. W., Der Arzt, d. die fränk. Gauleiter vertrauten, in: M. Schmidt, D. Gross u. J. Westemeier (Hg.), Die Ärzte d. Nazi-Führer, Karrieren u. Netzwerke, 2018, S. 237–56;
    H. Zimmermann, Auf dem Weg z. Professur, Habil.vorgänge u. Habilitanden an d. Med. Fak. Erlangen v. 1918 bis 1960, Diss. Erlangen 2021, bes. S. 118–24 (P);
    W. Stoeckel, in: Dt. Gynäkologen-Verz., 1939, S. 524;
    Rhdb. (P);
    Fischer;
    Er|langer Professoren II;
    Erlanger Stadtlex. (P);
    Pogg. VI u. VII a.

  • Autor/in

    Philipp Rauh
  • Zitierweise

    Rauh, Philipp, "Wintz, Hermann Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 272-273 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142900.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA