Widmann, Hans

Lebensdaten
1908 – 1975
Geburtsort
Urach (Württemberg)
Sterbeort
Mainz
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Buchwissenschaftler ; Hochschullehrer ; Klassischer Philologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118767704 | OGND | VIAF: 90632375
Namensvarianten

  • Widmann, Hans Jakob
  • Widmann, Hans
  • Widmann, Hans Jakob
  • Widmann, Hans Jacob

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Zitierweise

Widmann, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118767704.html [22.01.2026].

CC0

  • Widmann, Hans Jakob

    | Bibliothekar, Buchwissenschaftler, * 28.3.1908 Urach (Württemberg), † 19.12.1975 Mainz, Mainz, Hauptfriedhof. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Hans (Johannes) (1875–1946), aus Balingen, Oberreallehrer in U., Mitgl. d. Vorstands d. Schwäb. Albver. (s. L), S d. Johannes, Eisenbahnhilfswärter, u. d. Katharina Kißling;
    M Ida (1880–1959), T d. Jakob Rehfuß (1851–1907), Löwenwirt in Balingen, u. d. Rosa Magdalena Berk (Beck?) (1856–1939);
    Annelise Gloeser;
    6 K u. a. Susanne Beßlich-W. (1938–2020, Siegfried Beßlich, 1935–2021, Dr. phil., Bibl. an d. Univ.bibl. Mainz), Dr. phil., Buchwiss., 1972–94 Red. d. Gutenberg-Jb. (s. W).

  • Biographie

    W. besuchte nach dem Landexamen 1922 die ev.-theol. Seminare in Schöntal und Urach,|ab 1926 studierte er in Tübingen und Berlin (1928/29) Klassische Philologie sowie Germanistik. 1930 erhielt er den Karl-Faber-Preis der Univ. Tübingen für seine Dissertation über „Beiträge zur Syntax Epikurs“ (summa cum laude). Nach dem ersten (1931) und zweiten Staatsexamen (1932) war W. 1932–38 Gymnasiallehrer an der Oberschule Geislingen (Steige). Seit 1933 Mitglied der NSDAP, wechselte er in den Bibliotheksdienst (Referendar 1938/40) und wurde anschließend Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Tübingen, wo Georg Leyh (1877–1968) ihn stark prägte. Ab 1943 leistete W. Kriegsdienst, Anfang 1946 konnte er nach kurzer franz. Kriegsgefangenschaft an die UB Tübingen zurückkehren. Dort avancierte er 1953 zum Stellvertreter des Direktors (1959 Oberbibl.rat). Neben dieser Tätigkeit unterrichtete W. das Fach Buchhandel an der Bibliotheksschule der Württ. Landesbibliothek Stuttgart. 1968 wurde W. an die Univ. Mainz als Nachfolger von Aloys Ruppel (1882–1977) zum o. Professor für Buch-, Schrift- und Druckwesen berufen. Er erweiterte das Themenspektrum um die Bereiche Buch in der Antike, Handschriftenkunde und das gesamte Buchund Druckwesen bis ins 20. Jh. Im Sinne einer umfassenden Kulturgeschichte befaßte sich W., über geisteswissenschaftliche Themen hinaus, auch mit solchen der Wirtschafts- und Technikgeschichte. Mit historischer Fundierung behandelte er zudem aktuelle Fragestellungen des Buchwesens.

    Sein umfangreiches wiss. Werk fußt auf einer umfassenden humanistischen Bildung. Eine Reihe von Abhandlungen galt der Klassischen Philologie. Intensiver erforschte W. v. a. in seiner Mainzer Zeit in der Tradition Ruppels die Anfänge des Buchdrucks sowie die weitere Entwicklung. Der mit renommierten Kollegen publizierte Sammelband „Der gegenwärtige Stand der Gutenbergforschung“ (1972) bildet eine Bestandsaufnahme der Forschung. Die unterschiedlichen Positionen der Zeitgenossen zum frühen Buchdruck zeigt W.s „Vom Nutzen und Nachteil der Erfindung des Buchdrucks“ (1973). Kleinere Abhandlungen widmete er der Bedeutung des Buchwesens für die Reformation und für die Entwicklung der dt. Sprache. Besonders berücksichtigte er das Druck- und Verlagswesen in Württemberg und, mit einer eigenen umfangreichen Darstellung, speziell in Tübingen (1971). Hier schließen sich auch regionalgeschichtliche Arbeiten zu seiner schwäb. Heimat an.

    W.s Hauptarbeitsgebiet war schon bald der Buchhandel. Georg Leyh übertrug ihm für die 2. Auflage des „Handbuchs der Bibliothekswissenschaft“ die Neubearbeitung der von Ernst Kuhnert (1862–1952) verfaßten „Geschichte des Buchhandels“ (Bd. 1, 1952). Für dieses Handbuch bearbeitete W. Georg Schneiders (1876–1960) Artikel „Bibliographie“ (Bd. 1, 1952) und Aloys Bömers (1863–1944) Kapitel „Geschichte der Bibliotheken, Von der Renaissance bis zum Beginn der Aufklärung“ (Bd. 3.1, 1955) neu. Besonderes Interesse zeigte der Klassische Philologe an „Herstellung und Vertrieb des Buches in der griechisch-römischen Welt“ (1967). Mit Horst Kliemann (1896–1965) und Bernhard Wendt (1902–1986) gab W. „Der deutsche Buchhandel in Urkunden und Quellen“ (2 Bde., 1965) heraus. Sein Hauptwerk, das Handbuch „Geschichte des Buchhandels vom Altertum bis zur Gegenwart“ Teil I (2 Bde.), das auf dem Handbuchartikel von 1952 beruht, erschien 1975 in stark überarbeiteter Form.

  • Auszeichnungen

    |Hon.prof. f. Buch- u. Bibl.kde. (Tübingen 1960);
    Mitgl. d. Hist. Komm. d. Börsenver. d. dt. Buchhandels (1953);
    Vorstand d. Internat. Gutenberg-Ges.

  • Werke

    Weitere W u. a. Btrr. z. Syntax Epikurs, 1935;
    Bibliogrr. z. dt. Schrifttum d. Jahre neunzehnhundertneununddreissig bis neunzehnhundertfünfzig, 1951;
    Schwäb. Alb, Gesch. e. Namens, 1957;
    Die Schwäb. Alb, gesehen u. erwandert, 1966, ⁵1981 (mit R. Holder);
    Vom Buchwesen d. alten Reichsstadt Reutlingen, in: Reutlinger Gesch.bll. 67, NF 4, 1967, S. 7–42;
    Tübingen als Verlagsstadt, 1971;
    Herstellung u. Vertrieb d. Buches in d. griech.-röm. Welt, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 8, 1967, Sp. 545–639;
    Gesch. d. Buchhandels v. Altertum bis z. Gegenwart, 1975;
    Mith g.: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens, 1 ff., 1958 ff.;
    Hg.: Der dt. Buchhandel in Urkk. u. Qu., 2 Bde., 1965;
    Der gegenwärtige Stand d. Gutenberg-Forsch., 1972;
    Gutenberg-Jb., 1970–75;
    Kleine Drucke d. Gutenberg-Ges., 1970–75;
    W-Verz.: Susanne Beßlich-Widmann, Bibliogr. d. Schrr. v. H. W., in: FS Widmann 1973 (s. L), 1974, S. 305–24;
    Nachtrag v. ders. in: H. W., 1908–1975, 1976, S. 21 f.;
    Nachlaß: Univ.bibl. Tübingen, Hss.abt.;
    Univ.archiv Mainz;
    zu Susanne Beßlich-W.: Unterss. z. Übers.technik Ciceros in seiner phil. Prosa, Diss. Tübingen 1968.

  • Literatur

    |A. Świerk (Hg.), Btrr. z. Gesch. d. Buches u. seiner Funktion in d. Ges., FS f. H. W. z. 65. Geb.tag am 28. März 1973, 1974 (P);
    F. Geldner, H. W. z. Dank u. Ehrengedächtnis, in: Gutenberg-Jb., 1976, S. 7–9 (P);
    H. W., 1908–1975, Würdigung b. d. Gedächtnisfeier d. Fachbereichs 16 d. Johannes-Gutenberg-Univ. Mainz, 1976 (P): S. Werfel, Am 28. März vor 100 J. wurde H. W. geboren, in: Journ. f. Druckgesch. NF 14, 2008, Nr. 1, [4] S. 36;
    Grabfeld 71, Prof.gräber auf d. Mainzer Hauptfriedhof seit 1946, hg. v. M. Giebeler, J. Siggemann u. St. Zibell, 2012;
    Lex. wiss. Bibliothekare;
    BBKL 27 (W-Verz.);
    DBE;
    Internet: Gutenberg Biographics (P);
    zu Hans ( 1946): H. Schönnamsgruber, Ober|reallehrer H. W., in: Bll. d. Schwäb. Albver. 81, 1975, S. 10 f.

  • Autor/in

    Wolfgang Schmitz
  • Zitierweise

    Schmitz, Wolfgang, "Widmann, Hans Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 36-38 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118767704.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA